Thema 3
Der Beginn des Kalten Krieges (Erörterung)
Übergreifende Aufgabenstellung:
Erörtere in einem inhaltlich kohärenten und sinnvoll strukturierten Fachaufsatz die Sichtweise des Historikers John Lewis Gaddis auf die Entstehung des Kalten Krieges.
Bearbeite dabei auch folgende Teilaufgaben:
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Gib die zentralen Aussagen des Verfassers wieder.
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Analysiere seine Vorstellungen über den Beginn der Systemkonfrontation und zum Handeln der westlichen Akteure.
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Untersuche die Tragfähigkeit der Autorenposition bezüglich der Absichten Stalins.
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Prüfe Gaddis' Behauptung, Stalins „Strategie für die Erlangung der Herrschaft über Nachkriegseuropa lag in Scherben“. (Zeilen 71–72)
Darstellung: John Lewis Gaddis über den Beginn des Kalten Krieges (2008)
Der vorliegende Auszug stammt aus einer Monographie des US-amerikanischen Historikers John Lewis Gaddis (geb. 1941). Als Professor an der Yale University (USA) veröffentlichte er zahlreiche Bücher über den Kalten Krieg.
Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen folgen der Vorlage. Auf die Wiedergabe von in der Vorlage enthaltenen Fußnoten wurde verzichtet.
Gaddis, J. L. (2008): Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte. München, S.41–50.
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Gaddis erklärt die Entstehung des Kalten Krieges nicht als plötzlichen Bruch, sondern als Folge langfristiger struktureller Gegensätze und unvereinbarer sicherheitspolitischer Vorstellungen der Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg.
Grundthese Gaddis’
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Wurzeln des Kalten Krieges bereits im Zweiten Weltkrieg angelegt
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Konflikt zwischen USA und UdSSR daher grundsätzlich vorhersehbar
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Zerfall der „Großen Allianz“ aufgrund unterschiedlicher Nachkriegsvisionen
Der Kalte Krieg erscheint als strukturell bedingte Entwicklung, nicht als Zufallsereignis.
Gegensätzliche Ordnungsvorstellungen
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Roosevelt/Churchill: multilaterale Nachkriegsordnung, kollektive Sicherheit (UNO), Selbstbestimmung und wirtschaftliche Integration
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Stalin: sicherheitspolitisch motivierte Machtsicherung, Ausweitung sowjetischen Einflusses, Annahme unvermeidlicher kapitalistischer Konflikte
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sowjetische Politik von Misstrauen und Machtpolitik geprägt
Ursache des Konflikts: unvereinbare ideologische und sicherheitspolitische Konzepte.
Rolle der Sowjetunion
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Bezug auf Kennans „Langes Telegramm“: sowjetische Expansion als Folge innerer Struktur des stalinistischen Systems
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Außenpolitik als ideologisch und systembedingt aggressiv
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westliche Zugeständnisse laut Gaddis wirkungslos
Schwerpunkt der Verantwortung liegt bei Stalin und der Struktur des sowjetischen Regimes.
Eskalationsphase 1947/48
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Truman-Doktrin und Marshallplan als Reaktion auf sowjetisches Verhalten
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Gründung der Kominform
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Berliner Blockade
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Teilung Europas als Ergebnis aufeinanderfolgender Krisen
Westliche Politik als defensive Eindämmungsstrategie („Containment“).
Bewertung der Sichtweise
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Gaddis betont strukturelle Ursachen und sowjetische Verantwortung
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Nähe zur traditionellen bzw. postrevisionistischen Interpretation
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mögliche Kritik: geringere Berücksichtigung westlicher Machtinteressen
Erste Teilaufgabe
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Verweisen auf die Aussagen zu Wurzeln des Kalten Krieges, welche Gaddis sowohl in traditionellen Rivalitäten zwischen USA und UdSSR als auch in den unterschiedlichen Vorstellungen zur zukünftigen Entwicklung sieht
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Notwendige Aspekte:
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Roosevelt und Churchill als Verfechter einer kollektiven Sicherheitsordnung mit begrenzt kooperierenden Großmächten
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Stalins eigenmächtiges Agieren zugunsten einer das eigene Land absichernden Nachkriegsordnung, die auf eine zunehmende Rivalität zwischen den kapitalistischen Mächten hinauslaufen und einen Krieg zwischen diesen provozieren sollte
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Angeben der Schwierigkeiten des Verfassers beim Bestimmen eines Zeitpunktes für den Beginn des Kalten Krieges
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Aufzeigen, dass sich der Autor auf die Sicht des US-Diplomaten Kennan und die Truman-Doktrin bezieht, um den Anfang des Kalten Krieges zu erklären
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Notwendige Angaben:
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Verantwortung der Sowjetunion für den Ausbruch des Kalten Krieges aufgrund der inneren Verfasstheit des stalinistischen Regimes
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Eindämmungskonzept als Resultat der Erkenntnis, dass Zugeständnisse an die Sowjetunion nicht zielführend wären
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Trumans Hilfsprogramm zur Unterstützung freier Völker als Konsequenz aus Kennans Überlegungen
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Herausstellen der Ansicht Gaddis', nach der Stalins Strategie grundsätzlich gescheitert sei
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Notwendige Bezugspunkte:
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Stalins Reaktion auf den Marshallplan
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Scheitern der Berlin-Blockade
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Ausbleiben erwünschter Differenzen zwischen den westlichen Alliierten
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Zweite Teilaufgabe
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Herausstellen der Auffassung des Historikers, dass die Wurzeln des Kalten Krieges in den Zweiten Weltkrieg zurückreichen
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Verweisen auf die starke Personalisierung des Konflikts durch den Autor
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Eingehen auf die Position des Autors, nach der Roosevelt und Churchill eine Nachkriegsordnung angestrebt hätten, die auf Mächtegleichgewicht und Kooperation zwischen den Großmächten beruhen sollte
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Nachweisen, dass der Verfasser die Ursache für das Auseinanderbrechen der Kriegsallianz im Wesen der stalinistischen Diktatur (feindliche Sichtweise auf Außenwelt) und der damit verbundenen Reaktion des Westens („wachsame Eindämmung der russischen Expansionstendenzen“) auf diese Haltung sieht
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Mögliche Ansatzpunkte:
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„Eiserner Vorhang“
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Truman-Doktrin
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Herausstellen, dass Gaddis einerseits auf Ereignisse des Jahres 1947 eingeht, die häufig als Ausgangspunkt für den Beginn des Kalten Krieges herangezogen werden, sich andererseits aber nicht auf einen Zeitpunkt festlegt
Dritte Teilaufgabe
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Angeben, dass Stalin ausschließlich als destruktiver Akteur eingestuft wird
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Mögliche Aspekte:
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Anstreben der Herrschaft über Nachkriegseuropa
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fehlende Bemühungen um einen Interessenausgleich mit westlichen Mächten
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Ausüben von Druck im eigenen Machtbereich (z. B. Verbot einer Annahme des Marshallplanes in der sowjetischen Einflusssphäre)
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Erkennen, dass die Aussagen zu Stalins Sicherheitsbedürfnis und zur antikapitalistischen Gesinnung des sowjetischen Staats- und Parteiführers unstrittig sind, aber im Textauszug nicht weiter vertieft werden
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Hinterfragen der Eindimensionalität der Darstellung Gaddis'
Vierte Teilaufgabe
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Aufzeigen, dass Gaddis der von ihm Stalin zugeschriebenen außenpolitischen Konzeption ein vollständiges Scheitern attestiert
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Abwägen, inwieweit diese Politik Stalins als erfolglos eingestuft werden kann
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Mögliche Ansatzpunkte:
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Schaffung von Satellitenstaaten und Stärkung des kommunistischen Einflusses in Teilen Europas
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partielles Tolerieren des sowjetischen Machtbereiches durch die Westmächte
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keine offensichtlichen Anzeichen für grundsätzliche Konflikte zwischen den Staaten des Westens
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Formulieren eines abwägenden und nachvollziehbar begründeten Prüfergebnisses zur These