HT 2 – Zukunftsfähige Entwicklung im Tourismussektor? – Das Beispiel St. Moritz, Schweiz
Lokalisiere St. Moritz und kennzeichne das touristische Potenzial des Ortes.
Erläutere die Entwicklung, Struktur und Bedeutung des Tourismus in St. Moritz.
Nimm kritisch Stellung zu den Zukunftsperspektiven des Tourismus in St. Moritz.
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M 2: Oberengadin

Quelle: Kraas, Frauke und Spohner, Regine: St. Moritz, Graubünden/Schweiz – Stadtentwicklung zwischen Pioniergeist, Jetset und Luxusurbanisierung. In: Geographische Rundschau. Braunschweig: Westermann 01-02/2023, S. 45 (geändert)
M 3: St. Moritz – Klima
Klimadiagramm

Schneehöhen für einen "optimalen Skitag"
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Schneehöhe auf den Skipisten (inkl. Kunstschnee) |
≥ 30 cm |
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Schneehöhe in der Umgebung (winterliches Landschaftsbild) |
> 0 cm |
Schneehöhen (Naturschnee) in der Gemeinde St. Moritz auf 1.850 m ü. M.

Anmerkung: Die Angaben zur langjährigen mittleren Schneehöhe basieren auf den Messungen seit Messbeginn an dieser Station im Jahr 1950.
Quellen: zusammengestellt nach: https://diercke.de/sites/klimagraph/klimagraph.php; https://de.climate-data.org/europa/schweiz/graubuenden/st-moritz-146391/#climate-table; https://journals.sagepub.com/doi/10.5367/te.2013.0272; https://whiterisk.ch/de/conditions/measurements/station/BEOB/7MZ0 (Zugriff jeweils 12.08.2024)
M 4: St. Moritz – Siedlungsentwicklung
Historische Entwicklung
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1832 |
Bau des ersten Kurhauses |
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1869 |
erste Wintersportangebote (Schlittenfahrten, Schlittschuhlauf) |
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1885 |
erstes nationales Schlittenrennen auf dem Cresta Run |
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1888/1889 |
ca. 4.000 Kurgäste (1888); erstes Golfturnier in den Alpen (1889) |
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1893 |
Eröffnung des ersten offiziellen Golfplatzes des Engadins |
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1864–1914 |
Bau zahlreicher Luxushotels, Pensionen sowie Wohn-, Geschäfts- und Kaufhäuser; Eröffnung erster Bergbahnen |
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1912/1913 |
ca. 224.000 Übernachtungen |
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1928 |
Austragungsort der II. Olympischen Winterspiele |
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1948 |
Austragungsort der V. Olympischen Winterspiele |
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ab 1962 |
Einsetzen eines zweiten Baubooms: Bau mehrerer Großhotels, zahlreicher Ferienwohnungen sowie neuer Apartmentkomplexe |
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1965 |
Einsetzen einer „Zweitwohnungswelle“ infolge der Einführung von Stockwerkeigentum (Eigentumswohnungen) in der Schweiz |
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1972 |
Verhängung eines weitgehenden Baustopps durch den Schweizer Bundesrat |
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1974 |
Austragungsort der Alpinen Skiweltmeisterschaften |
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1976 |
Eröffnung eines neuen Heilbades |
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1988 |
Einrichtung einer Fußgängerzone |
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1994 |
erste Windsurfing-Weltmeisterschaft auf einem Binnensee; Bau der ersten Beschneiungsanlage |
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1996 |
erster Engadiner Inlineskating-Marathon |
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2007 |
Erweiterung der Fußgängerzone |
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2013 |
Anteil der inländischen Touristen an allen Touristen: 31 % |
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2016 |
Gesetz über die Einschränkung des Zweitwohnungsbaus |
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2017 |
Alpine Skiweltmeisterschaft |
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2023 |
Anteil der inländischen Touristen an allen Touristen: 51 % |
Bebauung St. Moritz (Ortskern)

Quellen: zusammengestellt nach: https://issuu.com/stmoritz/docs/p19_0355_stmoritz_eine_aussergewoehnliche_geschich?utm_medium=referral&utm_source=www.gemeinde-stmoritz.ch (Zugriff 23.05.2024); Kraas, Frauke und Spohner, Regine: St. Moritz, Graubünden/Schweiz – Stadtentwicklung zwischen Pioniergeist, Jetset und Luxusurbanisierung. In: Geographische Rundschau. Braunschweig: Westermann 01–02/2023, S. 46
M 5: St. Moritz – Strukturdaten
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Gemeinde im Kanton Graubünden; Höhenlage zwischen 1.769 bis 3.380 m ü. M. |
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Fläche |
28,7 km2, davon: 9 % Siedlungsfläche; 26,3 % Landwirtschaftsfläche; 20 % Wald und Gehölze; 44,7 % Fels- und Geröllflächen |
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Bevölkerung |
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Altersstruktur (Schweizer Staatsangehörige) |
![]()
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Beschäftigte am Arbeitsort |
Jahr |
Anzahl |
davon mit Wohnsitz St. Moritz |
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2014 |
5.511 |
3.732 |
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2020 |
4.503 |
2.971 |
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Beschäftigte nach Sektoren |
2021 |
I: 0,3 % |
II: 13,0 % |
III: 86,7 % |
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Wohnungsmarkt 2018 |
Wohnungen (Anzahl) |
davon Zweitwohnungen |
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St. Moritz |
5.579 |
3.139 |
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Graubünden |
173.013 |
80.715 |
|||
|
Schweiz |
4.500.481 |
722.768 |
|||
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Einkommen und Wohnkosten 2019 |
![]()
|
||||
Quellen: zusammengestellt nach: https://www.engadintourismus.ch/unternehmen/facts-figures; https://www.gemeinde-stmoritz.ch/ueber-st-moritz/st-moritz-in-zahlen; https://my.stmoritz.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/Projektdokumente/Umfrage_5/20180928_StM2030_SituZielVision_Raumstrategie_V9.pdf; https://www.bfs.admin.ch/asset/de/27885387; https://www.pxweb.bfs.admin.ch/pxweb/de/px-x-0602010000_102/px-x-0602010000_102/px-x-0602010000_102.px/table/tableViewLayout2/ (Zugriff jeweils 23.05.2024)
M 6: St. Moritz – touristische Angebote
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Wintersaison (Ende Nov. bis Anfang April) |
Sommersaison (Anfang Juni bis Mitte Okt.) |
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Events
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Unterkünfte
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Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen
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Quellen: zusammengestellt nach: https://www.engadin.ch/de/pisten-loipen-wege/bergbahnen; https://www.engadintourismus.ch/fileadmin/user_upload/Fakten_ueber_St._Moritz_DE.pdf; https://www.stmoritz.com/directory (Zugriff jeweils 02.01.2024)
M 7: St. Moritz – Übernachtungen und Ankünfte nach Saison

Quelle: zusammengestellt nach: https://www.engadintourismus.ch/jahresberichte/hotel-logiernaechte/hotel-logiernaechte/hotel-logiernaechte-juni-2023 (Zugriff 03.01.2024)
M 8: St. Moritz – Schutz- und Gefahrengebiete

Quelle: https://edit.geo.gr.ch (geändert; Zugriff 03.01.2024)
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St. Moritz liegt in der Schweiz und gehört zur Gemeinde Kanton in Graubünden. (M1, M2, M5)
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Der Ort ist im Oberengadin verortet und damit Teil eines hochalpinen Gebirgsraums. (M1, M2)
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St. Moritz liegt in einer alpinen Höhenlage zwischen 1.769 m und 3.380 m. ü. M., was den Ort als klassischen Hochgebirgsstandort kennzeichnet. (M5)
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Die Materialien zeigen eine gute Anbindung durch Straßen, Schmalspurbahn, Seilbahnen sowie einen Flugplatz im Raum, sodass St. Moritz trotz Hochgebirgslage gut erreichbar ist. (M2)
Touristisches Potenzial
Naturräumliche Voraussetzungen
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St. Moritz liegt in einer ausgeprägten Hochgebirgslandschaft mit großem Relief, was eine attraktive Kulisse für Berg- und Wintersporttourismus bietet. (M1, M2, M5)
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Der Raum ist durch mehrere Hochgebirgsseen geprägt, wodurch neben dem Wintertourismus auch sommerliche Freizeit- und Erholungsnutzungen begünstigt werden. (M1, M2)
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Die alpine Flora und Fauna steigern die landschaftliche Attraktivität und begünstigen naturnahe Erholungsformen. (M1, M2)
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Die klimatischen Bedingungen sind für den Wintertourismus sehr günstig. Das Material verweist auf kalte Winter. (M3)
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Das Material hebt ein hohes Maß an Schneesicherheit im langjährigen Verlauf hervor. Zugleich zeigt die Wintersaison 2022/23 hohe Schneehöhen. Das ist ein zentraler Standortvorteil für den Skitourismus. (M3)
Infrastruktur
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St. Moritz ist mit verschiedenen Verkehrsträgern erreichbar, insbesondere per Auto, Zug und Flugzeug. Das verbessert die Erschließung für nationale und internationale Gäste. (M1, M2)
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Der Ort verfügt über ein sehr großes Wintersportangebot mit 350 km Skipisten, 58 Aufstiegshilfen, 220 km Langlaufloipen, 140 km Winterwanderwegen sowie weiteren Angeboten wie Schlittenwegen und Natureisbahnen. (M6)
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Auch im Sommer besteht ein breites Angebot mit 580 km Wanderwegen, 400 km Mountainbike-Strecken, Golfplätzen, Badeseen, Kletter- und Wassersportangeboten. (M6)
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Zusätzliche Attraktivität entsteht durch besondere Angebote wie Heliskiing, Heli-Rundflüge, Sommerski auf dem Corvatsch (3.303 m) sowie zahlreiche Events. (M6)
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Mit 39 Hotels (darunter 7 Fünf-Sterne-Hotels) sowie 261 Ferienwohnungen verfügt St. Moritz über eine stark ausgebaute touristische Beherbergungsstruktur. (M6)
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Der Ort besitzt zudem eine gehobene Infrastruktur mit Boutiquen und Flagship-Stores weltbekannter Luxusmarken, gehobener Gastronomie, Bars, Clubs, Museen und einem Spielcasino. (M6)
Besondere Eignung für bestimmte Tourismusarten
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Alpiner Wintersport
Aufgrund von Höhenlage, Schneesicherheit und großem Pisten- und Liftnetz ist St. Moritz besonders für den alpinen Wintersport, vor allem für den Skilauf, geeignet. (M2, M3, M6)
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Naturnaher Aktivtourismus
Die Hochgebirgslandschaft und das dichte Wegenetz begünstigen auch Bergwandern, Mountainbiken, Klettern und weitere Formen des naturnahen Aktivurlaubs. (M2, M6)
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Luxustourismus
Die große Zahl hochwertiger Hotels, der exklusive Einzelhandel und die gehobenen Dienstleistungen machen St. Moritz besonders geeignet für den Hochpreis- und Luxustourismus. (M6)
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Kur- und Gesundheitstourismus
St. Moritz eignet sich zudem für Kur- und Gesundheitstourismus, da der Ort eine lange Bäder- und Kurtradition besitzt (erstes Kurhaus 1832, neues Heilbad 1976) und zugleich klimatische Standortvorteile aufweist. (M3, M4)
Fazit
Insgesamt besitzt St. Moritz ein sehr hohes touristisches Potenzial, da der Ort eine schneesichere hochalpine Lage, eine attraktive Naturausstattung sowie eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit umfangreichen Winter- und Sommerangeboten verbindet. Dadurch ist St. Moritz besonders für Winter-, Aktiv-, Luxus- und Kurtourismus geeignet.
Entwicklung des Tourismus
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Die touristische Entwicklung St. Moritz’ beginnt bereits im 19. Jahrhundert mit dem Kurtourismus. Ein wichtiger Meilenstein ist der Bau des ersten Kurhauses 1832. Damit war der Ort zunächst vor allem ein Ziel für Erholung und Gesundheitstourismus. (M4)
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Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen erste Wintersportangebote hinzu, etwa 1869 Schlittenfahrten und Schlittschuhlauf. Weitere frühe Sportangebote wie das Schlittenrennen am Cresta Run oder Golf verstärkten die touristische Profilbildung. (M4)
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Schon 1888 wurden rund 4.000 Kurgäste gezählt. 1912/1913 erreichte St. Moritz bereits etwa 224.000 Übernachtungen. Das zeigt, dass der Ort schon früh ein bedeutender Tourismusstandort war. (M4)
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Die Austragung der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 sowie weiterer internationaler Wettbewerbe trug wesentlich zur weltweiten Bekanntheit St. Moritz’ bei. (M4)
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Seit den 1960er-Jahren setzte ein deutlicher Ausbau in Richtung Massentourismus ein. Dies zeigt sich insbesondere am zweiten Bauboom ab 1962 mit Großhotels, Ferienwohnungen und Apartmentkomplexen. (M4)
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Die touristische Infrastruktur wurde im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts immer weiter ausgebaut, besonders für den Wintertourismus, aber zunehmend auch für Sommer- und Ganzjahresangebote. (M4, M6)
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Die Entwicklung der Übernachtungen und Ankünfte verläuft nicht linear: Zwischen 2008 und 2015 zeigen sich Stagnation bzw. zeitweise Rückgänge, während in der Pandemiezeit ein deutlicher Einbruch sichtbar wird. (M7)
Bauliche Veränderungen
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Mit dem Wachstum des Tourismus wurde die Siedlungsfläche deutlich ausgeweitet, besonders seit den 1960er-Jahren. Der Ort entwickelte sich damit räumlich stark weiter. (M2, M4)
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Der zweite Bauboom brachte Großhotels, zahlreiche Ferienwohnungen und neue Apartmentkomplexe hervor. Das verweist auf eine deutliche Intensivierung und Verdichtung touristischer Nutzung. (M4)
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Mit der „Zweitwohnungswelle“ ab 1965 gewann der touristisch geprägte Wohnungsbau weiter an Bedeutung. Auch die hohe Zahl an Zweitwohnungen im Material verdeutlicht diese Entwicklung. (M4, M5)
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Die Einrichtung der Fußgängerzone 1988 und ihre Erweiterung 2007 zeigen, dass der Ortskern gezielt touristisch und konsumorientiert umgestaltet wurde. (M4)
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Die Materialien verweisen auf einen sukzessiven Ausbau eines zusammenhängenden, Skigebiete verbindenden Seilbahn- und Liftnetzes, was die touristische Erschließung des Hochgebirgsraums erheblich verbessert hat. (M2, M4)
Strukturelle Merkmale
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Der Tourismus in St. Moritz ist stark saisonal geprägt. M7 zeigt deutliche Schwankungen der Ankünfte und Übernachtungen zwischen Sommer- und Wintersaison. (M7)
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Aufgrund des großen Angebots im Wintersportbereich besitzt die Wintersaison traditionell eine besonders hohe Bedeutung für den Fremdenverkehr. Gleichzeitig wird der Sommertourismus zunehmend ausgebaut, um die Saisonabhängigkeit zu verringern. (M6, M7)
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Der Anteil der inländischen Touristen ist gestiegen: Laut Material lag er 2013 bei 31 % und 2023 bei 51 %. Dadurch wird St. Moritz etwas weniger abhängig vom Auslandstourismus. (M4)
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St. Moritz ist stark auf Luxus- und Eventtourismus ausgerichtet. Dies zeigen exklusive Hotels, hochwertige Geschäfte sowie zahlreiche internationale Veranstaltungen und Sportevents. (M4, M6)
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Neben dem Wintersport wurden zusätzliche Angebote für Sommer und Ganzjahr ausgebaut, z. B. Wandern, Mountainbiken, Wassersport, Kulturangebote und Festivals. Dadurch wird die touristische Struktur breiter aufgestellt. (M6)
Wirtschaftliche Bedeutung
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Der Tourismus ist für St. Moritz der dominierende Wirtschaftsfaktor. Dies zeigt sich besonders an der Beschäftigungsstruktur: 86,7 % der Beschäftigten arbeiten 2021 im tertiären Sektor. (M5)
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Der Fremdenverkehr schafft viele Arbeitsplätze direkt und indirekt, etwa in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Verkehr und Dienstleistungen. Damit ist er für die Gemeinde und das Umland von zentraler Bedeutung. (M5, M6)
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Durch die starke Ausrichtung auf zahlungskräftige Gäste, hochwertige Beherbergung und exklusive Angebote ist der Tourismus auch besonders einkommenswirksam. (M5, M6)
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Die hohe Zahl an Hotels, Ferienwohnungen, Gastronomie- und Einzelhandelsangeboten zeigt, dass der Tourismus nicht nur ein Teilbereich, sondern das wirtschaftliche Leitprofil des Ortes ist. (M5, M6)
Zusammenhang mit Einwohner- und Beschäftigtenzahlen
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Die hohe touristische Bedeutung erklärt die große Zahl an Beschäftigten am Arbeitsort. Selbst 2020 waren es noch 4.503 Beschäftigte, was für eine kleine Hochgebirgsgemeinde sehr hoch ist. (M5)
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Nicht alle Beschäftigten wohnen in St. Moritz selbst: 2020 hatten von 4.503 Beschäftigten nur 2.971 ihren Wohnsitz im Ort. Das zeigt, dass der Tourismus Arbeitskräfte aus dem Umland anzieht. (M5)
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Mit dem Ausbau des Tourismus wuchs auch die Einwohnerzahl langfristig deutlich an. Die touristische Entwicklung wirkte also nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die demographische Entwicklung des Ortes. (M4, M5)
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Da die wirtschaftliche Struktur stark touristisch geprägt ist, wirken sich Rückgänge bei Ankünften und Übernachtungen (etwa in Krisenzeiten) auch unmittelbar auf Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung aus. (M5, M7)
Fazit
Insgesamt zeigt sich, dass der Tourismus die historische Entwicklung, die bauliche Struktur, die Wirtschaftsweise und auch die Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung St. Moritz’ maßgeblich geprägt hat. Aus dem ursprünglichen Kurort entwickelte sich ein international bekannter, stark tourismusgeprägter Ganzjahresstandort mit besonderem Schwerpunkt auf Winter-, Luxus- und Eventtourismus.
Kritische Stellungnahme zu den Zukunftsperspektiven des Tourismus in St. Moritz
Aspekte, die weiterhin positive Perspektiven nahelegen
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Hochpreis- und Luxustourismus als stabiles Segment
Durch die Konzentration auf das Hochpreis- und Luxussegment bleibt St. Moritz unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen des Massentourismus. (M6)
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Ausbau und Diversifizierung des touristischen Angebots
Die konsequente Erweiterung des Angebots auf den Sommer- und Ganzjahrestourismus (z. B. Wanderwege, Mountainbike-Strecken, Segeln, Kultur-Events) steigert die Attraktivität und reduziert die einseitige Abhängigkeit von der Wintersaison. (M6)
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Abnehmende Abhängigkeit vom Auslandstourismus
Die signifikante Zunahme des Anteils inländischer Gäste (2013: 31 %, 2023: 51 %) führt zu einer verringerten Abhängigkeit vom Auslandstourismus. Dies mindert die Vulnerabilität von St. Moritz gegenüber globalen Krisen und Schwankungen auf dem Weltmarkt. (M4)
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Kontinuierliche Infrastruktur- und Angebotsentwicklung
Die Entwicklungsgeschichte zeigt, dass St. Moritz sich wiederholt durch Ausbau- und Modernisierungsschübe sowie als Austragungsort internationaler Großereignisse (z. B. Olympische Spiele) eine dauerhafte globale Markenpräsenz sichert. (M4)
Klimawandel als zentrales Risiko für den Wintertourismus
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Verkürzung/Unsicherheit der Wintersaison
Auch in hochalpiner Lage bleibt der Wintertourismus klimatisch verletzlich: Steigende Temperaturen gefährden die Schneesicherheit und führen zu einer Saisonverkürzung. (M3)
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Steigende Kosten durch technische Beschneiung
Die Sicherung der Pistenqualität ist zunehmend von künstlicher Beschneiung (u. a. 106 km von 350 km Pisten künstlich beschneit) abhängig. Mit fortschreitender Erwärmung steigt der technische und finanzielle Aufwand, was die Wirtschaftlichkeit sowie die ökologische Bilanz belastet. (M3, M6)
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Attraktivitätsverlust bei weniger "Winterkulisse"
Das Ausbleiben einer geschlossenen Naturschneedecke schadet dem Image der Winterkulisse und gefährdet somit auch die Standortattraktivität für die Zielgruppen, deren Fokus auf dem exklusiven Gesamterlebnis und weniger auf der Sportausübung liegt. (M3)
Ökonomische Abhängigkeit und Krisenanfälligkeit
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Höhe Abhängigkeit vom Tourismussektor
Der Beschäftigungsanteil im tertiären Sektor ist extrem hoch (86,7 %), was die starke Abhängigkeit von Dienstleistungen und dem Tourismus verdeutlicht. (M5)
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Sichtbare Krisenwirkungen (z. B. Pandemie)
Wie die Pandemiezeit (deutlicher Einbruch der Übernachtungszahlen 2020/2021) zeigte, wirken globale Krisen unmittelbar auf die Tourismuswirtschaft. (M7)
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Konkurrenz durch andere Destinationen
St. Moritz steht in ständigem Wettbewerb mit anderen Alpen- und Ganzjahresdestinationen. Bei sinkender Schneesicherheit oder Preis-/Leistungsdruck kann die Nachfrage abwandern. (M3, M7)
Soziale Disparitäten
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Wohnraummangel durch Zweitwohnungen
Ein Zweitwohnungsanteil von ca. 56 % (3.139 von 5.579 Wohnungen) führt zu extremer Verknappung und steigenden Mieten. (M5)
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Verdrängung durch hohe Wohnkosten
Einkommensschwächere Bevölkerungsschichten werden aufgrund hoher Wohnkosten und Mieten aus dem Ortskern verdrängt, was wiederum die Rekrutierung von Arbeitskräften (z. B. für die Hotellerie oder Gastronomie) erschwert. (M5)
Räumliche Grenzen der weiteren Entwicklung
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Naturschutz als Flächenlimit
Umliegende Naturschutzgebiete begrenzen Erweiterungsmöglichkeiten und erhöhen Nutzungskonflikte zwischen Schutz und touristischer Inwertsetzung. (M8)
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Gefahrengebiete schränken Siedlungsentwicklung ein
In unmittelbarer Nähe zur Siedlung liegen Gefahrengebiete (u. a. Lawinen, Überschwemmungen, Hangrutschung, Felssturz), wodurch bebaubare Flächen fehlen bzw. Planungen erschwert werden. (M8)
Gesamturteil
Die Zukunftsperspektiven von St. Moritz sind als ambivalent zu bewerten: Während das Luxusprofil, die Angebotsdiversifizierung sowie der wachsende Inlandstourismus kurz- bis mittelfristig eine hohe ökonomische Wertschöpfung garantieren, bedrohen der Klimawandel, die starke touristische Abhängigkeit, soziale Wohnraumprobleme sowie räumliche Restriktionen durch Schutz- und Gefahrengebiete die langfristige Stabilität. Die Zukunftsfähigkeit hängt entscheidend davon ab, ob eine Transformation zu einem nachhaltigen Ganzjahrestourismus gelingt, der die ökologischen Tragfähigkeitsgrenzen respektiert und die lokale Bevölkerung nicht weiter marginalisiert.




