Aufgabe 2 – mit schriftlichem Schwerpunkt und praktischem Anteil
Dir liegen zur Bearbeitung der Aufgabe Reproduktionen der folgenden Werke vor:
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M1: Wolf Erlbruch (Text und Illustration), Doppelseite aus dem Bilderbuch „Nachts“, 1. Auflage 1999, Mischtechnik, Maße variieren je nach Ausstattung der Auflage
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M2: Caspar David Friedrich, Zwei Männer in Betrachtung des Mondes, um 1819, Öl auf Leinwand, 33 cm x 44,5 cm, Galerie Neue Meister im Albertinum, Staatliche Kunstsammlung Dresden
Aufgabe 1 (schriftlicher Aufgabenteil)
Beschreibe die Illustration von Erlbruch (M1).
Analysiere die Illustration von Erlbruch (M1).
Vergleiche die Illustration von Erlbruch (M1) mit dem Gemälde von Friedrich (M2).
Interpretiere die Illustration von Erlbruch (M1) und beziehe das Gemälde von Friedrich (M2) vergleichend ein.
Aufgabe 2 (praktischer Aufgabenteil)
Fertige analytische Skizzen an, die wesentliche bildsprachliche Mittel der beiden Werke veranschaulichen.
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Zu M1: Das Bilderbuch von Wolf Erlbruch handelt davon, dass ein kleiner Junge nachts nicht schlafen kann, seinen Vater weckt und mit ihm durch die Nacht zieht.
Material
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Reproduktionen der Werke
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Schreib- und Zeichenmaterial
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Transparentpapier DIN A4
Bildquellen

M1: Wolf Erlbruch, Nachts, Wuppertal 2017 (Erstauflage 1999), unpaginiert

M2: Ausstellungskatalog Caspar David Friedrich, Die Erfindung der Romantik, Hamburger Kunsthalle 2007, München 2006, S. 269
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Die systematische, gewichtende, anschauliche und sachliche Beschreibung der Illustration von Erlbruch:
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Motivelemente auf Doppelseite
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Am unteren Bildrand bis auf kleine Silhouette von laufendem Vater und Sohn völlig leere „Erd“-Oberfläche, von links nach rechts in flachem Bogen ansteigend, rechts unregelmäßig abgetreppt; darüber tiefschwarzer Nachthimmel.
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Rechte Bildhälfte: Fast formathoher Blickfang durch Hasenfigur. Diese bis auf Kopf und linken Vorderlauf in Vase mit anthropomorphem Umriss. Oberfläche der Vase mit mathematischen Begriffen und Formeln. Hasenkopf vereinfacht und karikierend vergrößert, lange Ohren nach rechts; starrt mit großem gelben Augapfel (wie Vollmond) auf riesigen schwebenden Röhren-Monitor mit Bild der ziffernbedeckten Mondsichel auf der linken Bildseite; linker Vorderlauf weist auf kleine Silhouette der Doppelfigur von Vater und Sohn unterhalb des Monitors, die auf am Horizont aufgehenden Himmelskörper zustreben;
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Sohn wendet sich zur Hasenfigur zurück
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Am unteren Bildrand zwei einzeilige Textbänder in serifenloser Schrift
Analyse der Illustration von Erlbruch:
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Bildaufbau, Formen
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Querformatige Doppelseite aus zwei hochrechteckigen Seiten, diese v. a. durch Flächen („Erdoberfläche“, Nachthimmel, …)
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Blickbeziehungen und horizontale Textbänder verbunden;
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Wenige Bildelemente einfach organisiert: Der rechten großen Vertikalen aus Hase und Vase entspricht links die vertikale Folge aus Monitor, Himmelskörper und Vater-Sohn-Figur.
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Dynamisierung der wenigen statischen Motivelemente (Hase, große ungegliederte monochrome Flächen, …) durch Schrägen, kreisende Blickführung, Größenkontraste, kopfstehende Textteile.
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Optischer Bildmittelpunkt: Leerer Nachthimmel.
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Betrachterstandpunkt: Nah am Geschehen, aber Distanz zu Vater und Sohn, kein Blickkontakt
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Blickführung: Hase – Monitor – Himmelskörper – Vater und Sohn – zurück zum Hasen
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Raumschaffende Mittel: Überdeckungen, Formlinien, skizzierte Schatten
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Formen quantitativ beschränkt, stark vereinfacht, silhouettenbetont, Binnenzeichnung skizzenhaft
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Farbe, Licht
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plakative Farbreduktion durch Collagieren überwiegend monochromer Papiere
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Farbkorrespondenzen (Textbänder – Mondsichel, Erdoberfläche – Hasenkopf, Vater-Sohn-Silhouette – Nachthimmel – Monitor, …)
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Hell-Dunkel-, Kalt-Warm-, Bunt-Unbunt-Kontraste
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Kühle, gleichmäßige Beleuchtungssituation, Lichtquelle im Einzelnen nicht rekonstruierbar (Schatten, …)
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Wirklichkeitszugriff
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Bildgegenstände vereinfacht (Formen, Farben), aber adressatenorientiert klar erkennbar (Kinder und Erwachsene)
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Bezüge zur Realität durch surreale Verknüpfungen, Proportionsverschiebungen und kopfstehende Textteile verrätselt
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Collagetechnik: Geschnittene Großformen aus ausgewählten monochromen, z. T. alten und bedruckten Papieren
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Landkartenausschnitt für Oberfläche des Himmelskörpers als Übersetzung der Realität in normierte Darstellung (Höhenlinien, …), insgesamt poetisch-phantasievolle Form der Darstellung
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Vergleich der Illustration von Erlbruch mit dem Gemälde von Friedrich und Setzung von Schwerpunkten:
Gemeinsamkeiten
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Sujet (Mond als Gegenstand der Betrachtung)
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Verhältnis von Mensch und Welt / Universum, je zwei isolierte silhouettenhafte Rückenfiguren in nächtlicher und räumlicher Grenzsituation
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Reduktion: Konzentration auf wenige Bildgegenstände, kleine intime Formate, reduzierte Farbpaletten; in Grundzügen ähnlich kreisende Komposition; vergleichbar auch Montageaspekte (Erlbruch: Collagetechnik; Friedrich: Kompositlandschaft)
Unterschiede
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Inhaltliche Aspekte:
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Zwei Männer als Rückenfiguren, Körperhaltung, Kleidung (politische Deutung der altdeutschen Tracht nicht zwingend), allein am Ende eines Bergpfades auf leichter Anhöhe in felsiger Waldlandschaft in gemeinschaftlicher Betrachtung des Mondes; dieser in Gestalt schmaler Mondsichel – in Begleitung eines zweiten Himmelskörpers rechts von ihm, beide mit Lichthof
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Detaillierte Naturdarstellung (Formen, Oberflächen, Farben, Licht)
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Bildbeherrschend neben Rückenfiguren: Felsformationen und entwurzelte, laublose, knorrige und moosbewachsene Eiche; reicht am oberen Bildrand in Krone des immergrünen Nadelbaums links, …
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Genaue topografische Verortung unerheblich
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Formale Aspekte:
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Staffelung von Naturversatzstücken
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Begehbarer Vorder-, fehlender Mittelgrund
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Untere Bildhälfte schräg nach rechts abfallend; Beginn des Bergpfades (Betrachterstandpunkt tiefer als der der Männer), Wurzelwerk der Eiche und Mond etwa auf vertikaler Mittelachse; wie Arme ausgreifendes Wurzel- und Astwerk der zur oberen rechten Bildecke strebenden Eiche lenken Bewegung zum Bildzentrum (bei Erlbruch leer)
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Dies von Bäumen und Rückenfiguren gerahmt
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Fast monochrome, warme brauntonige Farbigkeit, wenige Farbakzente durch grüne Kleidung, schwarze Kopfbedeckungen, hellgelbe Himmelskörper
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Atmosphärisch dichte Lichtwirkung
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Vergleichende Interpretation der Werke unter Einbezug der Ergebnisse der Aufgabenteile 1 bis 3:
Illustration von Erlbruch wirkt wie ironische Brechung des Friedrich-Gemäldes:
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An die Stelle der in kontemplative Betrachtung versunkenen Männerfreunde treten Vater und Sohn, auf dem Weg durch die Nacht, ein „mondsüchtiger“ Hase und ein Mond, der nur noch medial vermittelt oder eingefangen im Weltraumschrott eines satellitenhaften Monitors erscheint – dabei alle Protagonisten mit je eigener Sichtweise: der Vater, der zielgerichtet auf eine „neue Welt“ zusteuert, die gerade am Horizont erscheint, deren Oberfläche aber eine alte Karte zeigt; das Hasenwesen, das nur Augen für den Mond im Monitor hat, und das Kind, das – gemeinsam mit dem Betrachter – allein fähig ist, die Merkwürdigkeiten der Nacht und fließende Grenzen zwischen Wachen und Träumen wahrzunehmen
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Mathematisch-abstrahierende Versatzstücke auf den Objektoberflächen zitieren eine andere als die anschauliche Weltsicht der Illustration, stehen Kopf, vielleicht als Zeichen, dass man gelegentlich die Perspektive wechseln muss (ihre konkrete Bedeutung ist hier zu vernachlässigen)
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Riesiger Monitor und Hase ambivalent (Bedrohung, Traum, Karikatur, ...). Ebenso wie: Was ist aus dem Mond geworden? Befindet man sich noch auf der Erde? Welcher Himmelskörper geht gerade am Horizont auf? Textbänder inhaltlich z. T. widersprüchlich zur Illustration: „man sieht die Hand vor Augen nicht“
→ Insofern: Illustration liefert Gesprächsanlässe für Kinder und Erwachsene
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Bei Friedrich dagegen Spannung zwischen Naturbeobachtung und -inszenierung: romantische Überhöhung eines regelmäßig wiederkehrenden Naturphänomens, der nach dem Neumond wieder erscheinenden Mondsichel.
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Rückenfiguren in kontemplativer Betrachtung (Erhabenheit der sich selbst erneuernden Natur, Verortung des Individuums im Weltgefüge, Nähe, Distanz und Grenzerfahrungen, Irdisches und Überirdisches, …) zur Seite getreten, um Betrachter unverstellte Sicht auf den Mond und den begleitenden Himmelskörper – sowie eigene Reflexionen zu ermöglichen
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Symbolische Ebenen: Leben (immergrüne Nadelbäume) und Tod (abgestorbene Eiche) als untrennbare Konstanten (Berührung der Bäume) und Verweis auf unendlichen Naturkreislauf – wie der Bergpfad als Verweis auf den Lebensweg
→ Schließlich: Begeisterung und Innehalten angesichts eines Naturschauspiels in der Nacht als Gegenentwurf zur Geschäftigkeit des Tages – und ein Bild der Freundschaft – wie bei Erlbruch zwischen Vater und Sohn
Praktischer Aufgabenteil
Grundideen und Ansätze für Skizzen:
M1: Wolf Erlbruch, „Nachts“ (Collage)
Konzentration auf die flächige Anordnung und den surrealen Charakter der Versatzstücke.
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Flächenaufteilung & Symmetrie: Zweiteilung des Bildraums. Links dominiert ein geometrisches Rechteck (der "Bildschirm" oder das Fenster), rechts die vertikal betonte Figur der Vase mit Hasenkopf.
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Formkontraste: Hervorhebung der harten Kanten der Collage-Elemente (Scherenschnitt-Charakter).
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Gegenüberstellung von strenger Geometrie (Quadrat oben links) und organisch-fragmentierten Formen (der "Text-Körper" der Vase).
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Hell-Dunkel-Kontrast: Die Skizze markiert die massive Dominanz der schwarzen Hintergrundfläche, aus der die hellen, texturierten Elemente (Mond mit Zahlen, Vase mit Formeln) wie Fremdkörper hervorstechen.
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Blickachsen: Ein Pfeil markiert den starren Blick des Hasen nach links, der die beiden Bildhälften psychologisch verbindet.
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Schrift als Textur: In der Skizze wird die Schrift nicht als lesbarer Inhalt, sondern als grafische Textur (Schraffur) in der Vase und im Mond dargestellt.
M2: Caspar David Friedrich, „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“
Fokus auf die räumliche Tiefe und die kompositorische Lenkung des Betrachterblicks.
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Kompositionslinien (Die Diagonale): Die Skizze betont die dominante, von rechts oben nach links unten verlaufende Diagonale des entwurzelten, knorrigen Baumes. Diese Linie rahmt die Szene und lenkt den Blick zum Zentrum.
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Raumstaffelung (Ebenen):
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Vordergrund: Dunkle Silhouetten von Felsen und Baumstümpfen.
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Mittelgrund: Die beiden Männer als "Rückenfiguren".
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Hintergrund: Der ferne, leuchtende Mond als hellster Punkt.
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Lichtzentrum & Aura: Ein Kreis markiert den Mond als kompositorischen Ankerpunkt. Von ihm ausgehende Linien verdeutlichen die Lichtführung, die die Konturen der Männer und des Weges sanft hervorhebt (Chiaroscuro).
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Dreiecksstabilitat: Die beiden Männer bilden zusammen mit dem Boden eine stabile Dreiecksform, die Ruhe und Kontemplation ausstrahlt.
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Rahmung (Internal Framing): Die Äste des Baumes wirken wie ein natürlicher Rahmen, der den Blick auf das Gestirn fokussiert.
Auf die Fähigkeit, wesentliche bildsprachliche Mittel beider Werke in anschaulichen Skizzen zu visualisieren wird bei der Bewertung besonders viel Wert gelegt:
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Inhaltliche und formale Bezüge zwischen Motivelementen
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Komposition
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Blickführung / Richtungen
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Lichtregie, Hell-Dunkel-Verteilung, Farbeinsatz