Aufgabe II – mit schriftlichem Schwerpunkt und praktischem Anteil
Dir liegen zur Bearbeitung der Aufgabe Reproduktionen der folgenden Werke vor:
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M1: Caspar David Friedrich, Auf dem Segler, 1818–1820 Öl auf Leinwand, 71 cm x 56 cm, Staatliche Eremitage, St. Petersburg
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M2: Edouard Manet, Im Boot, 1874 Öl auf Leinwand, 97,2 cm x 130,2 cm, Metropolitan Museum of Art, New York
Aufgabe 1 (schriftlicher Aufgabenteil)
Beschreibe das Gemälde von Friedrich (M1).
Analysiere das Gemälde von Friedrich (M1).
Vergleiche das Gemälde von Friedrich (M1) mit dem Gemälde von Manet (M2).
Interpretiere das Gemälde von Friedrich (M1) und beziehe das Gemälde von Manet (M2) vergleichend ein.
Aufgabe 2 (praktischer Aufgabenteil)
Fertige analytische Skizzen an, die wesentliche bildsprachliche Mittel der beiden Werke veranschaulichen.
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Reproduktionen der Werke (M1 und M2)
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Schreib- und Zeichenmaterial
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Transparentpapier DIN A4
Bildquellen

M1: Caspar David Friedrich, Auf dem Segler, 1818–1820

M2: Edouard Manet, Im Boot, 1874
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1 (schriftlicher Aufgabenteil)
Das Gemälde „Auf dem Segler“ zeigt ein junges Paar, das eng beieinander am Bug eines Segelschiffs sitzt. Sie sind in der für Friedrich typischen Rückenansicht dargestellt und blicken gemeinsam auf eine ferne Stadtsilhouette, die sich im dunstigen Gold des Horizonts abzeichnet.
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Unteres Bilddrittel: Paar, Mann und Frau, Ganzfiguren, nebeneinander sitzend und sich an den Händen haltend, im aufgerichteten Bug eines fahrenden hölzernen Segelbootes
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Mann: Rückenfigur, in dunkelblauem Anzug und Barett, Unterkörper leicht gedreht
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Frau: Profilansicht, in rotem bodenlangen und langärmeligem Kleid und weißem Spitzkragen, Haare am Hinterkopf hochgesteckt, Unterkörper in bequemer Sitzhaltung, Beine leicht angewinkelt, Oberkörper leicht gedreht in seitlicher Pose
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Schiffskörper angeschnitten, im Vordergrund nur das Vorschiff mit drei Segeln, durch Wind leicht nach rechts geneigt
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Bootsrumpf mit Mast, Seilen und Segeln detailgetreu wiedergegeben (Holzmaserung, Faltenwurf, …)
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Wasseroberfläche nahezu unbewegt
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Blick der Figuren in Fahrtrichtung zum Ufer im Hintergrund, hier schemenhafte Silhouette einer großen mittelalterlich anmutenden Stadt (mehrere hohe spitze Kirchtürme, kleinere Gebäude) im Dunst,
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Weiter Horizont, Himmel in gelb-rötlicher Farbgebung eines Sonnenuntergangs, von Schleierwolken durchzogen
Friedrich nutzt hier eine streng kalkulierte Komposition, um eine metaphysische Stimmung zu erzeugen:
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Komposition: Die Zentralperspektive und die Symmetrie des Mastes verleihen dem Bild Ruhe und Beständigkeit. Die Diagonale des Bugs führt den Blick des Betrachters direkt zum Paar und weiter in die Unendlichkeit.
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Raumgestaltung: Es gibt einen harten Kontrast zwischen der materiellen Greifbarkeit des Bootes und der immateriellen Ferne der Stadt.
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Bildaufbau, Formen Hochformat: Motiv von rechts, oben und unten angeschnitten
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Gliederung der deutlich konstruierten Bildfläche durch horizontale (Querstreben des Bootes, Uferlinie am Horizont, Verlauf der Wolkenschichten) und von links unten nach rechts oben aufstrebende Richtungen (Taue, Mast, Segel)
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Paar im optischen Bildmittelpunkt
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Goldener Schnitt (Waagerechte auf Augenhöhe von Mann und Frau, Senkrechte zwischen beiden Köpfen) → dadurch einerseits Stabilität, Ruhe, andererseits Bewegtheit, Dynamik durch Schrägen
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Insgesamt ausgeglichene, harmonische Komposition
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Raumschaffende Mittel: Größenabnahme, Überschneidungen der Motivelemente, räumliche Staffelung; durch Wasserfläche verbunden: Vordergrund (Boot, Paar), Hintergrund (Uferzone, Stadtsilhouette, Himmel)
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Luftperspektive
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Betrachterstandpunkt: leichte Untersicht, Betrachter durch angeschnittenes Deck im unteren Bildrand scheinbar mit an Bord, gleichwohl in Distanz zum Paar, …
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Blickführung: männliche Rückenfigur – ineinandergelegte Hände – Frau – Blickrichtung des Paares in die Ferne folgend – Horizont
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Formanalogien und -wiederholungen, aufsteigende Schrägen, geschwungene Linien, Dreiecks-, Konkav- und Konvexformen (Takellage, Mast, Segel, im Bug spitz auslaufende Form des Bootes)
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Ballung von Motivelementen im unteren Bilddrittel
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Farbe, Licht Dominanz warmer Farbpalette aus differenziert abgestuften Braun- und Orangetönen (Himmel, Schiffskörper) gegenüber kühleren, ungesättigten Tönen (Meer, Segel) und Farbakzenten (Kleidung der Figuren)
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Hell-Dunkel-, Kalt-Warm- und schwach ausgeprägte Komplementärkontraste, getrübte Erscheinungsfarben, teils Lokalfarben
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Lichteinfall durch tief stehende Sonne außerhalb des Bildes links: hell leuchtend, bewegtes Licht- und Schattenspiel (Wolken, weibliche Bildfigur, Bootskörper, Segel), atmosphärisch dichte Lichtwirkung
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Wirklichkeitszugriff hoher Ikonizitätsgrad durch präzise Darstellung von Stofflichkeit und Details (hölzerne Struktur, Deck des Bootes, Takelage, …) sowie illusionistische Darstellungsweise (feiner Pinselduktus, lasierender Farbauftrag)
Gemeinsamkeiten (Friedrich – Manet)
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Sujet (Paar in Boot auf ruhigem Gewässer)
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Weibliche Figur jeweils im Profil dargestellt
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Begrenzter, enger Bildausschnitt
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Reduktion: Begrenzung auf wenige, z.T. angeschnittene Bildmotive (Boot); jeweils reduzierte Farbpalette
Unterschiede (Friedrich – Manet)
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Inhaltliche Aspekte Paar als bildbeherrschendes, raumfüllendes Motiv
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Segeln als Freizeitaktivität: entspannte Körperhaltungen; Kleidung sportlich-elegant (Mann in weißem Seglerdress, leichtem Strohhut, Frau mit elegantem Hut und legerem, maritim blaugestreiften Gürtelkleid, …)
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Blickrichtung des Mannes zum Betrachter, Frau im Profil blickt am Segler vorbei nach rechts außerhalb des Bildes
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Nur nötigste Verweise auf Fahrt mit kleinem Segelboot (stark angeschnittener Bootskörper, festgezurrtes Segel, …)
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Sommerlicher Tag
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Formale Aspekte Figuren als Bildgegenstand nah nach vorne gerückt, keine sichtbare Horizontlinie, Betrachterstandpunkt: innerhalb des Bootes (Friedrich) gegenüber außerhalb des Bootes (Manet), leichte Aufsicht
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Komposition durch akzentuierte Schrägen (Segel, Bootsrand, Körperhaltung der Figuren, …)
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Porträthafte Erkennbarkeit
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Impressionistische Darstellungsweise: lockere Malweise (flächig; klar erkennbarer Pinselduktus einerseits, Auflösung der Umrisse andererseits; …)
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Dominierende Farbe Blau mit Weißakzenten (Wasser, Kleidung), insgesamt heitere Farbstimmung; …
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Reflexionsanlässe: Paar auf Reise in gemeinsame Zukunft, Ziel in der Ferne (Stadt am Horizont als sicherer Hafen, sowohl auf profaner als auch auf spiritueller Ebene; Sonnenunter- bzw. -aufgang als möglicher symbolischer Verweis, …)
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Sehnsucht der Romantik nach Gefühlsintensität, nach inniger Verbundenheit mit dem Göttlichen, …
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Im Gegenzug dazu bei Manet rein profane Ebene
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Unvermittelte Nähe zu Figuren; individuelle Erkennbarkeit, dadurch Verzicht auf symbolische Überhöhung: nicht wie bei Friedrich Passagiere des „Lebensschiffes“, sondern Freizeitvergnügen in der Natur, der Erholung und Entspannung zugewandte Akteure
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Bei Friedrich deutlich identifizierbare Einheit des Paares, bei Manet ungeklärtes Verhältnis
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Unterschiedliches Verhältnis der Dargestellten zur Natur
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Direkte Adressierung des Betrachters (Manet: Mann blickt Betrachter an) gegenüber Betrachter als möglicher unsichtbarer Steuermann (Friedrich)
Aufgabe 2 (praktischer Aufgabenteil)
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Grundlage für Skizze zu M1 (Stabilität & Sehnsucht):
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Großes Dreieck, das vom Bug gebildet wird und nach oben strebt.
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Wiederholung der Dreiecksform in Segeln und Tauen und Stadtsilhouette im Hintergrund.
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Horizont im unteren Drittel, der Himmel und Meer voneinander trennt.
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Markierung des Goldenen Schnitts, der im Aufeinandertreffen von Mast und Horizont entsteht.
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Flächenfüllendes Segelboot, dessen Schwere durch filigrane Taue, das Paar und die Stadt im Hintergrund aufgelockert wird.
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Grundlage für Skizze zu M2 (Dynamik & Ausschnitt):
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Klarer Fokus auf die Szene.
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Einfach gehaltener Hintergrund mehr als Mittel zum Zweck.
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Leichtigkeit entsteht durch die Momentaufnahme, der Mann bewegt seine Arme.
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Schwerpunktsetzung auf linker Bildseite im goldenen Schnitt durch das Gewicht des Paares im Boot.
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Linienführung eher in Kurven, sorgt für Dynamik.
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