Aufgabenstellung 3 – Holzwirtschaft in Kalimantan – kann die soziale Forstwirtschaft den Verlust des Regenwaldes stoppen?
Beantworte die Themenfrage, indem du
die naturräumlichen Gegebenheiten Kalimantans unter Berücksichtigung der Spezifik der Tropen beschreibst,
die Entwicklung der indonesischen Holzwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung Kalimantans analysierst und deren Auswirkung auf den nationalen Waldbestand erläuterst,
den Lösungsansatz der sozialen Forstwirtschaft in Kalimantan hinsichtlich der Nachhaltigkeit diskutierst.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 – Wirtschaftliche Kennzahlen und Gliederung Indonesiens
M 1a – Kennzahlen zu Indonesien und Kalimantan (2023)
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Indonesien |
Kalimantan |
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Bev. (Mio.) |
270,2 |
16,6 |
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Gesamtfläche (km2) |
1.916.907 |
544.150 |
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BIP (Mrd. US- |
1.318 |
114 |
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BIP/EW (US- |
4.798 |
6.867 |
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Arbeitslosenrate (%) |
5,49 |
4,55 |
Quelle: https://www.bps.go.id/en (Datenbank der indonesischen Regierung) (Zugriff 26.06.2024)
M 1b – Gliederung von Indonesien

Quelle: https://www.stepmap.de/karte/indonesien-karte-Dk4fV6qJGQ (Zugriff 26.06.2024)
M 2 – Naturräumliche Gegebenheiten von Indonesien
M 2a – Niederschlagsverteilung und Luftströmungen im Sommer und Winter

Quelle: https://media.diercke.net/omeda/11725EX 10Asien_Monsun-01_23839700.jpg (Zugriff 23.10.2024)
M 2b – Boden und Vegetation

Quelle: https://www2.klett.de/sixcms/media.php /82/DO03029110_Oekosysteme_046_055.pdf (Zugriff 23.10.2024)
M 2c – Klimadiagramm Palangkaraya

Quelle: https://de.climate-data.org/asien/indonesien/zentral-kalimantan/palangka-raya-5641/#climate-graph
M 2d – Artenreichtum
Der indonesische Archipel beherbergt 10 % aller Blütenpflanzen weltweit, 12 % aller Säugetiere, 16 % aller Reptilien, 17 % aller Vogelarten und ist unter den Ländern mit den meisten Primaten (35 Arten).
M 3 – Borneo – Wirtschaftsstruktur 1980 und 2022

Quelle: Diercke Weltatlas (2023), S.206/207
M 4 – Waldstruktur und Waldbestand Indonesiens
M 4a – Entwicklung der Landbedeckung in Indonesien

Quelle: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0264837716305348 (Zugriff 13.06.2024)
M 4b – Frühe Entwicklung und Regulierung der indonesischen Holzwirtschaft
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1967 |
Ein Gesetz tritt in Kraft, welches die Wälder und alle darin enthaltenen natürlichen Ressourcen als Eigentum des Staates bezeichnet. Die Zentralregierung wird jedoch ermächtigt, bei der Bewirtschaftung der Wälder mit anderen Parteien, wie Privatunternehmen, zusammenzuarbeiten. Dafür vergibt sie Konzessionen bzw. Lizenzen (= Erlaubnis zur Bewirtschaftung). |
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1980 |
Indonesien ist der weltweit größte Exporteur von Rundholz aus tropischem Hartholz (weitgehend unverarbeitete Stämme). Das Exportvolumen beträgt 20 Millionen m3. |
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1981 |
Der Exportwert für Sperrholz beträgt 201 Mio. US- |
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1985 |
Es tritt ein Exportstopp für Rundholz zugunsten des Aufbaus einer eigenen holzverarbeitenden Industrie in Kraft. Dieser Exportstopp gilt bis heute. |
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1990 |
Der Exportwert für Sperrholz beträgt 3.019 Mio. US- |
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1999 |
Ein neues Gesetz stärkt die lokalen Behörden und erteilt ihnen Befugnis zur Waldbewirtschaftung innerhalb ihrer Grenzen. Außerdem wird eine rechtliche Grundlage für soziale Forstwirtschaftsprogramme und andere Wiederaufforstungsprogramme eingeführt. |
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2011 |
Moratorium: Die Zentral- und Lokalregierungen dürfen keine neuen Genehmigungen für Forst-, Landwirtschafts- und Bergbauunternehmen auf natürlichem Primärwald und Torfland erteilen. Ausgenommen sind alle Wirtschaftsbereiche, die bereits über eine Hauptlizenz des Forstministeriums (MoF) verfügen und Bereiche, die für die nationale Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind, wie z. B. Geothermie, Öl und Gas, Elektrizität, Reisanbau und Zuckerrohr. |
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2019 |
Die Regierung verhängt ein striktes Rodungsverbot für neue Palmöl- und Holzplantagen sowie für den Bergbau in Moorgebieten und Primärwäldern. |
Quellen: https://www.fao.org/4/u4200e/u4200e04.htm; https://apps.fas.usda.gov/newgainapi/api/report/downloadreportbyfilename? filename=Indonesia%20Forest%20Moratorium_Jakarta_Indonesia_6-8-2011.pdf; https://www.globalforestwatch.org/dashboards/country/IDN/ (Zugriff 13.06.2024)
M 5 – Globaler Verbrauch von tropischem Rundholz (in Mio. m3)

Hinweis: Rundholz ist Rohholz in runder und (in Längsrichtung) ungeteilter Form, also in aller Regel nicht weiter verarbeitete Stammstücke gefällter Bäume.
Quelle: Daten nach: https://www.lifeforestry.com/produkte/holzmarkt-allgemein (Zugriff 03.08.2023)
M 6 – Überblick über die indonesische Holzwirtschaft
M 6a – Produktion von Rundholz aus natürlichen Wändern (in Mio. m3)

Quelle: https://www.bps.go.id/en/statistics-table/2/MTk3MyMy/production-of-logs-of-forest-concession-estates-by-island.html (Zugriff 03.08.2023)
M 6b – Wirtschaftliche Kennzahlen der indonesischen Holzwirtschaft
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2012 |
2015 |
2018 |
2021 |
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Produktion Rundholz aus Plantagenwäldern* (Mio. m3) |
12,53 |
33,23 |
40,94 |
k. A. |
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Zahl der Beschäftigten in Forstbetrieben in Indonesien |
32 301 |
28 379 |
20 497 |
19 915 |
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Zahl der Beschäftigten in Forstbetrieben in Kalimantan |
20 621 |
21 099 |
14 108 |
13 785 |
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Wert aller exportierten Holzprodukte (Mrd. US- |
3,75 |
4,0 |
4,84 |
5,38 |
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Wichtige Exportländer (Anteil in %) |
Japan (27,3) China (12,3) USA (8,2) |
Japan (22,6) USA (11,1) China (9,85) |
Japan (21,7) China (14,4) USA (12,3) |
USA (22,6) Japan (17,5) China (9,78) |
* Plantagenwälder sind angelegte Wälder, in denen Bäume in Monokultur wachsen, um den Holzbedarf der verarbeitenden Industrie zu decken.
Quellen: https://oec.world/en/profile/bilateral-product/wood-products/reporter/idn; https://www.statista.com/statistics/1307181/indonesia-plywood-production/#:~:text=In%202022%2C%20the%20total%20plywood,suppliers%20since%20the%20mid%201980s; https://indonesianembassy.de/wp-content/uploads/2020/12/Lowres2-SOFO-2020-B5_ENG-12.24.2_compressed.pdf, https://www.ibai.or.id/news/item/2619-indonesia-s-export-of-wood-products-reaches-usd-13-5-billion.html, https://www.bps.go.id/en/statistics-table/2/MTIxNyMy/manufacturing-employment-as-a-proportion-of-total-employment.html (Zugriff 04.01.2025)
M 7 – Entwicklung des indonesischen Wahlbestands
M 7a – Ausmaß der Abholzung 1990-2021 in Indonesien (in Mio. ha)

Quelle: https://indonesianembassy.de/wp-content/uploads/2023/02/1664894502.pdf, S.18 (Zugriff 04.01.2025)
M 7b – Überblick indonesische Waldgebiete (2020)
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Waldgebietstyp |
Beschreibung |
Gesamtfläche |
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Produktionswälder |
Wälder, die für Holzproduktion und andere wirtschaftliche Zwecke genutzt werden können. Davon u. a.: |
68,8 Mio. Hektar |
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... Lizenzen für die Nutzung natürlicher Wälder |
18,8 Mio. Hektar |
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... Lizenzen für die Nutzung industrieller Plantagenwälder |
11,3 Mio. Hektar |
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Naturschutzwälder |
Wälder, die für den Erhalt von Ökosystemen und Artenvielfalt geschützt sind. Enthält zusätzlich 5,3 Mio. Hektar Meeresschutzgebiete. |
22,1 Mio. Hektar |
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Schutzwälder |
Wälder mit wichtigen Funktionen für das Wassereinzugsgebiet, die vor Abholzung geschützt sind. |
29,6 Mio. Hektar |
Illegaler Holzeinschlag ist ein großes Problem in Indonesien und verursacht erhebliche wirtschaftliche und ökologische Schäden. Dies beinhaltet das Fällen von Bäumen ohne die erforderlichen Genehmigungen und oft auch das Überschreiten der zugewiesenen Quoten in genehmigten Gebieten. Laut Schätzungen kostete illegaler Holzeinschlag Indonesien im Jahr 2020 etwa 600 Millionen Dollar an Einnahmeverlusten.
Quelle: https://indonesianembassy.de/wp-content/uploads/2020/12/Lowres2-SOFO-2020-B5_ENG-12.24.2_compressed.pdf (S.94) (Zugriff 04.01.2025)
M 8 – Soziale Forstwirtschaft
Definition und Ziel: Diese Methode fördert die Einbindung lokaler Gemeinschaften in die Verwaltung und Nutzung von Waldressourcen. Ziel ist es, die Armut zu bekämpfen und die Lebensgrundlagen der Menschen zu verbessern. Die Art der Bewirtschaftung wird in Produktionswäldern durchgeführt.
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Ziel des indonesischen Entwicklungsplans (2015 – 2019) |
Vergabe Lizenzen für soziale Forstwirtschaft: 12,7 Mio. ha |
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Umsetzung bis 2020 |
Vergabe Lizenzen für soziale Forstwirtschaft: 4.147.875 ha Gründung von Sozialforstwirtschaftsgruppen: 7.311 |
Vergabeverfahren:

Quelle: https://www.borneonaturefoundation.org/project/social-forestry/; https://news.mongabay.com/2022/01/community-control-of-forests-hasnt-slowed-deforestation-indonesia-study-finds/; https://indonesianembassy.de/wp-content/uploads/2020/12/Lowres2-SOFO-2020-B5_ENG-12.24.2_compressed.pdf S.42 (Zugriff 02.07.2024)
M 9 – Zusammenfassung Feldforschung in der Provinz Ost-Kalimantan
Quelle: Eine Zukunft ohne Wald? Indigene Perspektiven auf Umweltveränderungen, Waldverlust und Entwicklung in Kalimantan. Michaela Haug. Geographische Rundschau 4-2018, S.32-38
M 10 – Meinungen zur sozialen Fortwirtschaft
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Akteur / Institution |
Aussage / Zitat |
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Forscher vom deutschen Thinktank Mercator Research Institute on Global Commons |
„Wir haben keine nennenswerte Verringerung der Entwaldungsrate in den Waldgebieten feststellen können, nachdem ihnen von der Regierung entsprechende Schutzrechte zuerkannt worden waren. Einer der Gründe dafür sei das Fehlen gemeinsamer sozialer Strukturen oder formaler Regeln, die den Zugang zu einer Ressource regeln. Sie haben außerdem kaum Möglichkeiten die vereinbarte Ressourcennutzung zu überwachen oder zu sanktionieren.“ |
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Ahmad Dhiaulhaq, ein Postdoktorand am Königlich Niederländischen Institut für Südostasien- und Karibikstudien |
„Wir dürfen unser Volk nicht als homogene Einheit betrachten“, sagte Ahmad. „Es gibt immer noch Gemeinschaften, die ihre enge Beziehung zur Natur bewahren, indem sie ihre Wälder schützen, die noch sehr traditionell sind, wie das [indigene] Volk der Baduy, aber es gibt auch Gemeinschaften, die mit dem Markt interagieren.“ |
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Rizky Haryanto, Forscher am Indonesien World Resources Institute |
„Die Regierung muss die Sozialforstgebiete genauer überwachen und die Verfügbarkeit einer alternativen Lebensgrundlage, insbesondere in Gebieten, in denen der Beitrag nichtholziger Waldprodukte zum Lebensunterhalt der Einheimischen minimal ist, erhöhen“. |
Quelle: https://news.mongabay.com/2022/01/community-control-of-forests-hasnt-slowed-deforestation-indonesia-study-finds/ (Zugriff 02.07.2024)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreibung naturräumlichen Gegebenheiten Kalimantans unter Berück-sichtigung der Spezifik der Tropen
Räumliche Einordnung
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Kalimantan ist der indonesische Teil der Insel Borneo. Die Insel ist zwischen Malaysia im Nordwesten, Brunei im Norden und Indonesien bzw. Kalimantan im Süden geteilt. (Atlas, M1a)
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Borneo grenzt im Norden an die Sulusee, im Nordosten an die Celebessee, im Osten an die Makassarstraße, im Süden an die Javasee und im Nordwesten an das Südchinesische Meer. (Atlas)
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Kalimantan erstreckt sich ungefähr von 5° nördlicher Breite bis 4° südlicher Breite sowie von 109° bis 119° östlicher Länge. (Atlas)
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Indonesien insgesamt weist mit 270,2 Mio. Einwohnern eine sehr hohe Bevölkerungszahl auf, während Kalimantan mit rund 16,6 Mio. Einwohnern im Verhältnis zu seiner großen Fläche von 544.150 km2 vergleichsweise dünn besiedelt ist. (M1a)
Klima und Spezifik der Tropen
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Kalimantan gehört gemäß der Klimazonen nach Neef zur äquatorialen Zone und damit zu den immerfeuchten Tropen.
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Typisch für diesen tropischen Raum ist das Tageszeitenklima, also geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen (in Palangkaraya ganzjährig hohe und relativ konstante Temperaturen von etwa 26 °C) bei deutlich ausgeprägten Unterschieden zwischen Tag und Nacht. (M2c)
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Die Niederschläge sind ganzjährig hoch, weshalb das Klima insgesamt humid ist. (M2c)
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Das Klima wird ganzjährig durch Monsun beeinflusst. Die jahreszeitlich wechselnden Luftströmungen steuern die Verteilung der Niederschläge. (M2a, M2c)
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Von Oktober bis April fallen besonders hohe Niederschläge, da in diesem Zeitraum feuchte Luftmassen aus dem Norden wirksam werden. Von Mai bis September gehen die Niederschläge etwas zurück, bleiben aber weiterhin auf hohem Niveau. (M2a, M2c)
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In zentralen und höher gelegenen Gebieten liegen die Niederschläge ganzjährig sogar bei über 200 mm. (M2a)
Vegetation und Böden
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Der größte Teil Kalimantans ist mit tropischem Regenwald bedeckt. In den Küstengebieten, besonders im Norden bzw. Nordosten, treten zusätzlich Mangrovenwälder auf. (Atlas)
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Der Regenwald ist ein immergrüner Wald und durch einen typischen Stockwerkbau gekennzeichnet. (M2b)
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Kalimantan bzw. Borneo weist eine sehr hohe Biodiversität auf, etwa bei Blütenpflanzen, Säugetieren, Reptilien, Vögeln und Primaten, was typisch für tropische Regenwaldgebiete ist. (M2d)
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Die Böden Kalimantans bestehen überwiegend aus lateritischen, rotbraunen bis roten Böden, die insgesamt als eher unfruchtbar gelten. (M2b)
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Typisch für die Tropen ist, dass die Nährstoffe vor allem in der Vegetation gespeichert sind. Durch den kurzgeschlossenen Nährstoffkreislauf wird der Boden selbst nur wenig mit Nährstoffen angereichert. Deshalb reagiert das Ökosystem empfindlich auf Rodungen. (M2b)
Relief und Wasserverfügbarkeit
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Kalimantan reicht von Tieflandbereichen bis in höhere Lagen von etwa 0 bis 2988 m über dem Meeresspiegel. Teile der Insel gehören zum Iran-Gebirge. (Atlas)
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Die Wasserverfügbarkeit ist grundsätzlich hoch. Bedeutende Flüsse wie Mahakam und Barito durchziehen den Raum, außerdem gibt es besonders im Süden und Südwesten viele Sumpfgebiete. (Atlas)
Fazit
Kalimantan ist ein typischer tropischer Naturraum in Äquatornähe: ganzjährig heiß und humid, vom Monsun beeinflusst, von artenreichem tropischem Regenwald geprägt und zugleich durch nährstoffarme Böden gekennzeichnet. Gerade weil die Nährstoffe überwiegend in der Vegetation gebunden sind, ist der Naturraum gegenüber Eingriffen wie Rodung besonders empfindlich.
Analyse der Entwicklung der indonesischen Holzwirtschaft unter Berücksichtigung Kalimantans und Erläuterung deren Auswirkung auf den nationalen Waldbestand
Entwicklung der indonesischen Holzwirtschaft
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1950 bestand der Großteil der Landbedeckung Indonesiens noch aus Wald, während nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Gesamtfläche wirtschaftlich genutzt wurde. Damit war der Naturraum zunächst deutlich stärker vom Regenwald als von forst- oder agrarwirtschaftlicher Nutzung geprägt. (M4a)
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Mit dem Gesetz von 1967 wurden die Wälder und ihre Ressourcen zum Staatseigentum erklärt. Gleichzeitig vergab der Staat Konzessionen an Unternehmen zur Bewirtschaftung tropischer Regenwälder. Dadurch nahmen bewirtschaftete Flächen zu und zuvor wenig genutzte Räume wurden stärker wirtschaftlich erschlossen. (M4a, M4b)
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In den 1980er Jahren entwickelte sich Indonesien zu einem wichtigen Exporteur von tropischem Holz und insbesondere von Sperrholz. Der Export wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Wichtige Abnehmerländer waren dabei vor allem die USA und Japan.(M4b, M5)
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Später wurde der Export von Rundholz eingeschränkt bzw. gestoppt, um die heimische holzverarbeitende Industrie auszubauen. Ziel war es, die Wertschöpfung stärker im eigenen Land zu halten und nicht nur unverarbeitetes Rohholz auszuführen. (M4b)
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In den 1990er Jahren wurde die Holzindustrie weiter ausgebaut. Der Industriezweig gewann vor allem in ländlichen Regionen große wirtschaftliche Bedeutung und bot vielen Menschen direkt oder indirekt Beschäftigung. Insgesamt arbeiteten etwa 2 Mio. Menschen in diesem Bereich. (M4b)
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Mit dem Gesetz von 1999 wurden die Befugnisse lokaler Behörden gestärkt. Gleichzeitig wurden rechtliche Grundlagen für Wiederaufforstungs- und Sozialforstprogramme sowie eine veränderte Waldsteuerung geschaffen. Damit begann eine Phase stärkerer regionaler Verantwortung in der Waldnutzung. (M4b)
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Gegen Ende der 1990er Jahre gingen die Holzrodungen teilweise zurück. Gleichzeitig wurden frei gewordene Flächen zunehmend für Dauerkulturen wie Ölpalmen, Kokospalmen, Kautschuk oder Bananenanbau sowie für Ackerbau genutzt. Damit setzte eine Umstrukturierung vom forstlichen Schwerpunkt hin zum Anbau und Export von Agrargütern des primären Sektors ein. (M3, M4a)
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Seit den 2000er Jahren sinkt die Produktion von Rundholz aus natürlichen Wäldern langsam. Gleichzeitig bleibt die weltweite Nachfrage nach tropischem Holz hoch, sodass die Holzwirtschaft wirtschaftlich weiterhin bedeutsam bleibt. (M5, M6a)
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2011 wurde ein Moratorium eingeführt, das neue Genehmigungen für Forst-, Landwirtschafts- und Bergbauunternehmen in Primärwäldern und Torfgebieten einschränkte. Ziel war es, die weitere Abholzung dieser besonders sensiblen Räume zu bremsen. (M4b)
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Von diesen Einschränkungen blieben wirtschaftlich bedeutsame Nutzungen bzw. bereits vergebene Lizenzen teilweise ausgenommen. Dadurch wurde der Waldschutz zwar gestärkt, aber nicht konsequent flächendeckend durchgesetzt. (M4b)
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Ein wachsender Teil des Holzes stammt inzwischen aus Plantagenwäldern. Dennoch wird weiterhin auch in natürlichen Wäldern gerodet, sodass der Nutzungsdruck auf naturnahe Waldgebiete nicht vollständig beendet ist. (M6a, M6b)
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Der Trend zu Plantagenwäldern erleichtert den Einsatz von Maschinen. Dadurch ist die Zahl der Beschäftigten in der Forstwirtschaft seit 2012 rückläufig. (M6b)
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Trotz neuer Regelungen bleibt illegaler Holzeinschlag ein großes Problem. Er verursacht weiterhin negative ökologische Folgen und zugleich wirtschaftliche Verluste für Indonesien. (M7b)
Besondere Berücksichtigung Kalimantans
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1980 war in Kalimantan noch keine nennenswerte Holzverarbeitung vorhanden. Die Insel war also zunächst vor allem Rohstoffraum und weniger Standort einer weiterverarbeitenden Industrie. (M3, M4b)
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Später entstanden in Kalimantan zahlreiche holzverarbeitende Betriebe, besonders entlang der Küsten. Damit wurde Kalimantan stärker in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden und gewann als Exportstandort an Bedeutung. (M3, M6b)
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Der Vergleich der Wirtschaftsstruktur bzw. der Landnutzung auf Borneo zwischen 1980 und 2022 zeigt einen deutlichen Wandel: Neben der Holzwirtschaft nahmen auch Plantagenwirtschaft, andere agrarische Nutzungen und weitere wirtschaftliche Erschließungen zu. (M3)
Auswirkungen auf den nationalen Waldbestand
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Die expansive Entwicklung der Holzwirtschaft führte über Jahrzehnte zu einem deutlichen Rückgang der Waldflächen in Indonesien. Besonders stark war die Abholzung bis Ende der 1990er Jahre. Große Waldgebiete wurden zugunsten der Holznutzung und später auch zugunsten landwirtschaftlicher Nutzung gerodet. (M4a, M7a)
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Die Abholzung erreichte bis Ende der 1990er Jahre ihren stärksten Umfang. In dieser Phase standen vor allem Rodung des Primärwaldes und exportorientierte Holznutzung im Vordergrund. (M4b, M7a)
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Auch in Kalimantan nahm die bewaldete Fläche deutlich ab, besonders in den Küstenräumen. Dort ist die Entwaldung durch wirtschaftliche Erschließung, Holznutzung und die spätere Ausweitung anderer Nutzungen besonders deutlich sichtbar. (M3, M7a)
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Durch neue Gesetze, Schutzmaßnahmen und Wiederaufforstungsansätze verlangsamte sich die Entwaldung seit den 2000er Jahren teilweise. Ein vollständiger Stopp des Waldverlusts wurde jedoch nicht erreicht. (M4b, M7a)
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Im Jahr 2020 wurden rund 60 % der Waldflächen Indonesiens als Produktionswälder genutzt, während etwa 40 % unter Schutz standen. Daran wird deutlich, dass wirtschaftliche Nutzung weiterhin einen sehr hohen Stellenwert besitzt, Schutzfunktionen aber an Bedeutung gewonnen haben. (M7b)
Fazit
Die Entwicklung der indonesischen Holzwirtschaft ist insgesamt durch einen Wandel von großflächiger Regenwaldrodung und exportorientierter Rohstoffgewinnung hin zu stärker regulierten, teilweise auf Plantagenwälder gestützten Strukturen geprägt. Kalimantan spielte dabei als wichtiger Rohstoff- und später auch Verarbeitungsraum eine zentrale Rolle. Für den nationalen Waldbestand hatte diese Entwicklung massive Folgen, da große Waldflächen gerodet wurden. Erst seit den 2000er Jahren ist ein vorsichtiges Umdenken mit stärkerem Schutz und ersten Wiederaufforstungsmaßnahmen erkennbar.
Diskussion des Lösungsansatzes der sozialen Forstwirtschaft in Kalimantan hinsichtlich der Nachhaltigkeit
Lösungsansätze der sozialen Forstwirtschaft
Die soziale Forstwirtschaft ist ein Ansatz, bei dem lokale Gemeinschaften stärker in die Bewirtschaftung und den Schutz der Wälder einbezogen werden. Ziel ist es, Armut zu bekämpfen und die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern. Dabei kann eine lokale Gemeinschaft den Wald als dörfliche Institution oder als Genossenschaft für 30 Jahre zur Bewirtschaftung beantragen. Die Nutzung erfolgt in Produktionswäldern. Eine kommerzielle Holzernte ist nicht erlaubt, um Raubbau zu verhindern. (M8)
Soziale Dimension
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Verbesserung der Lebensgrundlagen (+)
Durch das Sammeln von Holzprodukten sowie den Anbau in Waldgärten entstehen für die ländliche Bevölkerung legale Nutzungsmöglichkeiten, die Einkommen und Lebensqualität verbessern können. (M8, M9)
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Anerkennung indigener Rechte (+)
Indigene Gemeinschaften erhalten mehr staatliche Sicherheit, ihre traditionellen Nutzungsweisen fortzuführen. Das stärkt ihre Rechte und trägt zugleich zum Schutz des Waldes und seiner Artenvielfalt bei. (M9, M10)
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Stärkung lokaler Zusammenarbeit (+)
Die gemeinsame Waldverwaltung durch Gemeinden und staatliche Stellen kann die lokale Governance verbessern und Verantwortung vor Ort stärken. (M8)
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Keine direkte Lösung für Infrastrukturdefizite (-)
Da soziale Forstwirtschaft nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, entstehen nicht automatisch bessere Infrastruktur, medizinische Versorgung oder Bildungsangebote, die von vielen Dorfgemeinschaften gewünscht werden. (M9)
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Hoher bürokratischer Aufwand (-)
Die Vergabe und Umsetzung der Nutzungsrechte ist zeitaufwändig und kann die praktische Wirksamkeit des Ansatzes bremsen. (M8)
Ökologische Dimension
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Nachhaltigere Landnutzung durch Agroforstwirtschaft (+)
Formen wie Agroforstwirtschaft verbinden Nutzung und Schutz, sodass der tropische Wald eher erhalten werden kann als bei großflächiger Rodung. (M8, M9)
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Weniger Druck zur illegalen Abholzung (+)
Wenn Gemeinschaften legale Nutzungsrechte erhalten, sinkt grundsätzlich der Anreiz, Waldflächen illegal auszubeuten. (M8, M10)
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Entwaldung wird bisher kaum gestoppt (-)
Laut den im Material genannten Einschätzungen konnte nach der Vergabe von Schutzrechten keine nennenswerte Verringerung der Entwaldungsrate festgestellt werden. Damit bleibt die ökologische Wirkung des Ansatzes bislang begrenzt. (M10)
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Fehlende Kontrolle und Überwachung (-)
Wo klare Regeln, soziale Strukturen und Kontrollmöglichkeiten fehlen, kann es trotz sozialer Forstwirtschaft weiter zu illegalem Holzeinschlag kommen. (M10)
Ökonomische Dimension
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Legale Einkommensquellen (+)
Gemeinschaften können eigene Agrarprodukte vermarkten und dadurch legale Einkommen erzielen. Das stärkt die lokale Wirtschaft und kann auch Wünsche nach besserer Bildung und einem stabileren Lebensstandard unterstützen. (M8, M9, M10)
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Chancen für nachhaltige Geschäftsmodelle (+)
Zusätzliche Modelle wie Ökotourismus können den ländlichen Raum wirtschaftlich entwickeln, ohne unmittelbar auf großflächige Waldzerstörung angewiesen zu sein. (M8)
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Vermarktungsdruck gefährdet den Waldschutz (-)
Wenn Gemeinschaften den Wald zu stark ökonomisch nutzen, um mehr Profit zu erzielen, ist ein langfristiger Schutz des Regenwaldes nicht gesichert. (M10)
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Begrenzter Zugang zu Kapital (-)
Die Umsetzung nachhaltiger Nutzungsformen erfordert oft Investitionen, über die viele Gemeinschaften nicht verfügen. Dadurch wird wirtschaftliche Entwicklung teilweise gehemmt.
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Spannungen zwischen Schutz- und Wohlstandswunsch (-)
Einige indigene Gruppen möchten stärker am Markt teilnehmen und Waren vermarkten, um Wohlstand aufzubauen. Wenn soziale Forstwirtschaft diese Interessen zu stark einschränkt, kann das illegales Handeln begünstigen. (M9, M10)
Fazit
Die soziale Forstwirtschaft ist insgesamt ein sinnvoller und nachhaltigerer Ansatz als rein exportorientierte Holzwirtschaft, weil sie legale Einkommensmöglichkeiten schafft, lokale Gemeinschaften stärkt und den Schutz des tropischen Regenwaldes fördern kann. Sie kann den Verlust des Regenwaldes also verlangsamen, aber nicht allein stoppen. Dafür ist ihre bisherige Reichweite zu gering, die Kontrolle oft zu schwach und der Druck durch Produktionswälder sowie illegale Abholzung weiterhin zu hoch. Entscheidend sind deshalb eine Ausweitung der sozialen Forstwirtschaft, stärkere staatliche Unterstützung und strengere Maßnahmen gegen illegale Rodung.
Beantwortung der Themenfrage
Die soziale Forstwirtschaft in Kalimantan kann dazu beitragen, den Verlust des Regenwaldes zu verlangsamen, weil sie lokale Gemeinschaften stärker in die Nutzung und den Schutz der Wälder einbindet. Dadurch entstehen legale und potenziell nachhaltigere Nutzungsformen, die eine Alternative zur rein wirtschaftlich ausgerichteten Ausbeutung des Waldes bieten können. Allerdings ist ihre Wirkung bislang begrenzt. Die Flächen der sozialen Forstwirtschaft sind deutlich kleiner als die Produktionswälder, die weiterhin vor allem der wirtschaftlichen Nutzung dienen. Deshalb reicht dieser Ansatz bisher nicht aus, um den Regenwald dauerhaft und flächendeckend zu schützen. Sein Erfolg hängt daher wesentlich von einer Ausweitung der sozialen Forstwirtschaft und einer stärkeren staatlichen Unterstützung ab. Zusätzlich sind strengere Maßnahmen gegen illegalen Holzeinschlag und eine wirksamere Regulierung der Produktionswälder notwendig, um den Regenwald langfristig zu bewahren.