Schreibaufgabe II
Stellungnahme
Betrachte die Abbildung.

Würdest du diese Abbildung zur Illustration des Textauszugs von Jan Weiler Der Markisenmann verwenden?
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Die vorliegende schwarzweiße Abbildung zeigt die zeichnerische Illustration einer Jugendlichen, die sitzend vor einer gemauerten Wand dargestellt ist. Sie blickt nachdenklich zur Seite und stützt dabei ihr Gesicht auf die rechte Hand. Die Illustration wirkt ruhig, zugleich aber auch distanziert und ernst.
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Im Folgenden soll beurteilt werden, ob sich diese Abbildung zur Illustration des Textauszugs aus Jan Weilers Der Markisenmann eignet. Dabei wird sowohl die Darstellung selbst beschrieben als auch ihre Passung zur im Text dargestellten Situation und Gefühlslage der Figur Kim überprüft.
Hauptteil
Beschreibung der Abbildung
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Die Abbildung zeigt eine Jugendliche in Vorderansicht, die offenbar auf einem Stuhl oder Sessel sitzt. Ihr Kopf ist leicht geneigt und ruht auf der rechten Hand beziehungsweise Faust, was auf Müdigkeit oder Nachdenklichkeit schließen lässt. Der Blick der Jugendlichen geht ins Ungewisse, ihre Augen scheinen hinter großen Brillengläsern in die Ferne gerichtet zu sein.
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Der Hintergrund besteht aus einer gemauerten Wand, die kühl und wenig heimelig wirkt. Diese Umgebung kann als ungemütlich oder sogar einengend wahrgenommen werden, lässt sich aber auch als moderne, nüchterne Innenraumgestaltung deuten. Die Kleidung der Jugendlichen – eine Jacke sowie ein Hemd oder eine Bluse mit Stehkragen – wirkt praktisch und zeitgemäß, aber nicht auffällig oder verspielt.
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Insgesamt entsteht der Eindruck einer nachdenklichen, eher zurückhaltenden Jugendlichen mit ebenmäßigen Gesichtszügen, heller Haarfarbe, hoher Stirn und ruhiger, fast distanzierter Ausstrahlung. Die Haltung und der Gesichtsausdruck lassen Raum für unterschiedliche Deutungen, etwa Erschöpfung, Frustration oder inneren Rückzug.
Beurteilung der Eignung als Textillustration
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Meiner Ansicht nach eignet sich die Abbildung grundsätzlich gut als Illustration des Textauszugs aus Der Markisenmann.
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Ein wichtiges Argument dafür ist der comicartige Stil der Darstellung. Dieser lässt genügend Freiräume für eigene Vorstellungen und Projektionen, sodass die Fantasie der Lesenden noch gefragt ist. Die Abbildung gibt lediglich eine mögliche visuelle Annäherung an Kim vor, ohne alle Details festzuschreiben.
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Zudem weckt die Großaufnahme der Jugendlichen mit ihrem rätselhaften Gesichtsausdruck Interesse. Die Situation wirkt nicht eindeutig, sondern offen, was Neugier erzeugt und zum Lesen des Textes motivieren kann. Die gemauerte Wand im Hintergrund kann symbolisch als Hinweis auf Kims Gefühl von Eingeschlossenheit und Ausweglosigkeit verstanden werden, was gut zu ihrer Situation im Text passt, in der sie sich einer fremden, ernüchternden Realität stellen muss.
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Auch Kims emotionale Lage wird durch die Abbildung aufgegriffen. Die Jugendliche wirkt weder locker noch zufrieden, sondern eher missmutig, angespannt und nachdenklich. Dies entspricht Kims pessimistischer Grundstimmung im Textauszug, in dem sie ihre Umgebung kritisch wahrnimmt und enttäuschte Erwartungen verarbeitet. Der ernste Blick ins Ungewisse lässt sich zudem mit Kims unsicherer Zukunft verbinden.
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Darüber hinaus entstehen beim Lesen des Textes keine offensichtlichen Widersprüche zur Abbildung. Das äußere Erscheinungsbild der Jugendlichen – moderne Kleidung, Brille, Frisur – lässt sich gut mit den textlichen Beschreibungen vereinbaren, etwa mit der Ähnlichkeit zu ihrem Vater und ihrem insgesamt reflektierten Wesen.
Alternativ:
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Meiner Ansicht nach eignet sich die Abbildung nicht als Illustration des Textauszugs aus Der Markisenmann. Zwar greift sie eine nachdenkliche Stimmung auf, doch bleibt die dargestellte Figur zu einseitig und reduziert, um Kims komplexe Wahrnehmung und ihr vielschichtiges Verhalten im Text angemessen abzubilden.
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Im Text ist Kim nicht ausschließlich ruhig oder in sich gekehrt, sondern gedanklich sehr aktiv, aufmerksam und häufig innerlich in Bewegung. Die sitzende, fast regungslose Haltung der Jugendlichen in der Abbildung steht dazu in einem deutlichen Gegensatz und vermittelt ein zu statisches Bild der Figur.
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Zudem legt die Illustration durch ihr konkretes Erscheinungsbild eine feste Vorstellung von Kim nahe und schränkt damit die Fantasie der Lesenden ein. Gerade weil der Text stark aus Kims Perspektive erzählt wird, ist die eigene innere Bildentwicklung beim Lesen von besonderer Bedeutung, die durch die Abbildung vorweggenommen wird.
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Auch der Zeichenstil trägt zur Distanz bei. Die Zeichnung wirkt künstlich und stilisiert, wodurch die Figur weniger lebendig erscheint. Die ironischen, humorvollen und kritisch-distanzierenden Elemente von Kims Wahrnehmung, die im Text deutlich werden, kommen in der ernsten Darstellung kaum zum Ausdruck.
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Insgesamt bleibt die Abbildung zu eindimensional und vermag die Dynamik sowie die innere Vielschichtigkeit der Figur Kim nur unzureichend wiederzugeben.
Schluss
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Abbildung trotz einzelner Einschränkungen gut als Illustration des Textauszugs aus Der Markisenmann geeignet ist. Sie greift zentrale Aspekte von Kims Gefühlslage auf, vermittelt Nachdenklichkeit und innere Anspannung und lässt zugleich genügend Raum für eigene Deutungen.
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Insgesamt unterstützt die Abbildung das Verständnis der Figur Kim und kann als visuelle Einstimmung auf den Text dienen, ohne ihm inhaltlich zu widersprechen.