Aufgabe 2 – Genetische Redundanz – mehr als eine (Sicherheits-)kopie?
Das mehrfache Vorliegen desselben Gens im Genom eines Organismus bezeichnen Molekularbiologen als genetische Redundanz. Die Funktion dieses Phänomens wird von der Wissenschaft erforscht.
Erläutere den Aufbau und die Synthese von Ribosomen bei Eukaryoten anhand von Material 1.
Fasse die jeweiligen Versuchsbedingungen zur Untersuchung von Redundanzen in Material 2 zusammen und werte die Versuchsergebnisse hinsichtlich der Wirkung der genetischen Redundanz bei E. coli aus (M 2).
Stelle jeweils eine Hypothese für die Vermehrungsrate der Bakterien bei Versuchsansatz A und B auf, wenn eine geringe Nährstoffverfügbarkeit vorliegt (M 2).
Erläutere die unterschiedliche Verteilung der genetischen Redundanz des AMY2B-Gens bei Hunden in verschiedenen Gebieten der Erde anhand der synthetischen Evolutionstheorie (M 3).
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Aufbau und Synthese von Ribosomen
In der DNA liegen nicht nur die Informationen für viele Proteine, sondern auch die Informationen für die „Werkzeuge“ der Proteinbiosynthese selbst. Dies betrifft z. B. den Bauplan der Ribosomen, die aus einer speziellen Form von RNA, der sogenannten rRNA und Proteinen bestehen. Die Gene zur Synthese von Ribosomen zeigen häufig genetische Redundanz. Dabei liegen dieselben Gene mehrfach im Genom des Organismus vor.

Abb. 1: Aufbau eines Ribosoms

Abb. 2: Synthese von rRNA und r-Proteinen und Zusammensetzung zu einem Ribosom
Material 2: Untersuchung des Vorkommens von Redundanzen und deren Folgen bei E. coli
Um herauszufinden, warum dieselben Gene mehrfach als Kopien im Genom von Lebewesen vorliegen und mehrmals abgelesen werden, wurden Wachstumsversuche mit E. coli durchgeführt. Dieses Bakterium wird in der Forschung sehr häufig für molekulargenetische Untersuchungen verwendet.
Bei Versuchsansatz A und B wurde das Bakterienwachstum von verschiedenen E. coli-Varianten untersucht. Für Zellteilungs- und Wachstumsvorgänge von Bakterien werden bestimmte Proteine benötigt, deren Synthese ein energetisch aufwendiger Prozess ist. Für diesen müssen die Bakterien aus Nährstoffen Energie gewinnen.
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Versuch A |
Versuch B |
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Versuchsobjekt |
E. coli Variante 1 |
E. coli Variante 2 |
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Nährstoffverfügbarkeit |
hoch |
hoch |
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Genkopien zur Bildung von tRNA |
7 |
3 |
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Genkopien zur Bildung von Ribosomen |
6 |
2 |
Tabelle 1: Versuchsbedingungen bei Versuch A und Versuch B
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Versuch A |
Versuch B |
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synthetisierte Proteinmenge pro Zeiteinheit |
hoch |
gering |
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Bakterienanzahl zu Beginn |
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Bakterienanzahl am Ende |
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Tabelle 2: Versuchsergebnisse bei Versuch A und Versuch B
Material 3: Redundanz des AMY2B-Gens bei Hunden
Auch bei Hunden hat man genetische Redundanzen in der DNA entdeckt. Die Tiere leben schon lange mit dem Menschen zusammen, wodurch sich ihre Ernährungsbedingungen verändert haben und stärkehaltige Nahrung einen größeren Anteil erhalten hat. Zur Verdauung von Stärke ist das Enzym Amylase notwendig, welches vom AMY2B-Gen codiert wird. Stärke ist in Getreide enthalten, das in verschiedenen Gebieten der Erde schon früh in der Menschheitsgeschichte angebaut wurde.

Abb. 3: Redundanz des AMY2B-Gens bei Hunden in bestimmten Regionen der Erde
Legende:


Anzahl der Wiederholungen des AMY2B-Gens in Regionen ohne Ackerbau in der frühen Menschheitsgeschichte
Anzahl der Wiederholungen des AMY2B-Gens in Regionen mit Ackerbau in der frühen Menschheitsgeschichte
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erläutere den Aufbau und die Synthese von Ribosomen bei Eukaryoten anhand von Material 1.
Aufbau:
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Ribosomen bestehen aus kleiner und großer Untereinheit.
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Untereinheiten bestehen jeweils aus r-Proteinen und rRNA.
rRNA-Synthese im Nucleolus und Nucleus:
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rRNA-1-Gen wird im Nucleolus und rRNA-2-Gen wird im Nucleus auf der Basis der jeweiligen DNA transkribiert.
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RNA-Polymerase liest die Gene ab, synthetisiert prä-rRNA.
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Prä-rRNA durchläuft Prozessierung, enzymatisches Herausschneiden von Nukleotid-Sequenzen aus prä-rRNA.
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Teil 1 direkt im Nucleolus synthetisiert, Teil 2 im Nucleus synthetisiert und dann in den Nucleolus transportiert.
r-Protein-Synthese im Nucleus:
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r-Protein-Gen wird durch RNA-Polymerase im Nucleus transkribiert → Entstehung der prä-mRNA.
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Prä-mRNA durchläuft Prozessierung, enzymatisches Herausschneiden von Nukleotid-Sequenzen aus der prä-mRNA.
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Transport von mRNA ins Cytoplasma → Translation mithilfe von Ribosomen und tRNA.
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r-Proteine werden in den Nucleolus transportiert → rRNA und Proteine werden zu großer und kleiner ribosomaler Untereinheit zusammengebaut.
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Zusammengebaute ribosomale Untereinheiten werden ins Cytoplasma transportiert → Zusammensetzung der Untereinheiten zu funktionsfähigem Ribosom.
Fasse die jeweiligen Versuchsbedingungen zur Untersuchung von Redundanzen in Material 2 zusammen und werte die Versuchsergebnisse hinsichtlich der Wirkung der genetischen Redundanz bei E. coli aus (M 2).
Zusammenfassen:
Versuchsbedingungen A:
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Versuchsobjekt E. coli, Variante 1, hohe genetische Redundanzen bei t-RNA-Gen 7x und Gen zur Bildung von Ribosomen 6x
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Hohe Nährstoffverfügbarkeit für die Bakterien
Versuchsbedingungen B:
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Versuchsobjekt E. coli, Variante 2
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Geringere genetische Redundanzen bei t-RNA-Gen 3x und Gen zur Bildung von Ribosomen 2x
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Hohe Nährstoffverfügbarkeit für die Bakterien
Auswerten:
Beschreiben:
Versuchsergebnisse A:
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Synthese vieler Ribosomen und t-RNA-Moleküle durch hohe Anzahl von Genkopien → Translation und Synthese vieler Proteine für Zellteilung
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Proteine für Vermehrung nötig → deutliche Zunahme der Bakterienanzahl: exemplarisch: 1 Bakterium vermehrt sich zu 10 Bakterien
Versuchsergebnisse B:
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Synthese weniger Ribosomen und t-RNA-Moleküle durch geringere Anzahl von Genkopien → auch weniger Translationsprozesse und Synthese geringer Proteinmenge für Zellteilung
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Proteine für Vermehrung nötig → geringere Zunahme der Bakterienanzahl: exemplarisch: 1 Bakterium vermehrt sich zu 4 Bakterien
Schlussfolgern:
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Bei hoher Nährstoffverfügbarkeit: ausreichende Deckung der energetischen Kosten für Proteinbiosynthese → Abhängigkeit der Vermehrungsrate der Bakterien von Anzahl der Genkopien für Ribosomen und t-RNA
Stelle jeweils eine Hypothese für die Vermehrungsrate der Bakterien bei Versuchsansatz A und B auf, wenn eine geringe Nährstoffverfügbarkeit vorliegt (M 2).
Mögliche Hypothesen:
Versuchsansatz A:
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Aufgrund vieler Genkopien hohe Energiekosten für die Synthese von Ribosomen und t-RNA-Molekülen → bei geringem Nährstoffangebot: geringe Energieverfügbarkeit für andere Stoffwechselprozesse / Vermehrung → geringere Bakterienanzahl
Versuchsansatz B:
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Geringere Anzahl von Genkopien → geringere Energiekosten für die Synthese von Ribosomen und t-RNA-Molekülen → trotz geringem Nährstoffangebot Deckung der Energiekosten → ähnliche Vermehrungsrate wie bei hohem Nährstoffangebot
Weitere logisch erstellte Hypothesen sind möglich und als gleichwertig anzuerkennen.
Erläutere die unterschiedliche Verteilung der genetischen Redundanz des AMY2B-Gens bei Hunden in verschiedenen Gebieten der Erde anhand der synthetischen Evolutionstheorie (M 3).
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Bei Vorliegen von Redundanz des AMY2B-Gens erhöhte Amylaseproduktion und somit bessere Stärkeverdauung
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Vorliegen von hoher genetischer Redundanz in Regionen mit Ackerbau in der frühen Menschheitsgeschichte
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Vorliegen von geringer genetischer Redundanz in Regionen ohne Ackerbau in der frühen Menschheitsgeschichte
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Vermehrtes Auftreten stärkehaltiger Nahrung für Haustiere in Regionen mit früh einsetzendem Ackerbau
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Selektionsvorteil bei Hunden durch zufällig auftretende Vervielfältigung des AMY2B-Gens:
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erhöhte Amylaseproduktion
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bessere Stärkeverdauung
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erhöhte reproduktive Fitness bei Hunden mit vielen Genkopien
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Vermehrtes Einbringen der genetischen Redundanz in den Genpool der nächsten Generation


