Aufgabenstellung 1 – Der Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf – ist ein zukunftsweisender Kurswechsel durch die Aufwertung der Platte möglich?
Beantworte die Themenfrage, indem du
die Genese und die funktionsräumliche Gliederung des Stadtbezirks bis zur Gegenwart beschreibst,
die demografische und soziale Entwicklung des Stadtbezirks bis 2020 analysierst,
beurteilst, inwieweit die Standortattraktivität der Großwohnsiedlung durch die dargestellten Maßnahmen wiederhergestellt werden kann,
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 – Lage und räumliche Strukturen des Stadtgebiets Marzahn-Hellersdorf (2023)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cc/Berlin.bezirke.png; https://atlas.diercke.de/map/208322; https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/ueber-den-bezirk/zahlen-und-fakten/ (Zugriff 19.08.2024)
M 2 – Historischer Abriss zur Großwohnsiedlung in Marzahn-Hellersdorf
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1975 |
Beginn der Erschließungsarbeiten für den Bau der Großwohnsiedlung im Plattenbaustil (Bauweise aus geschosshohen Betonfertigteilen) |
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1977 |
erster Mieter zieht in Plattenbau ein |
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1979 |
Bildung des Stadtbezirks aus den Dörfern (Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn) |
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Mai 1981 |
Kino „Sojus“ als Erstes der Großwohnsiedlung eingeweiht |
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1982 |
Inbetriebnahme der S-Bahnstrecke bis Ahrensfelde |
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1983 |
Backwarenbetrieb = 1. Betrieb des Gewerbegebiets Marzahn-Nord |
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1986 |
Übergabe der 1. Schwimmhalle |
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1987 |
Poliklinik (medizinische Einrichtung zur ambulanten Behandlung von Patienten) beginnt mit der Arbeit im Krankenhaus Kaulsdorf; Errichtung erster Teil der späteren „Gärten der Welt“ anlässlich der 750-Jahr-Feier Ost-Berlins |
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1989 |
U-Bahnlinie vom Alexanderplatz nach Hönow nimmt Betrieb auf |
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1990 |
erste freie Wahlen zur Bezirksbürgerversammlung nach der Wende |
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1993 |
Grundsteinlegung des Mahlsdorfer Büro- und Gewerbeparks |
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1997 |
Eröffnung des Unfallkrankenhauses Marzahn, zu dieser Zeit das modernste in Europa |
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2000 |
Einweihung der chinesischen Gärten (Teil der „Gärten der Welt“) |
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2001 |
Marzahn wird Teil des Stadtbezirks Marzahn-Hellersdorf |
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2005 |
Eröffnung des Eastgate, zu dieser Zeit größtes Einkaufszentrum der östlichen Bezirke Berlins |
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2008 |
Eröffnung der „Gärten der Welt“ |
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2017 |
Austragungsort der Internationalen Gartenausstellung in den Gärten der Welt |
Quelle: https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/ueber-den-bezirk/historisches/artikel.234974.php (Zugriff 02.07.2024)
M 3 – Großwohnsiedlung in Marzahn/Berlin (Ost) (seit 1976)

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Bau 1971 auf dem 8. Parteitag der SED beschlossen - Fläche von 30,9 km2, zunächst ca. 62.000 Wohneinheiten
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Wohnungsbauprogramm der DDR, um Wohnraumproblem der Nachkriegszeit zu lösen
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Slogan: „Jedem eine eigene Wohnung“, klassenlose Gesellschaft in der Platte
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Entwicklung zu Europas größter Plattenbausiedlung mit über 100.000 Wohnungen für rund 260.000 Menschen
Quelle: Diercke Weltatlas (1987), S. 69
M 4 – Demografische Entwicklung Marzahn-Hellersdorf
M 4a – Bevölkerungsentwicklung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf
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Bezirk |
1981 |
1987 |
1990 |
1997 |
2010 |
2015 |
2019 |
2021 |
2022 |
|
Marzahn-Hellersdorf |
105.647 |
234.992 |
288.283 |
281.713 |
249.982 |
259.400 |
270.000 |
277.639 |
285.678 |
|
Gesamt Berlin |
3.050.974 |
3.273.630 |
3.433.695 |
3.425.759 |
3.460.725 |
3.520.013 |
3.657.159 |
3.775.480 |
3.850.809 |
|
Berlin („Ost“) |
1.162.305 |
1.260.921 |
1.275.726 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
|
Berlin („West“) |
1.888.669 |
2.012.709 |
2.157.969 |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
Quelle: https://www.statistischebibliothek.de/mir/receive/BBHeft_mods_00042271; https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/kommunalstatistik/einwohnerbestand-berlin (Zugriff 28.09.2024)
M 4b – Zu- und Fortzüge nach/aus Marzahn-Hellersdorf seit 1997

Quelle: Demographiebericht Marzahn-Hellersdorf 2013, S. 7 unter: https://digital.zlb.de/viewer/metadata/15799737_2013/1/LOG_0003/ (Zugriff 22.10.2024)
M 4c – Wanderungssaldo in Marzahn-Hellersdorf seit 1997

Quelle: Demographiebericht Marzahn-Hellersdorf 2013, S. 7 unter: https://digital.zlb.de/viewer/metadata/15799737_2013/1/LOG_0003/ (Zugriff 22.10.2024)
M 5 – Altersstruktur und Migration in Marzahn-Hellersdorf
M 5a – Entwicklung des Durchschnittsalters in Berlin im Vergleich zu Marzahn-Hellersdorf

M 5b – Veränderung der Einwohnerzahl nach Altersgruppen 2017 zu 2022

M 5c – Altersstruktur in Marzahn-Hellersdorf nach Altersgruppen 2022

M 5d – Entwicklung der Einwohner mit und ohne Migrationshintergrund nach Altersgruppen 2017 zu 2022

Quelle: Demographiebericht Marzahn-Hellersdorf 2018, S. 8 https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/qualitaetsentwicklung-planung-und-koordination-des-oeffentlichen-gesundheitsdienstes/downloads/; M 5b - M 5d: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (Hrsg.) (2023): Demografiebericht 2022 Marzahn-Hellersdorf, S. 11-13; Marzahn-Hellersdorf im Wandel, S.44-46; https://digital.zlb.de/viewer/metadata/15799737_2013/1/LOG_0003/ (Zugriff 22.10.2024)
M 6 – Sozialindex für Berliner Alt-Bezirke im Zeitvergleich

Quelle: https://www.efb-berlin.de/wp-content/uploads/pdf_fachleute/berliner_sozialatlas_2003_kurz.pdf; https://www.berlin.de/sen/wirtschaft/konjunktur-und-statistik/wirtschaftsdaten/arbeitslosigkeit/ (Zugriff 28.09.2024)
M 7 – Sozialstrukturen im Vergleich
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Indikator |
Marzahn-Hellersdorf 2017 |
Berlin 2017 |
Marzahn-Hellersdorf 2020 |
Berlin 2020 |
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Bildung – höchster Schulabschluss der Marzahn-Hellersdorfer* |
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Hauptschulabschluss |
10,0 % |
12 % |
11,8 % |
11,5 % |
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Realschulabschluss |
67,4 % |
32,5 % |
40,3 % |
24,6 % |
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Fachhoch-/Hochschulreife |
22,6 % |
40,3 % |
26,5 % |
43,0 % |
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Beschäftigung |
||||
|
Mittleres monatliches Haushaltsnettoeinkommen |
1.975 € |
2.025 € |
2.100 € |
2.175 € |
|
Kinderarmut (Anteil der Kinder unter 6 Jahren in SGB*II-Familien) |
31,7 % |
26,3 % |
29,8 % |
25,3 % |
|
Arbeitslosigkeit |
||||
|
Arbeitslosenquote |
6,9 % |
9,0 % |
8,4 % |
9,7 % |
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Arbeitslose SGB II** (Bürgergeld, Grundsicherung für Arbeitssuchende) (Anzahl) |
7.970 |
k. A. |
7.813 |
k. A. |
*Differenz zu 100 ergibt sich aus nicht erfassten Daten
**nach Sozialgesetzbuch II Bürgergeld, Grundsicherung für Arbeitssuchende
Quelle: https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/qualitaetsentwicklung-planung-und-koordination-des-oeffentlichen-gesundheitsdienstes/sozialplanung-gesundheitsberichterstattung/, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (Hrsg.) (2021): Sozialbericht 2020 Marzahn-Hellersdorf, S. 14-15; Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (Hrsg.) (2018): Sozialbericht 2020 Marzahn-Hellersdorf, S. 8 - 10 (Zugriff 29.09.2024)
M 8 – Meinungen zu Marzahn-Hellersdorf
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„Also so wie ich diesen Bezirk erlebe, ist es eigentlich ein städtischer Raum, der mich fast an dörfliches Leben erinnert, weil es doch sehr gepflegt ist, also das ist nicht so, dass man denkt, man ist hier in irgendwelchen grottigen Endsiedlungen, hinter denen irgendwie bloß noch die große Ödnis beginnt.“ Katrin Scheel (Leiterin der Galerie in Marzahn, Lebensort: Friedrichshain) |
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„Wir haben damals […] 58 neue Schulen gebaut, davon sind […] 15 bis 20 bereits wieder abgerissen worden, […] wir mussten sogar zusätzliche Kindergärten bauen, weil die Normen, nach denen gebaut wurde, also auf 1000 Wohnungen so und so viele Kindergartenplätze, […] die passten bei uns alle nicht.“ Gerd Cyske (Bürgermeister des Bezirks von 1979-1990) |
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„Wir haben für seniorengerechtes Wohnen spezielle Wohnungen gebaut, umgebaut, modernisiert, auch mit den entsprechenden Erleichterungen, die man dann hat, also von der Magnetkarte zum Öffnen der Tür bis hin zu den Fensterknäufen [...] oder den Steckdosen oder den Bädern, die eben seniorengerecht ausgebaut worden sind, […] die Häuser, in denen wir das gemacht haben, [erfreuen] sich einer extremen Beliebtheit, wir sind in den Bereichen total ausgebucht.“ Frank Bielka (Vorstand des Städtischen Wohnungsunternehmens) |
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„Mein Blick darauf, was sich konkret verändert hat, ist, dass die Unterschiedlichkeit, also die heterogene Quartiersgesellschaft, viel stärker gesehen wird [...] und nicht mehr als aufmerkenswert empfunden wird, das ist ein Stück Normalität geworden.“ Cornelia Cremer (Mitarbeiterin des Quartiersmanager H. Panhoff) |
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-bekannteste-platte-100.html (Zugriff 29.09.2024)
M 9 – Maßnahmen zur Erneuerung in Marzahn-Hellersdorf
Das Programm „Nachhaltige Erneuerung“ (Zielsetzung: lebenswertes und attraktives Wohnen) kommt seit dem Jahr 2002 in den Großsiedlungen von Marzahn-Hellersdorf zum Einsatz.
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2003 – 2009 |
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2011/2012 |
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Projektbeispiele: |
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Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi

Kunst- und Kermaikscheune für Kurse und Workshops

Berlin Mural 2021 – Streetart-Festival – Kunst auf Fassaden
Quelle: https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/staedtebaufoerderung/stadtumbau-im-bezirk274606.php#:~:text=Von%202002%20bis%202020%20wurden,verändernden%20Herausforderungen%20im%20Bezirk%20reagiert; https://www.yumpu.com/de/document/read/67534051/marzahn-hellersdorf-berlins-beste-aussichten (Zugriff 28.09.2024)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreibung der Genese und der funktionsräumlichen Gliederung des Stadtbezirks bis zur Gegenwart
Räumliche Einordnung
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Marzahn-Hellersdorf liegt im Nordosten des Stadtstaates Berlin und grenzt im Osten an das Bundesland Brandenburg. Damit befindet sich der Stadtbezirk im Osten Deutschlands bzw. in Mitteleuropa. (M1)
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Der Bezirk gehört zum Berliner Stadtgebiet und stellt einen Außenbezirk an der östlichen Stadtgrenze dar. (M1)
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Angrenzende Stadtbezirke sind Hohenschönhausen im Nordwesten, Lichtenberg im Westen, Treptow-Köpenick im Süden und Brandenburg im Osten.
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Im Gradnetz lässt sich Marzahn-Hellersdorf ca. bei 52° 30' nördlicher Breite und 13° 35' östlicher Länge verorten. (M1)
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Marzahn-Hellersdorf umfasst 61,8 km2, hat 291.948 Einwohner (2023) und gliedert sich in neun Stadtteile. (M1)
Genese des Stadtbezirks
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Bereits 1971 beschloss die DDR-Führung den Bau Europas größter Plattenbausiedlung. Ziel war es, das Wohnungsproblem der Nachkriegszeit zu lösen und Wohnraum für rund 260.000 Menschen zu schaffen. (M3)
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1975 begannen die Erschließungsarbeiten für die Großwohnsiedlung im Plattenbaustil. (M2)
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1977 zogen bereits die ersten Mieter in die neuen Plattenbauten ein. (M2)
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1979 entstand der Stadtbezirk aus den fünf ehemals dörflich geprägten Orten Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn. Damit wurde ländlich geprägter Raum in ein großstädtisches Wohngebiet umgewandelt. (M2)
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In den 1980er Jahren wurde die Siedlung funktional ergänzt, z. B. durch Kino, Schwimmhalle, Poliklinik, S-Bahn und später U-Bahn. Dadurch entwickelte sich die Großwohnsiedlung schrittweise zu einem eigenständigen Stadtbezirk. (M2)
Funktionsräumliche Gliederung in der Entstehungsphase
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Die Großwohnsiedlung ist in mehrere Wohnkomplexe gegliedert, die jeweils eigenständige Einheiten bilden. Diese Wohnkomplexe bestehen wiederum aus mehreren Wohnblöcken. (M3)
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Um die Wohnkomplexe gruppieren sich zentrale Infrastrukturen wie Schulen, Turnhallen sowie Versorgungsmöglichkeiten wie Kaufhallen. Dadurch sollten wichtige Einrichtungen des Alltags in fußläufiger Entfernung erreichbar sein. (M3)
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Bereits von Beginn an gab es neben Wohngebäuden auch breitgefächerte Freizeit- und Versorgungsangebote, etwa Clubhäuser, Sportanlagen, Spielplätze, Grünflächen und Einkaufsstätten. Der Stadtbezirk übernahm damit wichtige Grunddaseinsfunktionen einer Stadt. (M2, M3)
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Industrie- und Gewerbegebiete wurden direkt an die Großwohnsiedlung angebunden. Arbeiten und Wohnen waren also funktional getrennt, lagen räumlich aber dennoch nah beieinander. (M2, M3)
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Die Siedlung wird von Hauptverkehrsachsen in rasterartiger Form durchzogen, die die Wohnkomplexe untereinander verbinden. (M3)
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Parallel dazu verläuft die zentrale Verkehrsachse mit wichtigen Verbindungen zum Verkehrszentrum sowie größeren Versorgungszentren mit infrastrukturellen Einrichtungen wie S-Bahnhöfe. (M3)
Entwicklung bis zur Gegenwart
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Nach 1990 kamen entstanden weitere Grunddaseinsfunktionen in Form von sozialer Infrastruktur, Verkehrsinfrastruktur, Versorgungseinrichtungen und Arbeitsplätzen hinzu, zum Beispiel der Mahlsdorfer Büro- und Gewerbepark, das Unfallkrankenhaus Marzahn, das Einkaufszentrum Eastgate sowie die Weiterentwicklung der „Gärten der Welt“. (M2)
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Bis heute prägen viele Plattenbauten aus den 1980er- und 1990er-Jahren das Stadtbild. In diesen Bereichen ist die Bevölkerungsdichte vergleichsweise hoch. (M1)
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Im Süden des Bezirks zeigt sich eine geringere Wohnbebauungsdichte, sodass dort eine stärker aufgelockerte Bebauung erkennbar ist. (M1)
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Die ursprünglichen Versorgungseinrichtungen wurden durch moderne Angebote ergänzt, etwa Fachmarktzentren, medizinische Einrichtungen sowie weitere wirtschaftliche und technische Infrastrukturen. (M1)
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Grünflächen, Parks und Waldareale spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Besonders die „Gärten der Welt“ stellen einen bedeutenden Erholungsraum dar. (M1, M2)
Fazit
Insgesamt zeigt sich, dass Marzahn-Hellersdorf als planmäßig angelegte DDR-Großwohnsiedlung zur Lösung des Wohnraummangels entstand und auf ehemals ländlich geprägtem Gebiet schrittweise zu einem eigenständigen Berliner Stadtbezirk ausgebaut wurde. Charakteristisch ist dabei die klare funktionsräumliche Gliederung: Wohnkomplexe, Versorgungsangebote, soziale Infrastruktur, Arbeitsstätten, Verkehrsachsen sowie Grün- und Erholungsflächen wurden gezielt miteinander verknüpft. Auch nach der Wende wurde der Bezirk durch neue Einrichtungen wie moderne Einkaufs-, Gesundheits- und Freizeitangebote weiterentwickelt. Insgesamt wird deutlich, dass Marzahn-Hellersdorf bis heute ein Stadtgebiet ist, in dem Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Erholung in enger räumlicher Nähe organisiert sind.
Analyse der demografischen und sozialen Entwicklung des Stadtbezirks bis 2020
Demografische Entwicklung
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Marzahn-Hellersdorf wuchs in der DDR-Zeit sehr stark: Die Einwohnerzahl stieg von 105.647 im Jahr 1981 auf 288.283 im Jahr 1990. Damit besaß der Bezirk besonders attraktiver Wohnstandort innerhalb Ost-Berlins über 22 % der gesamten Ostberliner Bevölkerung. (M4a)
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Nach 1990 setzte ein deutlicher Bevölkerungsverlust ein. Bis 2010 sank die Einwohnerzahl auf 249.982, was auf hohe Fortzüge und anhaltende Wanderungsverluste zurückzuführen ist. Besonders bis 1997 waren die Verluste sehr ausgeprägt. (M4a, M4b, M4c)
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Die Zahl der Fortzüge lag seit 1997 zunächst deutlich über der Zahl der Zuzüge. Der stärkste Wanderungsverlust zeigte sich 1997 mit rund 10.318 Personen, 1998 lag er immer noch bei etwa 8.653 Personen. (M4b, M4c)
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Augenscheinlich verlor der Stadtbezirk nach der Wende an Attraktivität und kämpfte gegen Leerstand.
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Seit 2010 stabilisiert sich die Entwicklung wieder. Der Wanderungssaldo wird positiv, und die Einwohnerzahl steigt erneut an, z. B. auf 259.400 im Jahr 2015 und 270.000 im Jahr 2019. Das spricht für eine gewisse Wiedergewinnung an Attraktivität. (M4a, M4b, M4c)
Altersstruktur und Migration
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Das Durchschnittsalter in Marzahn-Hellersdorf stieg von etwa 30 Jahren Anfang der 1990er Jahre auf 43,7 Jahre im Jahr 2018. Damit lag es zuletzt sogar über dem Berliner Durchschnitt von 42,7 Jahren. (M5a)
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Zugleich zeigt sich 2022 ein relativ hoher Anteil an über 65-Jährigen. Dieser besteht zum Teil aus Personen, die bereits in den 1980er Jahren in die neuen Wohngebiete gezogen sind sowie aus neu hinzugezogenen Senioren. (M5b, M5c)
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Die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen ist vergleichsweise schwach vertreten und stellt 2022 mit 12 % den geringsten Bevölkerungsanteil. Das deutet darauf hin, dass der Bezirk für junge Erwachsene als Wohnstandort weniger attraktiv ist als andere Stadtteile Berlins, sodass sie häufiger in andere Stadtteile ziehen oder die Region verlassen. (M5b, M5c)
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Besonders die Altersgruppen 6 bis unter 18 Jahre (+5.873) und 30 bis unter 50 Jahre (+9.937) nehmen zu. Das spricht dafür, dass vor allem Familien und Menschen im mittleren Alter wieder häufiger in den Bezirk ziehen. (M5b)
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Die Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen geht deutlich zurück (-6.504). Hier zeigt sich eine Abwanderung bzw. ein demografischer Verschiebungsprozess innerhalb des Bezirks. (M5b)
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Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen zu. Vor allem bei den über 65-Jährigen wird deutlich, dass viele frühere Bewohner im Bezirk alt geworden sind und zusätzlich neue Senioren zuziehen. (M5a, M5b, M5c)
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Seit 2017 zeigt sich dabei insbesondere ein Zuzug von Personen mit Migrationshintergrund im mittleren Alter sowie von Senioren ohne Migrationshintergrund. Gleichzeitig wird bei Deutschen ohne Migrationshintergrund vor allem in der Altersgruppe zwischen 50 und 65 Jahren eine deutliche Abwanderung sichtbar. (M5d)
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Die unterschiedliche Entwicklung einzelner Bevölkerungsgruppen deutet darauf hin, dass sich soziale und ethnische Segregationstendenzen verstärken könnten. (M5d)
Soziale Entwicklung
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2017 verfügte der Großteil der Bevölkerung über einen Realschulabschluss (67,4 %), während nur 22,6 % eine Fachhochschul- oder Hochschulreife hatten. Der Anteil der Schulabgänger mit mittlerem Schulabschluss sinkt, während der Anteil der höheren Bildungsabschlüsse nahezu gleich bleibt. Auch 2020 bleibt letzterer mit 26,5 % deutlich unter dem Berliner Durchschnitt von 43,0 %. (M7)
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Das mittlere monatliche Haushaltsnettoeinkommen liegt sowohl 2017 mit 1.975 € als auch 2020 mit 2.100 € unter dem Berliner Durchschnitt. Dies kann auf einen erhöhten Anteil von Beschäftigten in eher gering entlohnten Tätigkeiten bzw. im Niedriglohnsektor hindeuten. Daraus ergeben sich ein höheres Armutsrisiko sowie die Gefahr einer Verstärkung sozialer Segregation. (M7)
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Der Anteil der Kinder unter 6 Jahren in SGB-II-Familien liegt mit 31,7 % im Jahr 2017 und 29,8 % im Jahr 2020 jeweils über dem Berliner Durchschnitt. Zwar verbessert sich die Situation leicht, dennoch bleibt Kinderarmut ein zentrales soziales Problem. Mögliche Ursachen sind eine geringere Erwerbsbeteiligung und niedrigere Bildungsabschlüsse der Eltern. Für die Kinder entstehen dadurch frühere gesellschaftliche Benachteiligungen, etwa beim Zugang zu Bildungsressourcen sowie bei den gesundheitlichen Entwicklungschancen, wodurch sich ein Teufelskreis der Armut verstärken kann. (M7)
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Die Arbeitslosenquote steigt von 6,9 % im Jahr 2017 auf 8,4 % im Jahr 2020, liegt damit aber weiterhin unter dem Berliner Durchschnitt. Dennoch zeigen die Zahl der SGB-II-Arbeitslosen und die übrigen Sozialindikatoren, dass der Bezirk sozial belastet ist. (M7)
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Der Sozialindex von Marzahn und Hellersdorf fiel 1995 noch vergleichsweise günstig aus. Bis 2003 verschlechterte sich vor allem Marzahn deutlich, was auf eine negative soziale Entwicklung und ein insgesamt schwächeres Sozialgefüge hinweist. (M6)
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Insgesamt zeigt sich ein sozial eher schwacher Stadtbezirk: niedrigere Einkommen, vergleichsweise hohe Kinderarmut und geringere Bildungsabschlüsse prägen das Bild, auch wenn sich einzelne Werte bis 2020 leicht verbessern. (M7)
Fazit
Insgesamt wird deutlich, dass Marzahn-Hellersdorf nach der Wende zunächst einen erheblichen demografischen und sozialen Einbruch erlebte. Die starke Abwanderung, die Alterung der Bevölkerung und verschiedene soziale Problemlagen führten zu einem Attraktivitätsverlust des Bezirks. Seit den 2010er Jahren ist jedoch eine gewisse Trendwende erkennbar: Die Bevölkerungszahl steigt wieder, Familien und Menschen mit Migrationshintergrund ziehen vermehrt zu, und einzelne Sozialindikatoren verbessern sich leicht. Dennoch bleibt Marzahn-Hellersdorf bis 2020 ein sozial herausgeforderter Stadtbezirk mit deutlichen Strukturproblemen.
Beurteilung, inwieweit die Standortattraktivität der Großwohnsiedlung durch die dargestellten Maßnamen wiederhergestellt werden kann
Einordnung
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Seit 2002 wird in Marzahn-Hellersdorf das Programm „Nachhaltige Erneuerung“ umgesetzt. Es verfolgt das Ziel, die Großwohnsiedlungen durch Rückbau, Sanierung und soziale Projekte wieder als lebenswerten und attraktiven Wohnstandort zu stärken. (M9)
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Die dargestellten Maßnahmen zeigen, dass der Bezirk nicht sich selbst überlassen wurde, sondern gezielt städtebaulich und sozial weiterentwickelt wird. Dadurch besteht grundsätzlich die Chance, die Standortattraktivität der Großwohnsiedlung wiederherzustellen.
Wohnen und Wohnumfeld
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Modernisierung des Wohnungsbestands (+)
Die energetische Sanierung und Modernisierung von rund 100.000 Wohnungen verbessert die Wohnqualität deutlich und macht den Bezirk für Bewohner und mögliche Zuzügler attraktiver. (M9)
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Seniorengerechter Umbau (+)
Der seniorengerechte Umbau von Wohnungen sowie begleitende Verbesserungen der Infrastruktur erhöhen besonders für ältere Menschen die Attraktivität des Wohnstandorts. (M8, M9)
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Rückbau von Leerstand (+)
Der Rückbau leerstehender Wohnungen verringert den Wohnungsleerstand und trägt zur Aufwertung des Stadtbildes bei. Dadurch steigt die Attraktivität für Senioren, Familien und junge Menschen. (M9)
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Aufwertung durch Grün- und Erholungsflächen (+)
Durch die Auflockerung des Wohnumfelds mit Grünflächen, Parks und Spielplätzen verbessert sich die Aufenthalts- und Lebensqualität deutlich. (M9)
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Freizeitwert durch die "Gärten der Welt" (+)
Die „Gärten der Welt“ und die Internationale Gartenausstellung stärken den Erholungswert, verbessern das Image des Bezirks und erhöhen auch seine Anziehungskraft nach außen. (M2)
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Gefahr einer einseitigen Wohnraumanpassung und Gentrifizierung (-)
Der Wohnungsumbau richtet sich stark auf seniorengerechtes Wohnen aus. Für eine nachhaltige Attraktivitätssteigerung müssten aber auch Familien und jüngere Zielgruppen noch stärker berücksichtigt werden. Andernfalls können langfristig Verdrängungstendenzen begünstigt werden. (M8, M9)
Soziale Infrastruktur und Lebensqualität
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Ausbau und Neubau von Schulen und Kitas (+)
Der Ausbau sozialer Infrastruktur verbessert die Bildungsangebote für junge Familien und erhöht die Bildungschancen von Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten. (M9)
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Förderung sozialer Projekte (+)
Gemeinschaftsangebote und lokale Bildungsinitiativen stärken das soziale Miteinander, fördern Integration und erhöhen den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil. (M8, M9)
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Infrastruktur weiterhin nicht ausreichend (-)
Trotz Verbesserungen besteht weiterhin Investitionsbedarf, da soziale Infrastruktur und Bildungsangebote noch nicht überall bedarfsgerecht ausgebaut sind. (M8, M9)
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Steigender Bedarf an Kita- und Schulplätzen (-)
Der wachsende Bedarf kann nur schrittweise gedeckt werden, weshalb weitere staatliche Investitionen und zusätzliche Personalakquise notwendig sind. (M8, M9)
Image, soziale Entwicklung und Zukunftsfähigkeit
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Imageverbesserung des Bezirks (+)
Marzahn-Hellersdorf wird nicht mehr nur als problemgeprägte Großwohnsiedlung wahrgenommen, sondern zunehmend als aufgewerteter Wohnstandort. Das kann Bewohner, mögliche Zuzügler und auch Investoren ansprechen. (M8, M9)
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Größere Akzeptanz von Heterogenität (+)
Die heterogenere Quartiersgesellschaft wird stärker als Normalität akzeptiert. Dadurch können Vorurteile gegenüber den Einwohnern abgebaut und das Potenzial von Bewohner- und Wirtschaftszahlen gesteigert werden. (M8, M9)
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Geringe Kaufkraft als Entwicklungshemmnis (-)
Viele sozial schwächere Einwohner verfügen über geringe Kaufkraft. Dadurch bleibt die Attraktivität des Bezirks für privatwirtschaftliche Investoren begrenzt. (M7, M9)
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Zu wenige wirtschaftliche Impulse (-)
Die Maßnahmen setzen vor allem am Wohnen, Wohnumfeld und an sozialer Infrastruktur an. Für eine dauerhafte Standortattraktivität müssten aber stärker wirtschaftliche Impulse gesetzt und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. (M9)
Fazit
Insgesamt können die Maßnahmen die Standortattraktivität von Marzahn-Hellersdorf deutlich verbessern, weil sie sowohl den Wohnraum als auch das Wohnumfeld, die soziale Infrastruktur und das Image des Bezirks stärken. Besonders die Sanierung der Wohnungen, der Rückbau von Leerstand, die Aufwertung von Grün- und Freizeitflächen sowie soziale und kulturelle Projekte sprechen für einen zukunftsweisenden Kurswechsel. Gleichzeitig zeigen die Materialien aber auch Grenzen: Die Infrastruktur muss weiter ausgebaut werden, der Wohnungsumbau sollte noch stärker auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet werden, und wirtschaftliche Impulse fehlen teilweise weiterhin. Insgesamt ist die Aufwertung also geeignet, die Attraktivität des Bezirks wiederherzustellen, aber nur dann dauerhaft, wenn sie sozial ausgewogen und wirtschaftlich ergänzt fortgeführt wird.
Beantwortung der Themenfrage
Marzahn-Hellersdorf ist seit seiner Entstehung durch eine klare funktionsräumliche Gliederung gekennzeichnet, die bis in die Gegenwart weitgehend fortbesteht. Seit der Wende sieht sich der Bezirk jedoch mit erheblichen sozialen Herausforderungen konfrontiert, die in Verbindung mit einem negativen Image soziale Segregationsprozesse begünstigt haben. Die Aufwertung der Plattenbausiedlungen bietet die Chance, den Bezirk sowohl für die ansässige Bevölkerung als auch für neue Bewohnergruppen als Wohnstandort attraktiver zu gestalten. Investitionen in die Sanierung des Wohnungsbestands, in Infrastruktur und Bildung, in die Stärkung sozialer Strukturen sowie in die Verbesserung der Lebensqualität eröffnen daher ein deutliches Potenzial für eine positive und zukunftsfähige Entwicklung. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Aufwertungsprozesse sozial ausgewogen erfolgen, um Verdrängungstendenzen zu vermeiden und den sozialen Zusammenhalt langfristig zu sichern.

