HT 3
Aufgabenstellung:
Analysiere den Text.
Erläutere zentrale historische Bezüge des Textes (16 BE) und charakterisiere die Darstellung der historischen Akteure und ihrer Strategien zur Etablierung und Sicherung des Deutschen Kaiserreichs (12 BE).
Beurteile Hoyers Ausführungen.
Materialgrundlage:
-
Katja Hoyer: Im Kaiserreich. Eine kurze Geschichte 1871-1918, Hamburg 2024, S. 7-13.
(Rechtschreibung und Hervorhebungen wie im Original)
Hinweise zur Autorin/zum Material:
Katja Hoyer (*1985) ist Historikerin, Autorin und Journalistin. Sie ist am King’s College in London als Gastwissenschaftlerin tätig und Mitglied der Royal Historical Society. Ihr Buch erschien 2021 in Großbritannien unter dem Titel „Blood and Iron. The Rise and Fall of The German Empire 1871–1918“.
Zugelassene Hilfsmittel:
-
Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung
[…]
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Mögliche Vorgehensweise:
-
nenne die Autorin (Katja Hoyer, deutsche Historikerin, Journalistin) und die Adressaten (historisch interessierte Leserschaft).
-
charakterisiere den vorliegenden Textauszug als historische Darstellung.
-
nenne das Erscheinungsjahr (2024) sowie den 150. Jahrestag der Reichsgründung als Anlass der ursprünglichen Ausgabe.
-
arbeitet die Frage nach der Etablierung und Sicherung der Reichseinheit als Thema des Textes heraus.
gib Inhalt und Gedankengang des Textes wieder, indem du etwa folgende zentrale Aussagen herausarbeitet:
Hauptthese: Sowohl Bismarck als auch Wilhelm II. versuchten – aus unterschiedlichen Motiven sowie unterschiedlich erfolgreich – eine nationale Einheit im Reich über das bewusste Schüren von innen- und außenpolitischen Konfliktlagen herzustellen.
-
Wilhelm I. und Otto von Bismarck als Staatsgründer
-
Konflikte um den Kaisertitel;
-
Proklamation des Deutschen Reichs in Versailles am preußischen Nationalfeiertag als taktisches Manöver Bismarcks, um den militärischen Hintergrund zu unterstreichen und als ein Projekt der Machtausweitung Preußens;
-
Unterstützung der Einheitsbestrebungen durch die süddeutschen Staaten lediglich aus militärischem Schutzbedürfnis;
-
nationale Einheit als „Mosaik“ (Z. 22) und nicht als Ergebnis eines organischen Wachstums.
-
-
Konflikte im Inneren als Mittel der Reichseinigung unter Bismarck
-
Vermeidung von außenpolitischen Konfliktlagen zur Wahrung der staatlichen Einheit;
-
Schaffung von Konfliktlagen im Inneren, z. B.:
-
Diskriminierung ethnischer Minderheiten wie Polen oder Dänen,
-
Zurückdrängung von Religion durch Säkularisierung der Gesellschaft,
-
Stigmatisierung von Sozialdemokraten und Sozialisten.
-
-
-
Konflikte im Äußeren als Mittel der Reichseinigung unter Wilhelm II.
-
Ablehnung der Bismarck’schen Einigungsstrategie, Teile der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen;
-
Herstellung der inneren Einheit durch den letztlich zerstörerischen Kampf um internationale Bedeutung.
-
-
Schlussfolgerung
-
Widersprüche und Ambivalenzen als zentrale Charakteristika des Einigungsprozesses;
-
Förderung von Konflikten zur Herstellung bzw. Sicherung der nationalen Einheit.
-
erläutere zentrale historische Bezüge des Textes. Folgende Aspekte sollten z. B. ausgeführt werden:
-
Gründung des Deutschen Reichs als konstitutionelle Monarchie nach drei Kriegen unter der Führung Preußens ab 1864;
-
Reichsverfassung von 1871 als Realisierung liberaler Bestrebungen sowie Fortschreibung preußischer Dominanz im deutschen Bundesstaat;
-
Germanisierungspolitik als Maßnahme zur Assimilation nationaler Minderheiten;
-
Ausgrenzung von Katholiken und Sozialdemokraten als vermeintliche Reichsfeinde zur Stabilisierung des preußisch dominierten konservativen Staates;
-
Entwicklung eines Bündnissystems zur außenpolitischen Sicherung der Reichseinheit;
-
Hinderung zum Neuen Kurs, insbesondere zu einer imperialistischen Machtpolitik unter Wilhelm II. und schrittweise Auflösung des Bismarck’schen Bündnissystems.
charakterisiere die Darstellung der historischen Akteure und ihrer Strategien zur Etablierung und Sicherung des Deutschen Kaiserreichs, so z. B.:
-
Sichtweise auf historische Akteure
-
Wilhelm I. als widerstrebender und politisch blasser Kaiser;
-
Otto von Bismarck als „Architekt“ (Z. 7) der Einheit und Anwalt v. a. preußischer Machtinteressen; als einer der „geschicktesten Staatsmänner aller Zeiten“ (Z. 26) und „Eiserner Kanzler“ (Z. 15) habe er das fragile Konstrukt des deutschen Kaiserreichs innen- und außenpolitisch zusammengehalten;
-
Wilhelm II. als machtbewusster Kaiser aller Deutschen, der Konflikte nach außen ableitet;
-
süddeutsche Fürsten und ihre Länder als widerwillige Beteiligte im Projekt des deutschen Kaiserreichs.
-
-
Darstellung der Strategien zur Etablierung und Sicherung des Deutschen Kaiserreichs
-
deutsche Einheit als preußisches Machtprojekt nur über Krieg erreichbar;
-
Etablierung einer deutschen Staatsangehörigkeit als Identitätsmerkmal gegenüber ethnischen Minderheiten;
-
Nationalbewusstsein als Ersatzreligion;
-
Stärkung der nationalen Identität durch Ausschluss der international orientierten Sozialisten aus dem politischen Diskurs und Bezeichnung als Staatsfeinde;
-
Festigung nationaler Identität durch imperiales Machtstreben Wilhelms II.
-
fasse die Charakterisierung zusammen, etwa: Die Autorin stellt Bismarck als überragenden Staatsmann dar, der das preußische Projekt des geeinten Kaiserreichs dadurch sichert, dass er nationale Identität durch Abgrenzung gegen politische Gegner und nationale Minderheiten sowie gegen äußere Feinde herstellt. Diese Strategie übernahm zum Teil auch Wilhelm II.
beurteile die Ausführungen Hoyers. Reflektiere dabei z. B. folgende Aspekte:
-
Zustimmung
-
Kriege als Mittel der Reichseinigung;
-
nationale Einheit als preußisches Machtprojekt;
-
Fragilität des Kaiserreichs durch mangelnde Unterstützung im Inneren;
-
widersprüchlicher Charakter der Verfassung (liberale und autoritäre Elemente);
-
innere Konflikte als Mittel der Reichseinigung;
-
Bismarcks Selbstverständnis als preußischer Monarchist;
-
Säkularisierung im Kontext des Kulturkampfes als Zeichen der Modernisierung von Gesellschaft;
-
wirtschaftliche Stärke während der Zweiten Industriellen Revolution;
-
Wilhelms II. diplomatisches Unvermögen;
-
außenpolitische Bilanz Wilhelms II.
-
-
Relativierung
-
Fokussierung auf die vermeintlich großen Männer;
-
langjähriger gesellschaftlicher Kampf für die Erlangung der nationalen Einheit;
-
Befürwortung der Reichseinigung durch einige der süddeutschen Fürsten;
-
Relevanz gesellschaftlicher Gruppen und Parteien für politische Prozesse im Kaiserreich;
-
Überdehnung der Einigungsthese als Erklärung für die Außenpolitik Wilhelms II.
-
gelange zu einem zusammenfassenden Urteil, etwa: Die Autorin entfaltet eine traditionelle Darstellung zur Gründung des Deutschen Reichs und zentraler innen- und außenpolitischer Ereignisse. Ihr Erklärungsmuster der Etablierung und Sicherung nationaler Einheit durch Krieg, Konflikt und Feindschaft erscheint nur bedingt überzeugend.