Vorschlag A – Wälder im Stress: Windparks als Beitrag zur nachhaltigen Anpassung deutscher Wälder an den Klimawandel?
Beschreibe die Holzwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und erläutere die aktuellen Entwicklungen unter Berücksichtigung klimatischer Veränderungen. (Material 1–7)
Skizziere die Ziele der Raumordnung in Deutschland.
Erläutere die Sachverhalte rund um die Errichtung des Windparks im Naturpark Arnsberger Wald und setze diese in Beziehung zu den vier Raumkonzepten. (Material 5, 8–11)
„Für die kommunale Anpassung an den Klimawandel kommt der Öffentlichkeitsarbeit in allen Phasen des kommunalen Anpassungsprozesses eine große Bedeutung zu. Sie dient vor allem der Sensibilisierung, Wissensvermittlung, Überzeugung und Aktivierung von Interessengruppen aus den verschiedensten Bereichen sowie Bürgerinnen und Bürger.“ (Umweltbundesamt (2022)).
Bewerte den Inhalt der Aussage vor dem Hintergrund der Ziele der Raumordnung am Beispiel des Raumnutzungskonfliktes im Arnsberger Wald. (Material 9–12)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 – Waldflächen in Nordrhein-Westfalen in Prozent (2020)
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Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche |
24,8 |
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Anteil der Waldflächen im Regierungsbezirk Arnsberg |
38,5 |
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Anteil der Waldflächen im Regierungsbezirk Olpe |
72,8 |
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Anteil von Nadelwald an der Waldfläche |
31,7 |
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Anteil der Nadelwaldflächen im Regierungsbezirk Arnsberg |
47,3 |
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Anteil der Nadelwaldflächen im Regierungsbezirk Olpe |
84,4 |
Quelle: Landesbetrieb IT.NRW: Waldfläche Nordrhein-Westfalens ist mehr als doppelt so groß wie Mallorca. 2020, URL: https://www.it.nrw/waldflaeche-nordrhein-westfalens-ist-mehr-als-doppelt-so-gross-wie-mallorca-100851 (abgerufen am 17.11.2022).
Material 2 – Holzeinschlag (Holzfällung) von Nadelholz in Nordrhein-Westfalen
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Jahr |
Holzeinschlag in Kubikmeter |
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|---|---|---|
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insgesamt |
darunter Schadholz |
|
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2010 |
2.857.719 |
923.953 |
|
2011 |
2.862.635 |
280.511 |
|
2012 |
2.541.823 |
218.042 |
|
2013 |
2.295.947 |
268.052 |
|
2014 |
2.600.268 |
219.543 |
|
2015 |
2.342.471 |
420.207 |
|
2016 |
2.156.221 |
154.450 |
|
2017 |
2.123.790 |
234.343 |
|
2018 |
3.489.735 |
2.726.410 |
|
2019 |
6.506.588 |
6.194.561 |
|
2020 |
14.468.395 |
14.005.417 |
|
2021 |
19.288.000 |
18.036.000 |
Quellen: Landesbetrieb IT.NRW - Statistik und IT-Dienstleistungen URL: https://www.it.nrw/waldflaeche-nordrhein-westfalens-ist-mehr-als-doppelt-so-gross-wie-mallorca-100851; URL: https://www.it.nrw/nrw-nadelholzeinschlag-im-jahr-2020-mehr-als-verdoppelt-968-prozent-war-schadholz-103205; URL: https://www.it.nrw/nrw-935-prozent-des-holzeinschlages-im-jahr-2021-waren-schadholz-107021 (alle abgerufen am 17.11.2022)
Material 3 – Gründe für Schadholzeinschlag in Nordrhein-Westfalen 2021
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Grund |
Anteile in Prozent |
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Wind/Sturm |
0,9 |
|
Schnee |
0,2 |
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Insekten |
91,8 |
|
Trockenheit |
5,8 |
|
sonstige Ursachen |
1,3 |
Quelle: Landesbetrieb IT.NRW: 93,5 Prozent des Holzeinschlags im Jahr 2021 waren Schadholz, 2022, URL: https://www.it.nrw/nrw-935-prozent-des-holzeinschlages-im-jahr-2021-waren-schadholz-107021 (abgerufen am 17.11.2022).
Material 4 – Wälder im Trockenstress

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Was Dürre im Wald anrichtet, 29.06.2020, URL: https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/upload/D_D%C3%BCrre_im_Wald_sm.jpg (abgerufen am 16.03.2023).
Material 5 – Das Waldsterben im Sauerland (2020)
Quelle: Matthias Schwarzer: Hitzewelle und Borkenkäfer – verlieren wir unsere Wälder? RedaktionsNetzwerk Deutschland, 2020, URL: https://www.rnd.de/panorama/hitzewelle-und-borkenkafer-verlieren-wir-unsere-walder-O6K5J4Q54FAF5PMCGTGZXKVVBU.html (abgerufen am 17.11.2022).
Material 6 – Vermarktung des Rohstoffs Holz durch den Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Quelle: Wald und Holz NRW: Verkauf von Holz aus dem Landeswald NRW, URL: https://www.wald-und-holz.nrw.de/forstwirtschaft/holz-aus-nrw-verkauf (abgerufen am 17.11.2022).
Material 7 – Außenhandel mit Rohholz in Nordrhein-Westfalen in Tonnen
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Quelle: Information und Technik Nordrhein-Westfalen: Forstwirtschaft und Außenhandel mit Rohholz in NRW, URL: https://www.it.nrw/themenschwerpunkt-wald (abgerufen am 17.11.2022).
Material 8 – Windenergie im Wald (2022)
Hinweis: Die Windhöffigkeit beschreibt das Vorkommen bzw. das Ertragspotenzial eines bestimmten Gebietes in Bezug auf den dort wehenden Wind.
Quelle: Fachagentur Windenergie an Land: Entwicklung der Windenergie im Wald, Berlin 2022, URL: https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/windenergie-im-wald/ (abgerufen am 16.03.2023).
Material 9 – Landespolitische und -planerische Vorgaben für Windenergie im Wald in Nordrhein-Westfalen (2022)
1 Kalamitätsfläche – Waldfläche, die durch Naturkatastrophen oder andere außergewöhnliche Ereignisse erheblich Schaden genommen hat
Quelle: Fachagentur Windenergie an Land: Entwicklung der Windenergie im Wald. Berlin 2022, S. 37−38, URL: https://www.fachagentur-windenergie.de/fileadmin/files/Windenergie_im_Wald/FA-Wind_Analyse_Wind_im_Wald_7Auflage_2022.pdf (abgerufen am 17.11.2022).
Material 10 – Windpark im Naturpark Arnsberger Wald (2022)
Quelle: Astrid Gunnemann: Meinungen zu Windkraft im Wald gehen auseinander, Soester Anzeiger, 03.11.2022, URL: https://www.soester-anzeiger.de/lokales/moehnesee/das-thema-windkraft-im-naturpark-arnsberger-wald-sorgt-fuer-diskussionen-91892625.html (abgerufen am 17.11.2022).
Material 11 – Offener Brief verschiedener Akteure zum Erhalt des Landschaftsbildes und der historischen Kulturlandschaft Arnsberger Wald (2018)
Quelle: Gemeinsamer Aufruf Erhalt des Landschaftsbildes und der historischen Kulturlandschaft Arnsberger Wald, 17.10.2018, URL: https://kein-windpark-ar-wald.de/wp-content/uploads/aufruf_aw.pdf (abgerufen am 16.03.2023).
Material 12 – Beschluss zur Errichtung der Windräder im Arnsberger Wald (2022)
Quelle: Reinhold Großelohmann: Warsteiner Rat stimmt für Windräder im Wald: Wie die Parteien argumentierten und was sie sich vorwarfen, Soester Anzeiger, 07.11.2022, URL: https://www.soester-anzeiger.de/lokales/warstein/windkraft-91901200.html (abgerufen am 17.11.2022).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Ausgangslage / Rohstoffbasis
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24,8 % der Gesamtfläche Nordrhein-Westfalens ist Waldfläche. (M1)
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Der Anteil Nadelwald an der Waldfläche beträgt 31,7 %. (M1)
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Regionale Schwerpunkte
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Regierungsbezirk Arnsberg: 38,5 % Waldfläche, 47,3 % Nadelwaldanteil (M1)
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Kreis Olpe: 72,8 % Waldfläche, 84,4 % Nadelwaldanteil (M1)
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Aktuelle Entwicklungen des Holzeinschlags (v. a. Nadelholz)
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Von 2010 bis 2017 ist der Holzeinschlag insgesamt eher rückläufig. (M2)
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Seit 2018 steigt der Holzeinschlag sprunghaft an an von 2.123.790 Kubikmetern im Jahr 2017 auf 19.288.000 Kubikmeter im Jahr 2021. (M2)
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Im gleichen Zeitraum steigt der Holzeinschlag von Schadholz in ähnlichem Ausmaß, von 2.726.410 Kubikmetern im Jahr 2018 auf 18.036.000 Kubikmeter im Jahr 2021, was die Gesamtzahl des Holzeinschlags erklärt. (M2)
Ursachen
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Die Gründe für den Schadholzeinschlag 2021 liegen vor allem bei Insekten (91,8 %) und Trockenheit (5,8 %). (M3)
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Klimatische Rahmung: Zunahme „heißer Tage“ (Höchsttemperatur > 30 °C) → mehr Hitzestress, Trockenperioden werden wahrscheinlicher/folgenreicher. (M4)
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Wirkung der Dürre auf die Waldgesundheit (Beispiel Fichte):
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Die Fichte als Flachwurzler nutzt vorrangig oberflächennahe Wasserreserven (Wurzeln häufig ca. 20–60 cm tief), welche Niederschlag voraussetzen. (M4)
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Wenn genug Wasser vorhanden ist, dient der Harzfluss als "klebrige Abwehr" gegen Insekten. (M4)
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Bei Dürre/Trockenstress ist diese natürliche Abwehr geschwächt. Dadurch kann sich der Borkenkäfer leichter ansiedeln und massenhaft vermehren. Von einem befallenen Baum aus breitet er sich dann auf umliegende Bestände aus, sodass bis zu 20 weitere Bäume in der Umgebung nachfolgend betroffen sein können (Kalamitätseffekt). (M4)
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Holzwirtschaftliche Struktur
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Die Holzwirtschaft Nordrhein-Westfalens Wald und Holz NRW vvermarktet jährlich rund 500.000 Kubikmeter Rohholz aus landeseigenen Wäldern; der Staatswaldanteil liegt in NRW bei ca. 13 %. (M6)
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Kalamitäten können die Verkaufsmengen kurzfristig stark erhöhen; mittel-/langfristig können sie wieder sinken. (M6)
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Der wertvollste Teil wird als Stammholz verkauft; Nadelstammholz geht an viele Sägewerke mit Schwerpunkt im Sauerland und in der Eifel → Produkte wie Bauholz, Bretter/Dielen, Dachlatten; teils Veredelung. (M6)
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Energetische Nutzung: Brennholz gewinnt durch steigende Energiepreise wieder an Bedeutung. (M6)
Konkrete Folgen vor Ort
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Beispiel Warstein / Sauerland: Nach Hitzesommern 2018/2019 starke Waldverluste; Betroffenheit der Bevölkerung. (M5)
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Für manche Waldbesitzende bricht der Wald als Altersvorsorge weg; Holzverarbeiter profitieren kurzfristig von großen (Schad-)Holzmengen, langfristig drohen jedoch Versorgungs- und Ertragseinbußen; der Tourismus kann durch den Verlust geschlossener Waldlandschaften an Attraktivität verlieren. (M5)
Außenhandel mit Rohholz
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Die Ausfuhr liegt im dargestellten Zeitraum deutlich über der Einfuhr (Ausfuhr grob im Bereich ~150.000–370.000 t/Monat, Einfuhr meist deutlich darunter). (M7)
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2021 zeigt die Ausfuhr sehr hohe Werte/Spitzen, danach starker Rückgang Richtung Ende 2021 und in 2022 eher moderateres Niveau. (M7)
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Die große Steigerung der Exportmenge lässt sich durch das hohe Ausmaß von Schadholz erklären. Mittel- und langfristig wird die Exportmenge daher wahrscheinlich wieder sinken.
Fazit
In Nordrhein-Westfalen basiert die Holzwirtschaft auf einer bedeutenden Waldfläche und regional teils sehr hohen Nadelwaldanteilen, wodurch insbesondere die Nutzung von Nadelholz wirtschaftlich prägend ist. Die Wertschöpfung reicht von der Rohholzvermarktung über die Verarbeitung in Sägewerken bis zur stofflichen Nutzung und teilweise zur energetischen Nutzung. Seit 2018 wird die Entwicklung jedoch stark durch Kalamitäten bestimmt: Der Holzeinschlag steigt sprunghaft an, wobei Schadholz dominiert; Hauptursachen sind Trockenstress und vor allem Insektenbefall, der durch Hitze- und Dürrephasen begünstigt wird. Das hat regionale Folgen, etwa finanzielle Verluste für Waldbesitzende, Unsicherheiten für die Holzbranche und mögliche Einbußen im Tourismus, und spiegelt sich zudem in der Außenhandelsdynamik des Rohholzes wider.
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Grundauftrag der Raumordnung: Gesamtraum und Teilräume entwickeln, ordnen und sichern
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Leitziele
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Ausgeglichene soziale, infrastrukturelle, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Verhältnisse herstellen bzw. sichern – unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit
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Grundlegende Versorgung mit Infrastruktur und Dienstleistungen gewährleisten (Daseinsvorsorge)
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Umgang mit Interessen und Konflikten
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Anregungen und Bedenken der Betroffenen berücksichtigen
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Raumnutzungskonflikte lösen bzw. ausgleichen (Koordination konkurrierender Nutzungsansprüche)
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Verbindlichkeit von Entscheidungen
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Jede raumwirksame Maßnahme muss mit den Zielen der Raumordnung vereinbar sein
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Rechtliche Grundlagen
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Grundlage ist das Raumordnungsgesetz sowie entsprechende Regelungen auf Bundes- und Landesebene
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Sachverhalte rund um die Errichtung des Windparks
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Ausgangslage: Durch Waldschäden (u. a. infolge Hitze-/Dürrejahre und Borkenkäfer) entstehen großflächige Kalamitätsflächen im Arnsberger Wald. Das belastet die Region wirtschaftlich und potenziell auch touristisch. (M4, M5)
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Neue Ideen der Inwertsetzung des Raumes: Vor diesem Hintergrund rücken Waldflächen stärker als mögliche Standorte für Windenergie in den Fokus – besonders in Mittelgebirgsräumen mit windhöffigen Höhenzügen. (M8)
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Politisch-planerischer Rahmen: Windenergie im Wald ist nach Vorgaben nur unter Bedingungen zulässig (Bedarf, keine Alternative außerhalb des Waldes, Minimierung der Waldumwandlung); zugleich will die Landesregierung Hemmnisse abbauen und besonders Nadelholzkalamitätsflächen in den Blick nehmen. (M9)
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Konflikt und Gegenwehr: Der Standort im Naturpark wird kontrovers diskutiert (u. a. wegen Landschaftsbild/Erholungsfunktion); es wird gefordert, zuvor andere Standorte zu prüfen. (M10)
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Umdenken durch aktuelle Ereignisse: Im politischen Entscheidungsprozess werden Klimaschutz-/Klimawandelbezüge und eine verschärfte Debatte um Energieversorgung als Gründe genannt, weshalb sich Positionen einzelner Akteure verändern. (M12)
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Beteiligung/Abwägung: Bei Vorhaben im Wald müssen Auswirkungen auf Mensch, Natur und Landschaft geprüft und Eingriffe ausgeglichen werden. (M8)
Raum als Realraum (Containerraum)
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Der Naturpark Arnsberger Wald ist ein großräumiger Natur- und Erholungsraum (ca. 600 km2) und zählt zu den Naturparks in Deutschland; als großes zusammenhängendes Waldgebiet eignet er sich grundsätzlich als Naherholungsraum. (M10)
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Die ausgeprägte Waldfläche stellt ein wesentliches Raumpotenzial als Rohstofflieferant dar (Holz als Ressource). (M6)
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Die Abgeschiedenheit bzw. geringe Vorbelastung/geringe Zerschneidung des Naturraums und die Weite der Waldflächen erhöhen den Wert als Ort der Naherholung (störungsarm/naturnah). (M11)
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Die großflächigen Kalamitätsflächen bilden ein (neu interpretierbares) Flächenpotenzial für alternative Nutzungen, z. B. Windenergie — insbesondere dort, wo Waldfunktionen bereits eingeschränkt sind. (M9)
Raum als Beziehungsraum (Raum als System)
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Der Wald ist Wirtschaftsfaktor für viele Bewohner, v. a. durch Forstwirtschaft, Holzverarbeitung und Tourismus (enge funktionale Verflechtungen der Sektoren). (M5)
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Die ausgeprägten Waldflächen haben die Ansiedlung zahlreicher Sägewerke begünstigt; Nadelstammholz wird schwerpunktmäßig im Sauerland und in der Eifel verarbeitet (Wertschöpfungskette Wald → Sägewerk → Holzprodukte). (M6)
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Wald und Holz NRW verkauft jährlich rund 500.000 Kubikmeter Rohholz; die Erlöse unterliegen der Marktdynamik (Angebot/Nachfrage); die aktuelle Preisentwicklung ist positiv. (M6)
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Perspektivisch droht die Holzvermarktung einzubrechen: Die Ausfuhr steigt zunächst (plausibel durch hohe Schadholzmengen) und geht seit November/Dezember 2021 deutlich zurück — ein Hinweis auf veränderte Mengen/Marktlage nach der Schadholzspitze. (M7)
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Windenergie im Wald ist Teil eines Systems aus Energiepolitik, Raumplanung und Genehmigung: In waldreichen Bundesländern werden vermehrt Anlagen im Wald errichtet; im Mittelgebirge sind Höhenzüge oft windhöffig, und zugleich rücken Kalamitätsflächen als potenzielle Standorte in den Fokus (mit Prüfung/Abwägung und Ausgleich von Eingriffen). (M8, M9)
Raum als wahrgenommener Raum (Raum als Kategorie der Sinneswahrnehmung)
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Für Anwohner wird der Wald (neben der ökologischen Funktion) als Wirtschaftsraum wahrgenommen: Rohstoffbasis für holzverarbeitende Unternehmen und zugleich attraktives „Setting“ für Tagestouristen. (M5)
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Besonders konfliktträchtig ist die visuelle Dimension: Gleichzeitig wird er als eine der letzten großen naturnahen, wenig zerschnittenen Waldlandschaften als "Waldmeer" beworben. Ein Windpark als "industrielle Großanlage" würde diese Wahrnehmung stören und den Raum als Erholungslandschaft entwerten. (M10, M11)
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Die Kalamitätsflächen werden unterschiedlich bewertet: wirtschaftlich teils als „wertlos“ (keine Ertrags-/Waldfunktion), zugleich gibt es die Wahrnehmung, sie durch (klimaangepasste) Wiederbewaldung wieder nutzbar zu machen. (M10)
Raum als Konstruktion
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Je nach Interessenlage wird der Wald unterschiedlich konstruiert: als Naturlandschaft (Schutz/Ökologie), als Kulturlandschaft (historisch/identitätsstiftend) oder als (potenzielle) Industrielandschaft (Energieerzeugung durch Windkraft). (M8–M11)
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Landespolitisch wird versucht, Kalamitätsflächen als Standortfaktor zu rahmen („Flächen ohne wesentliche Waldfunktionen“) und Windenergiezubauten im Wald zu erleichtern; im Fokus stehen u. a. Nadelholzkalamitätsflächen. (M9)
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Lokalpolitisch wird Windkraft im Erholungswald als Gefahr einer „Verspargelung“ konstruiert; als Lösung wird eine Zentrierung/Bündelung der Anlagen an geeigneten Stellen (in Abstimmung mit Planungsebene) vorgeschlagen. (M10)
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Naturpark-/Tourismusakteure konstruieren den Raum als großräumigen Erholungs- und Identitätsraum („Waldmeer“) und stellen dem die Konstruktion der Windkraft als „industrielle Großanlage“ entgegen; als Alternative wird Waldumbau durch klimaangepasste Anpflanzungen betont. (M10)
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Im offenen Brief wird der Wald als unersetzliche historische Kulturlandschaft mit kulturhistorischer Bedeutung und identitätsstiftender Wirkung dargestellt; Windkraft würde (zusammen mit Zuwegungen/Kabeltrassen) zur Umformung in eine Industrielandschaft führen und das Landschaftsbild durch Maßstabsverlust entwerten. (M11)
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Die Aussage, dass Öffentlichkeitsarbeit für kommunale Anpassung an den Klimawandel zentral ist, ist grundsätzlich sinnvoll, weil Klimaschutz-/Anpassungsmaßnahmen häufig Konflikte auslösen und Akzeptanz, Transparenz und Beteiligung benötigen.
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Die Vorgänge im Naturpark Arnsberger Wald zeigen jedoch, dass die Umsetzung komplex ist und eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Raumkonstruktionen verschiedener Interessengruppen erfordert. (M9–M12)
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Bedeutung von Beteiligung
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Der offene Brief verdeutlicht, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen offenbar öffentlich sichtbar machen mussten und daher diese Form der Beteiligung/Kommunikation wählten. (M11)
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Das ist ein Hinweis darauf, dass Öffentlichkeitsarbeit auch dann relevant wird, wenn Menschen das Gefühl haben, sonst nicht ausreichend einbezogen zu sein. (M11)
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Raumordnung als Rahmen: Anregungen/Bedenken berücksichtigen
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Aufgabe der Raumordnung (und damit auch auf kommunaler Ebene) ist es, Raumnutzungskonflikte zu lösen und Betroffene einzubeziehen.
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Um Anregungen und Bedenken der Betroffenen zu berücksichtigen, können Regionalpläne gemeinsam mit der Gemeinde entwickelt werden; im Sinne des Gegenstromprinzips können verschiedene Ebenen und Akteursgruppen ihre Argumente einbringen. (M10)
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Im Material wird Beteiligung/Öffentlichkeitsarbeit konkret z. B. durch Informations- und Austauschformate zur Regionalplanung sichtbar. (M10)
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Gestiegene Dringlichkeit: Klimawandel + Energiekrise
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Der Waldverlust im Arnsberger Wald macht die Folgen des Klimawandels für die Menschen der Region direkt erfahrbar und betrifft wichtige Wirtschaftsbereiche (z. B. Forstwirtschaft/Holz, Tourismus). (M5)
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Der Krieg in der Ukraine und die daraus abgeleitete Energiekrise erhöhen zusätzlich die Relevanz von Fragen der Energieversorgung und Klimaneutralität. (M12)
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Dadurch entsteht ein Kontext, in dem „Waldumbau“ bzw. neue Nutzungen (z. B. Windenergie) als wirtschaftlich/energiepolitisch bedeutsam diskutiert werden. (M9, M12)
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Dilemma der Klimaschutzmaßnahmen am Beispiel Arnsberger Wald
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Option A: Wiederbewaldung/Waldumbau auf Kalamitätsflächen (klimaangepasste Aufforstung) → Erhalt/Verbesserung von Waldfunktionen und Biodiversität, Stärkung des naturnahen Tourismus möglich. (M10, M11)
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Option B: Windenergie im Wald → Beitrag zur Klimaneutralität in der Energiegewinnung und potenziell ein neues wirtschaftliches Standbein für die Region. (M9, M12)
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Vielschichtigkeit und Wandel von Positionen
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Die Debatte zeigt, dass Klimaschutzmaßnahmen unterschiedlich verstanden werden (Schutz der Waldfunktionen vs. klimaneutrale Energieproduktion) und dass die Argumente/Positionen im politischen Prozess wandeln können. (M12)
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In Warstein wird der Haltungswandel einzelner Akteure u. a. mit veränderten Rahmenbedingungen („Zeitenwende“/Energiekrise) begründet; gleichzeitig bestehen weiterhin starke Gegenargumente (z. B. „Industriegebiet“/Landschaftsbild). (M12)
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Schlussurteil
Insgesamt kann die Kernaussage des Zitats als sinnvoll bewertet werden, weil die Vorgänge im Naturpark Arnsberger Wald zeigen, dass Klimaanpassung und Klimaschutz vor Ort nur dann tragfähig umgesetzt werden können, wenn unterschiedliche Interessen und Raumkonstruktionen transparent gemacht und Betroffene tatsächlich einbezogen werden. Gerade der offene Brief verdeutlicht, wie stark das Bedürfnis nach Gehör und Beteiligung ist und dass Öffentlichkeitsarbeit hier eine zentrale Voraussetzung für Akzeptanz und Konfliktbearbeitung darstellt. Zugleich wird deutlich, dass der Handlungsdruck vor allem durch zwei Ereignisse stark erhöht wurde – das Waldsterben infolge des Klimawandels und die Energiekrise im Kontext des Ukrainekriegs –, wodurch sich Bewertungen und Positionen im politischen Prozess verändern konnten Öffentlichkeitsarbeit ist damit zwar nicht die alleinige Lösung, aber ein entscheidender Schlüssel, um Raumnutzungskonflikte im Sinne der Raumordnung überhaupt bearbeitbar und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.