Keine Liebe ohne Leiden?
Mit der Geduld am Ende
Im folgenden Text aus Ovids „Amores“ hat das elegische Ich nach langem Leiden endlich genug von seiner lasterhaften und untreuen Geliebten:
Umfang des lateinischen Textes: 184 Wörter
1cedere (mit Ablativ) hier: verschwinden aus
2adserere für frei erklären
3Vicimus … calcamus ~Vici … calco
4domare bändigen
5venire hier: wachsen
6cornua sera (Pl. n.) längst überfällige Hörner (als Zeichen der Stärke und Entschlossenheit)
7Perfer et obdura (Das elegische Ich spricht sich hier selbst an.)
8prodesse nützlich sein
9lassus erschöpft
10ops Hilfe
11fores (Pl.) Tür
12ingenuus frei geboren (Das elegische Ich ist kein Sklave, sondern frei geborener Römer.)
13humus (f.) Boden
14nescio cui für irgendeinen anderen (Gemeint ist ein anderer Liebhaber der Geliebten.)
15 Ordne: ut servus
16referre hier: davonschleppen
17latus (n.) Unterleib
18levius, quam quod erträglicher, als dass
19fixus lateri … adhaerere fest an deiner Seite hängen (Gemeint ist die Seite der Geliebten.)
20 Ordne: Amor noster multis causa amoris fuit.
21referre hier: erwähnen
22vana lingua die betrügerische Zunge (der Geliebten)
23periuratus durch falschen Schwur verletzt
24in … damna zum Schaden
25 Ergänze: Quid referam21
26notas componere Zeichen verabreden
27Dicta erat … mihi Man hatte mir gesagt, sie (die Geliebte) sei …
28 Ordne :verba quondam potentia | potens mächtig
Aufgabenstellung
I. Übersetze den Text in angemessenes Deutsch.
II. Löse die folgenden Aufgaben
Bestimme die Form und benenne die Funktion des Modus von: eveniat (V. 15).
Benenne und erkläre die Konstruktion: per me comitata (V. 18).
Fertige eine metrische Analyse der Verse 8 und 9 an (Längen und Kürzen). Benenne auch die auftretende metrische Besonderheit.

Arbeite aus dem vorliegenden Übersetzungstext typische Merkmale der römischen Liebeselegie heraus.
Wähle aus dem Text zwei verschiedene Stilmittel aus. Benenne sie und erkläre ihre Wirkung an der jeweiligen Textstelle.
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Die Band REDWEIK stellt in ihrem Song Hochhaus (2014) die Sicht eines lyrischen Ichs auf seine Liebesbeziehung dar:
Hochhaus1Wir haben wieder mal geredet, über alles diskutiert,2doch für mich gibt’s keine Antwort, wer wir sind, wohin3das führt.4Du hast es ja gesagt, ich quäl‘ mich jeden Tag,5weil ich hoff‘, dass es so wird, wie ich’s schon immer will.6Das mit uns ist eine Achterbahn.7Mir ist schon langsam schlecht vom Fahr’n.8Ich halt‘ das nicht mehr aus. Ich muss hier raus.9Ich werd‘ unsere Liebe von einem Hochhaus stürzen,10das allerletzte Gefühl noch töten.11Der Welt beweisen, dass es ohne dich auch geht.12Werd‘ mein Herz ans nächste Bahngleis ketten,13dann kannst nicht mal mehr du es retten.14Wir warten einfach auf den nächsten Zug.15Was heißt, du liebst mich wirklich, doch es ist dir zu16riskant?17Du willst dich noch nicht entscheiden,18da haben sich andere schon verbrannt.19Wir sehen mal, was passiert, ob das zwischen uns erfriert.20Doch das ist nicht mein Plan, ich bin nicht die letzte Wahl.21Ich hab‘ genug von unsrer Achterbahn,22mir ist schon lange schlecht vom Fahr’n.23Ich halt‘ das nicht mehr aus. Ich muss hier raus. […]24Es ist schon lang genug.25Genug ist genug.Vergleiche den Song Hochhaus mit dem vorliegenden lateinischen Übersetzungstext.
Der spanische Künstler Fran Recacha hat auf seinem Gemälde Eros (2010) den Liebesgott Amor (= Eros) dargestellt:

Nimm Stellung, ob dieses Gemälde passend für das Cover einer Textausgabe zu den Liebeselegien von Properz, Tibull und Ovid wäre.
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Übersetzung:
(Die hier abgedruckte Übersetzung dient lediglich zur Orientierung. Sie stellt keine verbindliche Maßgabe für die Korrektur dar. Die Zahlen in den eckigen Klammern beziehen sich auf die Verszahlen im Übersetzungstext.)
II. Aufgaben lösen
eveniat: 3. Sg. Konjunktiv Präsens Aktiv von evenire / Optativus (oder Iussivus)
per me comitata: Participium coniunctum /comitata: PPP, Zeitverhältnis: vorzeitig, im Nom. Sg. f. von comitare bzw.comitari / Bezugswort ist die im Prädikat placebas enthaltene in der 2. Person Singular angesprochene Geliebte.

Metrische Besonderheit in V. 8: Synaloephe bzw. Elision (Ergego).
Einleitung:
Der vorliegende Übersetzungstext aus Ovids Amores gibt das Erleben und Empfinden eines elegischen Ichs wieder, das entschlossen ist, sich aus der Beziehung zu seiner untreuen, lasterhaften und verlogenen Geliebten zu befreien.
Bei seiner literarischen Gestaltung dieser Situation verwendet Ovid typische Merkmale der römischen Liebeselegie, die im Folgenden dargelegt werden.
Ergebnisse:
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Form: Der vorliegende Text ist im elegischen Distichon, dem traditionellen Metrum der Gattung Liebeselegie, verfasst.
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Thema und Grundsituation: Die römische Liebeselegie grenzt politische Themen weitgehend aus und konzentriert sich auf private. Auch der vorliegende Übersetzungstext ist auf das private Thema Liebe ausgerichtet. Er beinhaltet die typische Grundsituation der Liebeselegie: Ein elegisches Ich, der amator, reflektiert seine Erfahrungen mit der Geliebten und seine Gefühle.
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Liebe als Leidenszustand: Das Leiden an der Liebe ist ein typisches Motiv bei allen römischen Liebeselegikern. Im vorliegenden Übersetzungstext leidet der amator an der Liebe zur untreuen Geliebten (V. 1: tuli; V. 8: sustinui). Auch hadert er grundsätzlich mit der Liebe: Er beschimpft sie als schändlich (V. 2: turpis amor) und stellt sie wie ein gebändigtes Tier dar, das er endlich besiegt zu haben meint (V. 4:domitum … amorem).
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Liebe als Dauerzustand (foedus aeternum): Dass das elegische Ich lange Zeit geduldig gewesen ist und viele Demütigungen ertragen hat (V. 1: diuque tuli … patientia; V. 16: Quando ego non fixus lateri patienter adhaesi), macht deutlich, dass es die Liebe als unauflösliches Bündnis, als foedus aeternum, versteht, das nicht leichtfertig beendet wird. Ein solches Verständnis von Liebe ist typisch für das elegische Ich der Liebeselegie.
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Liebe als Sklavendienst (servitium amoris): Das elegische Ich charakterisiert sich im vorliegenden Text selbst indirekt (V. 3: adserui iam me fugique catenas) und auch direkt (V. 11:servus ut) als Sklaven, obwohl es formal dem Stand eines freien römischen Bürgers angehört (V. 9: ingenuum … corpus). Diese Selbstbezeichnung verdeutlicht seine Position im Machtgefälle der Beziehung: Emotional ist das elegische Ich der Geliebten unterlegen und von ihr abhängig. Auch das ist ein typisches Merkmal der römischen Liebeselegie.
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Situation des Paraklausithyrons: Ein typisches Merkmal der Liebeselegie ist die Situation des exclusus amator, der nachts auf der harten Schwelle vor der Haustür seiner Geliebten liegt und devot auf Einlass wartet. Eine solche Situation wird auch im vorliegenden Text geschildert (V. 8 f.: foribus tam saepe repulsus … dura ponere corpus humo).
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Eifersucht auf Nebenbuhler: Mit dem Paraklausithyron ist typischerweise auch die Eifersucht auf einen Nebenbuhler verbunden, der sexuelle Freuden im Haus der Geliebten genießt, während das vor der Tür ausharrende elegische Ich sich nach genau diesen sehnt. Im vorliegenden Text wird dargestellt, wie das elegische Ich eifersüchtig beobachtet, wie ein Rivale erschöpft von der Liebesnacht das Haus der Geliebten verlässt (V. 12 f.: Vidi, cum foribus lassus prodiret amator invalidum referens emeritumque latus).
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Liebe als Kriegsdienst (militia amoris): Ein typisches Motiv der Liebeselegie, nämlich dass Liebe als Kriegsdienst empfunden wird, klingt an, wenn das elegische Ich den Unterleib des Rivalen nach der Liebesnacht bei der Geliebten mit dem militärischen Begriff „ausgedient” (V. 13: emeritum) beschreibt. Auch der Begriff hostibus in Vers 15 spielt auf den kriegerischen Bereich an.
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Hervorheben der Verdienste des elegischen Ichs um die Geliebte: In der römischen Liebeselegie stellt das elegische Ich häufig heraus, was es alles für die Geliebte getan hat. Im vorliegenden Text betont es, dass es immer verlässlich und geduldig an der Seite des Mädchens gestanden habe, sogar in der Mehrfachfunktion als Beschützer, Partner und Begleiter (V. 16 f.: fixus lateri patienter adhaesi, ipse tuus custos, ipse vir, ipse comes). Auch habe seine Begleitung dazu geführt, dass die Geliebte positives Aufsehen in der Öffentlichkeit erregt habe (V. 18: populo per me comitata placebas).
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Preisen der Liebe in ihrer Hochphase: Das aktuelle Leiden des elegischen Ichs wird in der römischen Liebeselegie häufig mit dem Zustand des Glücks in der Hochphase der Beziehung kontrastiert. Im vorliegenden Text betont das elegische Ich, dass die Liebesbeziehung zwischen ihm und der Geliebten einstmals sogar Vorbildcharakter für andere gehabt habe (V. 19: Causa fuit multis noster amoris amor).
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Darlegung der Schlechtigkeit des Mädchens: Das elegische Ich führt sich und der Leserschaft die Lasterhaftigkeit des Mädchens vor Augen, die sich in Verlogenheit (V. 20:Turpia … vanae mendacia linguae) und sogar falschen Schwüren gegenüber den Göttern (V. 21: periuratos … deos) äußert. Dass der leidende Liebende sich negative Eigenschaften des Mädchens vor Augen führt und die Beziehung aufgrund dieser beenden möchte, ist ein typisches Merkmal der römischen Liebeselegie.
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Situation erotischer Heimlichkeiten beim Gastmahl: Ein typisches Merkmal der römischen Liebselegie ist die heimliche Kommunikation von Liebenden bei einem Gastmahl, mal zugunsten, mal zulasten des elegischen Ichs. In diesem Fall ist das elegische Ich der Leidtragende, der bei einem Gastmahl geheime Zeichen zwischen der Geliebten und anderen jungen Männern wahrnimmt (V. 22 f.: Quid iuvenum tacitos inter convivia nutus verbaque compositis dissimulata notis?).
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Liebe als Gegenwelt zur Lebensform der römischen Oberschicht: Das elegische Ich repräsentiert eine dem römischen Wertesystem entgegengesetzte Lebensform, indem es dem geltenden Männlichkeitsideal gänzlich zuwiderhandelt: Es stellt die Liebe, nicht das Wirken für den Staat ins Zentrum seines Lebens und ordnet sich einer – noch nicht einmal standesgemäßen – Frau unter. Dieses typische Merkmal der Liebeselegie wird im vorliegenden Text zum Beispiel daran deutlich, dass der amator sich von der Geliebten zum Narren halten lässt: Von Sinnen vor Sorge eilt er dienstfertig zu ihr, als sie angeblich krank ist, erwischt sie dann aber kerngesund mit einem anderen Mann (V. 24 f.: Dicta erat aegra mihi. Praeceps amensque cucurri. Veni, et rivali non erat aegra meo).
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Ungleichgewicht zwischen dem elegischen Ich und seiner Geliebten: Typischerweise ist die Beziehung zwischen dem amator und seiner puella in der römischen Liebeselegie durch Gegensätze geprägt, die schwer vereinbar sind. Der treuen Liebe eines moralisch integren Römers der Oberschicht steht häufig die Treulosigkeit einer Geliebten aus dem Milieu der Freigelassenen gegenüber. Häufig trägt die Angebetete des elegischen Ichs in der römischen Liebeselegie hetärenhafte Züge. Diese Konstellation könnte auch im vorliegenden Text der Fall sein, denn die Geliebte gibt sich nicht nur einem Rivalen wie dem in den Versen 12 bis 14 erwähnten amator hin, sondern pflegt auch Kontakte zu verschiedenen weiteren jungen Männern (V. 22: iuvenum), während das elegische Ich in seiner Liebe treu und beständig ist (V. 16: Quando ego non fixus lateri patienter adhaesi).
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Gedanken an eine Trennung von der Geliebten:Dass gedanklich mit der Trennung von der Geliebten gespielt wird, ist ein typisches Merkmal der römischen Liebeselegie. Gerade am Anfang und am Schluss des vorliegenden Textes zeigt sich das elegische Ich entschlossen, seinem Leid durch Trennung ein Ende zu setzen (V. 3: adserui iam me fugique catenas; V. 26: Quaere alium pro me, qui velit ista pati! ), nicht mehr auf die Schmeicheleien der Geliebten zu hören (V. 27 f.: Desine blanditias … perdere! ) und endlich klug zu agieren (V. 28: Non ego sum stultus, ut ante fui).
Fazit:
Die Vielzahl an typischen Merkmalen der römischen Liebeselegie macht deutlich, dass Ovid im vorliegenden Übersetzungstext das Repertoire der Gattung voll ausschöpft und der Leserschaft ein typisches elegisches Ich in einer typischen elegischen Konstellation und Situation präsentiert.
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Hendiadyoin: Perfer et obdura! (V. 6)
Die Leserschaft wird auf diese Textstelle aufmerksam, weil in einem kurzen Satz mit perfer und obdura zwei Prädikate nebeneinanderstehen, die die gleiche Bedeutung, nämlich „Halte aus!“, haben.
Dadurch dass ein und derselbe Inhalt mit Hilfe von zwei nahezu synonymen Verben zum Ausdruck gebracht wird, nimmt die Leserschaft ihn verlangsamt über die Einzelteile wahr und er erhält größeres Gewicht.
Ovid verstärkt mit Hilfe dieses Hendiadyoins die Eindringlichkeit, mit der das elegische Ich sich selbst auffordert, den Liebeskummer auszuhalten. Dessen emotionaler Zustand ist so labil, dass es sich selbst mit verdoppeltem Wort- und Kraftaufwand beschwören muss, stark zu bleiben. -
Anapher: ipse tuus custos, ipse vir, ipse comes (V. 17)
Diese Textstelle erregt die besondere Aufmerksamkeit der Leserschaft, weil jedes der drei Glieder der vorliegenden Aufzählung mit demselben Wort, nämlich mit ipse, beginnt.
Der Gleichklang der Aufzählungssegmente bewirkt, dass die Leserschaft diese als Einheit wahrnimmt. Durch die Wiederholung erlangt das Pronomen ipse dabei besonderes Gewicht.
Das entspricht dem Inhalt der Textstelle: Das elegische Ich hebt hervor, welche drei zentralen partnerschaftlichen Funktionen es an der Seite des Mädchens erfüllt habe: Beschützer (custos), Mann (vir) und Gefährte (comes). Dabei stehen jedoch nicht diese einzelnen Funktionen an sich im Vordergrund, sondern sie repräsentieren in ihrer Gesamtheit den Wert des elegischen Ichs für die Geliebte. Die persönliche Leistung des so verlässlich Liebenden wird durch das wiederholte, auf ihn bezogene ipse in den Vordergrund gerückt.
Einleitung:
Die vorliegenden Texte, die Liebeselegie von Ovid und der Song Hochhaus von REDWEIK, sind in einem Abstand von ungefähr 2000 Jahren verfasst worden, setzen sich aber beide mit dem Thema Liebe auseinander. Der folgende Vergleich soll zeigen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede beide Texte aufweisen.
Ergebnisse:
Gemeinsamkeiten:
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Sprechsituation: In beiden Texten reflektiert ein elegisches bzw. lyrisches Ich seine Gedanken und Gefühle bezüglich seiner unglücklichen Liebesbeziehung zu einem bzw. einer Geliebten (z. B. V. 9: Ich werd‘ unsere Liebe von einem Hochhaus stürzen; V. 1: Multa diuque tuli; V. 26: Quaere alium pro me, qui velit ista pati!).
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Leiden an der Beziehung: In beiden Texten äußert das Ich eine massive Unzufriedenheit mit der Beziehung. Das lyrische Ich inHochhausspricht von Quälerei (V. 4: ich quäl‘ mich jeden Tag) und davon, dass es den aktuellen Zustand nicht mehr aushalten könne (V. 8 und 23: Ich halt‘ das nicht mehr aus. Ich muss hier raus). Ovids elegisches Ich konstatiert, dass seine Geduld am Ende sei (V. 1:patientia victa est), und erteilt der Liebe eine deutliche Absage (V. 2: Cede …, turpis amor! ).
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Stabilitätsdefizit in der Beziehung: Das lyrische Ich in Hochhaus vergleicht seine Beziehung mit einer Achterbahn (V. 6: Das mit uns ist eine Achterbahn.) und verdeutlicht damit das permanente Auf und Ab und die fehlende Stabilität zwischen sich und seinem Partner bzw. seiner Partnerin. Ovid benennt diesen Aspekt im vorliegenden Text zwar nicht direkt, macht aber durch unterschiedliche Gefühlslagen seines elegischen Ichs deutlich, dass dieses in der Beziehung zur puella ebenfalls keine Stabilität und Verlässlichkeit erlebt: Es schwankt zwischen Sehnsucht (V. 8 f.), Eifersucht auf einen Nebenbuhler (V. 12 f.), auch Scham darüber, von diesem gesehen worden zu sein (V. 14 f.), und zwischen Stolz auf die Beziehung (V. 18 f.) sowie wütender Enttäuschung über die Verlogenheit der Geliebten (V. 20–25).
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Wortfeld „Aushalten“: In beiden Texten kommt mehrfach das Verb „aushalten“ vor. Im Song Hochhaus äußert das lyrische Ich den SatzIch halt‘ das nicht mehr aus (V. 8 und 23), um deutlich zu machen, dass es dringend aus der achterbahnartigen Beziehung aussteigen muss. Ovid verwendet Verben dieses Wortfelds, um zu zeigen, welches Leid und welche Demütigungen sein elegisches Ich in der Beziehung zur Geliebten schon ausgehalten hat (V. 1: Multa diuque tuli; V. 8: Ergo ego sustinui; V. 26: ista pati) und welchen Schmerz es durch die Trennung von ihr noch wird aushalten müssen (V. 6: Perfer et obdura! Dolor hic tibi proderit olim).
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Körperliche Auswirkung des Leidens: Bei beiden Texten zeigt sich das Leiden an der Beziehung auch in körperlichem Unwohlsein: Das lyrische Ich in Hochhaus spricht davon, dass ihm schon langsam schlecht sei (V. 7). Ovids elegisches Ich äußert Erschöpfung (V. 2: fatigato pectore, V. 7: lassis).
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Dauer des Leidens: In beiden Texten äußert das lyrische bzw. elegische Ich, dass der Zustand, in dem die Beziehung als unzureichend wahrgenommen wird, schon lange anhalte (V. 22: mir ist schon lange schlecht, V. 24: Es ist schon lang genug; V. 1: diu… tuli).
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Haltung von Entschlossenheit: Sowohl das lyrische Ich in Hochhaus als auch Ovids elegisches Ich beenden mit großer Klarheit und Entschlossenheit ihre Liebe und Beziehung. Im Songtext zeigt sich dies an den beiden drastischen Metaphern, die Liebe von einem Hochhaus stürzen (V. 9) und das eigene Herz ans nächste Bahngleis ketten zu wollen (V. 12), damit es vom Zug überrollt werde, außerdem im Schlussfazit (V. 24 f.:Es ist schon lang genug. Genug ist genug.). Im Ovid-Text wird diese Entschlossenheit besonders an der Aussage, mit der Geduld am Ende zu sein (V. 1: patientia victa est), an der Erwähnung der gewachsenen Hörner (V. 5: Venerunt … cornua sera) und an den Aufforderungen in Vers 2 (Cede …, turpis amor!) sowie in Vers 26 (Quaere alium pro me, qui velit ista pati! ) deutlich.
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Abgrenzung und Selbstbewusstsein: Mit dem eindeutigen Entschluss zur Trennung ist in beiden Texten auch verbunden, dass das lyrische bzw. elegische Ich sich von der Partnerin bzw. dem Partner abgrenzt und Klarheit über sich selbst erlangt. Das lyrische Ich in Hochhaus grenzt sich von der Beziehungsauffassung seiner Partnerin bzw. seines Partners ab und nimmt seinen eigenen Wert wahr (V. 17-20: Du willst dich noch nicht entscheiden … Doch das ist nicht mein Plan, ich bin nicht die letzte Wahl). Ovids elegisches Ich grenzt sich deutlich von der Geliebten ab, indem es sie auffordert, sie solle sich einen anderen Dummen suchen, denn ihm fehle die Bereitschaft, weiter durch sie zu leiden (V. 26: Quaere alium pro me, qui velit ista pati! ). Am Ende der Elegie zieht es das klare Fazit, es habe selbst seine frühere Dummheit überwunden (V. 28: Non ego sum stultus, ut ante fui), also einen neuen, höheren Erkenntnisstand erlangt.
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Metaphorische Ausdrucksweise: Beide Texte verwenden lebensweltliche Metaphern, um das Herauslösen des lyrischen bzw. elegischen Ichs aus dem Liebesleid zu veranschaulichen. Mit der titelgebenden Metapher, dass das lyrische Ich die Liebe von einem Hochhaus stürzen wolle (V. 9), und auch mit der Metapher, dass es sein Herz ans nächste Bahngleis ketten (V. 12) und so auf den nächsten Zug warten (V. 14) wolle, soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es die Liebe auf eine sichere, unwiederbringliche Art und Weise abtöten möchte, um sich ganz von ihr lösen zu können. Ovid veranschaulicht mit Metaphern, dass sein amator sich bereits von der Geliebten gelöst hat, indem er sich wie ein Sklave von den Ketten befreit habe (V. 3: fugique catenas), die wie ein wildes Tier gebändigte Liebe besiegt habe und sie nun mit Füßen trete (V. 4: Vicimus et domitum pedibus calcamus amorem). Den durch die Trennung bedingten Schmerz des amators vergleicht er mit einer Medizin, die zwar bitter ist, aber Heilung in Aussicht stellt (V. 6 f.: Dolor hic tibi proderit olim: Saepe tulit lassis sucus amarus opem).
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Außenwirkung: In beiden Texten spielen für das lyrische bzw. elegische Ich die Außenwelt und seine eigene Wirkung auf diese eine gewisse Rolle. Im Song Hochhaus möchte das lyrische Ich der Außenwelt beweisen, dass es auch ohne die Partnerin bzw. den Partner zurechtkomme (V. 11: Der Welt beweisen, dass es ohne dich auch geht). Ovidsamator behauptet, er und seine Geliebte hätten einst als Paar eine so große Wirkung auf viele Mitmenschen gehabt, dass diese durch sie zur Liebe motiviert worden seien (V. 19: Causa fuit multis noster amoris amor).
Unterschiede:
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Anrede der bzw. des Geliebten: Während im Song Hochhaus die bzw. der Geliebte durchgehend durch Personalpronomina der 2. Person Singular angesprochen wird (V. 4: Du hast es ja gesagt) oder durch Verwendung von Pronomina der 1. Person Plural gedanklich mit einbezogen wird (V. 1:Wir haben wieder mal geredet), redet Ovids elegisches Ich die Geliebte nur vereinzelt direkt an (V. 10: tu; V. 17 f.:tuus … placebas; , V. 26 f.: Quaere und Desine) und äußert sich überwiegend in der 3. Person über sie (z. B. V. 24 f.) bzw. in der 1. Person Singular über sein Erleben der Beziehung mit ihr (z. B. V. 20 – 25). Dadurch wird im lateinischen Text eine größere Distanz zur Geliebten deutlich als im Song.
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Geschlecht des/der untreuen Geliebten: Bei Ovid ist für die Leserschaft klar ersichtlich, dass es sich um ein männliches elegisches Ich handelt, das sich mit der Beziehung zu einer weiblichen Geliebten auseinandersetzt (z. B. V. 17 f.: ipse vir …? … per me comitata placebas). Im Song Hochhaus hingegen ist eine eindeutige Geschlechterzuordnung des lyrischen Ichs und der bzw. des Geliebten nicht möglich.
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Diskurs über die Beziehung: Gleich zu Beginn des SongsHochhausist davon die Rede, dass das lyrische Ich und sein Partner bzw. seine Partnerin viel, aber ergebnislos über ihre Beziehung gesprochen hätten (V. 1 ff.: Wir haben wieder mal geredet, über alles diskutiert, doch für mich gibt’s keine Antwort, wer wir sind, wohin das führt). Bei Ovid hingegen wird nicht erwähnt, dass das elegische Ich und seine Geliebte ihre Beziehung gemeinsam in einem Gespräch reflektiert hätten.
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Ursache für das empfundene Leid: Im Song Hochhaus leidet das lyrische Ich zum einen darunter, dass die Beziehung nicht so ist, wie es sie sich wünschen würde (V. 4 f.: ich quäl‘ mich jeden Tag, weil ich hoff‘, dass es so wird, wie ich’s schon immer will). Zum anderen scheint die Partnerin bzw. der Partner sich nicht endgültig auf das lyrische Ich festlegen zu wollen, sondern noch auf der Suche nach einem geeigneteren Partner zu sein (V. 15 ff.: doch es ist dir zu riskant? Du willst dich noch nicht entscheiden). Beide Beteiligte nehmen die Beziehung somit als defizitär wahr. Bei Ovid hingegen liegt die Ursache für das Leid des lyrischen Ichs eindeutig an der Untreue und Verlogenheit der Geliebten. Die Klage darüber nimmt großen Raum im vorliegenden Übersetzungstext ein (z. B. V. 10 f.: ego nescio cui, quem tu complexa tenebas, excubui clausam servus ut ante domum? ; V. 20 f.:Turpia quid referam vanae mendacia linguae et periuratos in mea damna deos? ).
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Agieren der Geliebten bzw. des Geliebten: Während die bzw. der Geliebte im Song Hochhaus grundsätzlich treu zu sein, das lyrische Ich zu lieben (V. 15: du liebst mich wirklich), aber noch auf einen geeigneteren Partner zu warten scheint (V. 15-18), ist Ovids puella definitiv untreu und pflegt sexuelle Kontakte mit mehreren Männern (V. 12: amator; V. 22: iuvenum; V. 25:rivali). Das liegt möglicherweise in ihrem Status als Hetäre begründet.
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Zeitpunkt der Trennung: Die Band REDWEIK lässt ihr lyrisches Ich seinen Plan, die Beziehung zu beenden, im Futur formulieren (V. 9: Ich werd‘ unsere Liebe von einem Hochhaus stürzen). Die Trennung wird also in die Zukunft verlegt. Im vorliegenden Ovid-Text jedoch hat das elegische Ich die Trennung offensichtlich bereits vollzogen, denn es trifft entsprechende Äußerungen im Perfekt (V. 3 f.: adserui iam me fugique catenas … Vicimus). Im Futur reflektiert es lediglich den Nutzen, den es sich von seinem Kummer erhofft (V. 6: Dolor hic tibi proderit olim).
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Hervorheben der eigenen Verdienste: Während im Song Hochhaus keine Verdienste des lyrischen Ichs um die Beziehung herausgestellt werden, betont Ovids elegisches Ich, dass es im Gegensatz zur Geliebten ein besonders treuer, verlässlicher und umsorgender Partner gewesen sei (V. 16 f.: Quando ego non fixus lateri patienter adhaesi, ipse tuus custos, ipse vir, ipse comes? ). Ovid setzt somit das Mittel der Kontrastierung ein, der Songtext nicht.
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Metapher der Kette: Zwar wird in beiden Texten die Metapher der Kette verwendet, um die Loslösung aus der unglücklichen Liebe zu veranschaulichen, jedoch in konträrer Weise. Während im Song Hochhaus dem Herzen des lyrischen Ichs gerade Ketten angelegt werden sollen, um es am Gleis zu befestigen, vom Zug überrollen zu lassen (V. 12 ff.) und so das allerletzte Gefühl noch zu töten (V. 10), stehen die Ketten im Ovid-Text für die sklavische Bindung des elegischen Ichs an die Geliebte, die es erfolgreich überwunden hat (V. 3: fugique catenas). Im Song werden folglich Ketten angelegt, um eine Befreiung von der Liebe zu erreichen, im Ovid-Text hingegen sind sie abgelegt worden.
Fazit:
Beide Texte weisen neben der großen thematischen Parallelität etliche weitere Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede auf. Als zentrale Gemeinsamkeit fällt die Klarheit und Entschlossenheit ins Auge, mit der das lyrische bzw. elegische Ich in beiden Texten seine Entscheidung der Loslösung aus der Beziehung vertritt. Der wesentliche Unterschied liegt in den Ursachen, die diese Loslösung jeweils erforderlich machen: in der Untreue der Geliebten bei Ovid und in der mangelnden Verbindlichkeit der Partnerin bzw. des Partners im Song Hochhaus.
Dieser Unterschied liegt in den jeweiligen Kontexten beider Texte begründet: Ovid präsentiert mit dem vorliegenden Text aus den Amore seine typische Liebeselegie, zu der auch die Klage des elegischen Ichs über die Untreue seiner hetärenhaften und somit nahezu zur Untreue verpflichteten Geliebten gehört. Ovid erfüllt somit die Ansprüche der Textgattung. Der Song Hochhaus von 2014 ist thematisch keiner Gattungsnorm verpflichtet. Inhaltlich wirft die Band REDWEIK hier möglicherweise Kritik an einer Unverbindlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen auf.
Einleitung:
Das Gemälde Eros von Fran Recacha aus dem Jahr 2010 zeigt eine moderne Darstellung des Gottes Amor. Im Folgenden wird Stellung dazu genommen, ob diese Darstellung des Amor passend für das Cover einer Textausgabe zu den Liebeselegien von Properz, Tibull und Ovid wäre.
Ergebnisse:
Argumente dafür:
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Allegorische Bedeutung des Gottes Amor: Der Gott Amor (Eros) steht allegorisch für die Liebe, das zentrale Thema der Liebeselegien von Properz, Tibull und Ovid. Eine Auseinandersetzung mit ihm findet in den Texten aller drei Elegiker statt. Daher wäre eine Abbildung des Gottes auf dem Cover einer Textausgabe zur römischen Liebeselegie grundsätzlich passend.
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Modernität der Darstellung: Der abgebildete Amor sieht mit seinen Jeans, Dartpfeilen und seinem durchtrainierten Körper wie ein moderner attraktiver junger Mann aus. Er entspricht dem heutigen männlichen Schönheitsideal. Ein Cover mit einer so modernen Darstellung des Liebesgottes würde suggerieren, dass die mehr als 2000 Jahre alten lateinischen Liebeselegien thematisch immer noch brandaktuell sind, und es würde gerade die jugendliche Leserschaft einer Textausgabe für die Schule ansprechen.
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Amor als machtvoller Gott: Auf dem Gemälde wird der Gott Amor durch seinen durchtrainierten Körper und die starken Flügel als kraftvoll und mächtig dargestellt. Das entspricht der Macht, die ihm von allen drei römischen Liebeselegikern zugesprochen wird. Vor allem bei Properz und Tibull, teilweise aber auch bei Ovid wird Amor als übermächtiger Gott charakterisiert, dem das elegische Ich gänzlich ausgeliefert ist.
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Amor als Repräsentant des Prinzips Hoffnung: Der eintätowierte Schriftzug Hope auf dem Nacken Amors zeigt, dass der Liebesgott mit dem Prinzip Hoffnung in Verbindung gebracht wird. Immer wieder lässt er bei den durch seine Liebespfeile getroffenen Protagonisten die Hoffnung auf Erfüllung in der Liebe aufkommen. Die Liebenden in den Texten aller drei Elegiker sind permanent von dieser Hoffnung getrieben. Vor allem bei Properz und Tibull werden sie als Spielball Amors und der Hoffnungen, die er in ihnen weckt, dargestellt.
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Amor als Aggressor: Die geneigte Kopfhaltung, das dunkle, gewellte Haar und der starre, fokussierte Blick Amors erinnern an einen Stier, der sich bereit zum Angriff macht. Auch die schon angespannten Flügel, die wie zum Schwungnehmen aufgestützten Arme und die ergriffenen Pfeile auf dem Gemälde deuten an, dass Amor kurz davor ist, neue Opfer anzugreifen. Gerade wenn man die heftige, unkontrollierbare und überwältigende Wirkung Amors betrachtet, die den Liebenden vor allem in den Elegien von Properz und Tibull überfällt und zum hilflosen Opfer macht, erscheint diese Darstellung Amors auf dem Gemälde passend für das Cover einer entsprechenden Textausgabe.
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Treffsicherheit der Dartpfeile: Fran Recacha wählt auf seinem Gemälde Dartpfeile als Waffen Amors. Diese können zum einen so gedeutet werden, dass sie besonders zielsichere Pfeile sind, die aus recht kurzer Distanz mit hoher Treffsicherheit ins Schwarze zielen. Diese Deutung würde wiederum die hohe Wirksamkeit des übermächtigen Gottes Amors bestätigen und gut zu den Liebeselegien von Properz und Tibull, aber auch zu denen Ovids passen.
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Spielerischer Charakter der Dartpfeile: Man könnte die Dartpfeile als Symbole des Spiels oder spielerischen Wettkampfes ansehen. Diese Deutung würde ausschließlich zu den Liebeselegien Ovids passen, der in seinen Amores im Unterschied zu Properz und Tibull den leichten und spielerischen Charakter der Liebe in den Vordergrund rückt.
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Anzahl der Pfeile: Auf dem Gemälde befinden sich drei Dartpfeile, zwei davon liegen fest in der Hand des Gottes, einer liegt unberührt daneben auf der Sitzfläche des Hockers. Diese Dreizahl könnte man auf dem Cover einer Textausgabe als versteckten Bezug auf die drei Liebeselegiker Properz, Tibull und Ovid verstehen. Dabei könnte man die beiden Pfeile in der Faust Amors auf die Liebenden bei Properz und Tibull beziehen, die Amor fest im Griff hat, und den dritten Pfeil auf Ovids größere Freiheit und Leichtigkeit im Umgang mit dem Thema Liebe.
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Körperliche Attraktivität: Dass der Gott Amor auf dem Gemälde mit seinem schwarzen, gewellten Haar und seinem durchtrainierten Körper selbst als besonders attraktiv dargestellt wird, passt gut zur Gattung der Liebeselegie. Es geht in den Texten der Liebeselegiker zwar nie um das Aussehen Amors, sondern vor allem bei Ovid um die äußere Schönheit und Perfektion der Geliebten Corinna. Ein als besonders gut aussehend gestalteter Amor impliziert jedoch, dass körperliche Attraktivität in der Liebe eine wichtige Rolle spielt, und ist daher gut geeignet für das Cover einer Textausgabe zur Liebeselegie.
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Symbolhaftigkeit der Tapete im Hintergrund: Auf der Tapete im Bildhintergrund sind geschwungene, fließende Blumen- und Blättergirlanden dargestellt. Sie können als Symbol für die Schönheit eines von Liebe erfüllten Lebens gedeutet werden, als Traum, den Amor möglicherweise mit seinen Pfeilen erfüllen kann. Einem solchen Traum von einem erfüllten Liebesleben entsprechen vor allem die Liebeselegien von Properz und Tibull mit ihrer Sehnsucht nach einem foedus aeternum.
Argumente dagegen:
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Modernität der Darstellung: Der abgebildete Amor sieht mit seinen Jeans, Dartpfeilen und seinem durchtrainierten Körper wie ein attraktiver junger Mann der heutigen Zeit aus. Ein Cover mit einer so modernen Darstellung des Liebesgottes passt nicht zu einer Textausgabe, die über 2000 Jahre alte, in einem ganz anderen gesellschaftlichen Kontext verfasste und heute kaum noch aktuelle Liebesgedichte enthält.
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Amor als Erwachsener: Fran Recacha gestaltet seinen Amor als muskulösen, erwachsenen Mann. Diese Darstellung widerspricht gänzlich Ovids Darstellung des Liebesgottes im ersten Gedicht seiner Amores. Amor wird dort als puer, also als Kind dargestellt. Ein Cover mit dem Gemälde Eros würde folglich einen Eindruck von dem Liebesgott erwecken, den die Liebeselegien der dazugehörigen Textausgabe nicht bestätigen würden.
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Härte Amors: Der unbewegte, ernste, harte Gesichtsausdruck Amors auf dem Gemälde passt nicht zum spielerisch-humoristischen Charakter der meisten Liebeselegien Ovids. Für diesen Teil der Textausgabe wäre das Gemälde als Coverbild daher unpassend.
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Amor als Repräsentant des Prinzips Hoffnung: Der eintätowierte Schriftzug Hope auf dem Nacken Amors erweckt den Eindruck, dass der Liebesgott für das Prinzip Hoffnung steht, also etwas Positives verkörpert. Die Liebeselegien vor allem von Properz und Tibull widersprechen dem jedoch und zeigen, dass Liebe von Enttäuschungen geprägt ist, Leid hervorruft und zum Scheitern verurteilt ist. Daher passt ein Verweis auf Hoffnung nicht zu den Texten der Liebeselegiker, vor allem nicht zu denen von Properz und Tibull.
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Attraktivität des Gottes: Dass Amor selbst auf dem Gemälde von Fran Recacha als attraktiv dargestellt wird, passt nicht zu den Liebeselegien von Properz, Tibull und Ovid, denn in ihnen geht es lediglich um die äußere Attraktivität der puellae. Das Aussehen des Gottes ist in den Texten gänzlich irrelevant. Es geht lediglich um seine Wirksamkeit als Initiator und Lenker der menschlichen Liebe.
Fazit:
Insgesamt sprechen zahlreiche Argumente dafür, dass das Gemälde Eros von Fran Recacha sich sehr gut für das Cover einer Textausgabe zu den Liebeselegien von Properz, Tibull und Ovid eignen würde. Die Darstellung des Liebesgottes stimmt nicht in allen, aber in vielen Merkmalen mit dem Wirken Amors bei den Liebeselegikern überein, vor allem was dessen aggressive Durchsetzungsfähigkeit und seine Macht betrifft. Die moderne Gestaltung des Liebesgottes bei Recacha könnte gerade für einen Verlag, der in erster Linie materielle Interessen vertritt, ein Argument für die Wahl als Coverbild sein, denn der dadurch entstehende Aktualitätsbezug würde die Attraktivität einer entsprechenden Textausgabe gerade für eine junge Leserschaft deutlich erhöhen.