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Aufgabenstellung 2

Aufgabe:

Berlin- und Kubakrise – der „nukleare Faktor“ als Triebkraft für Konfrontation oder Entspannung?

Erörtere unter der oben genannten Themenfrage die Position des Verfassers, indem du

  • die Kernaussagen zum Kalten Krieg strukturiert herausarbeitest,

  • unter Einbeziehung des historischen Kontextes die Position des Verfassers erläuterst

    und

  • zur Themenfrage begründet Stellung nimmst.

Material

Der Historiker Andreas Wenger über den Kalten Krieg

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Der nukleare Faktor war […] mitverantwortlich für den Ausbruch der beiden gefährlichsten
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Krisen des Kalten Krieges, der Berlinkrise (1958-1962) und der Kubakrise (1962). […] Bei
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Amtsantritt Kennedys im Januar 1961 drängten die grundlegenden Probleme des Kalten
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Krieges, wie sie im Geflecht der Wechselwirkungen der deutschen und der nuklearen Frage
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zum Ausdruck kamen, nach einer Lösung. Konnten die USA weiterhin eine glaubwürdige
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Sicherheitsgarantie für Europa bieten? Oder mußte Europa in Zukunft den Frieden auf dem
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Kontinent aus eigener Kraft sichern? […] Die Annäherung von Kennedy und Chruschtschow
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entwickelte sich vor dem Hintergrund der Berlinkrise, die wiederum die Gefahr einer
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Eskalation zum Nuklearkrieg beinhaltete. […] Die Berlinkrise ist damit nicht so sehr das
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Resultat der sowjetischen Absicht, die Westmächte aus Berlin zu vertreiben, sondern sie muß
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vielmehr im Kontext sowjetischer Ängste vor einer nuklearen Bundesrepublik gesehen
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werden. […] Die wichtigsten außenpolitischen Verantwortungsträger hielten es für äußerst
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unwahrscheinlich, daß Chruschtschow eine kriegerische Auseinandersetzung in Europa
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riskieren wollte. Würde der Westen daher angesichts der sowjetischen Drohungen nicht
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wanken, sei zu erwarten, daß die Sowjets über kurz oder lang einlenkten. […] Die
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amerikanischen Bemühungen um eine Verhandlungslösung nahmen zu, nachdem am 13.
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August 1961 die DDR mit sowjetischer Unterstützung mit dem Bau der Berliner Mauer
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begonnen hatte. In Washington verstand man die Aktion aufgrund ihrer politischen
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Auswirkungen in West-Berlin und Westdeutschland kurzfristig als Eskalation des Konfliktes.
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Bald aber erkannten die wichtigsten Entscheidungsträger, daß die Teilung Berlins langfristig
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eine evolutionäre Lösung der Berlinfrage erleichterte. In der Rückschau und ausgehend von
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der Perspektive der USA und der Sowjetunion kann die Mauer durchaus als Symbol für die
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wechselseitige Akzeptanz des territorialen Status quo in Europa gesehen werden. Die
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Zäsuren des Mauerbaus im August 1961 und der Kubakrise im Oktober 1962 bildeten den
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Startpunkt für einen intensiven, meist bilateralen amerikanisch-sowjetischen Dialog, als
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dessen Resultat sich die […] Interessenkongruenz der beiden Supermächte in der deutschen
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und der nuklearen Frage herauszubilden begann. […] Parallel zur Beendigung der Kubakrise
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entschloß sich Präsident Kennedy, die Berlinfrage vorerst auf sich beruhen zu lassen und
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statt dessen ein Abkommen im Bereich der Rüstungskontrolle anzustreben. […] Das
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Berlinproblem sei aus der Sicht der sozialistischen Staaten mit dem Bau der Mauer gelöst
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worden, besser noch, als dies mit einem Friedensvertrag der Fall gewesen wäre. […] Die
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Berlinkrise führte zu einer amerikanisch-sowjetischen Annäherung in der Frage der
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europäischen Sicherheitsordnung, da beide Seiten erkannten, daß eine Entspannung der
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Ost-West-Beziehungen in Europa nur auf der Basis des territorialen und nuklearen Status
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quo möglich war. […] Während sich in den fünfziger Jahren die Kontakte zwischen Ost und
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West nur in Ansätzen aus dem starren Schema der bipolaren Blockstrukturen gelöst hatten,
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verwandelte sich die europäische Sicherheitsdebatte Anfang der sechziger Jahre in einen
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Dialog innerhalb der Blöcke und in ernsthafte bilaterale Verhandlungen zwischen den USA
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und der Sowjetunion. […] Wenn die Stabilisierung des europäischen Sicherheitssystems in
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den frühen sechziger Jahren in einen epochalen Kontext gestellt wird, so kann sie als
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Ausdruck von strukturellen Veränderungen des internationalen Systems verstanden werden,
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die schließlich in der Wende der Jahre 1989/91 und dem Ende des Kalten Krieges
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kulminierten.

Fundort:

Wenger, Andreas: Der lange Weg zur Stabilität. Kennedy, Chruschtschow und das gemeinsame Interesse der Supermächte am Status quo in Europa, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 46 (1998), Heft 1.

Quelle (Letzter Zugriff am 30.03.2026).

Wortlaut, Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Fundort.

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