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Thema: Handelspolitik angesichts weltweiter Krisen – Ist eine stärkere Diversifizierung der Handelsbeziehungen erforderlich?
Stelle je zwei Ursachen, Merkmale und Indikatoren der ökonomischen Globalisierung dar.
Analysiere den Text im Hinblick auf die Position und Argumentation der Autorin zur Entwicklung der internationalen Handelsbeziehungen und zum daraus resultierenden politischen Handlungsbedarf.
Erkläre die Aussage der Autorin, dass „es grundsätzlich wünschenswert [wäre], die multilaterale Zusammenarbeit im Rahmen der Welthandelsorganisation über Zölle hinaus in anderen handelspolitischen Bereichen zu vertiefen“ (Z. 21–23), indem du dich auf die Zielsetzungen der WTO beziehst.
Erörtere unter Einbeziehung der Position der Autorin aus einerseits politischer und andererseits ökonomischer Perspektive, ob sich die deutsche Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund weltweiter Krisen für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen einsetzen sollte.
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Was die Rückverlagerung der Lieferketten kosten würde
Lisandra Flach: Was die Rückverlagerung der Lieferketten kosten würde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (online) vom 7. Mai 2023 (um Teasertext und Zwischenüberschriften gekürzt; Anpassungen an die sprachliche Richtigkeit wurden vorgenommen)
URL: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/protektionismus-im-auf-wind-fuer-deutschland-steht-viel-auf-dem-spiel-18876096.html (Zugriff am 02.04.2024)
Zur Autorin:
Lisandra Flach, geb. 1983, ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilian-Universität München und leitet das zum ifo Institut gehörende ifo Zentrum für Außenwirtschaft.
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Stelle zwei Ursachen der ökonomischen Globalisierung dar, z. B.:
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Deregulierung und Liberalisierung: Abbau von Handelsbeschränkungen bzw. Öffnung der nationalen Märkte und politische Förderung des grenzüberschreitenden Handels von Waren, Dienstleistungen und Kapital.
Oder:
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Transportwesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie: Erschließung neuer, leistungsfähiger Möglichkeiten für Transport und Kommunikation bei gleichzeitigem Sinken der Kosten.
Oder:
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Weltpolitische Veränderungen: Interesse der westlichen Industrieländer an neuen Märkten aufgrund von Sättigungstendenzen auf den alten Absatzmärkten und Bedeutungsgewinn weiterer Treiber der Globalisierung, wie China, allein oder im BRICSplus-Kontext.
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Stelle zwei Merkmale der ökonomischen Globalisierung dar, z. B.:
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Vertiefte internationale Wirtschaftsbeziehungen bzw. wirtschaftliche Verflechtungen sowie Wegfall von Handelsregulationen.
Oder:
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Vertiefte internationale Arbeitsteilung und grenzüberschreitende Produktion durch transnationale Unternehmen bzw. Vernetzung von Gütermärkten.
Oder:
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Hohe Mobilität des Produktionsfaktors Kapital und in diesem Zusammenhang hohe Bedeutung von ausländischen Direktinvestitionen.
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Stelle zwei Indikatoren der ökonomischen Globalisierung dar, z. B.:
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Anstieg der Anzahl international operierender Großkonzerne (Global Players).
Oder:
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Steigender Anteil der ausländischen Direktinvestitionsbestände an der Weltwirtschaftsleistung.
Oder:
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Überproportional wachsendes Transaktionsvolumen auf den Devisenmärkten im Verhältnis zur Steigerung der Weltwirtschaftsleistung.
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Ordne den Text mit dem Titel „Was die Rückverlagerung der Lieferketten kosten würde“, veröffentlicht am 7. Mai 2023 auf der Internetpräsenz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, als Diskussionsbeitrag der Professorin für Volkswirtschaftslehre Lisandra Flach ein und erschließt als Thema die Herausforderungen für globale Handelsbeziehungen vor dem Hintergrund von Krieg und Krisen.
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Arbeite die Position der Autorin zur Entwicklung der internationalen Handelsbeziehungen und dem daraus resultierenden politischen Handlungsbedarf in folgender oder gleichwertiger Weise heraus:
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Die Autorin vertritt eine angebotsorientierte Position, indem sie den zunehmenden Protektionismus als Handelshemmnis problematisiert und Marktregulierungen kritisiert.
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Protektionistische Maßnahmen seien aufgrund des damit einhergehenden wirtschaftlichen Schadens für Staaten, die stark in den Außenhandel eingebunden sind, abzulehnen.
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Sowohl Deutschland als auch die EU müssten ihre Wirtschafts- und Handelspolitik diversifizierter ausrichten, um den Auswirkungen von Krieg und Krisen zu begegnen und Unternehmen verbesserten Marktzugang zu eröffnen.
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Erläutere den Begründungsgang zur Position der Autorin im Hinblick auf die Entwicklung der internationalen Handelsbeziehungen in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Problemaufriss: Aufgrund der globalen Krisen und des russisch-ukrainischen Kriegs seien ein Rückgang des Welthandels und gleichzeitig eine Zunahme von protektionistischen Maßnahmen zu verzeichnen.
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Erläuterung protektionistischer Maßnahmen: Insbesondere durch die Zunahme an Subventionen und Exporthilfen sei im letzten Jahr versucht worden, heimische Märkte abzuschotten. Besonders Subventionen würden den internationalen Wettbewerb behindern, zu finanziellen Belastungen der Staatshaushalte führen und ökonomischen Schaden verursachen.
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Darstellung der Lage Deutschlands: Besonders die deutsche Wirtschaft weise durch ihre Exportorientierung und durch den Import von Vorleistungsprodukten eine hohe Abhängigkeit vom Außenhandel auf, weshalb der Rückgang des globalen Handels für Deutschland schädlich sei.
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Erläutere den Begründungsgang zur Position der Autorin im Hinblick auf den daraus resultierenden politischen Handlungsbedarf in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Hinweis auf die Rolle der WTO: Aufgrund des Subventionswettbewerbs sollte die WTO eine Vertiefung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit anstreben.
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Verweis auf Gegenmaßnahmen: Nationalisierung, Europäisierung, De-Coupling und De-Risking seien geforderte Maßnahmen zur Reduktion von Störungen des internationalen Handels, jedoch würden diese, mit Ausnahme des De-Riskings, der EU und Deutschland wirtschaftlich schaden. Vom Außenhandel abhängige deutsche Unternehmen hätten bereits Maßnahmen zur Krisenresilienz ergriffen, wie z. B. die Diversifizierung von Handelspartnern.
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Hinführung zur Aufgabe der deutschen Außenwirtschaft: Daraus resultiere die Notwendigkeit, die deutschen Unternehmen staatlicherseits durch bessere Rahmenbedingungen zu unterstützen, welche die Diversifizierung von Zulieferern ermöglichen.
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Bezugnahme auf die europäische Dimension: Nicht nur die deutsche Außenwirtschaft müsse reagieren, denn auch die europäische Handelspolitik müsse durch Bemühungen zum Ausbau des Binnenmarktes und zum vielfältigen Ausbau der Handelspartnerschaften umgestaltet werden.
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Schlussfolgerung und Ausblick: Durch Vertiefung und Diversifizierung auch auf europäischer Ebene würden die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, Abhängigkeiten reduziert, neue Märkte erschlossen und Länderpartnerschaften gefördert.
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Arbeite die Argumentationsweise der Autorin heraus, z. B.:
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Verweis auf statistische Daten zwecks Unterstützung der Glaubwürdigkeit der eigenen Position („[…] ist die Zahl der weltweit neu eingeführten protektionistischen Maßnahmen um mehr als 35 Prozent gestiegen.“, „[…] machten im Jahr 2022 Subventionen und Exporthilfen laut der Initiative Global Trade Alert mehr als die Hälfte der weltweit neu verhängten protektionistischen Maßnahmen aus.“),
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Verweis auf das ifo Institut als Quelle, dessen Zentrum für Außenwirtschaft die Autorin selbst leitet, zwecks Unterstützung der eigenen Schlussfolgerungen („So schätzen wir im Rahmen einer Studie des ifo Instituts […]“, „Unsere Analysen zeigen, […]“, „Laut einer Unternehmensbefragung des ifo Instituts […]“),
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Argumentation im dogmatischen Stil, um die Alternativlosigkeit der eigenen Position herauszustellen („Unternehmen und nationale Regierungen müssen sich zweifellos […]“, „Der EU-Binnenmarkt muss vertieft […] werden.“).
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Erschließe die Intention der Autorin in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Aufklärung über Veränderungen in den internationalen Handelsbeziehungen,
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Warnung vor den Folgen protektionistischer Maßnahmen,
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Plädoyer für die Vertiefung des Europäischen Binnenmarktes und die Diversifizierung von Handelsbeziehungen.
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Erkläre die Aussage der Autorin, dass „es grundsätzlich wünschenswert [wäre], die multilaterale Zusammenarbeit im Rahmen der Welthandelsorganisation über Zölle hinaus in anderen handelspolitischen Bereichen zu vertiefen“, indem Bezug auf die Zielsetzungen der WTO genommen wird, in folgender oder gleichwertiger Weise:
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Die Autorin kritisiert in ihrer Aussage die Handlungsmacht der WTO, da sie unterstellt, dass die WTO die handelspolitische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten lediglich über das Instrument des Abbaus der Zollschranken, also nur einem Mittel zum Abbau von tarifären Handelshemmnissen, mitgestaltet. Die von ihr monierten Subventionen und Exporthilfen, welche 2022 den Großteil der neu hinzugekommenen protektionistischen Maßnahmen ausgemacht hätten, fallen ebenfalls in den Bereich der nicht-tarifären Handelshemmnisse.
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Die „Zusammenarbeit […] in anderen handelspolitischen Bereichen zu vertiefen“, kann mit Blick auf die Zielsetzung der WTO u. a. bedeuten, ein Forum für Verhandlungen zwischen ihren Mitgliedern zu sein, mit dem gemeinschaftlich die Marktliberalisierung vorangetrieben und nationalstaatliche Alleingänge vermieden werden können. Gleichzeitig ist es das Ziel der WTO, nationale Handelspolitiken der Mitgliedstaaten zu überwachen und Handelskonflikte zu schlichten.
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Erörtere aus politischer Perspektive in folgender oder gleichwertiger Weise unter Einbeziehung der Position der Autorin, ob sich die deutsche Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund weltweiter Krisen für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen einsetzen sollte:
eher zustimmend
eher ablehnend
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Indem sich die deutsche Wirtschaftspolitik für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen einsetzt, könnte ein Wandel durch Handel in den Ländern initiiert werden, in dessen Folge politische Veränderungen in den jeweiligen Systemen hin zur Förderung oder zum Ausbau demokratischer Grundwerte angeregt werden. (Demokratieförderung)
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Die deutsche Wirtschaftspolitik sollte den Wandel europäischer Handelspolitik in Richtung einer stärkeren Diversifizierung unterstützen, da damit auch der Bundesrepublik geholfen würde, kritische Abhängigkeiten wie z.B. im Falle Russlands zu reduzieren. (Unabhängigkeit)
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Eine Ausrichtung der deutschen Wirtschaftspolitik in Richtung einer stärkeren Diversifizierung von Handelsbeziehungen kann dazu führen, dass eben nicht ein Systemwandel in anderen Staaten angeregt wird, sondern dass vielmehr Autokratien, sofern sich die Diversifizierungsbemühungen auch auf ebensolche beziehen, in ihrem Bestehen gestärkt werden. (Demokratieförderung)
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Wenn sich die deutsche Wirtschaftspolitik für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen ausspricht, heißt das nicht, dass auch kritische Abhängigkeiten zwingend reduziert würden. Vielmehr besteht die Gefahr, sich in neue Abhängigkeiten zu begeben, wenn nicht zeitgleich, wie es auch die Autorin fordert, ein De-Risking betrieben würde. (Wirksamkeit)
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Erörtere aus ökonomischer Perspektive in folgender oder gleichwertiger Weise unter Einbeziehung der Position der Autorin, ob sich die deutsche Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund weltweiter Krisen für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen einsetzen sollte:
eher zustimmend
eher ablehnend
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Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit zeitweilige Bedrohung der deutschen Energiesicherheit haben die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von autokratischen Handelspartnern gezeigt. Um globale Lieferketten zu stärken und damit auch die ökonomische Handlungsfähigkeit Deutschlands zu sichern, bedarf es einer stärkeren Diversifizierung der Handelspartnerschaften. (wirtschaftliche Unabhängigkeit)
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Exportorientierte Unternehmen weltweit, zu welchen auch viele deutsche Unternehmen gehören, wie Lisandra Flach anführt, profitieren von einer stärkeren Diversifizierung, da sie dadurch z. B. die Summe ihre Zulieferer erhöhen und in Anbetracht globaler Herausforderungen wie (Handels-)Kriegen weiterhin ihr Produktionspotenzial auf einem hohen Niveau halten können. (Wirksamkeit)
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Ein Einsatz für eine stärkere Diversifizierung würde nicht in allen Wirtschaftsbereichen von Vorteil sein. So würde der deutsche Agrarmarkt u. U. nicht profitieren, da dies seine Öffnung dessen bedingen würde, wobei er allerdings stark abgeschottet ist und subventioniert wird. Flach führt an, dass gerade Subventionen ein oft eingesetztes protektionistisches Instrument seien. (Wettbewerbsfähigkeit)
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Eine Diversifizierung von Handelsbeziehungen Deutschlands birgt die Problematik, dass regionale Märkte, z. B. in Staaten des globalen Südens (z. B. Geflügel, Bekleidungsindustrie), zerstört werden können, wodurch ein Strategiewechsel in der Handelspolitik einen wirtschaftlichen Schaden an Dritten verursachen könnte. (wirtschaftliche Stabilität)
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Nehme in einem in sich konsistenten Argumentationsgang unter explizitem Ausweis und Gewichtung leitender Urteilskriterien Stellung zu der Frage, ob sich die deutsche Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund weltweiter Krisen für eine stärkere Diversifizierung von Handelsbeziehungen einsetzen sollte.
Mögliche Kriterien, z. B.:
Demokratieförderung, Unabhängigkeit, Wirksamkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität