Vorschlag C – Erdgas aus dem Norden Alaskas – Passt das Willow-Projekt noch ins Jahr 2025?
Beschreibe die naturräumlichen Gegebenheiten in Alaska nördlich des Polarkreises und die daraus hervorgehende ökologische und ökonomische Bedeutung. (Material 1–3, Atlas)
Skizziere den Erdgas- bzw. LNG (Liquid Natural Gas)-Handel Deutschlands und der USA und arbeite auf dieser Basis die Bedeutung von LNG für die beiden Staaten heraus. (Material 4–6)
Stelle die Grundzüge des Willow-Projektes dar und arbeite auf der Basis einer kritischen Quellenanalyse heraus, welche Raumkonstruktionen bezüglich des nördlichen Alaskas den Sichtweisen der Befürworter und Gegner des Projektes zu Grunde liegen. (Material 7–9)
Beurteile, inwiefern das 2013 angestoßene Willow-Projekt im Jahr 2025 vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und dem Prinzip der Nachhaltigkeit als eine energiepolitische Notwendigkeit angesehen werden kann. (Material 1–9)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 – Klimadiagramm Nuiqsut / Alaska (Referenzzeitraum 1991–2021)
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Quellen: Klimadiagramm: erstellt mit Diercke Klimagraph: URL: https://diercke.de/sites/klimagraph/klimagraph.php; Daten nach: URL: https://de.climate-data.org/nordamerika/vereinigte-staaten-von-amerika/alaska/nuiqsut-124336/; Karte zusammengestellt aus: URL: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:USA_Alaska_location_map.svg#/media/File%3A800x598_Carte_Alaska_R3.jpg und URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:North_America,_administrative_divisions-de-colored_(%2Bzoom).svg (alle abgerufen am 16.01.2024).
Material 2 – Die Arktis (2024)

Quelle: Text: WWF Deutschland (Hg.): Die Arktis, URL: https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/arktis (abgerufen am 04.07.2024). Bild: URL: https://www.blm.gov/programs/energy-and-minerals/oil-and-gas/about/alaska/NPR-A (abgerufen am
05.02.2024).
Material 3 – Menschen in der Arktis: Wirtschaftszweige (2015)
Quelle: Umweltbundesamt (Hg.), URL: https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/arktis/menschen-in-der-arktis/wirtschaftszweige#wirtschaftliche-entwicklung (abgerufen am 16.01.2024).
Material 4 – Erdgasimporte nach Deutschland in Gigawattstunden (GWh) pro Tag (2023)

Hinweise
Die Gesamtmenge des Erdgasimportes nach Deutschland im Jahr 2023 belief sich auf rund 968.000 GWh (Ein Gigawatt (GW) entspricht 1.000 Megawatt oder einer Mio. Kilowatt. In Deutschland werden pro Tag rund 1.500 GWh elektrischer Energie verbraucht).
Ein Erdgasexport aus Deutschland heraus ist fast nicht existent.
Quelle: URL: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gasimporte/Gasimporte.html
(abgerufen am 16.01.2024).
Material 5 – LNG-Importe nach Deutschland nach Herkunftsländern in % (2023)

Quelle: URL: https://de.statista.com/infografik/30782/deutsche-Ing-importe-nach-herkunftsland (abgerufen am 25.01.2024).
Material 6 – Produktion, Verbrauch und Handel der USA mit Erdgas incl. LNG in Trillion Cubic Feet (Tcf) (Stand 2023 und Prognose bis 2050)
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Hinweis
Eine Trillion Cubic Feet = Kubikfuß (Tcf) ist eine in den USA gebräuchliche Mengeneinheit für Erdgas. Ein Kubikfuß entspricht etwa 28,32 Liter. Eine Trillion Kubikfuß Erdgas entspricht dabei der Energiemenge von 302.380 GWh.
Material 7 – Auszug aus dem Internetauftritt des amerikanischen Energiekonzerns ConocoPhillips zu dessen Erdölbohrprojekt „Willow“ im Norden Alaskas (2019)
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Die Gemeinden North Slope und Alaska Native Communities, die Willow am nächsten stehen, haben ihre starke Unterstützung für das Projekt zum Ausdruck gebracht. Um Kommentare zu dem Projekt von den Personen zu sammeln, die Willow am nächsten sind, kam es u.a. zu über 150 persönlichen Treffen mit Anwohnern und Interessenvertretern und zu 25 öffentlichen Anhörungen in Anchorage, Fairbanks, Nuiqsut, Utqiagvik, Atqasuk und Anv. Das Feedback dieser Treffen prägte die Gestaltung des Projekts und stellte sicher, dass Willow nur minimale Auswirkungen auf den Lebensstil der Ureinwohner Alaskas haben wird.
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Willow befindet sich in dem Gebiet des National Petroleum Reserve-Alaska (NPR-A), das vor 100 Jahren speziell für die Erdölentwicklung reserviert wurde.
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In dem Bereich, in dem die Entwicklung stattfinden wird, werden die Aktivitäten umfassend geregelt, um Luft, Wasser, Wildtiere und andere wertvolle Ressourcen zu schützen.
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ConocoPhillips hat strenge betriebliche Anforderungen für den Schutz von Wildtieren und baut auf einer vier Jahrzehnte langen Erfolgsbilanz, um die Auswirkungen auf die Tierwelt in unseren Betriebsfeldern zu vermeiden und zu minimieren. [...]
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Die gesamte permanente Willow-Infrastruktur liegt außerhalb des ausgewiesenen kritischen Lebensraums des Eisbären. Eisbären werden im Willow-Gebiet nicht erwartet.
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Willow könnte zwischen 8 und 17 Milliarden Dollar an neuen Einnahmen für den North Slope Borough und die lokalen Gemeinden sowie den Bundesstaat Alaska und die Bundesregierung generieren.
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Das Projekt soll 2.500 Arbeitsplätze im Baugewerbe und 300 langfristige Arbeitsplätze schaffen.
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Die Grundsteuern des Willow-Projekts werden dazu beitragen, wichtige Dienstleistungen wie Schulen, Notfallmaßnahmen, Gesundheitskliniken, Trinkwasser, Abwasser, Straßen, Strom und feste Abfallentsorgung zu finanzieren.
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Willows geplante Produktion wird die amerikanische Abhängigkeit von ausländischer Versorgung verringern und die US-Energiesicherheit unterstützen, indem es zuverlässiges, emissionsarmes Öl [und Gas] produziert.
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Die Internationale Energieagentur prognostiziert eine globale Ölnachfrage bei 24 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2050. Wenn Willow nicht entwickelt würde, würden andere Länder dieses Öl produzieren, um die Nachfrage zu decken, was bedeutet, dass wir Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und andere wirtschaftliche Vorteile in andere Länder schicken würden.
Quelle: übersetzt nach: ConocoPhillips Company (Hg.), URL: https://www.conocophillips.com/sustainability/sustainability-news/story/responsibly-developing-alaska-s-willow-project/ und https://www.conocophillips.com/operations/alaska/willow-project/ (abgerufen am 16.01.2024).
Material 8 – Auszug aus einem Artikel einer US-amerikanischen Umweltorganisation zur Kritik am Willow-Projekt in Alaska (2023)

Quelle: Greenpeace (Hg.), URL: https://greenpeace.at/presse/greenpeace-reicht-klage-gegen-das-willow-oelprojekt-in-alaska-ein/ (abgerufen am 04.02.2024).
Material 9 – Karten unterschiedlicher Quellen zum Willow Projekt in Alaska (2023)
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Quelle 1: BBC Die British Broadcasting Corporation, kurz BBC, ist eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Vereinigten Königreichs, die mehrere Hörfunk- und Fernsehprogramme sowie einen Internet- Nachrichtendienst betreibt. |
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Quelle 2: Anchorage Daily News Die Anchorage Daily News ist eine überregional erscheinende US-amerikanische Tageszeitung mit Sitz in Anchorage, Alaska. [...] Mit knapp 72.000 verkauften Exemplaren pro Tag ist sie die auflagenstärkste Tageszeitung in Alaska. |
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Quelle 3: The Seattle Times The Seattle Times ist eine US-amerikanische Tageszeitung im Bundesstaat Washington. Sie hat ihren Sitz in Seattle. Sie wurde 1891 als Seattle Press-Times gegründet und ist heute die auflagenstärkste Zeitung im Bundesstaat Washington. |
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Hinweis
National Petroleum Reserve (NPR) – Ein etwa 23 Millionen Hektar großes Gebiet im Norden Alaskas. Es wurde 1923 vom damaligen Präsidenten Harding zum Gebiet für die Notversorgung der USA mit Erdöl erklärt.
Quellen: URL: https://www.seattletimes.com/business/alaskas-willow-oil-project-is-controversial-heres-why/; URL: https://www.bbc.com/news/world-us-canada-64943603; URL: https://www.adn.com/business-economy/energy/2022/12/25/pressure-mounts-on-biden-administration-for-decision-on-giant-willow-oil-field-project-in-alaska/; URL: https://www.blm.gov/programs/energy-and-minerals/oil-and-gas/about/alaska/NPR-A (abgerufen am 16.01.2024).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Naturräumliche Gegebenheiten in Alaska nördlich des Polarkreises
Lage
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arktischer Raum im Norden Alaskas (Atlas)
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ca. 66,5° bis 72° N, 140° bis 170° W (Atlas)
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sehr periphere Lage an der Beaufortsee (Arktischer Ozean) (Atlas)
Klima
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subpolare Zone mit kontinentalem Einfluss; insgesamt semihumid bis humid (Klassifikation nach Siegmund/Frankenberg) (M1)
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starke Jahreszeitenprägung: sehr langer, kalter Winter − kurzer, kühler Sommer (M1)
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geringer Jahresniederschlag (243 mm/Jahr), Maximum im Sommer, von Oktober − Mai überwiegend Schnee (M1)
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im Sommer (v. a. an der Küste) längere Feuchtephase; Niederschläge fallen dann eher als Regen (Atlas)
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Temperatur deutlich unter 0 °C im Jahresmittel, starke Jahresamplitude: im Winter deutlich unter -25 °C, im Sommer Maximum bei ca. 10 °C (M1)
Relief
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Brooks Range als von West nach Ost verlaufendes Gebirge prägt den Süden; nach Norden Übergang in Vorland/Tiefland (Atlas)
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höchste Gipfel bei ca. 2,7 km (z. B. Mount Isto / Mount Chamberlin je nach Atlasangabe) (Atlas)
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zum Norden hin Abflachung bis auf Meeresniveau an der Beaufortsee (Atlas)
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großflächig ebene, vernässte Küstenebenen mit mäandrierenden Fließgewässern (M2, Atlas)
Böden
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großräumig Permafrost (Dauerfrostboden) mit nur saisonal auftauender Aktivschicht (M2)
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verbreitet Tundrengley/Cryosol-Typen, lokal Moor-/Feuchtbodenbildungen; frostbedingte Bodenprozesse (M2)
Potenzielle natürliche Vegetation
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überwiegend baumlose Tundra (Moose/Flechten/Gräser/Zwergsträucher), teils mit Frostschutt-/Kälteformen (M2)
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im Süden/geschützteren Lagen Übergänge zur borealen Nadelwaldzone (Randbereiche) (Atlas)
Ökologische Bedeutung
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weitgehend naturnahe Wildnislandschaft mit wenigen anthropogenen Eingriffen (M2)
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sehr empfindliches Ökosystem: Permafrost, kurze Vegetationsperiode, lange Regenerationszeiten → hohe Störanfälligkeit (M2)
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Lebensraum für spezialisierte Arten und abgestimmte Lebenszyklen (z. B. Eisbären, Karibus, Zugvögel) (M2)
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Bedeutung im globalen Klimasystem (u. a. Kohlenstoffspeicherung im Boden/Permafrost, Albedo-Effekte) (M2)
Ökonomische Bedeutung
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große Vorkommen fossiler Energieträger (Erdöl/Erdgas); Nutzung/Exploration grundsätzlich attraktiv und durch Klimawandel vereinfacht (M3)
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Erdölpipeline von Prudhoe Bay nach Valdez vorhanden (Atlas)
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zugleich schwach ausgebaute Infrastruktur und hohe Kosten/Risiken durch Klima, Distanz und Umweltauflagen (M3)
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perspektivisch bessere Schiffbarkeit in Sommermonaten durch zurückgehendes Meereis möglich (M1)
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weitere Rohstoffe (Blei und Silber im Westen) (Atlas)
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traditionelle Nutzungen: Fischerei, Jagd, Subsistenz indigener Gruppen
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Natur- und Abenteuertourismus
Erdgas- bzw. LNG-Handel Deutschlands
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Deutschland ist 2023 klarer Netto-Importeur (Gesamtimport ca. 968.000 GWh), Exporte nahezu nicht vorhanden. (M4)
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Deutschland ist stark von Erdgasimporten abhängig, da es nur geringe eigene Erdgasvorkommen besitzt.
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Hauptbezugswege/Partner: Import über Nachbarstaaten (Pipeline-/Weiterleitungsbezüge) v. a. Norwegen (größter Lieferant im Jahresverlauf), außerdem Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz. (M4)
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anteilsmäßiger Import am Beispiel 03.12.2023: 4/10 Norwegen, 3/10 Niederlande, 2/10 Belgien, 1/10 Schweiz, Frankreich nicht erkennbar (M4)
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Importdynamik 2023: Gesamtimporte schwanken deutlich im Jahresverlauf (u. a. markanter Einbruch/Minimum um Spätsommer/Frühherbst (ca. 1.500 GWh, 10.09.23), danach wieder Anstieg (ca. 3.500 GWh, 13.01.2023)). (M4)
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LNG als zusätzlicher Baustein im Importmix (im Diagramm mengenmäßig deutlich kleiner als die Gesamtimporte (ca. 200 GWh), aber kontinuierlich vorhanden). (M4)
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LNG-Importe dienen der Diversifizierung der Bezugsquellen und der Erhöhung der Versorgungssicherheit.
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Herkunft der LNG-Importe: sehr starke Dominanz der USA (78,4 %); weitere Lieferländer u. a. Trinidad und Tobago (6,5 %), Angola (5,8 %), Ägypten (3,7 %), Nigeria (2,1 %), Norwegen (1,8 %), VAE (1,7 %). (M5)
Erdgas- bzw. LNG-Handel der USA
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Die USA weisen Erdgasförderung (38 Tcf) > Erdgasverbrauch (35 Tcf) auf → struktureller Überschuss. (M6)
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Erdgasimporte sind im Material negativ dargestellt und nehmen betragsmäßig zu → die USA agieren zunehmend als Netto-Exporteur (Export überwiegt ca. 5 Tcf). (M6)
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Erdgasexporte steigen bis Mitte der 2030er Jahre deutlich und bleiben danach etwa auf hohem Niveau. (M6)
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LNG-Anteil wächst stark (ca. ~5 Tcf → ~10 Tcf) und ist langfristig der wichtigste Exportkanal. (M6)
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Pipelineexporte sind ergänzend, aber kleiner (ca. 3 Tcf): nach Mexiko moderat steigend, nach Kanada relativ konstant/gering. (M6)
Bedeutung von LNG für Deutschland
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Erdgas als wichtiger Energieträger (u. a. für Wärme/Industrie/Strom) – eigene Förderung reicht nicht aus, daher nahezu vollständige Importabhängigkeit. (M4)
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Erhöhung der Versorgungssicherheit: LNG schafft eine zusätzliche Importoption neben Pipelinebezügen und kann Ausfälle/Engpässe besser abfedern. (M4)
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Diversifizierung der Bezugsquellen: LNG ermöglicht den Bezug von Erdgas aus verschiedenen Weltregionen (2023 v. a. USA) und ergänzt die Lieferungen über Nachbarländer. (M4, M5)
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Reduzierung der Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern: durch breitere Lieferantenbasis sinkt das Risiko, dass politische Konflikte oder Lieferstopps eines Anbieters die Versorgung stark gefährden. (M5)
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LNG bleibt zwar mengenmäßig kleiner als die Gesamtimporte, ist aber strategisch wichtig als flexibler Baustein im Importmix. (M4)
Bedeutung von LNG für die USA
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Nutzung eigener Ressourcen: Eigenversorgung wird vollständig abgedeckt (Produktion > Verbrauch) → Importabhängigkeiten werden vermieden. (M6)
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Wirtschaftliche Bedeutung: LNG ist Exportgut mit Exporterlösen; wachsende LNG-Exporte stärken Industrie/Investitionen/Arbeitsplätze im Energiesektor. (M6)
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Geopolitischer Einfluss: als großer LNG-Lieferant können die USA ihre Rolle als Energielieferant ausbauen und politischen Einfluss über Energiepartnerschaften stärken. (M6)
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Beitrag zur Diversifizierung anderer Länder: US-LNG ermöglicht Importstaaten, ihre Lieferländerbasis zu verbreitern und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu reduzieren. (M5, M6)
Grundzüge des Willow-Projektes
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Erdöl-/Erdgasförderprojekt des Energiekonzerns ConocoPhillips („Willow“). (M7)
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Genehmigung: Das Projekt wurde 2023 von der Biden-Administration genehmigt. (M8, M9)
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Lage: North Slope (Norden Alaskas) im National Petroleum Reserve (NPR). (M7, M9)
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Raumhistorischer Kontext: Das NPR wurde vor rund 100 Jahren als Gebiet zur Sicherung von Treibstoff bzw. zur Erdölförderung ausgewiesen → Rohstoffnutzung ist dort grundsätzlich vorgesehen. (M7, M9)
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Infrastrukturbezug: Förderung in einem Raum mit bestehender/nahegelegener Erdöl-Infrastruktur (z. B. Anbindung an Pipeline-Strukturen in Alaska). (M7, M9)
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Erwartete Einnahmen: prognostizierte 8–17 Mrd. US-
für North Slope Borough, lokale Gemeinden sowie Bundesstaat Alaska und US-Bund. (M7)
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Arbeitsplätze: in der strukturschwachen Region werden ca. 2.500 Jobs in der Bauphase sowie etwa 300 langfristige Arbeitsplätze erwartet. (M7)
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Regionalentwicklung: Steuereinnahmen sollen Grundversorgung und Infrastruktur (z. B. öffentliche Dienstleistungen) in der Region stärken. (M7)
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Energiepolitische Zielsetzung: Beitrag zur US-Versorgungssicherheit und zur Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten. (M7)
Kritische Quellenanalyse
Material 7: ConocoPhillips-Internetauftritt (2019)
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Quellenart/Intention: Unternehmens-PR/Informationsseite → Ziel: Akzeptanz schaffen, Projekt legitimieren, Kritik entkräften („Mythen/Fehlinformationen“).
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Adressaten/Strategie: breite Öffentlichkeit + lokale Stakeholder; betont Dialog, Verantwortung, „Faktenliste“ → wirkt sachlich-autorativ.
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Sprachliche Rahmung: positiv-normative Begriffe (rationale Energiepolitik, Energiesicherheit, emissionsarm, minimal) → Risikoreduktion im Wording.
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Selektionslogik: Fokus auf Nutzen (Jobs/Einnahmen/Energiesicherheit) und auf Kontrollierbarkeit der Umwelteffekte; mögliche Negativfolgen werden eher relativiert.
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Kartendarstellung: zeigt Lizenzflächen/Projektstandorte und bestehende Infrastruktur → Raum erscheint als geplanter Nutzungs-/Energieraum.
Material 8: Greenpeace/Earthjustice-Meldung (2023)
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Quellenart/Intention: NGO-Pressemitteilung/Ankündigung einer Klage → Ziel: Mobilisierung, politischer Druck, Delegitimierung des Projekts.
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Sprachliche Rahmung: stark wertend/emotional („Klimasünde“, „fossiles Wahnsinnsprojekt“) → moralische Dringlichkeit, Konfliktlogik.
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Begründungsebene Klima: Verweis auf Klimaziele/Emissionsreduktion (2030) und auf sehr hohe zusätzliche Treibhausgasemissionen (Größenordnung in 260 Mio. t).
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Begründungsebene Ökologie & Mensch: betont massive Umweltschäden, Gefährdung arktischer Tierwelt (z. B. Eisbären) sowie Bedrohung von Menschen, die auf das Land angewiesen sind.
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Bildwahl: ikonisches Motiv (Eisbär auf Eis) → Arktis als verletzlicher Naturraum; verstärkt Schutz-/Bedrohungsnarrativ.
Material 9: Karten verschiedener Medien (BBC / Anchorage Daily News / The Seattle Times)
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Quellencharakter: journalistische Informationskarten; Auswahl/Legende/Zoom steuern, was als „wichtig“ im Raum sichtbar wird.
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BBC-Karte: betont Schutzgebiete und setzt Willow-Bohrzone deutlich dagegen → Raum als Konfliktfeld Nutzung vs. Schutz.
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Anchorage Daily News-Karte: stärker regional-pragmatischer Blick (Lage im NPR, Bezug zu Infrastruktur/Trans-Alaska-Pipeline) → Raum als Entwicklungs-/Infrastrukturraum.
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Seattle Times-Karte: großmaßstäbliche Einordnung (NPR, Projektareal, Umfeld) → Raum als weitläufiger, politisch umkämpfter Großraum (Energiepolitik/Schutzgebiete/Reserve-Logik).
Raumkonstruktionen
Willow-Projekt-Befürworter
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„Nationaler Versorgungsraum“: Die Region gehört zum National Petroleum Reserve (NPR); das Gebiet wurde eingerichtet, um die Energieversorgung/Versorgungssicherheit der USA zu gewährleisten. (M7, M9)
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„Legitimierter Nutzraum“: Öl- und Gasförderung wird als zweckgemäße Nutzung eines dafür vorgesehenen Raums dargestellt (Reserve-Logik). (M7, M9)
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„Ressourcenraum im Dienst nationaler Ziele“: Der Raum wird genutzt, um Energiesicherheit zu erhöhen und Steuereinnahmen für Staat/Region zu generieren. (Tenor: Wenn wir nicht selbst fördern, müssen wir Energie importieren und Geld ins Ausland geben → Förderung als rationaler nationaler Vorteil.) (M7)
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„Modernisierungsraum nach westlichen Standards“: Betonung von Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen, Ausbau von Schulen, Infrastruktur und öffentlicher Daseinsvorsorge → Raum wird als strukturschwache Peripherie mit Entwicklungsbedarf konstruiert. (M7)
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„Entwicklungsraum für lokale Communities“: Ureinwohner/Alaska Native Communities werden als beteiligt dargestellt; ihr Heimatraum könne durch Einnahmen/Jobs profitieren. (M7)
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„Konfliktarmer Raum“ (kartografisch): Karten (Quellen 2/3 in M9) rahmen das Projekt so, dass Naturschutzgebiete nicht tangiert werden → Eingriff erscheint räumlich begrenzt/vertretbar. (M9)
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„Beherrschbarer Naturraum“: Umweltfolgen werden als minimal bzw. nicht klar quantifiziert dargestellt; ein Schutz als unberührter Naturraum erscheint nicht zwingend notwendig. (M7, M9)
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Ausblendung der globalen Perspektive: Klimawirkungen (CO2-/Methan-Emissionen) werden kaum als zentrales Argument aufgenommen, eher relativiert/beschönigt; Fokus liegt auf nationalen/ regionalen Nutzen. (M7)
Willow-Projekt-Gegner
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„Schützenswerter Naturraum“: Der Projektraum wird als ökologisch sensibler und daher zu schützender Naturraum konstruiert; Exploration soll unterbleiben. (M8, M9)
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„Schutzgebiet- und Konfliktraum“ (kartografisch): Karte Quelle 1 (M9) hebt hervor, dass im NPR Schutzgebiete ausgewiesen sind, in denen Bohren untersagt ist; Willow wird in räumliche Nähe zu sensiblen Bereichen gerückt (z. B. Teshekpuk Lake). (M9)
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„Lebensraum für Fauna“: Arten (z. B. Eisbären) werden als besonders schutzbedürftig markiert; Störungen/Infrastruktur bedrohen ökologische Gleichgewichte. (M8)
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„Heimatraum indigener Gruppen“: Der Raum wird als Lebens- und Kulturraum indigener Bevölkerung dargestellt, der für eine Lebensweise im Einklang mit der Natur unversehrt bleiben müsse. (M8)
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„Klimaraum“ (globale Perspektive): Willow wird als Beitrag zur Verschärfung des Klimawandels bewertet; neue fossile Projekte widersprechen Klimaschutz. (M8)
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Doppelte Klimagefahr:
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bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen CO2-Emissionen,
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bei Förderung/Transport kann Methan (CH4) entweichen (stark klimawirksam).
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Deutung des Eingriffs: Eingriffe werden als irreversibel bzw. mit unumkehrbaren Folgen für Mensch, Tier und Klima verbunden dargestellt. (M8)
Fazit
Insgesamt wird der Raum rund um das Willow-Projekt sehr unterschiedlich konstruiert und damit auch unterschiedlich bewertet. Die Befürworter verstehen Nordalaska vor allem als Ressourcenraum, dessen natürliche Vorkommen gezielt genutzt werden sollen, um das Gebiet wirtschaftlich zu entwickeln und nach einem klassischen, westlich geprägten Entwicklungsverständnis auszubauen – etwa durch Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Infrastruktur sowie eine höhere nationale Versorgungssicherheit. Demgegenüber betrachten die Gegner denselben Raum primär als empfindliches, schützenswertes Ökosystem und zugleich als Lebens- und Heimatraum, dessen Eingriffe weitreichende Folgen hätten. Aus ihrer Sicht würde die Ausbeutung der Ressourcen nicht nur lokale Natur- und Lebensräume beeinträchtigen, sondern durch zusätzliche Emissionen und Risiken wie Methanverluste auch den Klimawandel verschärfen. Damit steht einem Nutzungs- und Entwicklungsansatz, der den Naturraum als wirtschaftliche Grundlage begreift, ein Schutzansatz gegenüber, der irreversible Schäden für Mensch, Tier und Klima befürchtet.
Aktuelle Entwicklungen
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Arktis als Hochrisikoraum des Klimawandels: schwindendes Meereis, tauender Permafrost, starke Erwärmung; Ökosysteme reagieren sehr empfindlich und langfristige Folgen sind schwer absehbar. (M2)
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Rohstoffnutzung wird technisch/ökonomisch attraktiver (z. B. durch bessere Erreichbarkeit/Schiffbarkeit), gleichzeitig bleiben Infrastrukturdefizite und Umweltrisiken hoch. (M2, M3)
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USA: Produktion > Verbrauch, Importe gering, Exporte (v. a. LNG) wachsen langfristig deutlich → USA sind strukturell in der Lage, sich selbst zu versorgen und darüber hinaus zu exportieren. (M6)
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Europa/Deutschland: Gas ist importabhängig; LNG gewinnt an Bedeutung, 2023 stammen LNG-Importe Deutschlands stark aus den USA → die globale LNG-Verflechtung nimmt zu. (M4, M5)
Beurteilung: Energiepolitische Notwendigkeit des Willow-Projekts im Jahr 2025
Ökologische Dimension
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Sensibles Ökosystem (−)
Der Eingriff erfolgt in einem arktischen Raum mit Permafrost und sehr geringer Regenerationsfähigkeit, sodass Störungen langfristig wirken können. (M2, M3)
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Infrastruktur- und Unfallrisiken (−)
Bau und Betrieb von Anlagen/Verkehr erhöhen Flächenverbrauch, Lärm sowie das Risiko von Leckagen, was Lebensräume und ökologische Prozesse beeinträchtigen kann. (M2, M3)
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CO2- und Methanemissionen (−)
Bei Verbrennung entstehen CO2-Emissionen und entlang der Förderkette können Methanemissionen auftreten, die klimawirksam sind. (M8)
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Endlichkeit der Lagerstätte (−)
Die Ausbeutung nicht regenerierbarer Rohstoffe ist per Definition nicht nachhaltig, weil die Ressource erschöpft wird.
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Klimawirkung fossiler Förderung (−)
Zusätzliche Förderung verstärkt den fossilen „Lock-in“ und steht damit im Konflikt zu langfristigem Klimaschutz und Generationengerechtigkeit. (M2, M8)
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Regulierter, „begrenzter“ Eingriff (+)
Befürworter stellen das Projekt als stark reguliert dar und betonen, dass Schutzgebiete nicht tangiert würden. (M7, M9)
Ökonomische Dimension
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Steuer- und Einnahmeeffekte (+)
Das Projekt wird mit sehr hohen Einnahmen für lokale Ebene, Alaska und den US-Bund begründet, die wirtschaftliche Spielräume eröffnen. (M7)
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Arbeitsplätze (+)
In der Argumentation der Befürworter entstehen viele Jobs in der Bauphase sowie langfristige Beschäftigungseffekte. (M7)
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Regionale Entwicklung (+)
Einnahmen sollen die Finanzierung öffentlicher Leistungen und Infrastruktur stärken und damit einen Entwicklungsimpuls setzen. (M7)
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Export- und Marktposition USA (+)
Da die USA ihre Gasexporte, insbesondere LNG, ausbauen, kann zusätzliche Förderung die Rolle als Anbieter auf Weltmärkten stützen (u. a. für Abnehmer wie Deutschland). (M4–M6)
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Folgekosten durch Umwelt- und Klimaschäden (−)
Mögliche Schäden und Klimafolgen können langfristig erhebliche Kosten erzeugen und kurzfristige Gewinne relativieren. (M2, M8)
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Fragliche energiepolitische Notwendigkeit (−)
Weil die USA bereits mehr Gas fördern als verbrauchen, ist Willow eher ein zusätzliches Angebots- und Einnahmeprojekt als zwingend für die Eigenversorgung. (M6, M7)
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Stranded-Assets-Risiko (−)
Bei fortschreitender Energiewende und Regulierung können fossile Großprojekte wirtschaftlich an Wert verlieren.
Soziale Dimension
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Beteiligung und lokale Chancen (+)
Befürworter betonen die Einbindung lokaler Communities und verbinden das Projekt mit Verbesserungen der Daseinsvorsorge durch Einnahmen und Jobs. (M7)
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Heimatraum und traditionelle Lebensweisen (−)
Gegner sehen den Lebens- und Kulturraum indigener Gruppen sowie traditionelle Nutzungen durch Eingriffe in Natur und Raumordnung bedroht. (M8)
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Ungleiche Lastenverteilung (−)
Risiken und Belastungen fallen vor allem lokal an, während Nutzen (Energie/Profite) teilweise überregional oder international wirksam wird.
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Generationengerechtigkeit (−)
Kurzfristige Vorteile werden gegen langfristige Klimabelastungen abgewogen, die vor allem zukünftige Generationen treffen. (M2, M8)
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Globale Gerechtigkeit (Deutschland als Importeur) (−)
Wenn Importländer wie Deutschland von US-LNG profitieren, stellt sich die Frage, ob ökologische und soziale Kosten räumlich ausgelagert werden. (M5)
Politische Dimension
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Nationale Energiesicherheit („America First“) (+)
Befürworter legitimieren das Projekt als Beitrag zur nationalen Versorgungssicherheit und zur Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit. (M7)
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Geopolitischer Einfluss als Energielieferant (+)
Wachsende LNG-Exporte stärken die internationale Rolle der USA und ermöglichen Partnern eine Diversifizierung ihrer Lieferquellen. (M5, M6)
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Konservative Reserve-Logik (−)
Die Legitimation über das NPR als historisch eingerichtete Petroleum-Reserve wirkt wie ein Festhalten an einem alten Raumverständnis trotz neuer Klimarahmenbedingungen. (M7, M9)
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Greenwashing-Verdacht (−)
Die Unternehmenskommunikation stellt Nutzen und geringe Auswirkungen stark heraus, wodurch Risiken für Klima und Umwelt beschönigt wirken können. (M7)
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Politischer Raumkonflikt um Schutz und Nutzung (−)
Unterschiedliche Kartenrahmungen (Schutzgebiete vs. „nicht betroffen“) zeigen, dass das Projekt politisch umkämpft und gesellschaftlich strittig ist. (M9)
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Aktuelle energiepolitische Kurswechsel (±)
Eine stärker fossilfreundliche Ausrichtung (z. B. unter Trump) kann Projekte wie Willow fördern, verstärkt aber zugleich Konflikte mit Klimazielen und Umweltpolitik.
Gesamturteil
In der Gesamtbewertung stehen beim Willow-Projekt kurzfristige ökonomische und energiepolitische Vorteile klaren Nachhaltigkeitsrisiken gegenüber. Positiv sind vor allem die erwarteten Einnahmen und Arbeitsplätze sowie das Argument, die Versorgungssicherheit in unsicheren Zeiten und bei hoher LNG-Nachfrage zu stärken. Demgegenüber wiegt der Eingriff in ein hochsensibles arktisches Ökosystem schwer, weil Schäden dort nur schwer begrenzbar sind und lange nachwirken können. Zudem verstärkt zusätzliche fossile Förderung durch CO2-Emissionen und mögliche Methanverluste den Klimawandel und widerspricht damit der Generationengerechtigkeit. Sozial ist kritisch, dass der Heimatraum und traditionelle Lebensweisen indigener Gruppen beeinträchtigt werden können und Nutzen sowie Risiken ungleich verteilt sind – zumal auch Importländer profitieren, während Belastungen vor Ort und global entstehen. Insgesamt erscheint Willow damit eher kurzfristig strategisch und wirtschaftlich plausibel, langfristig jedoch aus Nachhaltigkeitsperspektive nur schwer zu rechtfertigen.


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