Aufgabe 1 – Textanalyse
Thema
Analyse pragmatischer Texte
Max Fellmann (*1970): Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank (2022)
Aufgabenstellung
Analysiere den Text Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank von Max Fellmann. Berücksichtige dabei den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung sowie die Intention des Textes.
Setze dich mit der Position des Autors zum Umgang mit militärisch geprägten Ausdrücken im öffentlichen und privaten Sprachgebrauch auseinander.
Material
Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank
Max Fellmann
Max Fellmann: Der Autor ist Journalist und Redakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung.
Quelle: Fellmann, Max (31.03.2022): Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank. (Stand: 10.02.2023).
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
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Der vorliegende Text Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank von Max Fellmann thematisiert die fragwürdige Kriegsmetaphorik in der deutschen Sprache.
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Es soll erörtert werden, wie der Umgang mit militärisch geprägten Ausdrücken im öffentlichen und privaten Sprachgebrauch sensibler gestaltet werden kann.
Teilaufgabe 1
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Formuliere das Thema und bestimme die Textsorte:
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Verdeutlichung der im Wortschatz der deutschen Sprache vorhandenen Kriegsmetaphorik
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Reflexion über die Notwendigkeit eines sensiblen Sprachgebrauchs
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essayistischer Text
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Gedankengang und wesentliche Inhalte des Textes:
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Hinführung zum Themenschwerpunkt durch Reflexion einiger Verse eines bekannten Kinder- und Frühlingsliedes (Vgl. Z. 1–28)
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Verweis auf die durch den Gebrauch des Wortes „einmarschieren“ hervorgerufenen Assoziationen zum Krieg in der Ukraine, die die Leichtfertigkeit der Verwendung von Kriegsmetaphorik im allgemeinen Sprachgebrauch zeigen und die Rezitation des Liedes als unangebracht erscheinen lassen
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Anführen weiterer Beispiele, die das nach der unbedachten Verwendung von metaphorischen Begriffen und Wendungen aus dem Bereich von Gewalt und Krieg neuerdings empfundene Unbehagen veranschaulichen
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resümierende Erklärung, dass durch den Krieg in der Ukraine die Problematik eines kriegsmetaphorisch geprägten Sprachgebrauchs in das öffentliche Bewusstsein gerückt wurde
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Explizieren des Problems durch Ausführungen zum Zusammenhang von Sprache und Denken (Vgl. Z. 29–81)
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prägnante Apostrophierung einer Korrelation von Sprache und Denken durch Autoritätsargument aus dem Bereich der psychologischen Beratung und Verweis auf eine Studie zu den Auswirkungen der Bezeichnung von Teesorten auf das Geschmacksempfinden von Probanden
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Anführen diverser Beispiele aus der Politik für die gezielte Verwendung einer von militärischen Begriffen geprägten Sprache zum Zweck der Verstärkung der eigenen Wirkung oder mit dem Ziel der Betonung der Relevanz der Aussage
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mittels Aussagen eines Linguisten gestützte Erläuterung der Prägung der deutschen Sprache durch eine Vielzahl von Metaphern aus dem militärischen Bereich; begründender Verweis auf die einst von Krieg und Militarismus gekennzeichnete Geschichte und Kultur des Landes; Beleg durch Beispiele von verblassten Metaphern
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abschließendes Plädoyer für einen sensiblen Sprachgebrauch (Vgl. Z. 82–102)
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Entfaltung der durch die Ausführungen eines Linguisten gestützten Autorenposition zum Umgang mit dem Problem: Negierung der Notwendigkeit, Wörter und Wendungen aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu verbannen, bei gleichzeitiger Empfehlung, sowohl im Gespräch als auch im Schriftverkehr über einen sensiblen Sprachgebrauch nachzudenken
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Unterstützung dieser Anregung durch Verweis auf das Bemühen um einen gendergerechten und diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch in den vergangenen Jahren
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Pointierung durch ein Beispiel für die Ersetzung einer kriegsmetaphorisch geprägten Formulierung durch eine fernab von Militär und Krieg verankerte geläufige Redewendung
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Sprachlich-stilistische Gestaltung des Textauszuges und Funktion:
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Veranschaulichung der Prägung der deutschen Sprache durch Begriffe und Wendungen aus dem militärischen und kriegerischen Bereich durch
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einen durch Alliterationen hervorgehobenen Vergleich („Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank“, Titel sowie Z. 56)
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zahlreiche Beispiele für im allgemeinen Sprachgebrauch verankerte Kampf- und Kriegsmetaphorik (Vgl. z. B. Z. 13–17, 19–23)
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Verdeutlichung der Bewusstwerdung der Omnipräsenz von Kriegsmetaphorik durch Verwendung von unpersönlichen Pronomen (z. B. „man“, Z. 8, 11)
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Lenkung der Leserschaft durch die Verwendung von persönlichen Pronomen (z. B. „wir“, Z. 18; „unsere“, Z. 29), umgangssprachlichen Wendungen (z. B. „gab es mal“, Z. 40; „so funktioniert es nun mal“, Z. 55; „könnte man auch mal wieder“, Z. 98) und lebensweltlichen Beispielen (Vgl. z. B. Z. 13–17, 19–23)
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Veranschaulichung des vielfach empfundenen Unbehagens bei der Verwendung von Wörtern und Wendungen mit Bezug zu Militär und Krieg durch Onomatopoesie („Schluck“, Z. 6) und Ellipsen (Vgl. Z. 7, 9)
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Gegenüberstellung der unbedachten Nutzung von Kampf- und Kriegsmetaphorik und des dadurch ausgelösten Unbehagens durch Gedankenstriche (Vgl. Z. 13–16)
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Verweis auf kalkulierte Nutzung des Einflusses der Sprache auf das Denken des Menschen durch elliptisch formulierte Konstruktion („Kampfbereitschaft per Kampfmetaphorik“, Z. 55)
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Betonung der Notwendigkeit eines bewussten, sensiblen Sprachgebrauchs durch Kontrastierung von vergangenem und gegenwärtigem Kommunikationskontext (vgl. Z. 83 – 89)
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Einbeziehung der Leserschaft durch Fragen (Vgl. z. B. Z. 82), teilweise als Klimax gestaltet (Vgl. Z. 18)
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Betonung eigener Kompetenz und der Glaubwürdigkeit der Ausführungen durch Einbezug vermeintlich bekannter Grundannahmen über den Einfluss der Sprache (Vgl. Z. 30 f.) und Stützung der eigenen Position durch Experten aus dem Fachbereich Linguistik sowie der psychologischen Beratung (Vgl. z. B. Z. 32–36, 58–62)
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Nutzung essayistischer Mittel zur Leserlenkung (z. B. Setzungen, Vgl. Z. 39, 55; Einsatz eines unterhaltsamen Beispiels, Vgl. Z. 39–43; Verallgemeinerungen, Vgl. z. B. Z. 10–13, 55)
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Intention des Textes:
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Sensibilisierung für die Vielzahl von metaphorischen Begriffen und Wendungen aus dem militärischen und kriegerischen Bereich in der deutschen Sprache
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Plädoyer für einen bewussten, sensiblen Sprachgebrauch in Anbetracht des von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägten Weltgeschehens
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Teilaufgabe 2
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Position des Autors:
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Möglichkeit der Überwindung der militärischen Prägung der deutschen Sprache durch bewussten Verzicht auf Militärsprache
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Setze dich mit der Position des Autors auseinander, etwa:
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Pro – Aspekte, die die Position des Autors unterstützen, z. B.:
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Unterstreichung der Notwendigkeit einer Verringerung der Vielzahl militärischer Sprachinhalte unter Verweis auf die vom Autor hervorgehobene hohe Beeinflussbarkeit des Denkens durch die Sprache
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Verweis auf Möglichkeit der gezielten Veränderung von Sprache (z. B. Etablierung von Synonymen, Nutzung anderer Bildbereiche)
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Möglichkeit, auch im öffentlichen Sprachgebrauch auf Zielsetzung statt auf Gegnerschaft zu verweisen (z. B. Ermöglichen eines Lebens ohne Sucht vs. Krieg gegen Drogen)
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Aufgreifen des Bezugs zu Sprachlenkungsversuchen wie der Genderdebatte, um den Wert der öffentlichen Sprachdiskussion zu verdeutlichen
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Contra – Aspekte, die der Position des Autors entgegenstehen, z. B.:
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Unterstreichung der Schwierigkeit, traditionelle Perspektiven zu verändern, unter Verweis auf den vom Autor hervorgehobenen starken kulturellen Einfluss des Krieges
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Zurückweisung der These einer starken Beeinflussung des Denkens durch Sprache (z. B. geringe Überzeugungskraft des Beispiels der Tee-Bezeichnungen) unter Verweis auf Gegenargumente (z. B. weitere, das Denken beeinflussende Faktoren wie Sozialisations- und Kulturkontext) und Relativierung des Einflusses von Kriegsmetaphorik auf das Denken angesichts der Vielzahl verblasster Metaphern
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Verweis auf Erwartung einer Metaphorik der Stärke v. a. im öffentlichen Sprachgebrauch aufgrund des Wettbewerbs um Aufmerksamkeit
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Infragestellung der ausreichenden Wirksamkeit des Ansatzes, in eigenen Texten sprachsensibel vorzugehen
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Hinterfragen der Reichweite des vom Autor betonten Problembewusstseins mit Verweis auf die Verwendung verallgemeinernder Behauptungen zu Reaktionen von Mitmenschen („Freundin […] Kollege […] Nachbar […]“, Z. 13–16)
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Fazit
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Militärische Metaphorik ist tief im deutschen Sprachgebrauch verankert und durch aktuelle Kriegsereignisse verstärkt ins Bewusstsein gerückt.
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Sprache beeinflusst Denken und deshalb ist ein sensibler Umgang sinnvoll, ohne pauschale Sprachverbote zu fordern.
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Zugleich wird kritisch reflektiert, wie begrenzt die Reichweite individueller Sprachsensibilität angesichts kultureller Prägungen und gesellschaftlicher Kommunikationslogiken bleibt.