Vorschlag B – Glimmerland – Mica-Abbau in Indien
Beschreibe die räumlichen Disparitäten zwischen den indischen Bundesstaaten Bihar und Jharkhand und den restlichen Landesteilen Indiens unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Situation. (Material 1–3, Atlas)
Gib die Systematik der Rohstoffsektoren wieder und ordne Mica in diese Systematik ein. (Material 4)
Erläutere die Bedeutung des Rohstoffes Mica für die Bundesstaaten Bihar und Jharkhand und arbeite die damit verbundenen Probleme und Chancen heraus. (Material 3–7)
Beurteile anhand der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung 2030 Nr. 1, Nr. 4, Nr. 10 und Nr. 17, inwieweit die Responsible Mica Initiative einen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele leisten kann. (Material 1–9)
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 – Südasiens Disparitäten

Quelle: Diercke Weltatlas 2023, Braunschweig, S. 192.
Material 2 – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Anzahl der Betten in staatlichen Gesundheitseinrichtungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2018

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung – BBSR – Analysen kompakt (Ausgabe 12/2020). Bonn, 2021, S. 11. URL: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/analysen-kompakt/2020/ak-12-2020-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=10 (abgerufen am 10.01.2024)
Material 3 – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Extremer Reichtum, extreme Armut (2023)
Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Extremer Reichtum, extreme Armut, 06.06.2023, URL: https://www.bmz.de/de/laender/indien/soziale-situation-10292 (abgerufen am 07.09.2023).
Material 4 – Was ist Mica? (2023)
Quelle: zusammengestellt nach: URL: https://www.tdh.de/was-wir-tun/arbeitsfelder/verbraucher-tipps/elektronik-autos-kosmetik/ (abgerufen am 03.06.2023) und URL: https://www.steine-und-minerale.de/mineralien/g/glimmergruppe.html (abgerufen am 10.11.2024).
Material 5 – Marcus Pfeil, Anuradha Sharma: Glimmerland Teil 1 (2022)
Quelle: Marcus Pfeil, Anuradha Sharma: Glimmerland, 06.05.2022, URL: https://www.zeit.de/wissen/2022-05/glitter-indien-illegale-minen (abgerufen am 02.06.2023).
Material 6 – Ausdehnung einer illegalen Mica-Mine in Jharkhand 2016–2020


Hinweis
Die gezeigte illegale Mine (erkennbar an der hellen Färbung) hat 2020 eine Ausdehnung von ca. 2 km und befindet sich bei ca. 24° nördlicher Breite und ca. 85° östlicher Länge im Bundesstaat Jharkhand.
Quelle: URL: https://www.zeit.de/wissen/2022-05/glitzer-indien-illegale-minen (abgerufen am 02.06.2023).
Material 7 – Marcus Pfeil, Anuradha Sharma: Glimmerland Teil 2 (2022)
Quelle: Marcus Pfeil, Anuradha Sharma: Glimmerland, 06.05.2022, URL: https://www.zeit.de/wissen/2022-05/glitter-indien-illegale-minen (abgerufen am 02.06.2023).
Material 8 – Responsible Mica Initiative (RMI): Langfristige Indien-Strategie (2023)
Auftrag für Indien: eine Vielzahl von Akteuren in ein Aktionsbündnis einzubinden, um zum Aufbau einer fairen, verantwortungsvollen und nachhaltigen Micalieferkette in Bihar und Jharkhand beizutragen, die frei von Kinderarbeit ist und verantwortungsvolle Arbeitsbedingungen bietet.
Programmbereiche und -ziele bis 2030:
|
Verantwortungsvolle Arbeitsbedingungen |
Stärkung der kommunalen Selbstbestimmung |
Rechtliche Rahmenbedingungen |
|
|
|
Quelle: Zusammengestellt und übersetzt nach: URL: https://responsible-mica-initiative.com/about-us-approach-and-strategy/ (abgerufen am 20.06.2023).
Material 9 – UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung 2030 (Auswahl mit Unterzielen)
![]()
|
Ziel 1: Armut in all ihren Formen und überall beenden
|
![]()
|
Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
|
![]()
|
Ziel 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern
|
![]()
|
Ziel 17: Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
|
Quelle: URL: https://www.un.org/sustainabledevelopment/development-agenda/ (abgerufen am 10.1.2024)
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Räumliche Einordnung
-
Bihar und Jharkhand liegen im Osten Indiens (Bihar nördlicher/nahe Nepal, Jharkhand südlich angrenzend); keine Küstenlage, eher abseits der großen west-/südindischen Wachstumsräume (Atlas)
Wirtschaftliche Situation
-
Primärer Sektor
-
In Bihar/Jharkhand dominiert tropischer Ackerbau sowie Bewässerungslandwirtschaft an Fließgewässern; im Vergleich zu einigen anderen Regionen Indiens sind keine ausgeprägten Sonderkulturen/Cash Crops erkennbar → eher subsistenznah und geringere Wertschöpfung. (Atlas)
-
-
Sekundärer Sektor
-
Rohstoffabbau und Weiterverarbeitung sind in Bihar/Jharkhand im Vergleich zu stärker industrialisierten Bundesstaaten Indiens nur punktuell vorhanden (z. B. Steinkohle, Wärmekraftwerk/-werke) → insgesamt schwächer diversifizierte Industrie. (Atlas)
-
-
Tertiärer Sektor
-
Im Vergleich zu indischen Metropol- und Wachstumsräumen erscheint der tertiäre Sektor in Bihar/Jharkhand schwach ausgeprägt: kein überregionales Dienstleistungszentrum, geringe touristische Bedeutung → weniger hochqualifizierte Arbeitsplätze/geringere Einnahmequellen. (Atlas)
-
-
BIP pro Kopf / Wohlstandsniveau
-
Bihar liegt beim BIP pro Kopf in der untersten Kategorie (unter 1000 €) (M1)
-
Jharkhand liegt ebenfalls in einer niedrigen Kategorie (1000–1500 €) und bleibt damit ebenfalls unter zahlreichen west- und südindischen Bundesstaaten, die deutlich höhere Kategorien erreichen. (M1)
-
Insgesamt zeigt sich: Wohlstand ist in Indien räumlich sehr ungleich verteilt, wobei Bihar/Jharkhand im Vergleich zu großen Teilen des Landes klar benachteiligt sind. (M1)
-
-
Armut
-
Beide Staaten haben sehr große Bevölkerungszahlen (Darstellung in „10-Mio.-Kästchen“); dabei ist ein erkennbarer Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze → hohe absolute Zahl armutsbetroffener Menschen (M1)
-
In Bihar und Jharkhand liegt der Armutsanteil über dem Landesdurchschnitt → strukturelle Benachteiligung (M1)
-
-
Arbeitsmarkt
-
In Indien arbeiten fast 90 % der Beschäftigten im informellen Sektor → meist keine soziale Absicherung (z. B. keine berufliche Krankenversicherung / kein Lohnausgleich) (M3)
-
Folge: Armut verfestigt sich, da Krankheit/Jobverlust schneller existenzbedrohend wird und private Vorsorge/Investitionen (z. B. Bildung) erschwert sind (M3)
-
Soziale Situation
-
Gesundheitsversorgung
-
Bihar und Jharkhand: sehr geringe Ausstattung mit Krankenhausbetten in staatlichen Einrichtungen (bis unter 30 Betten pro 100.000 Einewohner) → Hinweis auf schwache öffentliche Gesundheitsinfrastruktur (M2)
-
Im restlichen Indien erreichen alle Bundesstaaten höhere Bettendichten, was auf bessere Versorgungsbedingungen hindeutet. (M2)
-
-
Lebensbedingungen
-
Ein großer Teil der Bevölkerung hat keinen bzw. unzureichenden Zugang zu Basisdienstleistungen (Wasser-/Sanitärversorgung, angemessener Wohnraum, Abfallentsorgung, Mobilität) (M3)
-
Ca. 30 % der Bevölkerung verfügen über keine eigene Toilette → Indikator für Defizite der Grundversorgung, besonders problematisch in armen Regionen (M3)
-
-
Ernährung
-
Ca. 15 % der Bevölkerung sind unterernährt; jedes dritte Kind unter fünf Jahren weist aufgrund chronischer Unterernährung Wachstumsverzögerungen auf → soziale Problemlagen sind massiv (M3)
-
-
Krisenanfälligkeit
-
Soziale und wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie trafen vor allem ärmere und ungebildete Schichten; viele Tagelöhner verloren Einkommen/Arbeit → erhöhtes Armutsrisiko (M3)
-
Gesundheitssystem stieß v. a. in ärmeren Bundesstaaten und Ballungsräumen an Grenzen → zeigt Verwundbarkeit bei ohnehin schwacher Infrastruktur (M3)
-
Fazit
Im innerindischen Vergleich zählen Bihar und Jharkhand zu den deutlich benachteiligten Bundesstaaten. Während wirtschaftlich stärkere Regionen vor allem in West- und Südindien von höherer Wertschöpfung, dynamischeren Dienstleistungszentren und besseren Arbeitsmarktchancen profitieren, sind Bihar und Jharkhand durch niedrige Einkommen, verbreitete Armut und eine insgesamt schwach diversifizierte Wirtschaftsstruktur geprägt. Die Landwirtschaft wirkt eher subsistenzorientiert, Industrie- und Rohstoffverarbeitung sind nur punktuell vorhanden, und überregionale Dienstleistungen oder Tourismus spielen kaum eine Rolle. Diese strukturellen Defizite spiegeln sich auch sozial wider: Der Zugang zu Gesundheit und grundlegender Infrastruktur ist vergleichsweise schlechter, wodurch sich bestehende Disparitäten weiter verfestigen und die Bevölkerung gegenüber Krisen besonders anfällig bleibt.
Systematik der Rohstoffe
-
Rohstoffe sind natürlich vorkommende Ressourcen, die wirtschaftlich genutzt werden (z. B. zur Energiegewinnung, Produktion, Bau).
Grundlegende Einteilung
-
Primärrohstoffe (direkt aus der Natur gewonnen)
-
biotische Rohstoffe (nachwachsend/organisch)
z. B. Holz, Baumwolle, Nahrungs- und Agrarrohstoffe
-
abiotische Rohstoffe (mineralisch, nicht nachwachsend)
-
Energierohstoffe
z. B. Kohle, Erdöl, Erdgas, Uran
-
metallische Rohstoffe (Erze → Metalle)
-
nichtmetallische Rohstoffe
-
Baurohstoffe
z. B. Sand, Kies, Naturstein
-
Industrierohstoffe
z. B. Salz, Phosphate, Graphit
-
-
-
Sekundärrohstoffe (aus Recycling/Wiederverwertung)
-
Einordnung von Mica (Glimmer) in die Systematik
-
Mica (Glimmer) ist eine Mineralgruppe, kommt gesteinsbildend vor (u. a. in Granit, Marmor, Gneis, Glimmerschiefer) → klar abiotisch/mineralisch. (M4)
-
Damit zählt Mica zu den Primärrohstoffen und innerhalb der abiotischen Rohstoffe zu den nichtmetallischen Rohstoffen.
-
Genauer: Industrierohstoff / Industriemineral (weil es v. a. als Funktions-/Zusatzstoff genutzt wird, nicht als Baurohstoff). (M4)
-
Begründung über Nutzung: Isoliert Hitze und Strom, verstärkt Stoffe, wird u. a. in Kosmetik, Farben und Lacken eingesetzt (meist in kleinen Mengen) → typisch für Industrieminerale. (M4)
Bedeutung des Rohstoffs Mica für Bihar und Jharkhand
Einbindung in globale Wertschöpfungsketten
-
Mica ist ein weltweit stark nachgefragter Industrierohstoff (u. a. Kosmetik, Farben/Lacke, Seifen, Elektro-/Elektronik als Isolator) → stabile bzw. steigende Nachfrage schafft sichere Absatzmärkte. (M4)
-
Indien ist mit >150.000 Tonnen pro Jahrein bedeutender Mica-Exporteur und stillt ein Viertel der weltweiten Nachfrage. (M5)
-
Große Mengen verlassen das Land u. a. über den Hafen Kolkata → Bihar/Jharkhand werden (indirekt) an den Weltmarkt angebunden. (M5)
Einkommensquelle / Überlebensstrategie in Armutsräumen
-
In Ermangelung anderer Verdienstmöglichkeiten ist der Abbau/das Sammeln von Mica in beiden Bundesstaaten von großer Bedeutung (wichtiger Einkommensfaktor für viele Familien). (M3, M5)
-
Weder der sekundäre noch der tertiäre Sektor sind stark ausgebaut → wenige formelle Jobs/Alternativen, daher hohe Abhängigkeit vom Rohstoff. (M1, Atlas)
-
Bergbau ist zum Schutz der Wälder in Jharkhand verboten (Forest Conservation Act) → legale Minen wurden geschlossen, Förderung verlagerte sich in informelle/illegale Strukturen. (M7)
-
Durch früheren Mica-Abbau existiert weiterhin umfangreicher Glimmerschrott (Dhibra) mit Mica-Anteilen → Sammlung/Sortierung als zentrale (informelle) Erwerbsstrategie. (M5, M7)
-
Die deutliche Ausdehnung illegaler Minen zwischen 2016 und 2020 unterstreicht die hohe Bedeutung des Rohstoffs für die Region (trotz Verbots-/Schutzregelungen). (M6)
Regionale Standortbedeutung (Ressourcenpotenzial)
-
Jharkhand verfügt über große Rohstoffvorkommen; Mica ist Teil dieses Potenzials – allerdings wird die Wertschöpfung häufig nicht lokal, sondern v. a. bei Händlern/Exporteuren realisiert. (M5)
Probleme
-
Soziale Probleme
-
Häufig prekäre Arbeitsbedingungen (mangelnde Sicherheit, Gesundheitsrisiken) und Kinderarbeit → menschenunwürdige Situation besonders am Anfang der Lieferkette. (M5)
-
Hoher Anteil informeller Beschäftigung und fehlende soziale Absicherung → Haushalte bleiben krisenanfällig und auf riskante Erwerbsformen angewiesen. (M3)
-
-
Politisch-rechtliche Probleme: Illegalität und Kontrollverlust
-
Durch den Forest Conservation Act (1980) wurden Bergbauaktivitäten in großen Waldgebieten untersagt; viele legale Minen wurden geschlossen → Abbau verlagerte sich in informelle/illegale Strukturen. (M7)
-
Lieferketten sind kaum rückverfolgbar; Angaben zu Herkunft/Mengen werden teils „verschoben“ → Regulierung (u. a. gegen Kinderarbeit) wird erschwert. (M5, M7)
-
-
Ökonomische Probleme: geringe lokale Wertschöpfung, unfaire Verteilung
-
Sehr großer Abstand zwischen Erlösen der Sammler/Arbeiter und den Preisen, die Exporteure/Weltmarkt erzielen → Wertschöpfung konzentriert sich außerhalb der Abbaugebiete. (M5)
-
-
Ökologische Probleme: Landschaftszerstörung und Entwaldung
-
Die Ausweitung illegaler Minen (2016–2020) verweist auf Entwaldung/Flächenfraß und starke Eingriffe in empfindliche Ökosysteme. (M6)
-
Dadurch wird der gesetzliche Waldschutz faktisch unterlaufen („ad absurdum geführt“). (M6, M7)
-
Chancen
-
Legalisierung + Standards → bessere Arbeits- und Umweltbedingungen
-
„Jharkhand Mica Dumps (Dhibra) Disposal Rules“: Legalisierung der Sammlung und neue Lizenzen → Potenzial für stabilere, regulierte Einkommen und damit auch weniger Kinderarbeit. (M5, M7)
-
Abbau/Sammlung unter Lizenzen, Kontrollen und Arbeits-/Umweltstandards → Chance auf weniger Illegalität, bessere Sicherheit und geringere ökologische Schäden. (M7)
-
-
Marktchance durch hohe/steigende Nachfrage
-
Die Nachfrage (v. a. durch Elektro-/Elektronik; z. B. Mica-Papier aus recyceltem Material) steigt → bei faireren Strukturen könnte dies stabilere Einkommen ermöglichen. (M4, M7)
-
-
Lieferketten-Initiativen / Verantwortung der Unternehmen
-
Zusammenschluss globaler Unternehmen in der Responsible Mica Initiative (RMI) → Chance auf mehr Transparenz, Druck auf Zulieferer und Finanzierung sozialer Maßnahmen (z. B. Bildung/Kinderschutz). (M7)
-
-
Regionale Entwicklung durch gezielte Investitionen
-
Wenn Rohstofferlöse/Steuern tatsächlich in Bildung, Gesundheitsversorgung und alternative Erwerbsquellen fließen (z. B. Internatsschulen, Gesundheitsprogramme), kann Mica zur Verringerung von Armut beitragen statt sie zu reproduzieren. (M3, M7)
-
Fazit
In Bihar und Jharkhand ist Mica für viele Familien ein zentraler Einkommensfaktor, weil es an alternativen, formellen Erwerbsmöglichkeiten mangelt und Industrie- sowie Dienstleistungssektor nur schwach entwickelt sind. Gleichzeitig führt das Zusammenspiel aus hoher globaler Nachfrage, fehlender Kontrolle und rechtlichen Einschränkungen im Waldschutz dazu, dass ein großer Teil der Förderung informell oder illegal stattfindet und häufig mit prekären Arbeitsbedingungen sowie Kinderarbeit verbunden ist. Zudem verschärft die Ausweitung illegaler Minen ökologische Schäden und unterläuft den Schutz der Wälder. Entwicklungschancen ergeben sich vor allem dann, wenn die Gewinnung von Mica konsequent legalisiert und reguliert wird, Lieferketten transparenter werden und die erzielten Einnahmen in Bildung, Gesundheitsversorgung und alternative Erwerbsquellen investiert werden. Nur unter diesen Bedingungen kann der Rohstoff langfristig zur regionalen Entwicklung beitragen, statt Armut und Abhängigkeiten zu verfestigen.
Ausgangslage
-
Bihar/Jharkhand sind im innerindischen Vergleich strukturschwach (niedriges BIP/Kopf, hohe Armutsbetroffenheit). (M1)
-
Soziale Lage vielerorts prekär (u. a. Unterernährung, Defizite der Basisversorgung, sehr hoher Anteil informeller Beschäftigung ohne Absicherung; eingeschränkter Zugang zu Bildung/Gesundheit). (M2, M3)
-
Mica ist global stark nachgefragt; Indien (u. a. über Kolkata) ist ein zentraler Exporteur. Gleichzeitig sind Lieferketten teils schwer rückverfolgbar und es bestehen große Preis-/Gewinndifferenzen entlang der Kette. (M4, M5)
-
Waldschutzrecht (Forest Conservation Act) begünstigte die Verlagerung in informelle/illegale Strukturen; Ausweitung illegaler Minen und ökologische Schäden sind nachweisbar. (M6, M7)
SDG 1 – Keine Armut
-
Potenzial
-
RMI setzt an Einkommen und Arbeitsbedingungen an (Ziel: existenzsichernde Einkommen/fairere Preise bzw. Löhne für Mica-Lieferanten) → kann Armut direkt mindern und Krisenanfälligkeit reduzieren. (M8, M9)
-
Verbesserung von Lebensbedingungen in mica-abhängigen Haushalten als programmatisches Ziel → wirkt gegen Armutsfolgen. (M8, M9)
-
-
Grenzen
-
Strukturelle Ursachen (informeller Sektor, fehlende soziale Sicherung) kann die RMI nicht allein beheben → staatliche Sozialpolitik bleibt entscheidend. (M3, M9)
-
Bei fortbestehender Illegalität/geringer Rückverfolgbarkeit erreicht die RMI Teile der Betroffenen ggf. nur eingeschränkt. (M5, M7)
-
SDG 4 – Hochwertige Bildung
-
Potenzial
-
RMI-Ziel: Schulbesuch aller Kinder in mica-abhängigen Dörfern und Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung → direkter Beitrag zu SDG 4 und zentraler Hebel gegen Kinderarbeit. (M8, M9)
-
Indirekt: stabilere/faire Einkommen senken den ökonomischen Druck, Kinder arbeiten zu lassen. (M5, M8)
-
-
Grenzen
-
Bildungsqualität (Infrastruktur, Lehrkräfte, Ausstattung) erfordert langfristig staatliche Maßnahmen; RMI kann unterstützen, aber nicht ersetzen. (M9)
-
Solange Armut/Informalität hoch bleiben, bleibt Kinderarbeit oft „funktional“ → Bildungsziele schwer durchsetzbar. (M3)
-
SDG 10 – Weniger Ungleichheiten
-
Potenzial
-
RMI-Ziel: Rechtliche Rahmenbedingungen als zentraler Hebel → durch verbindliche Regeln (z. B. zu Lieferketten, Arbeitsstandards, Kinderarbeit) kann Ungleichheit entlang der Wertschöpfungskette reduziert werden (faire Bedingungen für die schwächsten Akteure). (M8, M9)
-
RMI-Ziel: Export ausschließlich durch RMI-Mitglieder (für Mica aus Bihar/Jharkhand) → steigert Druck auf Transparenz, Kontrolle und Standardsetzung → potenziell fairere Verteilung der Wertschöpfung. (M8, M9)
-
Zielperspektive: verbesserte Lebensbedingungen in allen mica-abhängigen Haushalten → kann regionale Disparitäten abschwächen. (M8)
-
Faire Preise/Löhne wirken gegen extreme Unterschiede zwischen Sammlern/Arbeitern und Akteuren am oberen Ende der Kette. (M5, M8)
-
-
Grenzen
-
Risiko von „Insel-Lösungen“: Verbesserungen vor allem in RMI-gebundenen Lieferketten; andere Betroffene bleiben zurück → Ungleichheit kann teilweise fortbestehen. (M5, M8)
-
Gesamtgesellschaftliche Ungleichheiten Indiens (Stadt/Land, informell/formell) werden durch eine Brancheninitiative nur teilweise beeinflusst. (M3)
-
SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele
-
Potenzial
-
RMI ist selbst ein multinationales Bündnis (Unternehmen/weitere Akteure) und zielt auf koordinierte Programme in Bihar/Jharkhand → Kernidee von SDG 17 (Kooperation/Umsetzung). (M7, M8, M9)
-
Programme zur Stärkung kommunaler Selbstverwaltung → lokale Handlungsfähigkeit (Kontrolle, Kinderschutz, Umsetzung von Entwicklungsmaßnahmen) wird gestärkt. (M8, M9)
-
Fokus auf Schaffung eines verbindlichen rechtlichen Rahmens (auch in Importländern/supranationalen Gremien) + Export nur über RMI-Mitglieder → Hebel für verbindlichere Standards. (M8, M9)
-
Aufbau von Überprüfungs-/Standardsystemen (Null-Toleranz Kinderarbeit, Kontrollen) passt zu SDG-17-Unterziel „Monitoring/Regelwerke/Anreizstrukturen“. (M8, M9)
-
-
Grenzen
-
Illegalität und „verschobene“ Herkunftsangaben erschweren wirksame Kontrolle; Kinderarbeit bleibt strukturell schwer zu beseitigen. (M5, M7)
-
Erfolg hängt stark von staatlicher Durchsetzung und glaubwürdiger, unabhängiger Kontrolle ab (sonst Risiko symbolischer Selbstverpflichtungen). (M7, M8)
-
-
Fazit
Insgesamt sind die Ziele der Responsible Mica Initiative grundsätzlich mit den UN-Nachhaltigkeitszielen bis 2030 vereinbar, weil sie sowohl auf Armutsminderung und Bildungszugang als auch auf die Verringerung von Ungleichheiten und den Aufbau von Partnerschaften abzielen. Besonders wirksam kann die Initiative dort sein, wo Lieferketten transparenter werden, faire Preise und existenzsichernde Einkommen tatsächlich bei den betroffenen Haushalten ankommen und Kinderarbeit dadurch an ökonomischem Druck verliert. Gleichzeitig bleibt der Erfolg stark begrenzt, solange große Teile des Abbaus informell oder illegal stattfinden und staatliche Kontrollen sowie soziale Sicherungssysteme schwach sind. Entscheidend ist daher die Schaffung und konsequente Umsetzung eines verbindlichen rechtlichen Rahmens, der Legalisierung, Rückverfolgbarkeit und verbindliche Standards ermöglicht. Ohne diese staatliche Durchsetzung besteht die Gefahr, dass Verbesserungen nur punktuell wirken und grundlegende strukturelle Probleme in Bihar und Jharkhand fortbestehen.



