Aufgabe 1 – Perspektive auf fleischloses Essen
Situation
Du bist Schülerin bzw. Schüler an einer Schule der Evangelischen Kirche. Die Schülerschaft ist überwiegend christlich geprägt, aber auch konfessionslose Schülerinnen und Schüler sowie solche mit anderer Religionszugehörigkeit sind Teil der Schulgemeinschaft. Deine Schule ist eine Ganztagsschule mit einer gut besuchten Mensa. Die Catering-Firma bietet täglich vier verschiedene Menüs an, darunter ein vegetarisches. In der Schulgemeinschaft werden Fragen zu gesunder Ernährung, zum Tierwohl und zum Klimaschutz bewusster wahrgenommen und zunehmend kontrovers diskutiert.
Die nächste Sitzung der Schülerinnen- und Schülervertretung erfolgt mit dem Ziel, ein Votum zu der Fragestellung zu ermitteln: Sollte in der Schulmensa zukünftig nur noch fleischloses Essen angeboten werden?
Du wirst gebeten, als Kurssprecherin bzw. Kurssprecher des Grundkurses Evangelische Religionslehre zur Vorbereitung der Sitzung einen schriftlichen Debattenbeitrag zu erstellen, der – gerade vor dem Hintergrund, dass es sich um eine Schule mit evangelischem Profil handelt – eine christliche Perspektive auf diese Fragestellung entwickelt.
Schreibauftrag
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Entfalte einführend die Fragestellung und ihre Bedeutung.
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Arbeite die in M 1 und M 2 dargestellten Positionen heraus und setze dich unter Bezugnahme auf deine Kenntnisse aus dem Unterricht damit auseinander.
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Entfalte in Grundzügen das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, wie es sich aus einem christlich geprägten Menschenbild ergibt, und beziehe dieses in die Argumentation mit ein.
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Nutze zur Veranschaulichung und zur Argumentation mindestens zwei der weiteren Materialien M 3 bis M 7.
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Nimm zur Frage begründet Stellung.
80 P
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Gabriele Höfling
„Vegetarisches Essen ist Christenpflicht“
Ein Interview mit Kurt Remele
Kurt Remele ist katholischer Theologe.
Aus: Gabriele Höfling: „Vegetarisches Essen ist Christenpflicht.“ Ein Interview mit Kurt Remele. In: katholisch.de, 01.06.2016 https://www.katholisch.de/artikel/9225-vegetarisches-essen-ist-christenpflicht (12.03.2024)
M 2
Florian Asche
Essen wie Jesus
Der Tod und das Töten sind ein zwingender Teil der Schöpfung
1 apodiktisch: hier: streng
2 politicus: (lat.) politischer Mensch
Florian Asche ist Jurist.
Aus: Florian Asche: Essen wie Jesus. Der Tod und das Töten sind ein zwingender Teil der Schöpfung. In: zeitzeichen, 12/2016 https://zeitzeichen.net/archiv/2016_Dezember_pro-duerfen-christen-fleisch-essen (12.03.2024)
M 3
Klaus Hampe
Darf ich das? Gewissensfragen im Alltag
Fleisch oder Gemüse?
Klaus Hampe ist Journalist.
Aus: Klaus Hampe: Fleisch oder Gemüse? In: Ders.: Darf ich das? Gewissensfragen im Alltag. Stuttgart: Kreuz Verlag 2008, S. 24 f.
M 4
Verbraucherzentrale
Tipps zum Speiseplan für Kinder
Die Ernährungspyramide
Täglich nach dem 6-5-4-3-2-1-Prinzip auswählen

Fisch, Fleisch, Wurst oder Ei – wöchentlich max. 2 bis 3 Portionen
Aus: Tipps zum Speiseplan für Kinder. Die Ernährungspyramide. In: verbraucherzentrale, 09.10.2023 https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/tipps-zum-speiseplan-fuer-kinder-10729 (12.03.2024)
M 5
Die Ökobilanz: Wie wirkt unser Konsum aufs Klima?

Aus: Die Ökobilanz: Wie wirkt unser Konsum aufs Klima? In: Land schafft Leben, 2023 https://www.landschafftleben.at/hintergruende/landwirtschaft-ernaehrung-klima/konsum (12.03.2024)
M 6
Stefan Roth (Stero)
Ein fataler Irrtum

Aus: Stefan Roth (Stero): Ein fataler Irrtum. Cartoon. 28.05.2015 https://roth-cartoons.de/projekt/5-gebot-du-sollst-nicht-toeten/ (12.03.2024)
M 7
Erdem Gökalp und Michael Weißenborn
Sollte man in Kitas auf Fleisch verzichten – oder ist das übergriffig?
Erdem Gökalp und Michael Weißenborn sind Journalisten.
Aus: Erdem Gökalp und Michael Weißenborn: Sollte man in Kitas auf Fleisch verzichten – oder ist das übergriffig? In: Stuttgarter Zeitung, 11.09.2023 https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-und-contra-freiburger-weg-sollte-man-in-kitas-auf-fleisch-verzichten-oder-ist-das-uebergriffig.e4b6efa1-620a-4f57-85e9-422477d9b5b9.html (12.03.2024)
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Entfalte die Fragestellung und ihre Bedeutung einführend:
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kommunikative Situierung: Debatte auf der SV-Sitzung, um ein Votum zu erzielen, und
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Zusammenhang von Tierwohl, gesunder Ernährung und Klimakrise, z. B. mit zustimmender oder ablehnender oder abwägender Haltung zur Option einer möglichen Umstellung auf ein fleischloses Schulmensaessen mit Bezug auf das evangelische Schulprofil oder ausgewählte Materialien oder Unterrichtswissen oder eigene Beobachtungen bzw. Erfahrungen,
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Erläutere die Ausgangsfragestellung, z. B. im Hinblick auf Aspekte, die in den Materialien M 1 oder M 2 angesprochen sind, oder Unterrichtswissen oder eigene Beobachtungen bzw. Erfahrungen.
Hauptteil
Arbeite die in M 1 dargestellte Position heraus:
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Interview mit einem Theologen;
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Position Remeles, der eine vegetarische Ernährung als ethische Pflicht von Christinnen und Christen fordert;
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inhaltliche Kerngedanken: Massentierhaltung ist unmoralisch, christliche Ethik hat sich sehr lange nur auf den Menschen fokussiert, wenngleich sich schon im Alten Testament tierfreundliche Aussagen und Hinweise auf eine vegane Ernährung der Menschen im Paradies finden lassen. Der Herrschaftsauftrag in Gen 1 wurde traditionell in einer tierunfreundlichen Lesart verstanden. Mit Blick auf eine christliche Tierethik, die die Würde des Tieres im Blick hat, ist eine vegetarische oder gar vegane Ernährung Christenpflicht.
Arbeite die in M 2 dargestellte Position heraus:
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Kommentar zur Frage, ob es aus christlicher Sicht geboten sei, sich fleischlos zu ernähren;
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Position Asches, der die Pflicht zu einer fleischlosen Ernährung mit Blick auf Jesu Verhalten ablehnt;
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inhaltliche Kerngedanken: Von Jesus ist kein Speisegebot überliefert, stattdessen lehnt er den Verzehr von Fleisch und Fisch nicht ab, wie Bibelstellen aus den Evangelien, wie z. B. Gleichnisse, Wundererzählungen, aber auch solche, die sein Verhalten beschreiben, belegen. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, Jesus zu einem Verfechter des Veganismus zu machen, zumal er kein anlassbezogener homo politicus ist, sondern der Sohn Gottes.
Setze dich unter Bezugnahme auf deine Kenntnisse aus dem Unterricht mit den in M 1 und M 2 dargestellten Positionen auseinander:
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Gehe auf die unterschiedlichen Denk- und Argumentationsweisen ein oder
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erläutere die jeweiligen Konsequenzen in Bezug auf die Ausgangsfragestellung oder
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prüfe die Überzeugungskraft der Positionen und nimm dazu Stellung.
Entfalte in deinen Ausführungen in Grundzügen das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, wie es sich aus einem christlich geprägten Menschenbild ergibt:
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Erläutere die wechselseitige Abhängigkeit von Freiheit und Verantwortung im Umgang mit Mitmenschen und der Schöpfung oder
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stelle die Spannung von Freiheit und Verantwortung in einzelnen biblischen Texten dar oder
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erkläre die Freiheit des Menschen als Geschenk Gottes oder
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erläutere die Bedeutung und die Bedingungen von Gewissensentscheidungen und
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arbeite Konsequenzen für das Handeln heraus, die sich aus einem christlichen Verständnis des Menschen ergeben.
Prüfe Argumente für die Position, dass aus einer christlichen Perspektive heraus in der Schulmensa zukünftig nicht nur fleischloses Essen angeboten werden sollte:
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Möglichkeit, sich im Rahmen der Schöpfungsverantwortung für den Bezug von Fleisch aus tierwohlfreundlicher bzw. artgerechter Haltung und Schlachtung einzusetzen, oder
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Ablehnung einer Verzichtsethik, die aus einem prinzipiellen Pessimismus heraus jeden Lebensgenuss ausbremst, oder
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Stellenwert des Verzehrs von Fleisch und Fisch im Rahmen einer verantwortbaren gesunden Ernährung insbesondere für Heranwachsende oder
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Gewissensfreiheit und verantwortlichen Gewissensentscheidung des Einzelnen.
Prüfe Argumente für die Position, dass aus einer christlichen Perspektive heraus in der Schulmensa zukünftig nur noch fleischloses Essen angeboten werden sollte:
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Schöpfungsverantwortung, der sich eine Schule in evangelischer Trägerschaft in besonderer Weise verpflichtet fühlen könnte, oder
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ethischen Dringlichkeit, die Folgen der Klimakrise zu begrenzen, oder
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besonderen Verantwortung der Schule, Heranwachsende an eine zukunftsverträgliche Ernährung heranzuführen, oder
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gesunden Ernährung für Heranwachsende, bei der Fleisch- und Fischkomponenten durch alternative Nahrungsmittel ersetzt werden können.
Bezugnahme auf weitere Materialien:
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Stütze bzw. veranschauliche deinen Debattenbeitrag durch Bezugnahme auf mindestens zwei der weiteren Materialien M 3 bis M 7, indem jeweils die Kernaussage des Materials herausgearbeitet, diese auf die Problemstellung der Fragestellung, ob in der Schulmensa zukünftig nur noch fleischloses Essen angeboten werden sollte, hin ausgewertet und in deine Argumentation mit einbezogen wird.
Schluss
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Formuliere eine begründete persönliche Position zu der Fragestellung, ob aus einer christlichen Perspektive heraus in der Schulmensa zukünftig nur noch fleischloses Essen angeboten werden sollte, in einem Fazit, das sich schlüssig aus den Ausführungen im Debattenbeitrag ergibt.
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Berücksichtige die Situierung in der Aufgabenstellung im Hinblick auf den Anlass und die Verortung des Debattenbeitrags, das Diskussionsthema, den Adressatenkreis (Schülerinnen und Schüler der SV), informierende, wertende und appellative Elemente sowie persuasive Strategien, das Erreichen des Argumentationsziels.