Vorschlag C – Lernen & Struktur sportlicher Bewegungen, Motive sportlichen Handelns
Beschreibe den Bewegungsablauf beim Basketballkorbwurf im Rollstuhlbasketball (Material 1) und ordne der Gesamtbewegung eine Phasenstruktur zu.
Arbeite auf der Grundlage biomechanischer Prinzipien wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Basketballkorbwurf im Rollstuhlbasketball (Material 1) gegenüber dem Basketballkorbwurf (Material 2) heraus.
Beschreibe die besonderen sportlichen Herausforderungen, die Rollstuhlbasketball an Menschen ohne Behinderung stellt (Material 3).
Setze dich – auch unter Einbezug deines Wissens über Motive sportlichen Handelns – damit auseinander, welchen Mehrwert das gemeinsame Spielen von Menschen mit und ohne Behinderung beim Rollstuhlbasketball mit sich bringen kann.
Stelle die Funktionsweise und Bedeutung des kinästhetischen Analysators dar und erläutere die Meinung Stolpes zum Training der kinästhetischen Wahrnehmung im Anfängerstadium (Material 4) unter Verwendung deiner Kenntnisse zum Lernen sportlicher Bewegungen.
Entwickle methodische Umsetzungsmöglichkeiten eines sportartspezifischen gezielten kinästhetischen Wahrnehmungstrainings in einer deiner Schwerpunktsportarten.
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Martin Saul: Basketballkorbwurf im Rollstuhlbasketball (2023)

Martin Saul: Basketballkorbwurf im Rollstuhlbasketball, Entstehung der Fotos im Rollstuhlbasketballtraining, 2023.
Hinweis: Die Nummerierung ist ergänzt.
Material 2
Manuel Rhode: Basketballkorbwurf (2014)

Manuel Rhode: Der Positionswurf, in: RAAbits Sport Nr. 27, 02/2014, URL: https://www.raabe.de/PdfPreview/get/product/R0118-100700 (abgerufen am 08.05.2024).
Hinweis: Die Nummerierung ist ergänzt.
Material 3
Anett Linke: Rollstuhlbasketball ist für alle (2023)
Anett Linke: Behindertensportverein Wittgensdorf: Rollstuhlbasketball ist für alle, in: mdr.de, 24.09.2023, URL: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/basketball-rollstuhl-sport-behinderung-inklusion-100.html (abgerufen am 14.12.2023).
Hinweis: Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
Material 4
Karola-Viktoria Stolpe: Kinästhetisches Training im Sport (2002)
Karola-Viktoria Stolpe: Einfluss eines kinästhetischen Trainings auf das Erlernen des Golfschwungs, Dissertationsschrift der Universität der Bundeswehr München, München 2002, Seite 50–51, URL: https://athene-forschung.rz.unibw-muenchen.de/doc/85348/85348.pdf (abgerufen am 08.05.2024).
Hinweis: Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
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Der Sportler sitzt in Ausgangsposition, hält den Ball mit beiden Händen und blickt Richtung Wurfziel. (Bild 1)
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Der Sportler verlagert sein Körpergewicht nach hinten, indem er den Oberkörper leicht nach hinten neigt und dabei den Rücken gegen die Sitzlehne drückt. (Bilder 2 und 3)
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Der Sportler hebt den Ball in eine geeignete Position, um die eigentliche Wurfbewegung ausführen zu können. (Bilder 2 bis 4)
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Der Sportler bewegt den Oberkörper wieder nach vorne in Richtung Abwurfrichtung und wirft den Ball durch Streckung der Arme. Der Ball wird dabei mit der rechten Hand drückend beschleunigt und von der linken Hand in seiner Richtung geführt. (Bilder 4 und 5)
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Nach erfolgtem Abwurf folgen die Arme der Wurfbewegung und die Handgelenke klappen ab. (Bild 6)
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Während der gesamten Bewegung blickt der Sportler in Richtung des Wurfziels.
Zuordnung der Phasenstruktur:
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Die Zuordnung kann nach Meinel/Schnabel erfolgen. Es handelt sich demnach um eine azyklische Bewegung, bestehend aus Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase.
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Die Vorbereitungsphase erstreckt sich von Bild 1 bis Bild 3: Die Hauptphase wird vorbereitet, indem die optimalen Bedingungen für den Abwurf geschaffen werden (Oberkörper nach hinten; Arme in Wurfposition)
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Die Hauptphase umfasst die Bilder 4 und 5: Das eigentliche Kernelement der Bewegung erfolgt mit dem Wurf des Balles.
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Die Endphase beginnt zwischen Bild 5 und Bild 6 mit dem Verlassen des Balls von der Hand: Die Arme folgen der Wurfbewegung im Sinne eines Ausklingens der Bewegung.
Folgende Gemeinsamkeiten können herausgearbeitet werden:
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Bei beiden Bewegungen findet eine vorbereitende Gegenbewegung statt. Der Rollstuhlfahrer verlagert sein Körpergewicht dafür nach hinten; der nicht behinderte Sportler verlagert sein Körpergewicht nach unten. (Prinzip der Anfangskraft, Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges)
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Bei beiden Bewegungen werden die Teilbewegungen von Körperschwerpunktverlagerung und Abwurfbewegung der Arme so miteinander zeitlich gekoppelt ausgeführt, dass sie optimal zum Wurfergebnis beitragen. (Prinzip der Koordination der Teilimpulse)
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Das Kernelement des Abwurfs ist bei beiden Bewegungen gleich (Funktion der Hände, Abklappen der Hände) und folgt dem Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges.
Folgende Unterschiede können herausgearbeitet werden:
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Der nicht behinderte Sportler hat einen größeren Bewegungsspielraum als der Rollstuhlfahrer. Das hat Auswirkungen auf den Bewegungsumfang und die Möglichkeiten der technischen Ausführung.
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Dem Rollstuhlfahrer steht die Möglichkeit eines den Wurf unterstützenden Absprungs nicht zur Verfügung. (Prinzip der Anfangskraft)
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Während dem Rollstuhlfahrer als Ausholbewegung nur die Oberkörperverlagerung nach hinten zur Verfügung steht (horizontale Bewegungsachse), kann der nicht behinderte Sportler seinen Körperschwerpunkt weitreichender verändern und auch die vertikale Bewegungsachse nutzen. Er senkt den Körperschwerpunkt durch Beugung in den Knien vorbereitend ab und löst diese Spannung durch Ganzkörperstreckung während der Abwurfbewegung (Prinzip der Koordination der Teilimpulse) wieder auf, sodass es zu einer die Wurfbewegung unterstützenden Sprungbewegung kommt. (Prinzip der Anfangskraft)
In Anlehnung an den Materialtext stellt Rollstuhlbasketball die folgenden besonderen sportlichen Herausforderungen an Menschen ohne Behinderungen. Diese können wir folgt beschrieben werden:
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Die Beherrschung des Rollstuhls als Fortbewegungs- und Sportgerät muss technisch beherrscht werden.
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Die zwei anspruchsvollen Bewegungsaufgaben Beherrschung des Balls und Fahren mit dem Rollstuhl müssen koordinativ und technisch kombiniert werden.
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Die Fahrgeschwindigkeit und das hohe Bewegungstempo im Umgang mit dem Rollstuhl stellen eine große Herausforderung dar.
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Die Härte der Kollisionen der gegeneinander fahrenden Rollstühle ist gewöhnungsbedürftig.
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Das Fahren im Rollstuhl stellt besondere Anforderungen an die Kraftausdauer der Arme.
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Den Ball aus dem Rollstuhl (auf den Korb) zu werfen, ist deutlich anspruchsvoller als im Stehen. (weniger Schwungelemente, größere Entfernung zum Korb)
Die Auseinandersetzung kann sich auf verschiedene Motive in unterschiedlicher Gewichtung beziehen. Es können folgende Aspekte berücksichtigt werden:
soziales Motiv (Anschlussmotiv):
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Der gemeinsame Sport von Menschen mit und ohne Behinderung kann das gegenseitige Verständnis, den Abbau von Vorurteilen und Kontaktängsten sowie Möglichkeiten der Begegnung begünstigen und in diesem Sinne über das eigentliche Sporttreiben hinaus wirken.
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Für Menschen mit Behinderung kann es ein positives Erlebnis sein, zu erfahren, dass sie aufgrund ihrer Behinderung Vorteile im Spiel haben, da sie das Fortbewegungsgerät Rollstuhl sehr gut beherrschen.
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In diesem Sinne ist das gemeinsame Spiel eine besonders wertvolle Form der Inklusion, wie sie eher selten anzutreffen ist: Hier werden nicht die Menschen mit Behinderung in die Lebenswirklichkeit der Menschen ohne Behinderung inkludiert, wie es meist der Fall ist, sondern die Menschen ohne Behinderung werden in ein Spiel- und Regelsystem inkludiert, das speziell auf die Menschen mit Behinderung zugeschnitten ist.
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Für die Menschen ohne Behinderung kann Rollstuhlbasketball eine besondere und auf neue Weise herausfordernde Form des Basketballspiels sein, bei der sie die besonderen Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung erfahren können.
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Sowohl für die Menschen mit als auch ohne Behinderung ist das gemeinsame Spiel eine Möglichkeit zur individuellen Auseinandersetzung mit Heterogenität und dem Umgang damit im Sport.
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Der gemeinsame inklusive Umgang miteinander kann Situationen schaffen, in denen das Leistungsmotiv gegenüber dem sozialen Motiv und dem Team- und Fairnessgedanken zurückgestellt wird und so ein besonderes soziales Lernfeld für Toleranz, Rücksichtnahme und Offenheit sein kann.
Bewegungsmotiv/Körpererfahrung:
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Das gemeinsame Spiel kann insbesondere für die Menschen ohne Behinderung eine besondere Form von Bewegungs- und Körpererfahrung sein, bei der sie eine alternative Form der Fortbewegung und deren Möglichkeiten und Grenzen erfahren.
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Für die Menschen mit Behinderung könnte die besondere Erfahrung der körperlichen Bewegung in Anlehnung an die sozialen Motive darin bestehen, Bewegung unter gleichen Voraussetzungen wie die Menschen ohne Behinderung zu erfahren.
Leistungsmotiv/Spielmotiv/Gesundheitsmotiv:
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Andere Motive wie das Spiel-, das Leistungs- und das Gesundheitsmotiv liegen auch im inklusiven Sporttreiben unverändert vor. Im Kontext des Gemeinsamen von Menschen mit und ohne Behinderung liegt deren Bedeutung darin, das Funktionieren des Spiels und Leistung trotz bzw. gerade wegen der vorliegenden Heterogenität zu erfahren.
Darstellung der Funktionsweise des kinästhetischen Analysators:
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Der kinästhetische Analysator ist der bewegungsempfindende Analysator.
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Er sammelt über Rezeptoren (so genannte Propriorezeptoren/Propriozeptoren) Informationen in den Muskelspindeln, Sehnen und Gelenken.
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Darauf basierend gibt er Auskunft über die Änderung von Längen-, Spannungs- und Gelenkveränderungen während der Bewegung.
Darstellung der Bedeutung des kinästhetischen Analysators:
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Der kinästhetische Analysator ist für die reafferente Bewegungskontrolle besonders wichtig.
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Er ist der Analysator, der für die Wahrnehmung des „Bewegungsgefühls“ zuständig ist und ermöglicht so die Bewegungswahrnehmung von innen.
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Er ist für die Kontrolle der Eigenbewegung des Körpers zuständig und bei allen Bewegungen unverzichtbar. Jede Bewegung löst notwendig kinästhetische Signale aus.
Erläuterung der Meinung Stolpes:
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Stolpe spricht sich dafür aus, den kinästhetischen Analysator bereits während der ersten Lernphase gezielt zu fördern, auch wenn die kinästhetisch wahrgenommenen Informationen erst in späteren Lernphasen richtig genutzt werden können.
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Dieser Überlegung liegt zugrunde, dass die kinästhetische Wahrnehmung wesentlich für die reafferenten Rückmeldungen im Prozess der Bewegungsregulation sind. Ohne die Fähigkeit der Wahrnehmung der Bewegung von innen kann in den späteren Lernphasen (v. a. in der Phase der Feinkoordination und Ausprägung der variablen Verfügbarkeit) kein genau differenziertes und reflektierbares Bewegungsergebnis erzielt werden.
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Im Prozess des Bewegungslernens sollte daher bereits von Anfang an ein Schwerpunkt auf die Wahrnehmung körpereigener Rückmeldungen gelegt werden. So sollten Körper- und Bewegungsempfindungen verbalisiert und reflektiert werden und eine Bewegungsvorstellung bewusst geschaffen werden.
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Während der ersten Lernphase wird die Fülle an Informationen die Sportlerin bzw. den Sportler noch überfordern. Die Informationsauswertung und -verarbeitung ist noch ungenau und die durch den kinästhetischen Analysator gesammelten Rückmeldungen sind noch von geringerer Bedeutung als die afferenten Informationen durch von außen kommendes Feedback.
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Da im Laufe der Lernentwicklung die Bedeutung der reafferenten Informationen und somit des kinästhetischen Analysators aber immer bedeutsamer wird, ist es wichtig, diesen bereits frühzeitig im Lernprozess bewusst zu fördern.
Ein zu entwickelndes sportartspezifisches kinästhetisches Wahrnehmungstraining sollte in seiner methodischen Umsetzung folgende Aspekte berücksichtigen:
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Bereitstellung von Möglichkeiten zum Sammeln vielfältiger unterschiedlicher Bewegungserfahrungen über die Veränderung der Sportgeräte, Raumbedingungen, Regeln etc.
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Schaffen von Bedingungen für das Üben und Beobachten, die das bewusste Wahrnehmen von Bewegungsempfindungen erleichtern
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gezielte Verbalisierung des Bewegungsablaufs und Bewegungsempfindens; bewusste Konzentration auf das Wesentliche der Bewegungsempfindungen schaffen
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In-Beziehung-Bringen der kinästhetischen Wahrnehmung mit afferenten Informationen (z. B. durch Trainerrückmeldungen, den Abgleich der eigenen Bewegungswahrnehmung mit einer Videoaufnahme, Messergebnisse)
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Übungen zum Training der Differenzierungsfähigkeit
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Einschränkung der anderen Analysatoren, um verstärkt die Wahrnehmung über den kinästhetischen Analysator zu fördern
In der Aufgabenlösung müssen diese Aspekte sportartspezifisch auf die gewählte Schwerpunktsportart bezogen werden; beispielhaft hier bezogen auf Badminton und Schwimmen:
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Badminton: Verwendung unterschiedlicher Schlaggeräte und Bälle, Veränderungen des Spielfeldes, Spiel gegen unterschiedliche Gegner / Schwimmen: Schwimmen in Kleidung, mit Schwimmhilfen, gegen und mit Strömung
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Badminton und Schwimmen: Beobachten anderer Sportlerinnen und Sportler, Anregung des gegenseitigen Austauschs der Beobachtungen und der eigenen Bewegungswahrnehmung
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Badminton und Schwimmen: angepasst an das Alter der Lernenden Verbalisierung und Verschriftlichung der Bewegungshandlung und des Bewegungsempfindens, ideomotorische Trainingsvarianten, Visualisierungen
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Badminton und Schwimmen: hohes Maß an Trainerrückmeldungen und Gesprächen mit den Lernenden über die Bewegung und ihre Wahrnehmung, Videoanalysen, Quantifizierung von Bewegungsparametern und Abgleich mit dem eigenen Bewegungsempfinden (z. B. Messen der Schlaggeschwindigkeit des Balles, der zurückgelegten Schwimmstrecke mit einem Bewegungszyklus)
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Badminton: Schläge auf Zielzonen / Schwimmen: Schwimmen mit Flossen oder Paddels
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Badminton: Spielen mit Gehörschutz oder einer Augenklappe / Schwimmen: Schwimmen mit geschlossenen Augen und Wahrnehmungsbeobachtungsaufgaben