HT 1 – Zukunftsfähige Wirtschaftsentwicklung durch Großprojekte? – Das Beispiel Bochum, MARK 51°7
Lokalisiere die Stadt Bochum und kennzeichne die sozioökonomische Situation der Stadt Mitte der 2000er-Jahre sowie damit in Zusammenhang stehende Probleme.
Erläutere vor diesem Hintergrund die Entwicklung des städtischen Großprojektes MARK 51°7.
Erörtere, inwiefern das städtische Großprojekt MARK 51°7 einen Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung der Region leistet.
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M 2: Bochum 2007/2023

Quellen: zusammengestellt nach: Diercke Weltatlas. Braunschweig: Westermann 2008, 1. Auflage, S. 37/1 (geändert); Diercke Weltatlas. Braunschweig: Westermann 2023, 1. Auflage, S. 41/3 (geändert)
M 3: Bochum – allgemeine Daten
|
2007 |
2023 |
|
|---|---|---|
|
Einwohner |
381.542 |
373.673 |
|
Beschäftigte (am Arbeitsort) |
123.034 |
141.609 |
|
Beschäftigungsstruktur (in %): |
||
|
- Primärer Sektor |
0,3 |
0,0 |
|
- Sekundärer Sektor |
27,6 |
14,2 |
|
- Tertiärer Sektor |
72,1 |
85,8 |
|
Anzahl Beschäftigter mit (hoch-)komplexer Tätigkeit |
k. A. |
5.828 davon in Forschung: 4.201 |
|
Studierende RUB |
33.685 |
38.872 |
|
Beschäftigte bei Opel |
4.900 |
0 |
![]()
|
||
Quellen zusammengestellt nach: https://uni.ruhr-uni-bochum.de/de/zahlen-und-fakten; https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2DB29JD041BOCMDE/\)' style='vertical-align: -0.838ex; height: 2.843ex; width: 152.437ex;' class='mathjax-formula' src='https://www.schullv.de/resources/formulas/0293457ad8a08c5041af2d4591ed4157466a470027d4ea2e174f9a89e565e51f_light.svg'/>File/BochumerSozialbericht2024.pdf; https://jobcenter-bochum.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Arbeit_Lernen/Arbeitsmarktprogramm2024.pdf; https://www.bochum.de/Referat-fuer-politische-Gremien-Buergerbeteiligung-und-Kommunikation/Statistik/Die-wichtigsten-Zahlen-zur-Bochumer-Bevoelkerung (Zugriff jeweils 22.01.2025)
M 4: Bochum – Arbeitslosenquote

M 5: Standort MARK 51°7
-
seit dem 19. Jahrhundert: Steinkohlezeche mit bis zu 4.000 Beschäftigten
-
1959: Stilllegung der Zeche und Verkauf des Geländes an die Stadt Bochum
-
1960: Verkauf des Geländes an die Adam Opel AG; Errichtung des Opel-Werkes I
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1980er-Jahre: im Werk I und den anderen Opel-Werken in Bochum arbeiten mehr als 20.000 Beschäftigte
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2000er-Jahre: permanenter Arbeitsplatzabbau bei Opel in Bochum und der in Bochum ansässigen Zulieferbranche
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Dezember 2014: Schließung des Opel-Werkes I (zuletzt 3.500 Arbeitsplätze)
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2014: Gründung der Perspektive Bochum 2022 GmbH durch die Stadt Bochum und Opel und Entwicklung des ehemaligen Opel-Werkes zum Standort MARK 51°7
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2017: Bau eines großen Paketzentrums durch DHL
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2019: Eröffnung des Paketzentrums mit einer Kapazität von 20.000 Sendungen pro Stunde


Infrastrukturelle Anbindung

Quellen: zusammengestellt nach: https://www.bochum2022.de/; https://www.oc51-7.com/; https://www.deutschlandfunk.de/ehemaliges-opel-gelaende-es-tut-sich-was-in-bochum.769.de.html?dram:article_id=460346; https://www.eggheads.net/unternehmen; https://www.bochum-wirtschaft.de/fileadmin/Bochum_Wirtschaftsentwicklung/Downloads/Bueromarktbericht_2023_April_Web.pdf (Zugriff jeweils 26.01.2025)
M 6: Firmenansiedlungen auf dem Gewerbegebiet 51°7

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Firma |
Grundstücksfläche |
Mitarbeiter |
Branche |
|---|---|---|---|
|
DHL |
140.000 qm |
600 |
Paketzentrum |
|
ETAS GmbH |
10.000 qm |
400 ca. 2.000 geplant |
Softwareentwicklung |
|
Faiveley/Wabtec |
34.000 qm |
350 |
Bremsenhersteller für Züge |
|
Ruhr-Uni Bochum |
6.000 qm |
500 |
Industrie 4.0, Sensorik- und Sensorforschung |
|
Worldfactory Transfer- und Start-up Center |
1.900 qm |
250 |
Technologien wie 3-D-Drucker, Lasercutter, Prototypen |
|
Babymarkt |
7.000 qm |
270 (500 geplant) |
Babybedarf / auch Online-Händler |
|
VMRay |
2.710 qm |
70 |
Entwickler digitaler Analyseverfahren |
|
HP Pelzer Automotive |
24.000 qm |
308 |
Autozulieferer |
|
Dekra |
16.000 qm |
500 geplant |
Technikdienstleister |
|
Viactiv Krankenkasse |
13.700 qm |
750 |
Krankenkasse |
|
Aveva |
745 qm |
130 |
Engineering-, Design- und Informationsmanagement |
|
Eggheads |
1.100 qm |
85 |
Softwareentwicklung |
|
Goldbeck West GmbH |
1.150 qm |
40 |
Bauunternehmen |
|
SCISYS |
4.300 qm |
150 |
(Entwicklung von Steuerungsmodulen für die NASA) |
|
Keysight Technologies |
7.400 qm |
250 |
Elektromobilität und High-Speed-Datenübertragung |
|
Insgesamt |
4.153 (2023) ca. 10.000 im Endausbau |
Quellen: zusammengestellt nach: https://www.bochum2022.de/; https://www.oc51-7.com/; https://www.deutschlandfunk.de/ehemaliges-opel-gelaende-es-tut-sich-was-in-bochum.769.de.html?dram:article_id=460346; https://www.eggheads.net/unternehmen; https://www.bochum-wirtschaft.de/fileadmin/Bochum_Wirtschaftsentwicklung/Downloads/Bueromarktbericht_2023_April_Web.pdf (Zugriff jeweils 26.01.2025)
M 7: MARK 51°7 – geplante Transfer- und Forschungseinrichtungen der Ruhr-Universität Bochum
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Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service-Systeme (ZESS), Analyse und Entwicklung neuer Engineering-Ansätze für industrielle Anwendungen
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Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Transformation (CEIT), Forschungs-, Lehr- und Praxisangebote der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
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Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP), Erforschung der zukunftsfähigen und innovativen Entwicklung der Kirche
-
MakerSpace/FabricationLaboratory, Unterstützung bei der Ausgründung von Spin-offs und Hilfe für junge Start-ups, vor allem im Bereich IT-Sicherheit
Quelle: zusammengestellt nach: https://uni.ruhr-uni-bochum.de/de/mark-51deg7 (Zugriff 26.01.2025)
M 8: Aktuelle Entwicklungen



Quellen: zusammengestellt nach: https://www.bochum-wirtschaft.de/fileadmin/Bochum_Wirtschaftsentwicklung/Downloads/Bueromarktbericht_2024_web.pdf; https://www.waz.de/staedte/witten/nach-pelzer-zieht-auch-faiveley-nach-bochum-id215370243.html; https://www.waz.de/staedte/bochum/bueroflaechen-werden-in-bochum-allmaehlich-knapp-id216453277.html; https://www.waz.de/staedte/bochum/article242328292/Hohe Flaechennachfrage-Bochum-bleibt-fuer-Firmen-attraktiv.html (Zugriff jeweils 26.01.2025)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Lokalisierung Bochums
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Bochum liegt im Westen Deutschlands im zentralen Bereich des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. (M1)
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Die Stadt befindet sich bei etwa 51° nördlicher Breite und 7° östlicher Länge. (M1)
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Bochum ist im zentralen Ruhrgebiet verortet und gehört damit zu einem der größten, historisch stark industriell geprägten Ballungsräume Deutschlands. (M1, M2)
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Innerhalb des Ruhrgebiets liegt Bochum räumlich zwischen den Oberzentren Essen im Westen und Dortmund im Osten. Im Norden grenzen Herne und Castrop-Rauxel an, im Südosten liegt Witten, während im Süden der Übergang zum Ruhrtal erfolgt. (M1)
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Die Stadt verfügt über eine sehr gute verkehrsräumliche Anbindung durch mehrere Bundesautobahnen (A 40, A 43, A 44 / A 448) sowie ergänzende Bundesstraßen (B 226, B 235), was einen wichtigen Standortvorteil darstellt. (M1, M2)
-
Über das Stadtgebiet verteilt befinden sich großflächige Industrie- und Gewerbeareale, die häufig auf ehemaligen Zechengeländen entstanden sind und sich besonders entlang der Hauptverkehrsachsen konzentrieren. (M2)
-
Ein wichtiger Schwerpunkt von Bildung und Forschung liegt im Süden der Stadt, insbesondere im Bereich Querenburg mit der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule Bochum. (M1, M2)
Sozioökonomische Situation Bochums Mitte der 2000er-Jahre
-
Im Jahr 2007 verzeichnete Bochum 381.542 Einwohner sowie 123.034 Beschäftigte am Arbeitsort. (M3)
-
Bochum befand sich Mitte der 2000er-Jahre bereits in einem deutlichen Prozess der Tertiärisierung, da der Dienstleistungssektor im Jahr 2007 mit 72,1 % den größten Anteil der Erwerbstätigen stellte. (M3)
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Trotz des einsetzenden Strukturwandels war Bochum weiterhin deutlich industriell geprägt: So waren 2007 noch 27,6 % der Beschäftigten im sekundären Sektor tätig, was sich unter anderem in der Nutzung großflächiger ehemaliger Zechenareale als Industrie- und Gewerbestandorte zeigt. (M2, M3)
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Die Industrie- und Gewerbeflächen konzentrierten sich vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen, insbesondere an den Bundesautobahnen A 40, A 43 und A 44. (M2)
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Die Adam Opel AG fungierte als zentraler industrieller Ankerbetrieb und war mit rund 4.900 Beschäftigten im Jahr 2007 ein bedeutender Arbeitgeber am Standort. (M3)
Zentrale Probleme der Stadt
-
Die starke Konzentration auf die Automobilindustrie machte Bochum in besonderem Maße anfällig für Krisen in diesem Sektor, die sich auch auf die regionale Zulieferbranche auswirkten. (M3, M5)
-
Bereits in den 2000er-Jahren setzte bei der Adam Opel AG sowie in der regionalen Zulieferindustrie ein dauerhafter Abbau von Arbeitsplätzen ein. (M5)
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Die Arbeitslosenquote erreichte 2005 mit 14,6 % ihren Höchststand und lag 2007 mit 11,5 % weiterhin auf einem hohen Niveau. (M4)
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Der hohe Anteil stillgelegter Zechen sowie von Zechen- und Industriebrachen verdeutlicht die fortbestehenden Folgen des montanindustriellen Niedergangs. (M2)
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Große Flächen wurden durch Altlasten oder großindustrielle Anlagen wie die Opel-Werke, das Stahlwerk und Deponien gebunden. Dadurch entstanden Nutzungskonflikte und Einschränkungen für neue Entwicklungen. (M2, M5)
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Die demographische Entwicklung war zusätzlich durch einen negativen Wanderungssaldo sowie einen allgemeinen Rückgang der Einwohnerzahlen belastet, was auf Abwanderung und eine begrenzte Standortattraktivität hinweist. (M3)
Günstige sozioökonomische Gegebenheiten
-
Trotz der strukturellen Probleme verfügte Bochum über eine vergleichsweise hohe Flächenverfügbarkeit auf ehemaligen Zechen- und Industriearealen, die ein erhebliches Potenzial für Revitalisierung und wirtschaftliche Neuorientierung boten. (M2)
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Die dichte Infrastrukturanbindung durch das engmaschige Verkehrswegenetz mit direktem Anschluss an die A 40, A 43 und A 44 stellte einen wichtigen Standortvorteil für Gewerbe und Logistik dar. (M1, M2, M5)
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Die Ruhr-Universität Bochum, die Fachhochschule, das Technologiezentrum und das Technologie-Quartier bildeten bereits wichtige Ansatzpunkte für eine stärker wissenschafts- und innovationsorientierte Entwicklung sowie ein erhebliches Potenzial an qualifizierten Arbeitskräften. (M2)
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Aufgrund der zentralen Lage im dicht besiedelten Ruhrgebiet stand der städtischen Wirtschaft darüber hinaus ein großes Reservoir an verfügbaren Arbeitskräften zur Verfügung. (M1, M2)
Fazit
Bochum zeigte sich Mitte der 2000er-Jahre insgesamt als altindustriell geprägter Standort in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Einerseits belasteten hohe Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzabbau, Abwanderung und Flächenbindungen durch großindustrielle Nutzungen die Entwicklung. Andererseits waren mit der guten Verkehrsanbindung, den verfügbaren Konversionsflächen sowie den wissenschaftlichen und technologischen Einrichtungen bereits wichtige Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Neuorientierung vorhanden.
Entwicklung des städtischen Großprojekts MARK 51°7
Historischer Kontext: Industrieller Niedergang
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Die Fläche von MARK 51°7 wurde seit dem 19. Jahrhundert zunächst als Steinkohlezeche genutzt und war damit Teil der montanindustriellen Prägung des Ruhrgebiets. Zeitweise waren dort bis zu 4.000 Beschäftigte tätig. (M5)
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Nach der Stilllegung der Zeche 1959 wurde das Gelände zunächst an die Stadt Bochum und 1960 an die Adam Opel AG verkauft. Anschließend wurde dort das Opel-Werk I errichtet. Damit wandelte sich der Standort von einem Bergbaustandort zu einem industriellen Produktionsstandort. (M5)
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In den 1980er-Jahren arbeiteten im Werk I und den weiteren Opel-Werken in Bochum mehr als 20.000 Beschäftigte. Der Standort war damit ein zentraler großindustrieller Beschäftigungsschwerpunkt der Stadt. (M5)
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Bereits in den 2000er-Jahren setzte ein dauerhafter Arbeitsplatzabbau bei Opel und in der Bochumer Zulieferbranche ein. Mit der Schließung des Opel-Werkes I im Dezember 2014 (zuletzt 3.500 Arbeitsplätze) verlor die Fläche endgültig ihre bisherige Funktion als klassischer Industriestandort. (M5)
Strategische Steuerung der Neuentwicklung
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Unmittelbar im Jahr 2014 gründeten die Stadt Bochum und die Adam Opel AG die „Perspektive Bochum 2022 GmbH“, um das ehemalige Werksgelände gezielt zum neuen Standort MARK 51°7 zu entwickeln. Damit wurde die Revitalisierung der Brachfläche aktiv und politisch gesteuert. (M5)
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Das zentrale Ziel der Neuentwicklung bestand darin, die ehemalige monostrukturierte Industriefläche in einen zukunftsorientierten und diversifizierten Wirtschaftsstandort zu transformieren. An die Stelle eines einzelnen Großbetriebs sollte ein breites Nutzungsprofil treten, das die Abhängigkeit von einzelnen Branchen verringert. (M2, M5, M6, M7)
Prägende Strukturen und Standortvorteile
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Ein wesentlicher Meilenstein der Entwicklung war die Ansiedlung von DHL als Ankerinvestor. Das 2019 eröffnete Paketzentrum mit einer Kapazität von 20.000 Sendungen pro Stunde verlieh dem Standort früh wirtschaftliche Stabilität und Sichtbarkeit. (M5, M6)
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Das Projekt profitiert massiv von der exzellenten infrastrukturellen Anbindung an das dicht verzweigte Autobahnnetz. Dadurch bestehen günstige Standortbedingungen für Logistik, Gewerbe und überregional vernetzte Unternehmen. (M2, M5)
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Zudem nutzt der Standort gezielt das Arbeitskräftepotenzial des Ruhrgebiets sowie die Lage in einem dicht verflochtenen Agglomerationsraum. Dadurch bestehen insgesamt gute Voraussetzungen für Neuansiedlungen und wirtschaftliche Vernetzung. (M2)
Bedeutung wissenschaftsbasierter Dienstleistungen
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Auf dem Gelände haben sich bereits zahlreiche technologieorientierte Unternehmen angesiedelt, darunter ETAS (Softwareentwicklung), VMRay (Entwickler digitaler Analyseverfahren) und Keysight Technologies (Elektromobilität und High-Speed-Dazenübertragung). Dies verdeutlicht die Ausrichtung auf wissensintensive und zukunftsorientierte Branchen. (M6)
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Ein besonderes Merkmal des Standorts ist die Integration universitärer Forschung durch geplante bzw. angesiedelte Einrichtungen der Ruhr-Universität, etwa das Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service-Systeme (ZESS) oder das Transfer- und Start-up-Center „Worldfactory“. (M6, SM7)
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Dadurch wird deutlich, dass MARK 51°7 nicht nur ein gewöhnliches Gewerbegebiet ist, sondern ein Standort, an dem wissenschaftliche Erkenntnisse, Innovation und wirtschaftliche Umsetzung gezielt miteinander vernetzt werden. (M6, M7)
Arbeitsplatzeffekte und sektoraler Strukturwandel
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Bis zum Jahr 2023 wurden auf dem Gelände bereits 4.153 neue Arbeitsplätze geschaffen, wobei im Endausbau eine Zielgröße von rund 10.000 Beschäftigten angestrebt wird. Damit trägt MARK 51°7 konkret zur wirtschaftlichen Neuorientierung und Beschäftigungssicherung bei. (M6)
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Die neuen Arbeitsplätze entstehen vielfach in zukunftsorientierten und zum Teil hoch qualifizierten Branchen, insbesondere im Bereich des tertiären Sektors. Damit unterscheidet sich die neue Beschäftigungsstruktur deutlich von der früheren industriegeprägten Massenbeschäftigung bei Opel. (M3, M6, M7)
Fazit
Insgesamt steht MARK 51°7 exemplarisch für den gelungenen Strukturwandel Bochums: Aus einem ehemaligen Zechen- und späteren Opel-Standort wurde ein diversifizierter, zukunftsorientierter Wirtschaftsraum mit Schwerpunkten in Logistik, Technologie und wissenschaftsbasierten Dienstleistungen. Durch die aktive Steuerung der Stadt Bochum, die Ansiedlung neuer Unternehmen und den Aufbau von Transfer- und Forschungseinrichtungen wird der Wandel vom altindustriellen Standort hin zu einem modernen Wachstumsraum deutlich.
Sachbeurteilung des Projekts MARK 51°7
Ökonomische Aspekte
-
Diversifiziertes Arbeitsplatzangebot (+)
Durch die Ansiedlung unterschiedlich ausgerichteter Unternehmen entsteht ein breit gefächertes Arbeitsplatzangebot, das die lokale Wirtschaftsstruktur krisenfester macht. (M6)
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Beschäftigungsimpuls für die Region (+)
Mit bereits 4.153 Arbeitsplätzen im Jahr 2023 und einer Zielgröße von rund 10.000 Beschäftigten im Endausbau setzt MARK 51°7 einen deutlichen Impuls für die Beschäftigungssituation im mittleren Ruhrgebiet. (M6)
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Brückenkopfeffekt für weitere Ansiedlungen (+)
Das Projekt entfaltet eine Signalwirkung, die weitere innovative Unternehmen und Investoren auf den Standort aufmerksam macht und zusätzliche Ansiedlungen fördern kann. (M6, M7, M8)
-
Interkommunale Konkurrenz (-)
Im dicht verflochtenen Agglomerationsraum Ruhrgebiet entsteht ein starker Wettbewerb um attraktive Unternehmen, sodass Ansiedlungen teils eher Ausdruck interkommunaler Konkurrenz als eines echten regionalen Wachstums sind. (M2, M5, M6, M7, M8)
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Verlagerung statt zusätzlicher Wertschöpfung (-)
Wechseln Unternehmen aus Nachbarkommunen nach Bochum, kann dies teilweise nur eine räumliche Verlagerung wirtschaftlicher Aktivität bedeuten, ohne dass die Gesamtregion im gleichen Maße profitiert. (M8)
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Hohe Mietpreise und Knappheit an Büroflächen (-)
Die hohen Spitzenmieten von 18,50 €/m2 sowie die zunehmende Knappheit an Büroflächen können kleinere Unternehmen belasten, Erweiterungen erschweren und die Attraktivität des Standorts langfristig mindern. (M8)
Soziale Aspekte
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Zukunftsfähige Beschäftigungsstruktur (+)
Die neuen Arbeitsplätze entstehen überwiegend in technologieorientierten und wissenschaftsbasierten Bereichen, wodurch der Wandel vom Industrie- zum Wissens- und Dienstleistungsstandort vorangetrieben wird. (M3, M6, M7)
-
Aktive Steuerung des Strukturwandels (+)
Die Stadt Bochum steuert den Strukturwandel aktiv und schafft damit neue wirtschaftliche und berufliche Perspektiven für die Region. (M5, M7)
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Benachteiligung geringer Qualifizierter (-)
Vor allem geringer qualifizierte Beschäftigte aus dem früher dominierenden industriellen Bereich finden im neuen High-Tech- und Dienstleistungsprofil nur begrenzt Anschluss. (M3, M6, M7)
Räumliche-strukturelle und ökologische Aspekte
-
Flächeneffizienz durch Revitalisierung (+)
Die Umnutzung des ehemaligen Opel-Standorts steht für eine konsequente Revitalisierung bereits genutzter Flächen und trägt dazu bei, den zusätzlichen Flächenverbrauch zu begrenzen. (M2, M5)
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Standortvorteil im Agglomerationsraum (+)
Die Lage im Ruhrgebiet bietet durch die Nähe zu Arbeitskräften, Unternehmen und Verkehrsachsen grundsätzlich günstige Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung. (M2, M5)
-
Begrenzte Flächenverfügbarkeit (-)
Trotz des Erfolgs von MARK 51°7 bleiben ausreichend große und gut erschlossene Flächen für vergleichbare Großprojekte begrenzt, was künftige Wachstumsoptionen einschränkt. (M2, M8)
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Überlastung der Verkehrsinfrastruktur (-)
Die hohe Konzentration von Betrieben auf engem Raum kann zu mehr Pendel- und Lieferverkehr, Staus und einer stärkeren Belastung der bestehenden Infrastruktur führen. (M2, M5, M6)
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Wettbewerbsabhängigkeit des Standorts (-)
Der langfristige Erfolg hängt auch davon ab, ob sich Bochum dauerhaft gegen andere Ruhrgebietsstädte behaupten kann. Bei sinkender Attraktivität könnten Ansiedlungen ausbleiben. (M8)
Innovations- und Wissenschaftsaspekte
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Stärkung des Wissenschaftsstandorts (+)
Die enge Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum sowie Einrichtungen wie ZESS, CEIT oder der Worldfactory stärken die regionale Innovationskraft nachhaltig. (M6, M7)
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Wissenschaftsbasierte Entwicklung (+)
Die Ansiedlung technologieorientierter und wissenschaftsnaher Unternehmen zeigt, dass sich MARK 51°7 gezielt zu einem wissensbasierten Zukunftsstandort entwickelt. (M6, M7)
Gesamturteil
Insgesamt leistet MARK 51°7 einen deutlichen Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung der Region, weil das Projekt den Strukturwandel aktiv gestaltet, neue und zukunftsorientierte Arbeitsplätze schafft und Bochum als Wissenschafts- und Innovationsstandort stärkt. Allerdings ist dieser Beitrag nicht uneingeschränkt zu bewerten, da Konkurrenzdruck, begrenzte Flächen, steigende Mieten und infrastrukturelle Belastungen die Entwicklung begrenzen können. Insgesamt überwiegen dennoch die Chancen, sodass MARK 51°7 als wichtiges, aber nicht problemloses Modellprojekt einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung eingeordnet werden kann.
