Schreibaufgabe I
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Charakteristik
Schreibe eine Charakteristik von Kim.
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Achte auf Kims Erscheinungsbild und darauf, wie sie sich in der dargestellten Situation verhält, was sie denkt, was sie fühlt und was sie sagt. Schließe daraus auf ihre Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Vorlieben. Beende deine Charakterisierung mit einer kurzen Bewertung ihres Verhaltens. |
Hinweise: Achte darauf, dass du deine Aussagen am Text belegst.
Überprüfe nach dem Schreiben den Satzbau, Ausdruck und die Rechtschreibung.
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Kim ist eine fünfzehnjährige Jugendliche, die die Sommerferien bei ihrem leiblichen Vater in Duisburg verbringen soll, zu dem sie seit über dreizehn Jahren keinen Kontakt hatte (Vorspann; Z. 5; Z. 68).
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Der vorliegende Textausschnitt schildert ihre erste Begegnung mit dem Vater und erlaubt durch Kims genaue Beobachtungen, Gedanken und Gefühle einen differenzierten Einblick in ihre äußeren Merkmale, Fähigkeiten und Wesenszüge.
Hauptteil
Äußerliche Merkmale und Lebensumstände
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Kim ist fünfzehn Jahre alt (Vorspann) und wurde von ihrer Mutter sowie weiteren Familienmitgliedern zu ihrem Vater „abgeschoben“, um die Sommerferien bei ihm zu verbringen (Vorspann; Z. 5; Z. 68). Bereits daran wird deutlich, dass sie sich in einer für sie unsicheren und wenig freiwilligen Situation befindet, die an eine „schlimme Zeit“ anschließt (Z. 6).
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Das Teenager-Mädchen sieht seinem Vater ähnlich: breiter Mund, hohe Wangenknochen (Z. 16), hohe Stirn und blonde Haare (Z. 20 f. ) sowie hellblaue Augen (Z. 25).
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Auffällig ist, dass Kim äußeren Erscheinungen große Aufmerksamkeit schenkt. Sie nimmt die Kleidung und das Auftreten ihres Vaters, den sie sich ganz anders vorgestellt hatte, sehr genau wahr und bewertet diese kritisch. Besonders fallen ihr sowohl seine unmodischen, abgetragenen, wenn auch geputzten Schuhe (Z. 39 ff.) als auch sein Auto, ein alter Kombi, auf, den sie abwertend als „vergammelte Karre“ (Z. 71 f.) und „totale Schrottkiste“ (Z. 74) bezeichnet. Diese Beobachtungen zeigen, dass Äußerlichkeiten für Kim eine wichtige Rolle spielen und sie soziale Eindrücke stark über äußere Zeichen einordnet.
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Auch ihr eigenes Erscheinungsbild ist ihr wichtig. Für die Ferien hat sie zahlreiche Kleidungsstücke für unterschiedlichste Situationen eingepackt, darunter „Bademoden, Sportkleidung, Kosmetik, Sachen für abends, Sachen für morgens und Wechselkleidung für tagsüber“ (Z. 62 ff.). Dies verdeutlicht ihren Wunsch, sich zu präsentieren, Eindruck zu machen und auf verschiedene Situationen vorbereitet zu sein. Der prall gefüllte Koffer sowie ihre Erwartungen an den Vater lassen zudem darauf schließen, dass Kim kostspielige Urlaube kennt und vermutlich aus einem eher begüterten Elternhaus stammt.
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In der Begegnung mit ihrem Vater, zu dem sie mehr als 13 Jahre keinen Kontakt hatte, verhält sich Kim vorsichtig. Die Begrüßung erfolgt nahezu ohne Körperkontakt (Z. 50), beide bleiben zunächst fast sprachlos (Z. 58), und Kim folgt ihrem Vater mit mehreren Metern Abstand (Z. 61). Dieses Verhalten zeigt, dass sie Nähe nicht sofort zulassen möchte und sich innerlich schützt.
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Kim weiß außerdem gern, worauf sie sich einlässt und was sie erwartet (Z. 91). Ihre Unsicherheit äußert sich auch darin, dass sie das Auto ihres Vaters weiterhin hoffnungsvoll nach Hinweisen auf eine mögliche Reise absucht: „Vielleicht lagen irgendwo Flugtickets. Oder Reiseproviant.“ (Z. 97 ff.). Daraus wird deutlich, dass sie trotz aller Anpassung noch auf eine Veränderung der Situation hofft.
Fähigkeiten und Fertigkeiten
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Eine zentrale Fähigkeit Kims ist ihre ausgeprägte Beobachtungsgabe. Sie nimmt ihren Vater sehr genau wahr, sowohl hinsichtlich seines Aussehens als auch seines Verhaltens. Dabei zieht sie anschauliche, bildhafte Vergleiche, etwa wenn sie seine Aufregung beschreibt „wie ein kleiner Junge, der betäubt von Duft und Licht um den Weihnachtsbaum fliegt“ (Z. 30 ff.). Diese bildhafte Sprache zeigt nicht nur ihre Beobachtungsgabe, sondern auch ihre Fähigkeit, Situationen sprachlich präzise und kreativ zu erfassen.
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Darüber hinaus ist Kim reflektiert und in der Lage, ihre früheren Vorstellungen mit der aktuellen Realität zu vergleichen. Sie hatte sich die Begegnung mit ihrem Vater ganz anders vorgestellt, etwa als Treffen mit einem „riesigen Mann“, der sie umhüllt (Z. 50 f.). Die tatsächliche Begegnung mit dem „kleinen Mann“ steht dazu in starkem Kontrast, den Kim klar benennt und einordnet. Diese Fähigkeit zur Selbstreflexion zeigt ihre geistige Reife.
Wesensmerkmale und Verhalten
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Kim erweist sich als sensibel und einfühlsam. Sie erkennt die Überforderung ihres Vaters (Z. 35) ebenso wie seine Aufregung angesichts der Situation (Z. 87) und achtet aufmerksam auf jedes einzelne seiner Worte. Gleichzeitig nimmt sie ihre eigenen Gefühle differenziert wahr, etwa ihre Nervosität (Z. 90) oder ihre Wut auf den Vater (Z. 55).
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Zudem zeigt Kim Interesse an Menschen. Sie beobachtet ihren Vater nicht nur äußerlich, sondern ordnet sein Verhalten ein, analysiert es und bewertet es. Für sie ist er zugleich Enttäuschung und Überraschung (Z. 9). Trotz ihrer inneren Distanz ist sie bereit, sich auf die Situation einzulassen und akzeptiert, dass ihr im Moment kaum Handlungsspielraum bleibt und sie ihre eigenen Wünsche zurückstellen muss (Z. 81 f.).
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Gleichzeitig besitzt Kim einen feinen Sinn für Humor und kann auch über sich selbst lachen. Ihre Vergleiche und knappen Beobachtungen zeigen, dass sie in der Lage ist, selbst in einer angespannten Situation eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren.
Schluss
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Kim eine sensible, reflektierte und sehr beobachtungsstarke Jugendliche ist, für die äußere Erscheinungen ebenso bedeutsam sind wie innere Sicherheit. Ihr vorsichtiges Verhalten gegenüber dem Vater ist angesichts der langen Trennung und der unsicheren Situation nachvollziehbar.
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Insgesamt wirkt ihr Verhalten überlegt und angemessen: Kim schützt sich emotional, bleibt aber offen genug, um sich auf die neue Lebenslage einzustellen und mögliche Veränderungen nicht vollständig auszuschließen.