HT 3 – Strukturen und Prozesse landwirtschaftlicher Produktion in den Subtropen – Das Beispiel des Olivenanbaus in Portugal
Lokalisiere Portugal und kennzeichne die naturgeographischen Voraussetzungen für den Olivenanbau sowie seine Verbreitung.
Erläutere die räumliche und strukturelle Entwicklung des portugiesischen Olivenanbaus im Kontext des Alqueva-Projektes.
Nimm kritisch Stellung zu den mit diesen Entwicklungen verbundenen Chancen und Risiken.
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M 2: Portugal – Relief und Klima

Quellen: zusammengestellt nach: Portela, M. M. et al.: Long-Term Rainfall Trends and Their Variability in Mainland Portugal in the Last 106 Years. Basel (CH): MDPI (Hrsg.), online veröffentlicht unter: Climate 2020, Heft 8, S. 7 (https://www.mdpi.com/2225-1154/8/12/146); https://de.climate-data.org/europa/portugal/beja/beja-3211/ (Zugriff jeweils 15.05.2024)
M 3: Portugal – Daten und Fakten
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2022 |
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|---|---|
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Fläche (km2) |
92.226 |
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Landwirtschaftliche Nutzfläche (km2) |
39.639 |
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Bevölkerung (in 1.000) |
10.274 |
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Anteil Stadtbevölkerung (in %) |
67,4 |
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BIP/Kopf (in €) |
24.704 |
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Bruttowertschöpfung nach Sektoren (in %) |
I: 2,1 / II: 21,5 / III: 76,4 |
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Erwerbstätigkeit nach Sektoren (in %) |
I: 5,2 / II: 23,9 / III: 70,9 |

Quellen: zusammengestellt nach: Lissabon: INE (Hrsg.): Estatísticas do Turismo – 2019, S. 33 (https://www.ine.pt/ngt_server/attachfileu.jsp?look_parentBoui=562179282&att_display=n&att_download=y); https://www.wko.at/statistik/laenderprofile/lp-portugal.pdf; https://de.wikipedia.org/wiki/Alentejo#/media/Datei:Region_Alentejo_2020.png; https://www.ccila-portugal.com/filehub/deliverFile/aa8090c2-f5d2-45a0-a2f3-d6a88bf84fe6/2331454/ZMA_GAB_Wasserwirtschaft_Portugal_2023_WEB_2331454.pdf&ved=2ahUKEwjYw4GF-sGGAxVDgf0HHY83CI4QFnoECA4QAQ&usg=AOvVaw13Sm9MS3CKFAI0YPwxlerU; https://www.researchgate.net/publication/322582802_Olive_Tree_Olea_europaea_L_Diversity_in_Traditional_Small_Farms_of_Ficalho_Portugal/fulltext/5a616c32aca272a15817540d/Olive-Tree-Olea-europaea-L-Diversity-in-Traditional-Small-Farms-of-Ficalho-Portugal.pdf (Zugriff jeweils 15.05.2024)
M 4: Steckbrief Olivenbaum
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Wachstumsbedingungen |
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Früchte |
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traditioneller Anbau ![]()
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intensiver Anbau ![]()
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superintensiver Anbau ![]()
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Quellen: zusammengestellt nach: https://www.exotengaertner.de/olivenbaum-steckbrief/; https://www.olivumsul.com/_files/ugd/a303d9_5993f29b65054e46a54accff8c90cf7f.pdf (Zugriff jeweils 15.04.2024)
M 5: Das Alqueva-Projekt
Projektdaten
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Anfang der 1990er-Jahre |
Planung des Alqueva-Projekts als Multifunktionsprojekt, bestehend aus 67 Staudämmen und Wasserreservoirs, Bewässerungskanälen und Infrastrukturprojekten zur Trinkwasserversorgung und Energieerzeugung; größtes Infrastrukturprojekt aller Zeiten in der Region Alentejo; kalkulierte Baukosten allein für den Alqueva-Staudamm ca. 2 Mrd. € |
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1995 |
Baubeginn am Zentralbauwerk, dem Alqueva-Staudamm, zum Aufstauen des aus Spanien kommenden Flusses Guadiana |
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2002 |
Fertigstellung des Alqueva-Staudamms; Beginn des Aufstaus |
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2010 |
Aufstau-Ende. Der entstandene See ist die größte künstliche Wasserfläche in Europa. Länge: ca. 85 km; Oberfläche ca. 250 km2, wovon 187 km2 auf Portugal entfallen |
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2010–2016 |
Umsetzung des Bewässerungsprojektes Alqueva I, bestehend aus 120.000 ha Bewässerungsland, 2.078 km Bewässerungskanälen und Leitungen, 72 kleineren Dämmen und Wasserreservoirs sowie 48 Pumpstationen |
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2019 |
Start des Bewässerungsprojektes Alqueva II; Ziel: weitere 50.000 ha Bewässerungsland bis 2030 |

Quellen: zusammengestellt nach: https://www.edia.pt/en/alqueva/multiporpose-alqueva-project/;
https://www.edia.pt/wp-content/uploads/2019/06/159_Brochura_Alqueva_PT_DE_FR_2019_445loewx5w-1.pdf (Zugriff jeweils 15.04.2024)
M 6: Portugal – Olivensektor
![]()
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Produktion Erntesaison 2023: ca. 150.000 t Olivenöl; nationale Zielperspektive bis 2030: 250.000–300.000 t Olivenöl |
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Verwendung der Oliven: 97 % Ölherstellung, 3 % Tafeloliven |
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Anbauregion Alentejo |
2005 |
2010 |
2015 |
2022 |
|---|---|---|---|---|
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Produktionsmenge Oliven (1.000 t) |
k. A. |
238 |
503 |
675 |
|
Anteil an nationaler Olivenproduktion (in %) |
32 |
53 |
70 |
87 |
|
Produktionsmenge Olivenöl (1.000 t) |
8,3 |
33,3 |
81,2 |
122 |
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Flächenproduktivität (t/ha) |
0,4 |
1,3 |
2,8 |
3,8 |
|
durchschnittliche Betriebsgröße (ha) (in den übrigen Anbauregionen) |
k. A. |
8,3 (1,5) |
k. A. |
11,0 (1,5) |
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Investitionen im Agrarbereich 2018: 655,7 Mio. €, davon 64,39 % in Olivenhaine; Herkunft der Investoren: Portugal: 61 %; Spanien: 35 %; andere: 4 % |
||||
Quellen: zusammengestellt nach: Lissabon: INE (Hrsg.): Recenseamento Agrícola – 2019, S. 70–74 (https://www.ine.pt/xportal/xmain?xpid=INE&xpgid=ine_publicacoes&PUBLICACOESpub_boui=437178558&PUBLICACOESmodo=2&xlang=pt); Juan Vilar – Consultores Estratégicos (Hrsg.): Alentejo: A liderar a Olivicultura Moderna Internacional, 2019, S. 49 f., 54, 63 (https://de.scribd.com/document/570395585/ALENTEJO-A-LIDERAR-A-OLIVICULTURA-MODERNA-INTERNACIONAL); https://www.ine.pt/xportal/xmain?xpid=INE&xpgid=ine_indicadores&indOcorrCod=0000709&contexto=bd&selTab=tab2&xlang=en; https://www.duckriveragriculture.com/en/post/alentejo-olive-oil-exports-exceed-wine-exports (Zugriff jeweils 15.04.2024)
M 7: Olivenöl als Handelsgut


Quellen: zusammengestellt nach: https://olivesetal.co.uk/blogs/stories/the-olive-oil-market-in-2023; https://fred.stlouisfed.org (Zugriff jeweils 15.04.2024)
M 8: Pressemeldungen
Deutschlandfunk vom 07.08.2019
Vor über 40 Jahren kam Alberto Matos als Lehrer in den Alentejo und unterstützte politisch die Agrarreform. „Durch den Alqueva-Staudamm haben wir jetzt endlich Wasser. Es gab im Alentejo die Hoffnung, dass sich endlich etwas an den Besitzverhältnissen ändern würde. Doch die Situation hat sich verschärft. Die alten Großgrundbesitzer werden noch reicher, weil sie jetzt Wasser haben.“
Bevor das Bewässerungssystem des Alqueva-Staudamms eingeführt wurde, lag der Preis für einen Hektar Land bei rund 5.000 Euro. Heutzutage würde ein Grundstück mit Zugang zum Wasser für 20.000 Euro pro Hektar über den Tisch gehen, sagt der Immobilienmakler Manuel Matos aus Beja.
Neue Züricher Zeitung vom 23.09.2022
Immer heißere Sommer kommen auf Spanien und Portugal zu. Weite Teile der Halbinsel könnten zu Wüste werden. Entsprechend hart wird um die Wasserressourcen gerungen.
Doch seit dem Jahr 1998 besteht ein Vertrag, das sogenannte Abkommen von La Albufeira, das vom damaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar und seinem portugiesischen Amtskollegen António Guterres unterzeichnet worden war. Dieser Pakt verpflichtet Spanien dazu, einen Teil seiner Wasserressourcen solidarisch mit dem Nachbarn zu teilen. Fünf portugiesische Flüsse entspringen in Spanien, darunter die drei großen Wasserläufe Tejo, Douro und Guadiana.
Quellen: https://www.deutschlandfunk.de/portugal-wie-intensiver-olivenanbau-die-landwirtschaft-100.htm; https://www.nzz.ch/international/duerre-in-europa-spanien-und-portugal-kaempfen-ums-wasser-ld.1704043 (gekürzt; Zugriff jeweils 12.06.2024)
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Portugal liegt in Südwesteuropa auf der Iberischen Halbinsel am Westrand Europas. (M1)
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Portugal grenzt landseitig im Osten und Norden an Spanien und besitzt im Westen und Süden eine lange Küste zum Atlantischen Ozean, wodurch maritimer Einfluss besonders in Küstennähe wirksam ist. (M1)
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Portugal liegt in einem Übergangsraum, in dem insbesondere im Süden mediterran/subtropisch geprägte Bedingungen auftreten, die für typische Mittelmeerkulturen (z. B. Oliven) günstig sind. (M1, M2)
Naturgeographische Voraussetzungen für den Olivenanbau
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Das Relief Portugals weist einen deutlichen Gegensatz zwischen Nord und Süd auf:
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Der Norden des Landes ist überwiegend durch Gebirgszüge und eine bergige Topographie geprägt. (M2)
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Die südlichen Landesteile sowie die Küstenregionen sind hingegen durch flache bis sanft gewellte Ebenen charakterisiert. (M2)
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Damit sind großflächige, gut mechanisierbare Anbauflächen v. a. im Süden wahrscheinlicher.
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Das Klima in Portugal ist ebenfalls durch ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle definiert:
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Während im gebirgigen Norden und in den Küstenregionen hohe bis sehr hohe Niederschlagsmengen fallen, ist die Südhälfte des Landes durch eine ausgeprägte Trockenheit mit sehr geringen Niederschlagsmengen gekennzeichnet. (M2)
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Im Norden sind die Durchschnittstemperaturen insbesondere im Winter deutlich niedriger. Der Süden hingegen weist milde Winter mit geringer Frostgefahr und heiße Sommer auf. (M2)
-
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Die südlichen Landesteile bieten aufgrund der spezifischen Wachstumsbedingungen des Olivenbaums ideale Voraussetzungen:
-
Der Olivenbaum benötigt Jahresdurchschnittstemperaturen von 15–20 °C und reagiert empfindlich auf Fröste im Frühjahr. Die milden Winter im Süden minimieren das Risiko von Frostschäden. (M4)
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Olivenbäume haben einen geringen Wasserbedarf und sind durch tiefe Wurzeln an sommerliche Trockenheit angepasst. Der traditionelle Anbau ist daher im trockenen Süden nicht zwingend auf Bewässerung angewiesen. (M4)
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Das flache Relief im Süden begünstigt die Anlage großflächiger Olivenhaine. (M2, M4)
-
Verbreitung des Olivenanbaus in Portugal
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Die räumliche Verteilung der Olivenbaubetriebe korelliert eng mit den klimatischen Gunsträumen:
-
Anbaugebiete finden sich überwiegend in den (süd-)östlichen Teilen des Landes. (M3)
-
Es zeigt sich eine massive Konzentration der Betriebe in der Region Alentejo im Südosten Portugals.
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Die Hauptanbauregion ist gleichzeitig durch eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte geprägt.
-
Dimensionen des Alqueva-Projekts
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Alqueva ist das größte Infrastrukturprojekt der Region Alentejo. (M5)
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Es umfasst ein System aus 67 Staudämmen, über 2.000 km Bewässerungskanälen, zahlreichen Pumpstationen und weiterer Infrastruktur. (M5)
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Durch den Aufstau des Guadiana entstand ein See mit ca. 85 km Länge und ca. 250 km2 Oberfläche (davon 187 km2 in Portugal). Er bildet damit die größte künstliche Wasserfläche Europas. (M5)
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In der ersten Phase (Alqueva I) wurden 120.000 ha Bewässerungsland mit 2.078 km Kanälen/Leitungen erschlossen. Bis 2030 sollen durch Alqueva II weitere 50.000 ha hinzukommen. (M5)
Zielsetzungen des Projekts
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Ziel ist die Förderung der Regionalentwicklung im wasserarmen Alentejo durch Staudämme und ein umfassendes Bewässerungssystem. (M2, M5)
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In der von Wassermangel geprägten Region sollen durch Bewässerung großflächige intensiv nutzbare landwirtschaftliche Flächen entstehen. (M2, M5)
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Neben Bewässerung spielen Trinkwasserversorgung und Energiegewinnung (Wasserkraft) sowie Beschäftigungseffekte eine Rolle. (M5)
Struktureller Wandel im Olivenanbau: Anbausysteme
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Durch die Wasserverfügbarkeit hat ein tiefgreifender Prozess der Agrarindustrialisierung eingesetzt:
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Traditioneller Anbau (kleinräumig, arbeitsintensiv)
Geringe Baumdichte (ca. 70–100 Bäume/ha), große Abstände zwischen den Bäumen (10–12 m), häufig Handernte/teilmechanisch, lange Nutzungsdauer (z. T. mehr als 100 Jahre), meist kleinbäuerliche Betriebe, oft nicht zwingend bewässert. (M4)
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Intensiver Anbau (mechanisiert, bewässerungsgebunden)
Höhere Baumdichte (101–700 Bäume/ha), maschinelle Ernte, Anschluss an künstliche Bewässerungssysteme, eher genossenschaftlich/kapitalintensiver organisiert. (M4)
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Superintensiver Anbau (agrarindustriell, maximaler Ertrag)
Sehr hohe Baumdichte (701–2.500 Bäume/ha) in Heckenstruktur, vollmechanische Ernte mit Spezialmaschinen, kurze Nutzungsdauer (ca. 12–14 Jahre), zwingend bewässerungsgebunden, Fokus auf maximalem Ertrag durch agrarindustrielle und multinationale Unternehmen. (M4)
Räumliche Entwicklung im Kontext Alqueva
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Seit Inbetriebnahme des Projekts nimmt der superintensive Olivenanbau stark zu. Vor Alqueva überwogen traditioneller und intensiver Anbau etwa zu gleichen Teilen, superintensive Flächen waren gering. (M6)
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Die starke Zunahme des superintensiven Anbaus entfällt nahezu ausschließlich auf die Region Alentejo, also genau den Raum, in dem Alqueva die Bewässerungsgrundlage schafft. (M6)
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Außerhalb des Alentejo zeigt sich eher ein leichtes Wachstum des intensiven Anbaus bei gleichzeitig leichtem Rückgang des traditionellen Anbaus. (M6)
Produktions- und Strukturindikatoren
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Die Olivenproduktion im Alentejo stieg deutlich von 238.000 t (2010) über 503.000 t (2015) auf 675.000 t (2022). (M6)
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Der Anteil des Alentejo an der nationalen Olivenproduktion wuchs massiv von 53 % (2010) über 70 % (2015) auf 87 % (2022). (M6)
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Die Flächenproduktivität erhöhte sich von 0,4 t/ha (2005) auf 3,8 t/ha (2022), was den Strukturwandel hin zu bewässertem, mechanisiertem Anbau widerspiegelt. (M6)
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Im Jahr 2018 lagen die Investitionen im Agrarbereich bei 655,7 Mio. €, wobei 64,39 % direkt in Olivenhaine investiert wurden. Ein erheblicher Anteil der Investoren stammt auch aus dem Ausland (u. a. Spanien), was für für zunehmende Kapitalintensität spricht.
Fazit
Insgesamt zeigt sich, dass der Ausbau des Alqueva-Bewässerungssystems die entscheidende Grundlage für den starken Zuwachs des (super)intensiven Olivenanbaus im Alentejo geschaffen hat. Dadurch konzentriert sich die Produktion räumlich zunehmend auf diese Region, während sich der Olivenanbau strukturell in Richtung bewässerter, mechanisierter und kapitalintensiver Produktionsformen verschiebt und die Produktivität deutlich steigt.
Sachbeurteilung
Ökonomische Dimension
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Ertrags- und Produktivitätssteigerung (+)
Bewässerung und (super)intensive Anbausysteme ermöglichen deutlich höhere Flächenerträge und erklären den starken Produktionszuwachs im Alentejo. (M4, M5, M6)
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Wertschöpfungsschub im Alentejo (+)
Durch steigende Produktionsmengen und die starke Ausrichtung auf Olivenöl kann die regionale Wertschöpfung deutlich wachsen. (M6, M7)
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Investitions- und Wachstumsimpulse (+)
Der Olivensektor zieht hohe Investitionen (u. a. auch aus dem Ausland), was Modernisierung und wirtschaftliche Dynamik in der Region fördert. (M6)
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Günstige Marktperspektive durch Preisentwicklung (+)
Stark steigende Olivenölpreise und die anvisierte Produktionsausweitung erhöhen die wirtschaftliche Attraktivität der Branche. (M6, M7)
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Wasserabhängigkeit des (super)intensiven Anbaus (-)
Besonders superintensive Systeme sind an dauerhafte Bewässerung gebunden. Fallen Wasserverfügbarkeit oder Energie- sowie Betriebskosten ungünstig aus, steigt das wirtschaftliche Risiko. (M4, M5)
Ökologische Dimension
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Folgeschäden durch Bewässerung (-)
In einer Region mit sehr hoher Verdunstung kann Bewässerungslandwirtschaft sowie Wasserressourcen belasten und ökologische Folgeschäden verstärken. (M5, M8)
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Klimawandel verschärft Wasserknappheit (-)
Heißere Sommer erhöhen das Dürre- und Desertifikationsrisiko und verschärfen den Konkurrenzdruck um Wasserressourcen. (M8)
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Verlust von Biodiversität durch Monokulturen (-)
Während traditionelle Olivenhaine als artenreiches Ökosystem beschrieben werden, begünstigen (super)-intensive Systeme Monostrukturen und Biodiversitätsverluste. (M4)
Soziale Dimension
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Beschäftigungsimpulse durch Regionalentwicklung (+)
Alqueva ist als Regionalentwicklungsprojekt auch auf wirtschaftliche Impulse und Beschäftigungseffekte ausgerichtet (z. B. durch Ausbau von Infrastruktur und Intensivlandwirtschaft). (M5)
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Verdrängung kleinbäuerlicher Betriebe (-)
Kapitalintensive, mechanisierte Systeme erhöhen den Druck auf kleinbäuerliche Betriebe, die bei Investitionen und Technik kaum mithalten können. (M4)
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Steigende Bodenpreise & Ungleichheit (-)
Der Zugang zu Bewässerungswasser treibt Bodenpreise stark nach oben und kann Besitzkonzentration bzw. ungleiche Teilhabe begünstigen. (M8)
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Verlust von Kulturlandschaft (-)
Agrarindustrielle Plantagen verändern das Landschaftsbild und können traditionelle Wirtschaftsweisen zurückdrängen. (M4)
Politisch-räumliche Dimension
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Abhängigkeit von saisonalen Stauseepegeln (-)
Da Bewässerung an Stauseen und deren Füllstände gekoppelt ist, kann Trockenheit die Bewässererung einschränken und Erträge gefährden. (M2, M5, M8)
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Konfliktpotenzial mit Spanien (-)
Da wichtige Flüsse in Spanien entspringen, ist die Wasserverfügbarkeit grenzüberschreitend abhängig und potenziell konfliktträchtig (Verteilungsfragen/Abkommen). (M8)
Gesamturteil
Insgesamt eröffnet Alqueva dem Alentejo deutliche ökonomische Entwicklungschancen, weil die Bewässerung die Ausweitung (super)intensiver Olivenhaine ermöglicht und so Produktivität, Investitionen und regionale Wertschöpfung steigert. Langfristig ist diese Entwicklung jedoch nur dann zukunftsfähig, wenn die zunehmende Wasserabhängigkeit im Trockenraum, die durch den Klimawandel verschärften Engpässe sowie Biodiversitätsverluste und soziale Verdrängungseffekte (Bodenpreise, Benachteiligung kleiner Betriebe) durch konsequentes Wasser-, Flächen- und Naturschutzmanagement begrenzt werden. Ohne solche Steuerung droht das Projekt, ökologisch und sozial an Grenzen zu stoßen, sodass die Risiken mittelfristig die wirtschaftlichen Vorteile überwiegen könnten.



