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Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 1 – Textanalyse

Thema

Analyse pragmatischer Texte

Max Fellmann (*1970): Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank (2022)

Aufgabenstellung

1)

Analysiere den Text Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank von Max Fellmann. Berücksichtige dabei den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung sowie die Intention des Textes.

(ca. 70 %)
2)

Setze dich mit der Position des Autors zum Umgang mit militärisch geprägten Ausdrücken im öffentlichen und privaten Sprachgebrauch auseinander.

(ca. 30 %)

Material

Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank

Max Fellmann

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Alle Vögel sind schon da,
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alle Vögel, alle.
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Welch ein Singen, Musiziern,
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Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!
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Frühling will nun einmarschiern …
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Schluck.
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Einmarschieren. Plötzlich dieses Wort. Vom Tirili zur Ukraine in nur einer Zeile. Dass der
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Frühling eigentlich noch „mit Sang und Schalle“ kommt, will man dann schon gar nicht mehr
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singen. Alles falsch. Alles schrecklich.
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Da draußen ist Krieg. Und die grausigen Nachrichten aus Kiew und Mariupol, die immer
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neuen Bilder und Meldungen machen einem auf einmal übel bewusst, was man da eigentlich
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gedankenlos für eine Sprache spricht, tagaus, tagein. Es bleiben einem jetzt ständig die Worte
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im Hals stecken. Die Freundin, die nach einem arbeitsreichen Tag sagt, den Einkauf habe sie
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im Eifer des Gefechts vergessen – und im selben Moment betreten schluckt. Der Kollege, der
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in der Konferenz seufzt, er habe sein Pulver verschossen – und sich erschrocken den Mund
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zuhält. Der Nachbar, der nicht mehr lächeln kann, wenn die Schwiegermutter sagt, bei euch
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sieht’s ja aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
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Reden wir wirklich so? Ist unsere Sprache voller Krieg und Gewalt und Blut? Tja: Ja. Aus
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unseren Worten spricht der Krieg, selbst wenn wir gar nicht daran denken. Der eine hat eine
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Hustenattacke, die andere steht mit der Gartenarbeit auf Kriegsfuß, der Dritte streckt wegen
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zu viel Arbeit die Waffen, seine Kollegin hält die Fahne hoch. Wir kämpfen (Pandemie,
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Inflation, Klima) gleichzeitig an allen Fronten. Und abends übergibt die Nachrichtensprecherin
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an ihren Kollegen: Na, dann schieß mal los mit dem Wetter.
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Bei vielen dieser Ausdrücke konnte man auch früher schon zusammenzucken, aber seit der
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Krieg direkt vor der Tür steht, seit Menschen auf der Flucht an unseren Bahnhöfen ankommen,
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seit täglich über Aufrüstung und Verteidigungsbereitschaft debattiert wird, ist die Sprache ein
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noch viel heikleres Gelände geworden. (Gut möglich, dass man vor ein paar Wochen noch
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gesagt hätte: ein Minenfeld.)
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Und wie wir reden, erinnert ja nicht nur an den Krieg, es wirkt sich auch auf unsere Gedanken
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und Gefühle aus. „Wenn das Denken die Sprache korrumpiert, korrumpiert die Sprache auch
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das Denken“, hat George Orwell schon 1946 notiert. Mit dieser Prämisse arbeitet auch die
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Psychotherapie. Der Coach Sebastian Mauritz sagt: „Wenn wir ständig Kriegsmetaphern
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benutzen, gewöhnen wir uns an die Denkweise. Das Leben wird damit zu einem dauerhaften
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inneren Kampf. Und ständiges Kämpfen strengt den Geist und den Körper an. Wir reagieren
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mit Stress, um die Bedrohung zu beseitigen oder ihr zu entgehen. Dabei verstärken wir diese
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durch unsere Sprachwahl um ein Vielfaches.“ Wer im Beruf von Angriff, Verteidigung,
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Frontlinien und Durchstößen redet, sitzt halt irgendwann auch mit emotionalem Stahlhelm in
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der Konferenz.
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Sprache formt Denken. Zum Beleg (und zur Erholung) kurz ein ganz unkriegerisches Beispiel:
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An der Hochschule Harz gab es mal eine Testreihe mit Tees. Hieß ein Tee „Tropical Feeling“,
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wurde er von Probanden als exotisch und erfrischend beschrieben. Stand auf der Verpackung
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der Name „Vor dem Kamin“, fielen die Bewertungen gegenteilig aus. Die Pointe, man kann es
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sich schon denken: In den Tassen war jedes Mal der gleiche Tee.
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So, wie sich Tee mit entsprechenden Namen gezielter vermarkten lässt, wollen sich auch
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Menschen durch die Wahl ihrer Worte verkaufen. Stichwort Angriffslust. Wer den „Krieg gegen
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die Drogen“ ausruft (Richard Nixons „War on Drugs“ in den frühen Siebzigerjahren), will härter
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erscheinen als jemand, der bloß von einem „Drogenproblem“ redet. Wer einem Virus den Krieg
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erklärt (Donald Trump), hofft, stärker zu wirken als jemand, der bloß von Heilung spricht. Als
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Olaf Scholz im März 2020, damals noch Finanzminister unter Angela Merkel, die
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milliardenschweren Corona-Hilfen der Bundesregierung vorstellte, sagte er: „Das ist die
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Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun.“ Bei vielen kam das zwar tatsächlich an wie:
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Guter Mann, der geht das energisch an. Aber zur Einordnung – eine Bazooka, offizieller Begriff
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„Antitank Rocket Launcher“, ist eine Panzerabwehrwaffe, die Soldaten auf der Schulter
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abfeuern. Ein brutal effizientes Tötungsgerät.
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Kampfbereitschaft per Kampfmetaphorik, so funktioniert es nun mal. Vor allem im Deutschen.
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Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank. Dominik Hetjens, Linguist an der Technischen
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Universität Dresden, befasst sich seit Jahren mit dem Thema Sprache und Krieg, er sagt:
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„Wenn wir betrachten, wie sich der deutsche Wortschatz gewandelt hat, dann finden wir
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besonders große Veränderungen im Kontext des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Das lässt
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sich in quantitativen Untersuchungen eindeutig nachvollziehen. Militär spielte außerdem
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grundsätzlich eine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte. Im alten Preußen war es
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allgegenwärtig, man hat sogar Kinder auf Familienfotos in Uniformen abgelichtet.“ Und so war
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die Soldatensprache nicht nur ein Einfluss unter vielen, sondern tatsächlich das eine prägende
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Kulturparadigma.
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Bis heute reden wir in Formulierungen, bei denen man mitunter kaum noch darauf kommt,
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dass sie eigentlich vom Krieg erzählen. Reiß dich am Riemen? Bezog sich auf den
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Uniformgürtel, der exakt zu sitzen hatte, als Zeichen der Einsatzbereitschaft.
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Auf der Fahrt haben wir uns total verfranzt? Kommt nicht von „ausfransen“ – „Franz“ wurden
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im Ersten Weltkrieg die Co-Piloten genannt, die für die Navigation zuständig waren. Wenn der
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Franz sich bei der Routenplanung irrte, verfranzte er sich.
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Wir müssten den Laden mal auf Vordermann bringen? Rekruten, die sich ordentlich
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aufstellten, mussten exakt in einer Linie mit den Soldaten vor ihnen stehen – falls nicht, brachte
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sie der Ausbilder auf Vordermann.
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Das hat übrigens nicht nur mit der militärischen Vergangenheit zu tun, sondern auch mit einer
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Sprachlücke. „Die Grundfrage ist: Wie sprechen wir über abstrakte Dinge?“, sagt der Linguist
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Dominik Hetjens. Begriff kommt von begreifen, also anfassen. Bei Gefühlen, Stimmungen oder
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dem Verhältnis zu unserer Umwelt fehlen die greifbaren Worte. „Für unkörperliche Themen
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bleibt uns oft nur der Umweg über die Metapher“, sagt Hetjens. Und aus welcher konkreten
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Welt nimmt man diese Metaphern? In Ländern wie Spanien und Italien wählen die Menschen
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zum Beispiel gern Formulierungen aus dem Kirchenleben. In der Geschichte Deutschlands
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aber war das stärkste Bezugsfeld eben jahrhundertelang der Krieg.
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Preußen ist lange her, Ukraine ist jetzt. Sollen wir nun mit unserer Sprache anders umgehen?
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Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie im Golfkrieg oder nach dem 11. September
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2001, als US-Radiosender reihenweise bestimmte Lieder aus ihren Programmlisten strichen.
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Das größte Radionetzwerk der USA untersagte damals etwa das Abspielen von Shot Down In
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Flames (AC/DC), Crash Into Me (Dave Matthews Band), Burning Down The House (Talking
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Heads) und sogar Knockin’ On Heaven’s Door (Bob Dylan).
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„Man muss keine Liste von Unwörtern machen“, meint der Linguist Hetjens. „Aber wenn
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Menschen jetzt über ihre Alltagssprache erschrecken, zeigt das ja, dass sich etwas verändert.“
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Man könnte sich in einem Gespräch oder beim Schreiben einer Mail kurz überlegen: Was für
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eine Stimmung erzeuge ich, wenn ich von „Waffen“ oder „Angriff“ rede? Was für ein Weltbild
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schwingt da mit? Es kann nie schaden, sich Gedanken über aufgeladene Rhetorik zu machen.
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Siehe auch andere Entwicklungen in den vergangenen Jahren: Menschen stolpern über das
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generische Maskulinum, lassen „Bürgerinnen“ nicht mehr automatisch bei „Bürgern“ mitlaufen.
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Und bei Formulierungen mit Rassismusgefahr wie „schwarzsehen“ gilt inzwischen ebenfalls
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eine verstärkte Behutsamkeit.
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Und wenn es nun im Kinderzimmer aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen – dann
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könnte man auch mal wieder die altväterliche Formulierung bemühen: Hier sieht’s ja aus wie
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bei Hempels unterm Sofa. Wo das herkommt? Die Hempels waren angeblich eine
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Schaustellerfamilie, die mit dem Circus Hagenbeck reiste und bei jedem Gastspiel ihren Müll
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einfach unter den Wagen kehrte. Auch diese Redewendung ist 100 Jahre alt. Aber herrlich
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weit weg vom Krieg.

Max Fellmann: Der Autor ist Journalist und Redakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung.

Quelle: Fellmann, Max (31.03.2022): Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank. (Stand: 10.02.2023).

Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.

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