Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

Sprachmittlung

Aufgabenstellung

You are taking part in the international youth conference Diversity and Inclusion in the Workplace.

In preparation for a conference workshop, you have been asked to present an example from your

country.

In an email to the workshop moderator, outline the information on the inclusive job fair and its

significance for employers, jobseekers and the Bavarian advocate for people with disabilities.

Material

Text: Sebastian Grosser, „Inklusion in der Arbeitswelt: Mit Behinderung zum Job“

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Christina Schätzl schaut kurz verschreckt auf, als der Gong im Konferenzraum
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ertönt. Es ist das Startsignal für das Speeddating: Ab jetzt haben die Unternehmen
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acht Minuten Zeit, so viel wie möglich über ihre Bewerberinnen und Bewerber zu
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erfahren. Und über ihre Behinderung. In Regensburg fand die bayernweit erste
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Inklusive Jobmesse statt.
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„Erzählen Sie mal kurz, was für eine Ausbildung Sie haben, wo Sie gerade tätig sind
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oder waren, wo Ihr Interesse besteht, vielleicht bei uns zu arbeiten", will Schätzls
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Gegenüber von ihr wissen. Die 39-Jährige beginnt zu erzählen – von ihrer
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Ausbildung zur Bürokauffrau, von ihrem Leben mit einer Behinderung und von dem
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Wunsch, einen passenden Job zu finden.
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Das Speeddating ist der Höhepunkt der Inklusiven Jobmesse. Es ist die erste Messe
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dieser Art in Bayern. Dicht aneinandergereiht stehen im großen Konferenzraum des
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Jahnstadions die Stände potentieller Arbeitgeber. Konzerne wie Continental finden
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sich hier ebenso wie Verbände, Behörden oder mittelständische Betriebe aus der
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Region. Der Unterschied zu anderen Messen liegt im Detail: Es gibt keine Stehtische.
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Unterhalten wird sich meist auf Augenhöhe und hier und da in Gebärdensprache.
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Das Interesse an der Jobmesse ist groß. Vor den Ständen stauen sich Interessenten,
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allesamt mit einer Behinderung. Für Bayerns Behindertenbeauftragten Holger
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Kiesel ist die Veranstaltung ein erster Anfang: nach zwei Jahren Pandemie, in der
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die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung stark angestiegen ist.
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Auch jetzt seien bei vielen Arbeitgebern noch Vorbehalte vorhanden. „Weil sie die
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Folgen der Pandemie zum Teil sehr existenziell gespürt haben. Wenn es dann darum
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geht, wieder neu einzustellen, dann sind leider die Menschen mit Behinderung oft
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mit die letzten, an die gedacht wird, wenn es um gute Arbeitskräfte geht", sagt
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Kiesel, der ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Viele Arbeitgeber sind in
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der jetzigen Situation vorsichtiger als früher."
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Die Behinderung von Christina Schätzl ist nicht zu übersehen. Seit ihrer Geburt ist
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die aus dem Bayerwald stammende Frau auf den Rollstuhl angewiesen. Früh hat sie
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lernen müssen, für ihre Wünsche zu kämpfen. Die gelernte Bürokauffrau geht direkt
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auf die Unternehmen zu. Ihre anfängliche Nervosität hat sie schnell überwunden.
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Der Stand der Johanniter sagt Schätzl besonders zu. Sie betreiben in Regensburg ein
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inklusives Hotel. Im „Inkludio" zu arbeiten wäre der Traum von Christina Schätzl.
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„Weil ich es wichtig finde, dass es Hotels gibt, die barrierefrei sind. Und dass da auch
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Menschen mit Behinderung arbeiten, also quasi Menschen mit Behinderung für
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Menschen mit Behinderung." Schätzl kennt deren Bedürfnisse genau.
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Die Unternehmen, Betriebe und sonstige Arbeitgeber, die sich auf der Inklusiven
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Jobmesse präsentieren, wollen die Inklusion fördern – trotz vielleicht anfänglichem
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Aufwand und Kosten, die sich ergeben können. „Aber wenn man konkret
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miteinander besprechen kann, welche Erwartungen und Bedürfnisse die jeweils
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andere Seite hat, dann stellt man ganz oft fest: Etwas, wovon man geglaubt hat, das
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geht im Leben nicht, geht dann doch", sagt Bayerns Behindertenbeauftragter
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Kiesel.
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In Regensburg habe man die Notwendigkeit von Inklusion in der Arbeitswelt schon
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früh erkannt. Vor Jahren wurde bereits in der „Regensburger Erklärung"
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festgeschrieben, mehr Menschen wie Christina Schätzl auf dem Arbeitsmarkt eine
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bessere Chance zu geben. Nun hofft Kiesel, dass die Messe auch Vorbild für andere
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Städte wird.
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Für Christina Schätzl ist die Messe schon ein voller Erfolg. Sie hat Eindruck
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hinterlassen, vor allem bei den Johannitern. „Die Chancen stehen sehr gut. Sie hat
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eine abgeschlossene Ausbildung und außerdem eine sehr offene Art. Und das
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kommt bei Arbeitgebern grundsätzlich gut an", sagt Sofia de Raad, zuständig für die
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Personalgewinnung bei den Johannitern.
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Auch sonst hat Schätzl fleißig Kontakte geknüpft. Die Mappe mit den Lebensläufen
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ist am Ende des Tages jedenfalls dünner geworden. Ihr Fazit: „Sehr gut. Ich
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bekomme eine Rückmeldung. Das hört sich schon sehr vielversprechend an. Ich bin
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gespannt, was sich daraus ergibt." Vielleicht klappt es ja, mit dem Traumjob.

615 Wörter

Quelle: Sebastian Grosser. „Inklusion in der Arbeitswelt: Mit Behinderung zum Job.“ BR24. 4. Juni 2022.

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