Aufgabe B – Raps – lass die Schoten dicht
Ein Rapsfeld erkennt man schon von weitem an seinen leuchtend goldgelben Blüten. Etwas näherkommend fällt der sehr intensive Geruch auf. Raps ist in unseren Gebieten eine bedeutende Ölpflanze.

Abb. 1: Blütenstand des Raps Brassica napus
Erläutere die Arten von Genmutationen.
Vergleiche die zwei Verfahren zur Veränderung des Alcatraz-Gens im Raps tabellarisch nach fünf selbst gewählten Kriterien (M 2).
Ermittle für den codogenen DNA-Ausschnitt des Alcatraz-Gens und für die Varianten 1 und 2 des veränderten Gens die entsprechenden mRNA- und die dazugehörigen Aminosäuresequenzen (M 3).
Beschreibe die molekulargenetischen Veränderungen des Alcatraz-Gens.
Leite die Folgen der dargestellten Veränderungen für die entstehenden Proteine und die Pflanze ab (M 3).
Begründe die Schwierigkeiten, ein Merkmal der Raps-Pflanze, wie das Platzen der Schoten, durch Mutagenese zu verändern (M 1).
Begründe, ob bei den angewandten Verfahren chemische Mutagenese und Genom-Editierung gentechnisch veränderte Pflanzen entstehen.
Beurteile Auswirkungen dieser beiden Verfahren.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Ziel der Forschung am Raps
Raps Brassica napus ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kohl (Brassica) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es ist eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze.
Raps ist eine krautige tetraploide Pflanze, sie erreicht Wuchshöhen von 30 bis 150 Zentimetern.
Rapspflanzen haben relativ kleine schwarze Samenkörner, aus denen Öl gewonnen wird. Häufig sieht man auch zwischen Getreidepflanzen wie Weizen und Roggen gelbe Rapsblüten leuchten, obwohl sie dort gar nicht ausgesät wurden. Ursache dafür sind Rapsschoten, die noch vor der Ernte ihre Samen verlieren. Durch zu frühes Aufplatzen der Rapsschoten verteilen sich die Samen auf dem Feld und es sind hohe Ernteverluste zu beklagen.
Zwischen 5 und 25 Prozent aller Rapsschoten öffnen sich vorzeitig. Steigende Temperaturen fördern das frühzeitige Aufplatzen noch. Die enthaltenen Samen fallen auf die Erde und können bis zu 15 Jahre keimfähig bleiben.
„Wenn ein Landwirt eine neue Rapssorte anbauen möchte, die sich in der Qualität von der vorherigen unterscheidet, sind diese Durchwuchspflanzen ein großes Problem“, sagt Janine Braatz, die sich an der Uni Kiel mit diesem Problem beschäftigt.
Wissenschaftlern der Universität Kiel ist es gelungen, platzfestere Rapsschoten zu erzeugen. Das Öffnen der Schoten wird von unterschiedlichen Genen gesteuert. Eins der Gene heißt Alcatraz (ALC). Dieses ist für die Ausbildung einer Trennschicht verantwortlich, die die Schoten in zwei Kammern für die Samen teilt. Wenn die Schote reif ist, kann sie mit Hilfe dieser Trennschicht leichter platzen.
Ziel der Wissenschaftler war es, das Alcatraz-Gen durch Veränderungen abzuschalten.

Abb. 2: Chromosomensatz der Raps-Pflanze
Material 2: Verfahren zur Veränderung des Alcatraz-Gens
Die Wissenschaftler der Uni Kiel wendeten zwei verschiedene Methoden an, um das Alcatraz-Gen auszuschalten. Sie versuchten es mit chemischer Mutagenese und der Genom-Editierung mit CRISPR/Cas. Die chemische Mutagenese brachte ca. 100.000 Mutationen pro Pflanze. Bei der Genom-Editierung wird mit Hilfe eines bakteriellen Plasmid-Ringes die Bauanleitung für das Protein CRISPR/Cas eingebracht, das gezielt Gene der Pflanze (wie das Alcatraz-Gen) schneiden kann.

Abb. 3: Schema chemische Mutagenese (links) bzw. Schema Genom-Editierung (rechts)
Material 3: Alcatraz-Gen und erzeugte Veränderungen
DNA - Ausschnitt aus dem codogenen Strang des Alcatraz-Gens (Wildtyp):

mögliche Veränderungen des Alcatraz-Gens im tetraploiden Chromosomensatz einer Zelle:


Abb. 4: mRNA Code-Sonne
Gly = Glycin
Val = Valin
Ile = Isoleucin
Phe = Phenylalanin
Cys = Cystein
Ser = Serin
Asn = Asparagin
Lys = Lysin
His = Histidin
Glu = Glutaminsäure
Ala = Alanin
Pro = Prolin
Met = Methionin
Thr = Threonin
Gln = Glutamin
Trp = Tryptophan
Arg = Arginin
Tyr = Tyrosin
Leu = Leucin
Asp = Asparaginsäure
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erläuterung der Arten der Genmutation, wie im Unterricht behandelt, z.B.:
Grundbegriff der Genmutation
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Eine Genmutation stellt eine dauerhafte Veränderung der molekularen Struktur eines Gens dar, die sich auf die Abfolge der Nukleotidbasen in der DNA beschränkt.
Punktmutationen durch Basensubstitution
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Bei dieser Form der Mutation kommt es zum Austausch einer einzelnen Nukleotidbase gegen eine andere Base innerhalb der DNA-Sequenz.
-
Stumme Mutation: Der Austausch einer Base im DNA-Triplett führt zu einem veränderten Codon auf der mRNA, das jedoch aufgrund der Degeneriertheit des genetischen Codes für dieselbe Aminosäure codiert, wodurch die Primärstruktur des Proteins völlig unverändert bleibt.
-
Missense Mutation: Die Basensubstitution führt zu einem veränderten Codon, welches für eine andere Aminosäure codiert, wodurch eine falsche Aminosäure in das Protein eingebaut wird und dessen Raumstruktur sowie biologische Funktion modifiziert werden können.
-
Nonsense Mutation: Durch den Basenaustausch entsteht auf der Ebene der mRNA ein vorzeitiges Stopp-Codon, was zu einem verfrühten Abbruch der Translation führt und ein unvollständiges, meist funktionsloses Proteinfragment zur Folge hat.
Rasterschubmutationen durch Basenverschiebung
-
Diese Mutationen verändern das Leseraster der Tripletts ab der Mutationsstelle vollständig, sofern die Anzahl der eingefügten oder entfernten Basen kein Vielfaches von drei ist.
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Deletion: Der Verlust von einer oder mehreren Nukleotidbasen führt dazu, dass die nachfolgenden Basen beim Ablesen aufrücken, wodurch sich die Zusammensetzung aller nachfolgenden Aminosäuren verschiebt.
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Insertion: Das Einfügen von einer oder mehreren zusätzlichen Nukleotidbasen bewirkt ein Nach-hinten-Rücken der folgenden Basensequenz, was ebenfalls das gesamte nachfolgende Ableseraster verschiebt.
-
Die biologischen Konsequenzen von Rasterschubmutationen sind in der Regel gravierend, da sie die Aminosäuresequenz des betroffenen Proteins ab der Mutationsstelle komplett verändern oder sehr schnell zu einem translationalen Abbruch durch ein zufällig entstandenes Stopp-Codon führen.
Tabellarischer Vergleich:
|
Kriterium |
Mutagenese |
Geneditierung |
|
Genom bekannt/ entschlüsselt |
nicht notwendig |
Gen muss bekannt sein |
|
Gezieltheit |
ungezielt |
gezielt |
|
Veränderungen |
100.000 pro Pflanze |
nur entsprechende Gene verändert |
|
weitere Schritte |
1. Selektion von Organismen mit gewünschten Merkmalen; 2. mehrmalige Rückkreuzung, um unerwünschte Merkmale zu reduzieren |
nicht notwendig |
|
Zeitspanne |
lang |
relativ kurz |
|
Ziel |
Veränderung eines Gens |
|
Alcatraz-Gen Wildtyp
-
Codogener DNA-Strang (3' nach 5'): 3'-ACG-CCG-CTT-GTG-5'.
-
Komplementäre mRNA (5' nach 3'): 5'-UGC-GGC-GAA-CAC-3'.
-
Dazugehörige Aminosäuresequenz: Cys - Gly - Glu - His.
Alcatraz-Gen Variante 1
-
Codogener DNA-Strang (3' nach 5'): 3'-ACG-CCG-CGT-G-5'.
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Komplementäre mRNA (5' nach 3'): 5'-UGC-GGC-GCA-C-3'.
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Dazugehörige Aminosäuresequenz: Cys - Gly - Ala.
Alcatraz-Gen Variante 2
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Codogener DNA-Strang (3' nach 5'): 3'-ACG-CCG-CTT-GGT-G-5'.
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Komplementäre mRNA (5' nach 3'): 5'-UGC-GGC-GAA-CCA-C-3'.
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Dazugehörige Aminosäuresequenz: Cys - Gly - Glu - Pro.
Beschreibung:
-
Variante 1: Deletion von zwei Basen
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Variante 2: Einschub einer Base
-
Folgen für Proteine und Pflanze:
→ für beide Varianten gilt: Veränderung des Leserahmens, veränderte AS-Sequenz, verändertes/funktionsloses Protein, kein/weniger Öffnen der Schoten
Begründung:
-
Mutagenese nicht zielgerichtet
-
tetraploide Pflanze, ALC-Gen 4-fach vorhanden, muss 4x geändert werden
Begründung und Beurteilung:
Bei den durch Mutagenese erzeugten Pflanzen handelt es sich nicht um gentechnisch veränderte Pflanzen, da keine fremde DNA integriert wurde.
Bei der Genom-Editierung durch CRISPR/Cas handelt es sich um gentechnisch veränderte Pflanzen, da die Bauanleitung der Genschere mittels bakteriellem Plasmid-Ring in das Genom der Pflanze eingefügt wird. (nach Entfernung nicht mehr transgen)
Da bei der Mutagenese auch unbekannte Gene betroffen sind, könnten unerkannte Mutationen in spätere Kulturpflanzen kommen und evtl. schädliche Wirkungen (schädliche Stoffe) besitzen.
Da bei Genom-Editierung nur einzelne Gene verändert werden und diese bekannt sind, sollten alle anderen Eigenschaften der Pflanzen erhalten bleiben. Folgen für die Umwelt und andere Pflanzen sind nicht zu erwarten.