Aufgabe I – mit praktischem Schwerpunkt und schriftlichem Anteil
Gestalte ausgehend vom Textmaterial M1 eine Illustration.
Aufgabe 1 (praktischer Aufgabenteil)
Erprobe Gestaltungsideen in vielfältigen Skizzen.
Gestalte ausgehend von den Skizzen eine Illustration.
Aufgabe 2 (schriftlicher Aufgabenteil)
Begründe deinen Lösungsweg und die gestalterischen Entscheidungen.
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Text M1
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Zeichen- und Malmaterial
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Zeichen- und Malgründe unterschiedlicher Formate
M1 Textauszug aus:
Stefan Zweig, Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers
In „Die Welt von Gestern“ beschreibt Stefan Zweig sein Leben von der Kindheit im kaiserlichen Wien bis zu seinem Lebensabend in Brasilien. Im untenstehenden Auszug berichtet Zweig, wie er das Bekanntwerden des Attentats auf das österreich-ungarische Kronprinzenpaar erlebte. Dieses wurde von einem Attentäter erschossen. Das Ereignis mündete innerhalb kürzester Zeit in den 1. Weltkrieg.
Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern, Erstausgabe 1944, Frankfurt a.M. 1987, S. 249
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Grundlegende Ideen zur Gestaltung und Ausfertigung der Skizzen:
Skizzenansatz A:
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Konzept: Das „Vorher“, ausgelassene Stimmung, spielende, rennende Kinder, eine musizierende Kapelle im Hintergrund, Spaziergänger, Menschen sitzen auf der Wiese, ein Pärchen auf einer Picknickdecke. Die Stimmng ist positiv und sommerlich, blühende Sträucher im Vordergrund, grüne Bäume, saftiges Gras.
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Gestaltungsmittel:
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Ausschnitt: Großflächiges Panorama vom Park, hohe Raumtiefe
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Zeichenmaterial für das Gesamtwerk: Pastose Acryl,- oder Gouachefarbe, deckende Farbe
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Licht: Helles, natürliches Licht, das durch die Blätter der Bäume fällt, sich im See spiegelt
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Ikonizitätsgrad: Mittlerer Abstraktionsgrad, im Hintergrund verschwinden Menschen und Natur in einer bunten Masse
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Skizzenansatz B:
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Konzept: Die Nachricht erreicht die Menschen, Schock, Menschen halten mitten in der Bewegung inne, plötzlicher, abrupter Wandel des Gesichtsausdrucks, der Moment der Erkenntnis. Die Erkenntnis zieht sich wie ein Blitz durch das Bild, Riss im Bild, wie ein Traum, der zerplatzt.
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Gestaltungsmittel:
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Ausschnitt: Detailausschnitt, Gesichter, deren Ausdruck sich plötzlich verändert
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Zeichenmaterial für das Gesamtwerk: Buntstifte, Acrylfarben, Graphitstifte, Zeichenkohle
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Licht: Das Licht verdunkelt sich, als wäre eine große Wolke vor die Sonne gezogen
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Farbe und Form: Übergang zu dunkleren, stumpfen Farben (Grau-, Braun-, und dunkle Grüntöne; militärischer Charakter), Gesichtszüge verhärten sich
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Ikonizitätsgrad: Geringer Abstraktionsgrad, hoher Realitätsbezug
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Skizzenansatz C:
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Konzept: Brandflecken, brennende Ränder, in den entstandenen Löchern ist die Szene nach Ankommen der Nachricht zu sehen
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Gestaltungsmittel:
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Zeichenmaterial für das Gesamtwerk: Zeichenkohle, verbranntes Papier, Acrylfarbe (für brennende Ränder)
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Farbe und Form: Dunkle, gleichzeitig blasse Farben, ein rauchiger Schleier legt sich über die Gesichter der Menschen
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Gesamtwerk
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Konzept: Skizzenansatz A bildet das Fundament als bildfüllender Hintergrund. Skizzenansatz B bildet die darunter liegende Schicht ab, die unter den Brandflecken zum Vorschein kommt. Ansatz C ist die oberste Schicht, die Brandflecken umreißen dabei die Elemente aus Skizzenansatz B.
Begründung des Lösungswegs und der gestalterischen Entscheidungen
Das gesamte Format ist mit einer lichtdurchfluteten, von Leichtigkeit erfüllten Parkszene gefüllt. In pastosen, warmen Farbschichten sieht man die „flutende helle Masse“ der Spaziergänger. Die Bäume sind in sattem Grün gehalten, das Sonnenlicht bricht sich in gelben und weißen Tupfern auf dem Boden. Es ist die visuelle Entsprechung von Stefan Zweigs „rechte[m] Tag des Glücklichseins“. Ohne diesen Kontrast wirkt der Schock nicht. Die Wahl von Gouache/Acryl soll den impressionistischen Flair dieser Zeit einfangen.
Über diese Idylle legt sich eine Ebene aus verkohltem Papier mit Brandlöchern. Die Ränder dieser Löcher sind schwarz, krustig und wirken dreidimensional. Sie fressen sich von den Rändern und aus der Mitte heraus in die friedliche Szenerie. Dieser Ansatz geht über den Text hinaus und bezieht den Titel des Gesamtwerks (Welt von Gestern) mit ein. Das Material und die Löcher und abgebrannten Kanten des Gemäldes macht die Vergänglichkeit haptisch spürbar.
Inmitten der Brandlöcher wird der Blick auf eine tiefere Ebene frei. Hier verschwindet die Farbe. Man sieht in hartem Schwarz-Weiß (Graphit und Kohle) die deformierten, schockstarren Gesichter der Menschen. Wo oben noch gelacht wurde, sieht man durch das Loch nun einen weit aufgerissenen Mund oder ein Auge voller Vorahnung. In einem Loch im Hintergrund erkennt man statt der Kurkapelle nur noch die kalten, metallischen Umrisse von Gasmasken oder Marschstiefeln.
Die Materialität unterstützt die inhaltliche Zerrissenheit des Textes: Gouache und Acryl (Hintergrund): Diese Medien erlauben einen dichten, fast cremigen Farbauftrag. Die Leuchtkraft der Gouache vermittelt die Naivität und den Glanz der Vorkriegszeit. Echte Kohle und Strukturpaste (Brandränder): Um die Zerstörung haptisch greifbar zu machen, werden die Ränder der Löcher mit Strukturpaste und echter Kohle modelliert. Dies erzeugt einen physischen Bruch in der glatten Bildoberfläche. Für die Schockmomente wird ein trockenes, hartes Medium gewählt. Graphit wirkt im Vergleich zur pastosen Acrylfarbe staubig, kalt und endgültig, wie ein verblassendes Foto.