Vorschlag C – Die East African Crude Oil Pipeline (EACOP) – eine Entwicklungschance für Uganda?
Beschreibe die sozioökonomische Situation Ugandas unter Bezugnahme auf die Raumkonzepte „Containerraum“ und „Beziehungsraum“ und ordne dem Land im internationalen Vergleich einen Entwicklungsstand zu. (Material 1, Atlas)
Stelle die wesentlichen Merkmale des Projekts East African Crude Oil Pipeline (EACOP) dar. (Material 2–5, Atlas)
Arbeite unter Bezugnahme auf das Raumkonzept „Wahrgenommener Raum“ die unterschiedlichen Interessengruppen und deren Argumentation bezüglich des Projekts heraus. (Material 5–7)
Beurteile unter Berücksichtigung der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit und der UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung 2030 Nr. 7 und Nr. 9, inwiefern das EACOP-Projekt für Uganda eine geeignete Strategie für eine nachhaltige Entwicklung sein kann. (Material 1–8, Atlas)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 – Strukturdaten Uganda (2022)
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Landesfläche in km2 |
241.037 |
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Gesamtbevölkerung in Mio. |
47,2 |
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Bevölkerungsdichte, Einwohner je km2 (2021) |
229 |
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Fruchtbarkeitsrate, Anzahl Kinder je Frau |
5,4 |
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Lebenserwartung Frauen bei Geburt in Jahren (2021) |
64,9 |
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Lebenserwartung Männer bei Geburt in Jahren (2021) |
60,4 |
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HDI Wert/Rang (2021) |
0,525/166 |
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BIP in Mrd. US-Dollar |
48 |
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BIP/Kopf in US-Dollar |
1103 |
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BIP-Veränderung zum Vorjahr in % |
6,4 |
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Wertschöpfung in % des BIP (2021): |
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Land- und Forstwirtschaft, Fischerei |
25,2 |
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Industrie/Produktion |
29,4 |
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Dienstleistungen |
45,3 |
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Anteil der Beschäftigten in % (2021): |
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Land- und Forstwirtschaft, Fischerei |
66,7 |
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Industrie/Produktion |
7,1 |
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Dienstleistungen |
26,2 |
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Erwerbslosenquote (15 Jahre und älter) in % |
2,9 |
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Jugenderwerbslosenquote (15–24 Jahre) |
4,6 |
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Export in Mrd. US-Dollar (2021) |
3,965 |
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Hauptexportprodukte in % |
Perlen, Edelsteine, Schmucksteine, Edelmetalle, Schmuckmünzen (26,1), Kaffee, Tee, Mate, Gewürze (20,7), mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Erzeugnisse (3,4), Gemüse (3,1), Fische, Krebstiere (2,9) |
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Hauptexportländer in % |
Vereinigte Arabische Emirate (44,5), Kenia (11,2), Südsudan (8,6), DR Kongo (6,4), Italien (3,3) |
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Import in Mrd. US-Dollar (2021) |
9,086 |
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Hauptimportprodukte in % |
Mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Erzeugnisse (14,2), Perlen, Edelsteine, Schmucksteine, Edelmetalle, Schmuckmünzen (12,1), Kraftwagen, Fahrzeuge, Teile (8,1), Maschinen und mechanische Erzeugnisse (6,9), Eisen und Stahl (6,7) |
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Hauptimportländer |
China (16,4), Kenia (9,4), Tansania (9,0), Vereinigte Arabische Emirate (6,0), Japan (4,2) |
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Säuglingssterblichkeit je 1.000 Lebendgeburten |
31,2 |
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Kindersterblichkeit unter 5 Jahre je 1.000 Lebendgeburten |
42,1 |
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Praktizierende Ärzte je 1.000 Einwohner |
0,2 |
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Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner |
0,5 |
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Zugang zu sauberem Wasser % der Gesamtbevölkerung |
59,3 |
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Zugang zu Sanitäranlagen % der Gesamtbevölkerung |
21,0 |
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Alphabetisierungsrate in % (2021) |
79 |
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Öffentliche Gesamtausgaben für Bildung % des BIP (2021) |
2,7 |
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Stadtbevölkerung in % |
26,2 |
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Personenkraftwagen je 1.000 Einwohner (2015) |
4 |
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Erneuerbare Energie in % des Endenergieverbrauchs (2021) |
93,0 |
Material 2 – Geplanter Verlauf der East African Crude Oil Pipeline (EACOP) vom Albertsee zur ugandisch-tansanischen Grenze (2021)

Quelle: Paddy Banya Kinyera, Martin Doevenspeck: Wertschöpfungsketten und Konflikt – die East African Crude Oil Pipeline in Uganda, in: Geographische Rundschau (Heft 12) 2021, S. 33.
Material 3 – Geplanter Verlauf der EACOP vom Albertsee in Uganda bis zur tansanischen Hafenstadt Tanga am Indischen Ozean (2021)

Quelle: Paddy Banya Kinyera, Martin Doevenspeck: Wertschöpfungsketten und Konflikt – die East African Crude Oil Pipeline in Uganda, in: Geographische Rundschau (Heft 12) 2021, S. 34.
Material 4 – Erdöl und Pipeline in Uganda
Quelle: Paddy Banya Kinyera, Martin Doevenspeck: Wertschöpfungsketten und Konflikt – die East African Crude Oil Pipeline in Uganda, in: Geographische Rundschau (Heft 12) 2021, S. 33–34.
Material 5 – Das Projekt EACOP
Quelle: Adrian Amann: Öl-Pipeline EACOP: Uganda, Tansania und Total Energies wollen umstrittenes Mega-Projekt starten, 19.09.2022, URL: https://www.boell.de/de/2022/09/19/oel-pipeline-eacop-uganda-tansania-und-total-energies-wollen-umstrittenes-mega-projekt (abgerufen am 09.04.2024).
Hinweise: Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage. Die Genderschreibweise entspricht dem Original.
Material 6 – Adrian Amann: Öl-Pipeline EACOP: Uganda, Tansania und Total Energies wollen umstrittenes Mega-Projekt starten (2022)
1 endemische Tierarten – Tiere, die ausschließlich in einem begrenzten Gebiet vorkommen
2 net zero gain (deutsch: Netto Null Emissionen) – wenn ein Unternehmen, eine Organisation, eine Stadt oder sogar ein ganzes Land seine CO2-Emissionen soweit reduziert oder ausgeglichen hat, dass sie effektiv null erreichen
Quelle: Adrian Amann: Öl-Pipeline EACOP: Uganda, Tansania und Total Energies wollen umstrittenes Mega-Projekt starten, 19.09.2022, URL: https://www.boell.de/de/2022/09/19/oel-pipeline-eacop-uganda-tansania-und-total-energies-wollen-umstrittenes-mega-projekt (abgerufen am 09.04.2024).
Hinweise; Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage. Die Genderschreibweise entspricht dem Original.
Material 7 – Adrian Amann: Kräfte der Zivilgesellschaft (2022)
Quelle: Adrian Amann: Öl-Pipeline EACOP: Uganda, Tansania und Total Energies wollen umstrittenes Mega-Projekt starten, 19.09.2022, URL: https://www.boell.de/de/2022/09/19/oel-pipeline-eacop-uganda-tansania-und-total-energies-wollen-umstrittenes-mega-projekt (abgerufen am 09.04.2024).
Hinweise: Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage. Die Genderschreibweise entspricht dem Original.
Material 8 – UN-Nachhaltigkeitsziele
UN-Nachhaltigkeitsziel 7

Ziel 7: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
Was wollen wir mit Ziel 7 erreichen?
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Alle Menschen sollen Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher und moderner Energie haben.
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Der Anteil erneuerbarer Energie am globalen Energiemix soll deutlich erhöht werden.
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Die weltweite Steigerungsrate der Energieeffizienz soll verdoppelt werden.
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Die internationale Zusammenarbeit soll verstärkt werden, um den Zugang zu Forschung und Technik im Bereich erneuerbare Energie, Energieeffizienz sowie fortschrittliche und saubere Technologien für fossile Brennstoffe zu erleichtern und Investitionen in saubere Energie zu fördern.
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Die Infrastruktur soll ausgebaut und modernisiert werden, um in Entwicklungsländern moderne und nachhaltige Energiedienstleistungen für alle bereitzustellen.
Quelle: URL: https://www.bmz.de/resource/blob/83902/5d6fe2727c3e04d70acdfdd3b520e01f/01b-sdg-07-unterziele-data.pdf und https://www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-7 (abgerufen am 09.04.2024)
UN-Nachhaltigkeitsziel 9

Ziel 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
Was wollen wir mit Ziel 9 erreichen?
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Aufbau einer hochwertigen, nachhaltigen und widerstandsfähigen Infrastruktur
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Förderung einer inklusiven und nachhaltigen Industrialisierung
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Zugang kleiner Industrie- und anderer Unternehmen zu Finanzdienstleistungen und ihre Einbindung in Wertschöpfungsketten und Märkte erhöhen
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Infrastruktur modernisieren und Industrien nachrüsten, um sie nachhaltig zu machen
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Eine Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes in Entwicklungsländern, die sozialverträglich, ökologisch und wirtschaftlich tragfähig ist
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Forschung verbessern und technologische Kapazitäten der Industriesektoren in allen Ländern ausbauen
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Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien erweitern und Innovation unterstützen
Quelle: URL: https://www.bmz.de/resource/blob/85516/b08d7968953ec6ac3b0ef0f1b198043f/01b-sdg-09-unterziele-data.pdf und https://www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-9 (beide abgerufen am 09.04.2024).
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Demografie
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Uganda hat eine sehr große Bevölkerung (47,2 Mio.) bei vergleichsweise kleiner Fläche (241.037 km²), die Bevölkerungsdichte liegt bei 229 Ew./km² → hoher Bevölkerungsdruck (M1)
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Sehr hohe Bevölkerungsdynamik: Fruchtbarkeitsrate 5,4 Kinder/Frau → stark steigender Bedarf an Bildung, Arbeitsplätzen und Gesundheitsversorgung. (M1)
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geringer Urbanisierungsgrad: Stadtbevölkerung 26,2 % → Uganda ist stark ländlich geprägt. (M1)
Wirtschaftsstruktur
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Gesamtwirtschaft
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Sehr niedriges Einkommensniveau: BIP/Kopf 1.103 US-
(bei Gesamt-BIP 48 Mrd. US-
, Wachstum 6,4 %) → wirtschaftliches Wachstum, aber auf niedrigem Entwicklungsniveau. (M1)
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Anteile an der Wertschöpfung: Dienstleistungen 45,3 %, Industrie 29,4 %, Landwirtschaft 25,2 %. (M1)
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Primärer Sektor
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Landwirtschaft ist landesweit stark ausgeprägt; Anbau von Cash Crops (u. a. Kaffee, Kakao, Tee) sowie Bananen; zusätzlich Fischerei am Viktoriasee. (Atlas)
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66,7 % der Erwerbstätigen arbeiten in Land-/Forstwirtschaft/Fischerei, aber der Sektor trägt nur 25,2 % zum BIP bei → geringe Produktivität, deutlicher Hinweis auf Subsistenzwirtschaft/informellen Agrarsektor. (M1)
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Wenige Rohstoffvorkommen → begrenzte Rohstoffbasis als Impuls für Industrialisierung. (M1)
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Sekundärer Sektor
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Industrie ist räumlich konzentriert im Süden (Raum Kampala/Viktoriasee): u. a. Nahrungs- und Genussmittel, Metallindustrie, Chemie/Kunststoffe, Zement. (Atlas)
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Nur 7,1 % Beschäftigte, aber 29,4 % BIP-Anteil → insgesamt schwach entwickelte, teils kapitalintensivere Industrie in wenigen Standorten (keine breite Industrialisierung). (M1)
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Tertiärer Sektor
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Kampala fungiert als Dienstleistungszentrum mit regionaler Bedeutung. (Atlas)
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26,2 % Erwerbstätige, 45,3 % BIP-Anteil → Dienstleistungen sind wichtigster Wertschöpfungssektor. (M1)
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Infrastruktur
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Sehr geringe Motorisierung (4 Pkw/1000 Einw.) → geringe Kaufkraft und eingeschränkte Mobilität/Verkehrsinfrastruktur. (M1)
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Soziale Lage
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Schwache medizinische Versorgung: 0,2 Ärzte/1000 Einw. und 0,5 Krankenhausbetten/1000 Einw. (M1)
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Grundversorgung defizitär: Zugang zu sauberem Trinkwasser 59,3 %, zu Sanitäranlagen 21,0 %. (M1)
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Unterernährung: Anteil Betroffener über dem weltweiten Durchschnitt.
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Konsequenzen: hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit (3,12 % bzw. 4,21 %) sowie unterdurchschnittliche Lebenserwartung (Frauen 64,9, Männer 60,4 Jahre). (M1)
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Geringe Bildungsausgaben (2,7 % des BIP) → unterdurchschnittliche Alphabetisierung (79 %). (M1)
Entwicklungsindikator
-
HDI 0,525 (Rang 166) → sehr niedrige menschliche Entwicklung (M1)
Uganda als Beziehungsraum (Verflechtungen/Abhängigkeiten)
Außenhandel / weltwirtschaftliche Einbindung
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Uganda weist eine deutlich negative Handelsbilanz auf: Import 9,086 Mrd. US-
vs. Export 3,965 Mrd. US-
→ Importabhängigkeit und Devisendruck. (M1)
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Export-Verpflechtungen
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Exportstruktur: u. a. Perlen/Edelsteine/Edelmetalle (26,1 %) sowie Kaffee/Tee/Gewürze (20,7 %) → eher primärgüter-/rohstoffnah, damit anfällig für Preisschwankungen. (M1)
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Wichtige Exportpartner: v. a. VAE (44,5 %), danach Kenia (11,2 %), außerdem Südsudan, DR Kongo, Italien → Mischung aus globalen und regionalen Verflechtungen. (M1)
-
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Import-Verpflechtungen
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Importstruktur: u. a. mineralische Brennstoffe/Mineralöle (14,2 %) sowie Fahrzeuge, Maschinen, Eisen/Stahl → Abhängigkeit von Energie- und Industriegüterimporten. (M1)
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Wichtige Importpartner: China (16,4 %) sowie regionale Lieferländer Kenia (9,4 %) und Tansania (9,0 %) → Einbindung in globale Lieferketten und regionale Handelsachsen. (M1)
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Einordnung des Entwicklungsstands
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Die Kombination aus sehr niedrigem BIP/Kopf (1.103 US-
), niedrigem HDI (0,525 / Rang 166) sowie deutlichen Defiziten bei Gesundheit, Wasser/Sanitär und Bildung spricht klar für einen niedrigen Entwicklungsstand.
-
Verstärkend wirken die hohe Fertilität (5,4) und die starke Importabhängigkeit (negative Handelsbilanz) → strukturelle Verwundbarkeit. (M1)
-
Uganda ist daher der Gruppe der Least Developed Countries (LDC) zuzuordnen. Diese sind laut UN-Definition gekennzeichnet durch extrem niedriges Pro-Kopf-Einkommen, hohe ökonomische Verwundbarkeit und geringe „human resources“ (u. a. Bildung/Analphabetismus, Gesundheit, Ernährung).
Ausgangslage und Ziel des Projekts
-
Am Albertsee zwischen Uganda und der D. R. Kongo wurden 2006 wirtschaftlich nutzbare Erdölvorkommen bestätigt. (M4)
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Die förderbaren Reserven werden auf ca. 1,7 Mrd. Barrel geschätzt. (M4)
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Ziel ist die Erschließung und der Abtransport/Export des Rohöls. (M4, M5)
-
Der Abtransport soll über die East African Crude Oil Pipeline (EACOP) erfolgen: Erdöl wird aus dem ugandischen Förderraum über Tansania in Richtung Indischer Ozean transportiert. (M3)
Räumlicher Verlauf / Trasse (Uganda → Tansania)
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In Uganda verlaufen Zubringerleitungen aus den Förderfeldern Tilenga und Kingfisher zu einem Sammel-/Industrieknoten (u. a. Kabaale; dort ist auch eine Raffinerie vorgesehen/markiert). (M2)
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Von dort führt die Pipeline nach Süden zur ugandisch-tansanischen Grenze; anschließend verläuft sie durch Tansania bis zur Hafenstadt Tanga am Indischen Ozean. (M2, M3)
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Die Materialien weisen die Strecken als ca. 297 km (Uganda) und 1147 km (Tansania) aus (Gesamtdimensionierung des Projektraums). (M3)
Technische Kerndaten
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ca. 1.445 km lange unterirdische 24-Zoll-Pipeline, Verlegung in ca. 2 m Tiefe (M4)
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Förderleistung bei voller Produktion ca. 200.000 Barrel/Tag (M4)
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Besonderheit: Pipeline ist elektrisch beheizt, um das „wachsartige“ Rohöl flüssig zu halten („längste elektrisch beheizte Pipeline der Welt“) (M4)
Träger / Akteure und Finanzierung
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Bau und Betrieb liegen bei einem Konsortium aus Total Energies, CNOOC, der Uganda National Oil Company und der Tanzania Petroleum Development Corporation. (M4)
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Beteiligungsstruktur (Projekt EACOP): 62% französischer Ölkonzern Total Energies, 8% China National Offshore Oil Corporation (CNOOC), 15% Uganda National Oil Company, 15% Tanzania Petroleum Development Corporation. (M5)
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Für die Pipeline werden ca. 3,5 Mrd. US-
veranschlagt; Gesamtinvestitionen für die Erschließung liegen bei > 10 Mrd. US-
(Investitionsentscheidung durch Hauptkonzessionär Total Energies im April 2021). (M4)
Pipeline-Korridor / Umsetzung vor Ort
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Entlang der Trasse wird ein Korridor festgelegt: 30 m zu beiden Seiten der Pipeline; vorgesehen sind Entschädigungen für Land-/Eigentumsverluste. (M5)
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Die Sicherung des Durchgangsrechts (ugandischer Südabschnitt) betraf u. a. die Distrikte Lwengo, Rakai, Kyotera (Mitte 2021) – Planung schwierig, weil unklar bleibt, ob und wie die Bevölkerung an Gewinnen beteiligt wird. (M5)
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Verteilungs-/Entwicklungseffekte: 10 Jahre Steuerfreiheit für Total Energies ab Beginn der Förderung (Beschluss Dez. 2021); viele Aufträge gehen an ausländische Firmen, lokale Firmen eher unterstützend; statt „zehntausenden Jobs“ werden nach Bauende ca. 3.500 Arbeitsplätze erwartet. (M5)
Energiekonzerne / Konsortium (v. a. Total Energies, CNOOC)
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Wahrnehmung des Raums
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Pipelinekorridor als Wertschöpfungs- und Infrastrukturraum: Transportweg, um das Öl wirtschaftlich nutzbar zu machen. (M6)
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Schutzgebiete/Umwelt werden als „managbares Risiko“ dargestellt. (M6)
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Argumentation / Interessen
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Gewinn- und Investitionsinteresse: TotalEnergies ist Hauptkonzessionär und plant langfristige Förderung sowie den Export über Pipelines zum Indischen Ozean (Investitionsvolumen im Milliardenbereich). (M6)
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Macht-/Beteiligungsstruktur: Total 62 %, CNOOC 8 %, Uganda 15 %, Tansania 15 % → Staaten sind beteiligt, aber die Mehrheit liegt bei ausländischen Akteuren. (M5)
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Legitimationsstrategie („verantwortliches“ Projekt): Total betont Ausgleichs-/Schutzmaßnahmen (z. B. „net biodiversity gain“), u. a. geringere Eingriffe im Nationalpark, 50 % mehr Ranger, Wiederansiedlung des Spitzmaulnashorns, teils Solarenergie für Pumpanlagen. (M6)
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Nationale Politik / Ugandische Regierung (u. a. Präsident Yoweri Museveni)
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Wahrnehmung des Raums
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Uganda als Entwicklungsraum mit Energie- und Wohlstandsdefiziten: Öl als Chance für Wachstum, Jobs, bessere Energieversorgung und stärkere staatliche Handlungsfähigkeit. (M6)
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Argumentation / Interessen
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Entwicklungs-/Wohlstandsversprechen: Arbeitsplätze und (indirekt) bessere Energieversorgung sollen wirtschaftliche Entwicklung anstoßen. (M6)
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Souveränitätsargument: Museveni sieht Ölförderung als Weg zu finanzieller Unabhängigkeit. (M6)
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Umweltargument durch Energiearmut: Energiearmut führe zu Abholzung/Umweltschäden; bessere Energieversorgung könne Abholzung mindern – Öl wird als „Übergang“ dargestellt. (M6)
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Gerechtigkeits-/Doppelstandardargument: Kritik an westlichen Staaten, die selbst fossile Förderung ausweiten (z. B. im Kontext Ukrainekrieg), während Uganda begrenzt werde. (M6)
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Anwohner im Pipelinekorridor / lokale Landnutzer (z. B. Bauern, Kleingewerbe)
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Wahrnehmung des Raums
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Pipelinekorridor als Lebens- und Eigentumsraum (Land = Existenzsicherung), zugleich als überplanter Raum, weil ein fixer Korridor festgelegt wird. (M5)
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Argumentation / Interessen
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Zwangsraum: Festgelegter Korridor (insgesamt 30 m beidseits) bedeutet Landverlust/Restriktionen – für Betroffene mit hoher Unsicherheit verbunden. (M5)
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Hoffnung auf Entschädigungen, steigende Bodenpreise, Aufträge/Jobs und allgemeinen Wohlstandsgewinn durch Bauaktivitäten. (M5)
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Unklare Teilhabe: Ob und wie stark Anwohner tatsächlich profitieren, bleibt offen; Nutzen im Korridor wirkt oft unkonkreter als in Fördergebieten/Raffinerieraum. (M5)
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Verteilungsproblem: Große Aufträge gehen an ausländische Firmen; lokale Unternehmen bleiben häufig in einer Nebenrolle → Nutzen könnte ungleich verteilt sein. (M5)
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Arbeitsplätze: Schätzungen nennen ca. 3.500 Arbeitsplätze (v. a. im Zusammenhang mit Bau/Betrieb) – deutlich weniger als teils suggeriert. (M5)
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Umsiedlungen: Bereits im Vorfeld wurden > 7.000 Menschen umgesiedelt; teils Kritik an Entschädigungspraxis. (M6)
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Betroffene mit existenzieller Abhängigkeit von Naturressourcen (v. a. Fischerei)
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Wahrnehmung des Raums
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Viktoriasee/Fischgründe als Existenzraum (Ernährung, Einkommen, Versorgung). (M6)
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Argumentation
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Leckage-Risiko: Ein Öl-Leck mit Auswirkungen auf die Fischgründe des Viktoriasees würde die Lebensgrundlage von ca. 4 Mio. Menschen bedrohen. (M6)
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Risiko erscheint besonders gravierend, weil die Pipeline durch ein Erdbebengebiet entlang tektonischer Risse geführt wird. (M6)
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Umweltorganisationen / Protestbewegungen (StopEACOP, Fridays For Future u. a.)
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Wahrnehmung des Raums
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Pipeline/Ölförderung als Krisen- und Risikoraum (Klima, Biodiversität, soziale Folgen) – im Widerspruch zu Klimazielen. (M7)
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Argumentation
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StopEACOP und Fridays For Future sprechen sich klar gegen EACOP aus. (M7)
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Naturschutzargument: Kritik an Eingriffen im/nahe Murchison-Falls-Nationalpark und an Biodiversitätsrisiken. (M6)
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Finanzierungshebel: Durch Proteste haben sich zahlreiche internationale Banken öffentlich gegen eine Beteiligung ausgesprochen (z. B. Deutsche Bank). (M7)
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Politischer Druck: COP26-Kontext – Staaten (u. a. Deutschland/Frankreich/UK/USA) kündigen an, öffentliche Unterstützung fossiler Projekte zu beenden; EU-Parlament fordert einen einjährigen Baustopp, um umweltverträglichere Alternativen zu prüfen. (M7)
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Deutung als Macht-/Abhängigkeitsproblem (z. B. „unternehmerischer Kolonialismus“). (M7)
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Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass heutige Bedürfnisse (z. B. Wohlstand, Energie, Infrastruktur) erfüllt werden, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen zu überlasten und ohne die Entwicklungs- und Teilhabechancen zukünftiger Generationen sowie benachteiligter Gruppen der heutigen Bevölkerung zu gefährden. Entscheidend ist die gleichzeitige Berücksichtigung aller vier Dimensionen: Ökologie, Ökonomie, Soziales, Politik.
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Ökologische Dimension: Ressourcen und Ökosysteme (Biodiversität, Wasser, Böden, Klima) so nutzen, dass sie dauerhaft tragfähig bleiben.
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Ökonomische Dimension: langfristig stabile Entwicklung (keine kurzfristige Ausbeutung), sinnvolle Reinvestition von Erlösen, Diversifizierung, geringere Abhängigkeiten.
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Soziale Dimension: Gerechte Verteilung von Chancen und Lasten, Sicherung von Grundbedürfnissen (Bildung, Gesundheit, Existenz), Schutz vor Verdrängung/Benachteiligung.
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Politische Dimension: Good Governance, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit/Partizipation, damit Entscheidungen legitim sind und Gewinne/Lasten fair geregelt werden.
Ökologische Dimension
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Potenziale
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Total Energies kündigt Ausgleichs-/Schutzmaßnahmen an (z. B. stärkere Schutzmaßnahmen in nicht betroffenen Parkteilen, mehr Ranger, Wiederansiedlung einzelner Arten, Pumpanlagen teils mit Solarenergie). (M6)
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Wenn staatliche Öleinnahmen konsequent in Naturschutz und Energiealternativen fließen würden, könnte indirekt Umweltentlastung möglich sein (Voraussetzung: Governance).
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Kritik
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Eingriffe/Risiken in ökologisch sensiblen Räumen (u. a. Murchison-Falls-Nationalpark) → Biodiversitätsgefährdung. (M6)
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Öl-Leck-Risiko: Bei Verschmutzung (z. B. Viktoriasee/Fischgründe) drohen langfristige ökologische und soziale Schäden; Existenzgrundlagen vieler Menschen wären betroffen. (M6)
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Risiko wirkt erhöht, wenn die Trasse durch ein Erdbebengebiet/entlang tektonischer Risse verläuft. (M6)
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Klimawirkung: EACOP bindet an fossile Pfade; CO2-Emissionen Ugandas könnten stark steigen (bis zum Faktor 7) → Konflikt mit Klimaschutz. (M6)
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Ausgangslage: Uganda nutzt bereits einen sehr hohen Anteil Erneuerbarer am Endenergieverbrauch (93 %, u. a. Wasserkraft) – Öl als Energieträger wäre demgegenüber nicht nachhaltig. (M1)
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„Klimaschutz-Narrativ“/Solarpumpen kann als Greenwashing bewertet werden, wenn die Hauptwirkung (fossile Förderung/Verbrennung) bestehen bleibt. (M7)
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Ökonomische Dimension
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Potenziale
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Chance auf Erlöse/Devisen und Investitionsimpulse durch den Export von Erdöl. (M4, M6)
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Befürworter erwarten Industrialisierung und sehr viele Jobs (teilweise bis 100.000). (M6)
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Kritik
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Begrenzte Gewinnabschöpfung: Uganda hält nur 15 % am Konsortium → für ökonomische Nachhaltigkeit müssten aber nennenswerte Erlöse im Land bleiben und investiert werden. (M5)
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Geringe lokale Wertschöpfung: große Aufträge v. a. an ausländische Firmen, lokale Firmen meist nur unterstützend. (M5)
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10 Jahre Steuerfreiheit für Total Energies → potenziell hohe Staatsausfälle statt Entwicklungsspielräume. (M5)
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Endlichkeit der Erdöllagerstätten + Zeit/Umsetzung unsicher, da Infrastruktur extrem teuer (u. a. Raffinerie). (M6)
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Weltmarktabhängigkeit: Öl ist vorrangig für den Weltmarktgut → Preisschwankungen gefährden Planbarkeit und Stabilität. (M6)
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Ohne Investitionen in Bildung/Infrastruktur fehlen qualifizierte Arbeitskräfte für dauerhafte Industrialisierung. (M1)
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Soziale Dimension
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Potenziale
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Erwartete/erhoffte Effekte: Entschädigungen, Aufträge, steigende Bodenpreise und Einkommenschancen durch Bau/Betrieb. (M5)
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Teilweise entstehen in Förder-/Raffinerieräumen bereits Jobs (positive Wahrnehmung in einzelnen Teilräumen). (M5, M6)
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Kritik
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Umsiedlungen: bereits > 7.000 Menschen umgesiedelt; Entschädigungen teils kritisiert → Konflikt mit sozialer Gerechtigkeit/Teilhabe. (M6)
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Große Betroffenheit entlang der Trasse: 60.000–117.000 Menschen (Land/Existenz) → hohe soziale Reichweite des Projekts. (M6)
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Job-Realität vs. Versprechen: langfristig eher ca. 3.500 Jobs statt „zehntausender/100.000“ → Gefahr enttäuschter Erwartungen. (M5)
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Nachhaltige Entwicklung braucht dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten (nicht nur Bauphase).
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Bildungsdefizite als soziale/ökonomische Bremse: mangelnde Qualifikation erschwert breite Teilhabe an Industriearbeitsplätzen. (M1)
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Bei Unfällen/Lecks drohen existenzielle Schäden (z. B. Viktoriasee-Fischerei). (M6)
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Politische Dimension
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Potenziale
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Museveni-Argumentation: „Ungerechtigkeit“, dass USA/GB im Ukrainekrieg Förderung erhöhen, Uganda aber eingeschränkt werde. (M6)
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Energiearmut führe zu Abholzung/Umweltzerstörung – Öl als „Übergang“ könne Umwelt langfristig entlasten. (M6)
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Mit Good Governance könnten Erlöse gezielt in öffentliche Güter gelenkt werden (Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Erneuerbare).
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Kritik
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Good Governance ist Schlüsselvoraussetzung, zugleich Hauptrisiko: Verteilung, Transparenz, Vertrauen; Gefahr von Bad Governance/Verteilungsungerechtigkeit („Ressourcenfluch“-Muster). (M5, M7)
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Internationaler/politischer Gegenwind: COP26-Signale gegen öffentliche Unterstützung fossiler Projekte; EU-Parlament fordert Baupause/Alternativen. (M7)
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Zivilgesellschaftlicher Druck (StopEACOP/FFF) + Banken ziehen sich teils zurück → Finanzierungs- und Legitimationsrisiko. (M7)
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Bezug zu Ziel 7 (Nachhaltige und moderne Energie für alle)
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SDG 7 fordert Zugang zu moderner Energie + Ausbau Erneuerbarer + Effizienz + nachhaltige Infrastruktur. (M8)
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Problem: EACOP dient vorrangig dem Export fossilen Erdöls → Beitrag zu „nachhaltiger Energie für alle“ ist nicht automatisch gegeben. (M6)
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Raffinerie zur Versorgung des lokalen Marktes ist zwar vorgesehen, aber finanziell schwierig; Realisierung unsicher/zeitlich verzögert (voraussichtlich nicht vor 2027). (M6)
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Da Uganda bereits stark auf saubere Wasserkraft/Erneuerbare setzt, wäre Öl als Energielieferant nicht SDG-7-konform; zudem droht starker Emissionsanstieg (Faktor 7). (M6)
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SDG-7-kompatibel wäre EACOP nur, wenn Erlöse nachweislich in Energiezugang, Netze, Erneuerbare und Effizienz investiert würden.
Bezug zu Ziel 9 (Widerstandfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung)
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SDG 9 betont nachhaltige Infrastruktur, inklusive Industrialisierung, Einbindung kleiner Unternehmen, Ausbau des verarbeitenden Gewerbes (sozial/ökologisch/ökonomisch tragfähig). (M8)
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Befürworter versprechen die Schaffung von bis zu 100.000 neuen Arbeitsplätzen und eine Industrialisierung der ugandischen Wirtschaft. (M6)
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Arbeitsmarktstruktur spricht gegen schnelle Industrialisierung ohne Bildungsschub: Erwerbstätigkeit stark im primären Sektor (Material: 72,1 %), Industrie 2019 nur 6,5 %. (M1)
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Die Finanzierungsschwierigkeiten der 4 Mrd. US-
teuren Raffinerie in Kabaale zeigen die Umsetzungshürden. (M6)
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Lokale Unternehmen profitieren nur begrenzt (Aufträge v. a. an ausländische Firmen) → SDG-9-Unterziel „Wertschöpfungsketten/kleine Unternehmen“ wird eher verfehlt. (M5, M8)
Gesamturteil
EACOP ist für Uganda als Strategie nachhaltiger Entwicklung nur bedingt geeignet: Zwar sind kurzfristige Einnahmen und Infrastrukturimpulse möglich, doch sprechen geringe nationale Gewinnanteile (15 %) und 10 Jahre Steuerfreiheit gegen breite, langfristige Entwicklungseffekte. Dazu kommen hohe soziale (Umsiedlungen/Teilhabe) und ökologische Risiken (Schutzräume, Leckagegefahr, starker Emissionsanstieg), wodurch das Projekt mit SDG 7 und einer wirklich nachhaltigen Entwicklung in Konflikt steht; auch SDG 9 bleibt ohne Bildungsschub und lokale Wertschöpfung fraglich. Nachhaltig wäre EACOP nur bei Good Governance, fairer Verteilung/Entschädigung und konsequenter Reinvestition der Erlöse in Bildung, Infrastruktur, erneuerbare Energien und Diversifizierung.