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Thema: Konjunkturschwäche in Deutschland – Ist eine stärker nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik die richtige Antwort?
Stelle jeweils die Grundannahmen sowie jeweils eine typische Maßnahme von angebotsorientierter und von nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik dar.
Analysiere den Text im Hinblick auf die Position und Argumentation des Autors zur Lage der deutschen Wirtschaft.
Erläutere anhand von zwei Textbelegen Bezüge zu wirtschaftspolitischen Konzeptionen.
Erörtere unter Einbeziehung der Position des Autors aus einerseits ökonomischer und andererseits sozialer Perspektive, ob die Bundesregierung eine stärker nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik verfolgen sollte.
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Die deutsche Wirtschaft braucht einen Kurswechsel
Alexander Hagelüken: Die deutsche Wirtschaft braucht einen Kurswechsel. In: Süddeutsche Zeitung (online) vom 18. August 2023 (zusätzlich zu den markierten Auslassungen um Teasertext und Zwischenüberschriften gekürzt; Anpassungen an die sprachliche Richtigkeit wurden vorgenommen)
URL: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rezession-deinustrialisierung-exporte china-inflation-deutschland-industriestrompreis-industrie-1.6139443?reduced=true (Zugriff am 09.04.2024)
Zum Autor:
Alexander Hagelüken, geb. 1968, ist Wirtschaftsjournalist bei der Süddeutschen Zeitung.
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Stelle die Grundannahmen nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik in folgender oder gleichwertiger Weise dar:
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Neigung marktwirtschaftlicher Systeme zu Instabilität (Marktversagen),
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Unterbeschäftigung durch zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage,
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wirtschaftliche Stabilität und Wachstum können durch eine starke gesamtwirtschaftliche Nachfrage erreicht werden.
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Stelle eine typische Maßnahme nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik in folgender oder gleichwertiger Weise dar, z. B.:
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Anpassung der Staatsausgaben zur antizyklischen Stabilisierung der Konjunktur, d. h. belebende expansive bzw. bremsende restriktive Fiskalpolitik.
Oder:
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Anpassung von (nachfragerelevanten) Steuern zur Belebung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, wie etwa veränderte Einkommensteuer insbesondere für Geringverdienende (hohe Konsumquote).
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Stelle die Grundannahmen angebotsorientierter Wirtschaftspolitik in folgender oder gleichwertiger Weise dar:
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Tendenz zum Gleichgewicht in marktwirtschaftlichen Systemen,
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Unterbeschäftigung als Folge unzureichender privater Investitionen,
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wirtschaftliche Stabilität und Wachstum können durch die Stärkung des Produktionspotenzials und die Angebotsförderung erreicht werden.
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Stelle eine typische Maßnahme angebotsorientierter Wirtschaftspolitik in folgender oder gleichwertiger Weise dar, z. B.: •
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Deregulierung: Abbau von staatlichen Vorschriften (z. B. Arbeitsschutz, Umweltschutz) zur Erleichterung unternehmerischer Aktivität.
Oder:
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Senkung von Unternehmenssteuern (z. B. Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer): verringerte Kosten als Standortvorteil und Investitionsanreiz.
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Ordne den Text mit dem Titel „Die deutsche Wirtschaft braucht einen Kurswechsel“, veröffentlicht am 18. August 2023 auf der Internetpräsenz der Süddeutschen Zeitung, als Kommentar des Wirtschaftsjournalisten Alexander Hagelüken ein und erschließe als Thema Konzepte zur Überwindung der konjunkturellen Schwäche Deutschlands.
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Arbeite die Position des Autors zur Lage der deutschen Wirtschaft in folgender oder gleichwertiger Weise heraus:
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Das Wachstum der deutschen Wirtschaft liege im internationalen Vergleich zurück, was auf die Schwäche der Industrie und der Exporte sowie auf fehlende Anreize zurückzuführen sei.
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Durch das Festhalten an einem ausgeglichenen Haushalt verhindere die Bundes regierung notwendige Investitionen, wodurch die deutsche Wirtschaft in Zukunft an Wettbewerbsfähigkeit verlieren werde.
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Insgesamt müsse die Strukturschwäche, die auch aufgrund der Abhängigkeit der Wirtschaftskraft vom Export bestehe, auch auf europäischer Ebene bekämpft werden.
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Erläutere den Begründungsgang zur Position des Autors in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Problemaufriss: Die aktuelle konjunkturelle Lage Deutschlands offenbare die strukturelle wirtschaftliche Schwäche verglichen mit anderen Staaten, was auch auf die schlechte Performanz der Bundesregierung zurückzuführen sei.
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These: Es bedürfe eines wirtschaftspolitischen Kurswechsels, da die schwächelnde Konjunktur auf eine unzureichende Industriepolitik und einen fehlenden Ausbau der Exportwirtschaft zurückzuführen sei.
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Fokussierung der Industriepolitik: Ursachen für die industrielle Schwäche seien Standortnachteile im Bereich der Energiepreise und das Fehlen von Unternehmensanreizen seitens der Bundesregierung.
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Entwicklung eines Vorschlags: Um die Industrie zu stärken, solle der Weg in Richtung einer staatlichen Industriepolitik beschritten werden, welche neben der Förderung von Forschung und Technologie gleichzeitig staatliche Investitionen in die Energiewende vorsehe. Zugunsten dessen müsse auch die Sparpolitik der Bundesregierung überdacht werden.
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Fokussierung der Exporte: Um Exporte als Motor der deutschen Wirtschaftsleistung zu stärken, solle der Ausbau des EU-Binnenmarktes im Hinblick auf Dienstleistungen und Finanzen angetrieben werden.
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Fazit: Die Konjunkturschwäche sei nur durch eine konsequente Stärkung von Industrie und Export durch die Bundesregierung im Rahmen eines Gesamtpakets zu überwinden.
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Arbeite die Argumentationsweise des Autors heraus, z. B.:
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wertende Sprache zwecks Kritik an dem Vorgehen der Bundesregierung („weg von der Sparfuchserei der Schuldenbremse“, „Es wirkt wie ein schlechter Witz“, „Verharrt die Ampel-Koalition dagegen in ihren kleinlichen Streitereien“),
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Argumentation im dogmatischen Stil zwecks Betonung der Alternativlosigkeit der eigenen Position („Um das zu erreichen, muss Deutschland die globalen Realitäten anerkennen“, „Die Deutschen müssen solche globalen Realitäten […] ernst nehmen“, „Eindeutig ist, […]“),
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Gebrauch sarkastischer Sprache, um die Ablehnung gegenüber dem wirtschaftspolitischen Kurs zu betonen („Es wäre jedoch töricht, den Standort in ordoliberaler Schönheit sterben zu lassen.“, „[…] und beleben in diesen Krisen-Zeiten lieber ihre Wirtschaft, als einen Supersparpreis zu gewinnen.“).
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Erschließe die Intention des Autors in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Aufklärung über Ursachen der aktuellen konjunkturellen Lage Deutschlands,
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Kritik an einer rein marktliberalen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik,
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Appell für mehr Investitionen und Anreize sowie für eine Stabilisierung der Exporte.
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Erläutere anhand eines Textbelegs in folgender oder gleichwertiger Weise einen Bezug zu wirtschaftspolitischen Konzeptionen, z. B.:
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Dadurch, dass der Autor marktliberale Ökonomen hinsichtlich ihrer für ihn einseitigen Forderung kritisiert, „Forschung und Innovationen stärker“ zu fördern oder „Unternehmen durch sogenannte Superabschreibungen“ zu entlasten, lässt sich ein Bezug zur angebotsorientierten Wirtschaftspolitik herstellen, da mit derartigen Maßnahmen die Unternehmensseite gestärkt würde.
Oder:
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Indem der Autor die Sinnhaftigkeit der Sparpolitik der Bundesregierung in Frage stellt, wenn er konstatiert, die Ampel-Koalition könne „mehr Geld ausgeben“ anstatt „einen Supersparpreis zu gewinnen“, wird eine inhaltliche Nähe zur Nachfrageorientierung deutlich, welche eine staatliche Ausgabenpolitik zur Förderung des Wachstums präferiert.
Oder:
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Indem der Autor darauf eingeht, dass sowohl Forschung und Innovationen als auch Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen parallel zu „Turbos für Erneuerbare“ und einem Brückenstrompreis angegangen werden müssten, legt er dar, dass er auch Maßnahmen der Angebotsorientierung unterstützt, da Bedingungen für Unternehmen verbessert werden sollen.
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Erläutere anhand eines zweiten Textbelegs in folgender oder gleichwertiger Weise einen Bezug zu wirtschaftspolitischen Konzeptionen. Beispiele siehe oben.
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Erörtere in folgender oder gleichwertiger Weise unter Einbeziehung der Position des Autors aus ökonomischer Perspektive, ob die Bundesregierung eine stärker nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik betreiben sollte:
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eher zustimmend |
eher ablehnend |
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Erörtere in folgender oder gleichwertiger Weise unter Einbeziehung der Position des Autors aus sozialer Perspektive, ob die Bundesregierung eine stärker nachfrage orientierte Wirtschaftspolitik betreiben sollte:
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eher zustimmend |
eher ablehnend |
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Nehme in einem in sich konsistenten Argumentationsgang unter explizitem Ausweis und Gewichtung leitender Urteilskriterien Stellung zu der Frage, ob die Bundesregierung eine stärker nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik betreiben sollte. Mögliche Kriterien, z. B.:
Wirksamkeit, Stabilität, soziale Sicherheit, Verteilungsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit