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Sprachmittlung

In your social studies class, you and students at your American partner school are working on the joint e-learning project “Changing Lifestyles”.

Write an article for the project website, outlining why people have lived in shared accommodation in the past and present.

David Gutensohn, „Fast niemand zieht mehr aus Überzeugung in eine WG“

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ZEIT Campus ONLINE: Immer mehr Menschen leben in Wohngemeinschaften. Seit
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wann liegt die WG im Trend?
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Clemens Albrecht1: Menschen, die nicht miteinander verwandt sind, aber einen Haushalt
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teilen, gab es schon im Römischen Reich. Das ganze europäische Mittelalter war ge-
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prägt von Lebensformen, in denen Familien, ihr Dienstpersonal und andere Personen
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sich ein Haus teilten. Eigentlich ist die Wohngemeinschaft die normale Lebensform.

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Seit wann leben Familien nicht mehr in Wohngemeinschaften?
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Zumindest bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war das die Regel. Danach lebte die
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Kernfamilie verstärkt im eigenen Heim, allerdings in der Oberschicht immer noch mit
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Personal. Als die Dienstboten dann in den 1950er- und 1960er-Jahren durch Maschi-
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nen ersetzt wurden, wurde die Kernfamilie mit eigenem Haushalt zum Standard. Die
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Männer gingen arbeiten, die Frauen blieben zu Hause und kümmerten sich um die
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Kinder.

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Wie hat das Modell der Wohngemeinschaft trotzdem überlebt?
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Wie so viele gesellschaftliche Strukturen wurde auch diese von der 68er-Bewegung2
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aufgebrochen. Ihre Wohngemeinschaftsprojekte läuteten das Comeback der alten
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Wohnform ein. Das damals Neue an der Wohngemeinschaft war, dass sie egalitär or-
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ganisiert wurde. Es gab keine patriarchalen Strukturen innerhalb von Wohngemein-
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schaften. Das ist bis heute so geblieben, wenn man mal davon absieht, dass es Haupt-
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und Untermieter gibt. Die Wohngemeinschaft der 68er war immer ein gesellschaftsre-
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formerisches Projekt. Doch die Hoffnung, dass irgendwann alle Menschen frei und
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gleich zusammenleben würden, erwies sich als große Illusion.

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Wieso ist die Idee gescheitert?
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Heute entscheiden sich Studierende pragmatisch statt politisch für eine Wohngemein-
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schaft. Ist das Studium beendet und die Familie gegründet, verlässt man die WG und
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zieht ins Reihenhaus. Einige Jahre später wird der Nachwuchs denselben Kreislauf
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durchlaufen. Die WG ist zu einer Lebensform auf Zeit geworden – vor allem für gut
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gebildete 20- bis 30-Jährige. Fast niemand zieht mehr aus Überzeugung in eine Wohn-
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gemeinschaft.

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Warum sonst? Eine Studie vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt,
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dass die WG-Quote kontinuierlich steigt und mittlerweile jeder und jede dritte
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Studierende in einer Wohngemeinschaft lebt. Für sie ist die WG zur beliebtesten
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Wohnform geworden.
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Rein pragmatisch ist die WG für viele Studierende einfach die beste Lösung. Sie haben
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oft zu wenig Einkommen, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Vor allem
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in angesagten Städten sind Ein- oder Zweizimmerwohnungen besonders teuer. Dort
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sind nicht nur Studierende auf Wohngemeinschaften angewiesen. Auch Erwachsene,
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die im Berufsleben stehen, bleiben oder ziehen heute in Wohngemeinschaften. Oft nur,
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weil das finanzierbar ist und sie ohnehin mobiler und flexibler arbeiten und leben als
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früher.

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Entscheiden sich Menschen heute nur noch aus finanziellen Gründen für eine
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WG?
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Zum Teil. Es ist aber auch ein anderer Trend zu beobachten: Einige Menschen leben
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explizit asketisch und minimalistisch. Es gibt eine ganze Bewegung von Menschen,
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die bewusst Verzicht üben und möglichst wenig besitzen möchten. Da kann man sich
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mit keiner Wohnform besser identifizieren als mit der Wohngemeinschaft. Die WG
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kann also auch Teil eines Lebensstils sein und Identifikation schaffen. Einige machen
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damit aus der Not eine Tugend: Sie bloggen über ihren Lebensstil und integrieren das
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kleine WG-Zimmer in ihr positives Selbstbild.

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Andere wiederum wünschen sich nur, dass abends jemand zu Hause ist, oder?
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Wohngemeinschaften können auch eine Art Familienersatz sein. Wir Soziologen un-
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terscheiden zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft. Gemeinschaft, das sind Freunde
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und Familie, unsere engsten Beziehungen, die immer mit sozialer Kontrolle verbunden
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sind. Daraus möchten viele fliehen, ohne in die völlige Anonymität der großen Städte
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zu geraten. Ihnen kann die WG wiederum Gemeinschaft bieten, ohne so eng wie Fami-
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lie zu sein: Menschen, die da sind und sich um einen kümmern, vor denen man sich
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aber nicht für den alltäglichen Lebenswandel verantworten muss.

1 Clemens Albrecht – Professor für Kultursoziologie, Universität Bonn

2 68er-Bewegung – hier: die westdeutsche Studentenprotestbewegung der späten 1960er-Jahre

585 Wörter

Quelle: Gutensohn, D. (2019, 19. April). „Fast niemand zieht mehr aus Überzeugung in eine WG“. Zeit Campus Online. Zugriff am 13. 01. 2020 von https://www.zeit.de/campus/2019-04/wohngemeinschaften-studierende-bezahlbarer-wohnraum-clemens-albrecht.

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