Vorschlag B – Baumwolle und Wasser in Pakistan
Beschreibe die physisch-geographischen Gegebenheiten der Region Punjab in Pakistan und erläutere davon ausgehend das landwirtschaftliche Nutzungspotenzial. (Material 1–2, Atlas)
Stelle die wirtschaftliche und soziale Situation in Pakistan dar und erläutere dabei die wirtschaftliche Relevanz der Baumwolle für Pakistan. (Material 3–4)
Analysiere den Anbau von Baumwolle in der Region Südpunjab vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdimensionen und stelle dar, inwiefern man Wasser in Pakistan als knappe Ressource bezeichnen kann. (Material 3–8, Atlas)
Diskutiere den Baumwollanbau in Pakistan vor dem Hintergrund der Ausführungen der Bundesregierung zu den UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung 2030 Nr. 6 und Nr. 12. (Material 1–9, Atlas)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 – Klimadiagramme von Multan/Pakistan (links) und Lahore/Pakistan (rechts)
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Quellen: https://en.climate-data.org/asia/pakistan/punjab/multan-3783/; https://en.climate-data.org/asia/pakistan/punjab/lahore-33/#climate-graph (abgerufen am 08.04.2023).
Material 2 – Punjab Bewässerung und Versalzung

Quelle: Diercke Weltatlas 2015, S.183.
Material 3 – Strukturdaten Pakistan 2022
|
Landesfläche |
770.880 km² |
|
Gesamtbevölkerung |
235.825.000 |
|
Bevölkerungsdichte, Einwohner je km2 (2021) |
300 |
|
Fruchtbarkeitsrate, Anzahl Kinder je Frau |
3,5 |
|
Lebenserwartung Frauen bei Geburt in Jahren (2021) |
68,6 |
|
Lebenserwartung Männer bei Geburt in Jahren (2021) |
63,8 |
|
Anteil an der Bevölkerung, der von mehrdimensionaler Armut betroffen ist, in % (2016) |
39 |
|
HDI Wert / Rang |
0,544 / 161 |
|
BIP in Mrd. US-Dollar |
375 |
|
BIP/Kopf in US-Dollar |
1.650 |
|
BIP-Veränderung in % seit 2000 |
+146 |
|
Wertschöpfung in % des BIP (2021) |
|
|
Land- und Fortschwirtschaft, Fischerei |
24,2 |
|
Industrie/Produktion |
20,1 |
|
Dienstleistungen |
55,7 |
|
Anteil der Beschäftigten in % (2021) |
|
|
Land- und Fortschwirtschaft, Fischerei |
37,1 |
|
Industrie/Produktion |
25,4 |
|
Dienstleistungen |
37,5 |
|
Erwerbslosenquote (15 Jahre und älter) |
5,6 |
|
Jugenderwerbslosenquote (15–24 Jahre) |
9,7 |
|
Export in Mrd. US-Dollar |
30,8 |
|
Hauptexportprodukte in % |
Stoffe und Kleidung (49,2), Baumwolle (11,0), Getreide (8,4) |
|
Hauptexportländer in % |
USA (21,1), China (10,5), Vereinigtes Königreich (7,3), Deutschland (5,4), Niederlande (4,9) |
|
Importe in Mrd. US-Dollar |
70,2 |
|
Hauptimportgüter in % |
Mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Erzeugnisse (35,3), Maschinen und mechanische Erzeugnisse (6,1), Tierische und pflanzliche Fette, Öle, Wachse (6,0), Eisen und Stahl (5,6), Elektronische Erzeugnisse (5,4) |
|
Hauptimportländer in % |
China (28,3), Vereinigte Arabische Emirate (10,1), Indonesien (5,8), USA (5,3), Saudi-Arabien (5,2) |
|
Säuglingssterblichkeit je 1.000 Lebendgeburten (2021) |
52,8 |
|
Kindersterblichkeit unter 5 Jahre je 1.000 Lebendgeburten (2021) |
63,3 |
|
Praktizierende Ärzte je 1.000 Einwohner (2019) |
1,1 |
|
Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner (2017) |
0,6 |
|
Zugang zu sauberem Wasser % der Gesamtbevölkerung |
90,6 |
|
Zugang zu Sanitäranlagen % der Gesamtbevölkerung |
70,5 |
|
Alphabetisierungsrate in % |
58,0 |
|
Öffentliche Gesamtausgaben für Bildung % des BIP (2021) |
2,4 |
|
Stadtbevölkerung in % |
37,4 |
|
Personenkraftwagen je 1.000 Einwohner (2019) |
15 |
Quellen: URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Interationales/Laenderprofile/pakistan.pdf ?_blob=publica-tionFile; URL: https://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-pakistan.pdf (alle abgerufen am 12.06.2024)
Material 4 – Informationen zum Baumwollanbau in Pakistan
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Baumwollanbaufläche von der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in % (2020/2021) |
14 |
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Anbaufläche von Baumwolle in Mio. ha (2022/2023) |
2 |
|
prognostizierter Ertrag in kg/ha (2020/21) |
623 |
|
prognostizierter Ertrag insgesamt in Mio. t (2020/21) |
1,4 |
|
Vergleich der Hauptproduktionsländer für Baumwolle in Mio t. (2021): Indien (6,1), China (5,9), USA (3,1), Brasilien (2,8) |
|
|
Abnehmerländer Baumwolle in % (2021): China (24), Bangladesch (19,2), USA (5,6), [...] Platz 7: Deutschland (3,0) |
|
|
Anbaubedingungen für Baumwolle: Temperatur: min. 15 °C Niederschlag: 600–1.500 mm schwach salzverträglich anfällig für Schädlinge und Krankheiten Wasserverbrauch: 11.000 Liter pro kg Baumwolle |
|
Quellen: URL: https://textile-network.de/de/Technische-Textilien/Fasern-Garne/Pakistan-Baumwollflaeche-sinkt-in-2020-21; URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/444850/umfrage/anbauflaeche-von-baumwolle-weltweit-nach-laendern/; URL: https://textile-network.de/de/Technische-Textilien/Fasern-Garne/Pakistan-Baumwollflaeche-sinkt-in-2020-21; URL: https://trendeconomy.com/data/h2/Pakistan/52; URL: https://www.statista.com/statistics/263055/cotton-production-worldwide-by-top-countries/; URL: https://www.proplanta.de/Baumwolle/Pflanzenbauliche-Basisinformationen-Baumwolle_Pflanze1166616647.html; URL: http://www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/anbau-von-baumwolle.html; URL: https://www.wwf.de/themen-projekte/fluesse-seen/wasserverbrauch/wasser-verschwendung (alle abgerufen am 12.06.2024); URL: http://atlasbig.de/weltweit-baumwolle-produktion (abgerufen am 11.02.2025)
Material 5 – Landwirtschaftliche Nutzung und der Aufstieg der Bt-Baumwolle
1 Bt-Baumwolle – gentechnisch veränderte Baumwollpflanzen, in die Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis übertragen worden sind. Ziel ist eine verbesserte Kontrolle von Baumwollschadinsekten.
Quelle: Mehwish Zuberi, Christoph Raab, Michael Spies (2022): Landnutzungswandel im Baumwollgürtel Pakistans, in: Geographische Rundschau (Heft 4) 2022, S. 20–25.
Material 6 – Bt-Baumwolle in Pakistan - Beispiel Multan
Quelle: Mehwish Zuberi, Christoph Raab, Michael Spies (2022): Landnutzungswandel im Baumwollgürtel Pakistans, in: Geographische Rundschau (Heft 4) 2022, S. 20–25.
Material 7 – Zeitliche Entwicklung des Baumwollanbaus im Distrikt Multan

Hinweis: Die umrandete Fläche ist das Stadtgebiet der Stadt Multan.
Quelle: Mehwish Zuberi, Christoph Raab, Michael Spies (2022): Landnutzungswandel im Baumwollgürtel Pakistans, in: Geographische Rundschau (Heft 4) 2022, S. 23.
Material 8 – Entwicklung der Anbaufläche für Baumwolle und konkurrierende Kulturen

Quelle: Mehwish Zuberi, Christoph Raab, Michael Spies (2022): Landnutzungswandel im Baumwollgürtel Pakistans, in: Geographische Rundschau (Heft 4) 2022, S. 24.
Material 9 – Die Bundesregierung: Globale Nachhaltigkeitsstrategie (2023)
Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die Sustainable Development Goals (SDGs), richten sich an alle: die Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft.
Ziel 6: Ausreichend Wasser in bester Qualität
-
Zugang zu sicherem und bezahlbarem Trinkwasser für alle
-
Angemessene Sanitärversorgung und Hygiene für alle
-
Verbesserung der Gewässerqualität
-
Steigerung effizienter Nutzung und nachhaltige Entnahme von Wasser zur Reduzierung der Wasserknappheit
-
Integriertes Management der Wasserressourcen, auch grenzüberschreitend
-
Schutz und Wiederherstellung von Wasserökosystemen
Ziel 12: Nachhaltig produzieren und konsumieren
-
Bis 2030 die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen zu erreichen
-
Unternehmen dazu ermutigen, nachhaltiger zu produzieren und in ihre Berichterstattung Nachhaltigkeitsinformationen aufzunehmen
-
Das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten für nachhaltigen Konsum erhöhen und ihnen die entsprechenden Informationen zur Verfügung stellen
-
In der öffentlichen Beschaffung nachhaltige Verfahren einzuführen
Quelle: Die Bundesregierung: Globale Nachhaltigkeitsstrategie, 2023, URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/nachhaltigkeitsziele-erklaert-232174 (abgerufen am 12.06.2024).
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Lage
-
im Nordosten Pakistans, Teil der Indusebene (Atlas)
-
südlich des Himalaya, nördlich/östlich angrenzend an die Thar-Wüste (Atlas)
Klima (Temperatur / Niederschlag)
-
ariden bis semiariden Warmtropen (Atlas)
-
tropisch geprägte Jahresmitteltemperaturen: 26 °C in Multan und ca. 24 °C in Lahore (M1)
-
stark saisonaler Niederschlag: Maximum im Juli/August → Monsuneinfluss; übriges Jahr deutlich trockener (M1)
-
deutlicher Nord–Süd-Gradient der Niederschlagsmenge: ca. 636 mm/Jahr (Lahore) vs. ca. 302 mm/Jahr (Multan) → Süden deutlich trockener. (M1, Atlas)
Relief
-
weitgehend flach bis schwach wellig, geringe Reliefenergie (Atlas)
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Höhenlage in weiten Teilen ca. 100–200 m ü. NN (Atlas)
Hydrographie / Wasserfügbarkeit
-
aus dem Himalaya kommend durchziehen mehrere Flüsse die Region Punjab von Norden nach Süden, z.B. Indus, Chenab, Ravi, Sutley (Atlas)
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sehr dichtes Bewässerungsnetz (Kanäle) sowie Brunnen-/Grundwassernutzung (M2)
Vegetation / Böden
-
potenziell sommerfeuchte Dornstrauch- und Sukkulentensavanne im Übergang zur Halbwüstenvegetation (Atlas)
-
Natürliche Vegetation wird großflächig durch Kulturland überprägt (Atlas)
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In Flussnähe/alluvial geprägten Bereichen: (potenziell) fruchtbare Böden durch Sedimentablagerungen → hohe Ertragsfähigkeit (Atlas)
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Abseits der Flüsse: eher trockenheitsgeprägte Halb-/Randwüstenböden → geringere natürliche Bodenfruchtbarkeit (Atlas)
Landwirtschaftliches Nutzungspotenzial
Hohe Potenziale
-
Hohe Temperaturen + lange Vegetationsperiode → grundsätzlich gute Voraussetzungen für intensiven Anbau. (M1, Atlas)
-
Geringe Reliefenergie / flaches Relief → erleichtert großflächige Bewirtschaftung, Infrastruktur und Bewässerung. (Atlas)
-
Besonders gute Ertragsbedingungen in flussnahen Räumen mit (hydromorphen/mineralischen) Böden. (Atlas)
-
Flusssysteme + Bewässerungsnetz ermöglichen Landwirtschaft auch in trockeneren Teilräumen überhaupt erst. (M2, Atlas)
Begrenzende Faktoren
-
Räumlich ungleiches Wasserangebot (Nähe zu Kanälen/Flüssen vs. periphere Räume) → Nutzungspotenzial stark standortabhängig (Atlas, M2)
-
Niederschlag nimmt nach Süden stark ab → Regenfeldbau in vielen Teilräumen (v. a. südlicher Punjab) kaum möglich → hohe Abhängigkeit von Bewässerung. (M1, M2, Atlas)
-
Bewässerungslandwirtschaft (Kanal-, Brunnen- und Überflutungsbewässerung) begünstigt Versalzung/Staunässe → Bodendegradation, sinkende Bodenfruchtbarkeit und erschwerte rentable Nutzung. (M2)
Wirtschaftliche Situation
Demografie und Entwicklungsstand
-
sehr große Bevölkerung (ca. 235,8 Mio.) und hohe Bevölkerungsdichte (ca. 300 Ew./km2) weiterhin starkes Bevölkerungswachstum durch hohe Fruchtbarkeitsrate (3,5 Kinder/Frau) → hoher Versorgungs- und Beschäftigungsdruck (M3)
-
niedriger Entwicklungsstand: HDI 0,544 / Rang 161 (M3)
Wirtschaftsleistung und Struktur
-
BIP ca. 375 Mrd. US-
; BIP/Kopf ca. 1.650 US-
(deutlich unter weltweitem Durchschnitt), trotz moderatem BIP-Anstieg seit 2000 (+146%). (M3)
-
Wertschöpfung noch stark primär geprägt: 24,2% des BIP im primären Sektor (v. a. Agrarproduktion, u. a. Baumwolle/Getreide) → Hinweis auf geringeren Industrialisierungs-/Entwicklungsgrad (M3, M5)
-
Beschäftigungsstruktur: ca. 37,1% in Land-/Forstwirtschaft/Fischerei; ca. 25,4% Industrie; ca. 37,5% Dienstleistungen. (M3)
Außenhandel
-
Exportvolumen ca. 30,8 Mrd. US-
vs. Importvolumen ca. 70,2 Mrd. US-
→ deutliches Handelsbilanzdefizit / Abhängigkeit von Importen (u. a. Energie, Maschinen). (M3)
-
Hauptexporte: Stoffe & Kleidung (49,2%), Baumwolle (11,0%), Getreide (8,4%). (M3)
-
Wichtige Exportpartner: USA, China, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Niederlande. (M3)
-
Hauptimporte u. a. mineralische Brennstoffe/Mineralöle (35,3%) → Energieabhängigkeit belastet die Zahlungsbilanz. (M3)
Soziale Situation
Armut und Lebensbedingungen
-
Sehr hoher Anteil multidimensionaler Armut (39%). (M3)
-
Zugang zu sauberem Wasser: ca. 90,6% (→ 9,4% ohne Zugang); Zugang zu Sanitäranlagen: ca. 70,5% (→ 29,5% ohne). (M3)
Gesundheit
-
Lebenserwartung unter dem weltweiten Durchschnitt, besonders bei Männern (Frauen 68,6 Jahre; Männer 63,8 Jahre). (M3)
-
Schlechte medizinische Versorgung: 1,1 Ärzt:innen je 1.000 Erwachsenen; 0,6 Krankenhausbetten je 1.000 Erwachsenen. (M3)
-
Hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit: ca. 5,28% (Säuglinge) bzw. ca. 6,33% (unter 5-Jährige). (M3)
Bildung
-
Alphabetisierungsrate ca. 58% → Bildungsdefizite. (M3)
-
Öffentliche Bildungsausgaben nur ca. 2,4% des BIP → Unterfinanzierung des Bildungssektors als Entwicklungshemmnis. (M3)
Wirtschaftliche Relevanz der Baumwolle für Pakistan
Bedeutung im Agrarsektor / Flächennutzung
-
Baumwolle nimmt einen großen Anteil der landwirtschaftlichen Nutzung ein: ca. 14% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche; Anbaufläche ca. 2 Mio. ha. (M4)
-
Prognostizierter Ertrag (2020/21) ca. 623 kg/ha; Gesamtproduktion ca. 1,4 Mio. t → relevante Produktionsmenge im internationalen Vergleich (unterhalb der Top-Produzenten). (M4)
-
Pakistan hat ein starkes Handelsdefizit: Exportvolumen 30,8 Mrd. US-
vs. Importvolumen 70,2 Mrd. US-
→ hohe Abhängigkeit von Devisen. (M3)
-
Exportstruktur ist stark auf Agrar- und Textilprodukte ausgerichtet: Stoffe & Kleidung 49,2% der Exporte → Textilsektor als zentrale Exportstütze. (M3)
-
Baumwolle ist dabei ein Schlüsselprodukt: 11% der Exporte entfallen direkt auf Baumwolle → wichtiger Beitrag zur Devisenbeschaffung. (M3)
-
Baumwolle ist nicht nur als Rohstoffexport relevant, sondern vor allem als Grundlage für den dominierenden Exportsektor (Textilien/Kleidung). (M3)
-
Damit wirkt Baumwolle doppelt wirtschaftsstützend:
-
direkt (Baumwollexporte),
-
indirekt (Absicherung der Textilindustrie als Hauptexportsektor). (M3)
-
Fazit
Baumwolle ist eine wirtschaftliche Schlüsselressource Pakistans, weil sie Devisen einbringt (11% Exportanteil), zugleich die Rohstoffbasis der wichtigsten Exportbranche Textil bildet und vor dem Hintergrund von niedrigem BIP/Kopf und hohem Importbedarf eine tragende Rolle für die Gesamtwirtschaft spielt.
Ausgangslage
-
Hohe Abhängigkeit von Landwirtschaft: In Südpunjab leben ca. 35 Mio. Menschen, ca. 75 % davon ländlich und damit stark von Landwirtschaft abhängig. (M5)
-
Saisonaler Anbau: Zwei Hauptsaisons – Rabi (Nov–Apr) v. a. Weizen, Kharif (Mai–Okt) v. a. Baumwolle. (M5)
-
Landnutzungswandel: Im Distrikt Multan ist Baumwolle zwischen 2014 und 2021 räumlich weniger flächig/konzentrierter vertreten (Rückgang/Verlagerung der Anbauareale). (M7)
-
Trend konkurrierender Kulturen: Die Baumwollfläche nimmt v. a. seit den 2010ern deutlich ab (starker Einbruch bis 2022), während Weizen relativ stabil bleibt und Reis/Mais zunehmen → Hinweis auf Anpassung/Verdrängung im Anbau. (M8)
Analyse des Baumwollanbaus nach Nachhaltigkeitsdimensionen
Ökonomische Dimension
-
Makroökonomischer Rahmen
-
Baumwolle ist ein relevantes Exportgut (direkt und als Basis der Textilbranche); gleichzeitig bestehen ungünstige Außenhandelsrelationen (Importvolumen > Exportvolumen) → hoher Druck, Devisen zu erwirtschaften. (M3)
-
-
Agrarstruktur und Disparitäten
-
Sehr ungleiche Besitz-/Produktionsstrukturen: <10% der Betriebe bewirtschaften 42% der Fläche; 64% der Betriebe haben <2 ha → stark unterschiedliche Investitions- und Anpassungsfähigkeit, besonders problematisch für Kleinbauern. (M5)
-
-
Produktivitätsstrategie: Bt-Baumwolle (seit 2006)
-
Um Erträge zu steigern, Umstieg auf Bt-Baumwolle (Monsanto) mit Schädlingsresistenz (Baumwollkapselwurm) → zeitweise bis 3.000 kg/ha möglich (Vergleich: prognostizierter Durchschnitt 623 kg/ha). (M4, M6)
-
-
Ertragskrise und Einkommensrisiko (2. Hälfte 2010er)
-
Massive Ernteverluste: Durchschnittswerte <920 kg/ha, in Extremfällen 140 kg/ha → starke Einkommensunsicherheit, v. a. für Kleinbauern. (M6)
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Ursachen:
-
Klimaextreme (Starkregen/Hitze) → begünstigen Schädlingsdruck (u. a. Weißfliegen, roter Baumwollkapselwurm). (M6)
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Hitzestress: Bt-Baumwolle toleriert hohe Temperaturen nur begrenzt → zusätzliche Ertragseinbußen. (M6)
-
-
-
Technologie-Fortschritt, aber neue Abhängigkeiten
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Neuere Bt-Generationen sind besser angepasst, jedoch patentiert → höherer Preis/Marktmacht der Anbieter. (M6)
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Kleinbauern können teures Saatgut oft nicht finanzieren; zugleich fehlen tragfähige Alternativen → eingeschränkte Handlungsoptionen/Abhängigkeit. (M6)
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Kostenentwicklung → Verschuldung & Flächenrückgang
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Hohe Produktionskosten (Saatgut, Dünger, Pestizide + zusätzliche Wasserkosten) erhöhen den finanziellen Druck. (M6)
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Folgen: Verschuldung (u. a. kreditfinanzierte Betriebsmittel) und Rückgang/Umstieg im Baumwollanbau. (M6)
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Passend dazu: Trend sinkender Baumwollflächen/Verlagerungen im Raum als ökonomische Reaktion auf Risiko und Kosten. (M7/M8)
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Alltagsökonomie & Einkommensstrategien
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Baumwollstängel als Brennstoff zum Kochen → zusätzliche (nicht-marktliche) Abhängigkeit von der Kulturpflanze. (M6)
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Kleinbauern sind vermehrt gezwungen, Nebenerwerb/andere Beschäftigungen aufzunehmen (Einkommensdiversifizierung). (M6)
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Ökologische Dimension
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Naturräumliche Ausgangslage: Wasserstress
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Anbau in (semi-)aridem Raum → Landwirtschaft ist stark bewässerungsabhängig; Wasser wird damit zur zentralen ökologischen Engpassgröße. (M1, M5, Atlas)
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Sehr hoher Wasserbedarf der Baumwolle
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Baumwolle ist extrem wasserintensiv (ca. 11.000 L/kg) → hoher Entnahme- und Bewässerungsdruck, besonders in trockenen Teilräumen. (M4)
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Alternativen wie Mais und Reis sind ebenfalls stark bewässerungsintensiv → Wasserknappheit bleibt/verschärft sich bei Kulturwechsel. (M6, M8)
-
-
Bewässerungssysteme & Übernutzung
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Einsatz von Kanal-, Brunnen-/Grundwasser- und (Überflutungs-)Bewässerung → teils ineffizient, hohe Verluste; Grundwasser wird als „Ausweichressource“ stärker genutzt. (M5, M6)
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Folge: Absenkung bzw. zunehmender Druck auf Grundwasserreserven (quantitative Wasserknappheit). (M6)
-
-
Bodendegradation durch Staunässe & Versalzung
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Intensive Bewässerung + unzureichende Drainage begünstigen Staunässe und Bodenversalzung → sinkende Bodenfruchtbarkeit/Erträge. (M2, M5)
-
Problemverstärker: Baumwolle ist nur schwach salzverträglich → Versalzung wirkt direkt ertragsmindernd und erhöht den Bewässerungs-/Anpassungsbedarf (Teufelskreis). (M4)
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Schädlingsdruck, Pestizide und Umweltbelastung
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Klimaextreme (Starkregen/Hitze) begünstigen Schädlingsbefall (z. B. Weißfliegen, Roter Baumwollkapselwurm) → tendenziell steigender/anderer Pestizideinsatz. (M6)
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Risiko: Belastung von Boden und Grundwasser durch Pflanzenschutzmittel (qualitative Wasserknappheit).
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Bei der ersten Generation Bt-Baumwolle kam es langfristig zu Anpassungen/neu entwickelten Resistenzen bei Schädlingen (v. a. Baumwollkapselwurm) → Schutzwirkung nimmt ab, ökologischer Druck steigt. (M6)
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Klimatische Extremereignisse als ökologischer Stressor
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Zunahme/Wirksamkeit von Hitze und ungewöhnlich starken Niederschlägen → zusätzlicher Stress für Pflanzen, verstärkte Ertragsschwankungen und höherer Ressourcen- bzw. Mitteleinsatz. (M6)
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Soziale Dimension
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Abhängigkeit vom Agrarsektor / Lebensgrundlagen
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In Südpunjab leben ca. 35 Mio. Menschen, etwa 75% davon ländlich → viele Haushalte sind direkt von Landwirtschaft (u. a. Baumwolle in der Kharif-Saison) abhängig. (M5)
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Saatgutsystem: informelle Verbreitung → Abhängigkeit
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Seit 2006 wurde nicht zugelassene Bt-Baumwolle durch lokale Saatguthändler informell verbreitet. (M6)
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Anfangs Ertragssteigerung → binnen weniger Jahre marktbeherrschende Stellung, Verdrängung alter Sorten und Einstellung/Abbremsen der Entwicklung von Alternativen → Bauern werden abhängig von Bt-Baumwolle (geringere Wahlmöglichkeiten). (M6)
-
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Kosten/Patente → soziale Exklusion
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Durch Patentierung nachfolgender Bt-Generationen wird Saatgut teurer und für viele (v. a. Kleinbauern) nicht erschwinglich → verstärkt soziale Ungleichheit bei Produktions- und Anpassungschancen. (M6)
-
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Ungleichheit & Verwundbarkeit
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Sehr ungleiche Betriebsstrukturen (viele Kleinstbetriebe) → Kleinbauern haben geringe finanzielle Puffer und sind bei Ernteausfällen/Preisschwankungen besonders gefährdet. (M5, M6)
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Wasserzugang als soziales Problem
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Unterschiedlicher Zugang zu Bewässerung (Kanalanschluss vs. kein Anschluss) → benachteiligt Kleinbauern, die Wasser teils zukaufen bzw. stärker auf Grundwasser angewiesen sind. (M6)
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Folgen von Kosten/Ertragsrisiken für Haushalte
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Hohe Betriebsmittelkosten + unsichere Erträge führen häufiger zu Verschuldung und erhöhen sozialen Druck/Existenzunsicherheit. (M6)
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Alltagsabhängigkeit & Anpassungsstrategien
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Nutzung von Baumwollstängeln als Brennstoff zum Kochen → zusätzliche Bindung an die Kulturpflanze. (M6)
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Zunehmend Nebenerwerb/andere Beschäftigungen (z. B. Tagelohnarbeit, Arbeit in Städten) als Überlebensstrategie, weil Landwirtschaft allein oft nicht ausreicht. (M6)
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Politische Dimension
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Agrarpolitik: Modernisierung über (Bio-)Technologie
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Reaktion auf Ertragsprobleme/ökologische Herausforderungen vor allem über biotechnologische Innovationen; Vertrauen zeigt sich auch in öffentlichen Investitionen. (M5)
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Offizielle Zulassungspolitik
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September 2021: sechs neue Baumwollsorten offiziell zugelassen (davon fünf Bt-Sorten) durch den Punjab Seed Council. (M5)
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Regulierungspraxis: informelle Einführung wird faktisch geduldet
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Bt-Baumwolle (Bollgard 1) wurde über informelle Kanäle eingeführt; bereits 2009 laut offiziellen Schätzungen 80% der Baumwolle im Punjab mit nicht zugelassenem Bt-Saatgut angebaut. (M5)
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Provinzregierung/ Landwirtschaftsabteilung wusste von der informellen Verbreitung, sah das Ertragspotenzial und unterstützte diese Entwicklung teils schon vor offizieller Zulassung. (M6)
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-
Staat-Konzern-Patent / Governance
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Nachfolgende Bt-Generationen sind patentiert und dürfen ohne Genehmigung nicht verwendet werden → politische/ökonomische Abhängigkeit von Konzernen. (M6)
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Bislang gelang keine tragfähige Vereinbarung zwischen Monsanto und pakistanischer Regierung, um neuere Bt-Generationen legal und zu erschwinglichen Preisen auf den Markt zu bringen. (M6)
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Wasser-Governance / Infrastruktur als politisches Problem
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Das (kolonial geprägte) Rotationssystem der Kanalwasserversorgung reicht nicht aus; Bauern weichen auf energieintensive Grundwasserförderung aus, teils sind Kanäle unzureichend angeschlossen. (M6)
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Beratung / Unterstützungskapazität
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Bei den Herausforderungen des Baumwollanbaus sind viele Bauern weitgehend auf sich allein gestellt (u. a. fehlendes Know-how für Kulturwechsel). (M6)
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Wasser als knappe Ressource
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Naturräumliche Ausgangslage: begrenztes Angebot
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(Semi-)aride Bedingungen mit stark saisonalem Niederschlag (Maximum Juli/August, sonst trocken) und Nord–Süd-Abnahme → v. a. im Süden ist Landwirtschaft ohne Bewässerung kaum möglich. (M1)
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Sehr hohe Nachfrage durch Landwirtschaft (wasserintensive Kulturen)
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Baumwolle ist extrem bewässerungsintensiv (ca. 11.000 L/kg) → besonders hoher Wasserbedarf in trockenen Räumen. (M4)
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Kulturwechsel entschärft die Lage kaum, da Reis und Mais ebenfalls sehr wasserintensiv sind. (M8)
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Nutzung / Technik: ineffiziente Bewässerung verschärft die Knappheit
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Veraltete, ineffiziente Systeme (v. a. Kanal- und Überflutungsbewässerung) verursachen hohe Wasserverluste; zusätzlich werden elektrisch betriebene Tiefbrunnen genutzt → Verringerung der Wasserreserven. (M6)
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Folge: verstärkte Grundwasserentnahme → Absenkung des Grundwasserspiegels. (M6)
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Folgen: qualitative und quantitative Verschärfung
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Bewässerung begünstigt Staunässe und Versalzung → Bodendegradation und sinkende Erträge; dadurch steigt der Bewässerungsdruck weiter (Teufelskreis). (M2, M5)
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Zusätzlich Belastung des Grundwassers durch Pestizide → nutzbares Wasser wird nicht nur weniger, sondern auch schlechter.
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Demografischer Druck / Versorgungsindikator
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Bevölkerungswachstum erhöht den Bedarf (Haushalte, Landwirtschaft, ggf. Industrie) und damit den Druck auf Wasser. (M3)
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Ein Teil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser/Sanitärversorgung → Hinweis auf Knappheit bzw. Qualitätsprobleme. (M3)
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Problemkern
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Weiteres Bevölkerungswachstum erhöht den Druck auf die Wasserversorgung → Wasser wird zu einem zentralen Problem des 21. Jh. (M3)
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Bereits heute Versorgungsdefizite: 9,4% ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und 29,5% ohne Sanitärversorgung bei 235,825 Mio. Einwohnern → grob >20 Mio. und ~70 Mio. Menschen betroffen. (M3)
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Verschärfung möglich durch Klimawandel und potenziell abnehmende Wasserführung himalaya-gespeister Flüsse.
SDG 6: Ausreichend Wasser in bester Qualität
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Ansatzpunkte / Chancen:
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SDG 6 fordert effizientere Nutzung und nachhaltige Entnahme → Ansatz ist eine Modernisierung des Wassermanagements (z. B. geringere Verluste, effizientere Bewässerung/Verteilung). (M9)
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Konflikte / Probleme
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Status quo: Das bestehende Bewässerungssystem ist marode, Wasserverluste (Verdunstung/unsachgemäße Bewässerung) sind hoch; Problemlage zeigt sich u. a. an Versalzung/Staunässe. (M2, M5)
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Es werden sehr wasserintensive Kulturen angebaut: Baumwolle; zugleich sind Mais und Reis als Alternativen ebenfalls stark bewässerungsintensiv. (M4, M6)
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Große Agrarbetriebe können durch (elektrisch betriebene) Tiefbrunnen zusätzliche Grundwasserabsenkungen begünstigen. (M6)
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Zeitperspektive: Effizienzsteigerungen sind kurzfristig sinnvoll, bleiben bei unveränderter Flächennutzungsstruktur langfristig jedoch nur begrenzt nachhaltig. (M9)
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SDG 12: Nachhaltig produzieren und konsumieren
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Ansatzpunkte / Chancen
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SDG 12 betont Ressourceneffizienz und nachhaltigere Produktion → Leitlinie/Druck, Wasser in der Baumwollproduktion effizienter zu nutzen und Umweltfolgen zu senken. (M9)
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SDG 12 fordert Bewusstsein/Information der Konsument:innen → da Baumwolle über Textilien global nachgefragt wird, kann nachhaltiger Konsum (Nachfrage nach Standards) Produktionsbedingungen indirekt beeinflussen. (M9)
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Konflikte / Probleme
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Pakistan ist ökonomisch auf Exporte angewiesen (u. a. Baumwolle 11% der Exporte; starkes Importübergewicht) → kurzfristig steht Devisen-/Einkommenssicherung oft vor ökologischer Transformation. (M3)
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„Nachhaltiger produzieren“ erzeugt Mehrkosten (Technik, Wasser, Saatgut) → viele Kleinbetriebe können strukturell/finanziell nicht mithalten. (M5, M6)
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Kulturwechsel ist kein einfacher Ausweg: Reis/Mais sind ebenfalls wasserintensiv und teils wegen Bewässerungskosten schwer tragfähig. (M6, M8)
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Nutzung genveränderter Baumwollsorten muss kritisch hinterfragt werden: Ertragssteigerungen sind möglich, aber Resistenzen bei Schädlingen erfordern wiederkehrende Anpassungen des Saatguts. (M6)
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Die Kosten tragen die Käufer → bei ohnehin hohen finanziellen Belastungen vieler Betriebe (v. a. Kleinbauern) problematisch. (M6)
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Urteil
Insgesamt zeigt die Diskussion einen deutlichen Zielkonflikt: SDG 6 fordert nachhaltige Wasserentnahme/effiziente Nutzung, die durch marode, verlustreiche Bewässerung und wasserintensive Kulturen unter Bevölkerungsdruck stark erschwert wird. Gleichzeitig betont SDG 12 nachhaltige Produktion und Konsum, was jedoch durch ökonomische Interessen (Baumwollexporte), Ungleichheiten zwischen Groß- und Kleinbetrieben und die Abhängigkeit von (Bt-)Saatgut begrenzt ist. Kurzfristig sind Effizienzsteigerungen sinnvoll, langfristig spricht vieles dafür, dass ohne strukturellen Wandel der landwirtschaftlichen Nutzung SDG-Kompatibilität kaum erreichbar ist.