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Was ist die allgemeingültige Definition?
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In Umfragen geben fast 100 Prozent an: Eine Familie ist ein Paar mit mindestens einem Kind.
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Das ist die Kernfamilie, auch nach wissenschaftlicher Definition. Aber welche Personen für den
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Einzelnen über diesen engen Kreis hinaus im weiteren Sinne noch zur Familie gehören, Groß-
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eltern zum Beispiel, ist individuell höchst unterschiedlich. Das hängt davon ab, zu welchen
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Menschen wir eine intensive Verbundenheit spüren. In der Regel schwindet dieses Gefühl, je
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mehr der Verwandtschaftsgrad abnimmt. Zudem ist die Familie kein starres Gebilde, sondern
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durchläuft eine Entwicklung – zumal, wenn sich durch Trennung oder Scheidung neue Kons-
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tellationen ergeben. [...]
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Welche Folgen hat es, wenn man nur mit einem Elternteil aufwächst?
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Die Familienkonstellation kann im Einzelfall einen beträchtlichen Unterschied machen. Auch
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Alleinerziehende vermögen ihren Kindern natürlich Zuneigung und Fürsorge zu schenken, aber
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in der Regel haben sie nicht die materiellen Ressourcen, um ihren Nachwuchs optimal zu ver-
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sorgen. Oft fehlt auch die Zeit. Denn sie müssen allein eine Wohnung finanzieren und den Le-
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bensunterhalt sichern. Ein Paar ist daher meist besser dazu in der Lage und vermag Kindern so
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einen günstigeren Start ins Leben zu bieten.
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Es gibt das Vorurteil, dass Kinder in Patchwork-Familien generell schlechter gestellt seien.
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Nein, das ist so pauschal falsch. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Patchwork-Familien
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sind zwar möglicherweise konfliktträchtiger - aber solange alle Beteiligten miteinander aus-
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kommen, müssen sie im Vergleich zur traditionellen Konstellation nicht im Nachteil sein. Ent-
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scheidend für die Entwicklung eines Kindes ist, in welchem „Familienklima" es aufwächst.
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Was ist darunter zu verstehen?
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„Familienklima" ist ein Begriff für den Umgang von Eltern und Kindern untereinander, vor
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allem ihre Art zu kommunizieren. Denn Familienleben ist die beständige Interaktion zwischen
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Menschen. Um das dortige Klima zu bestimmen, betrachten Forscher vor allem drei Faktoren.
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Zum einen untersuchen sie die Emotionen. Um die zu erkennen, beobachtet man zum Beispiel,
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ob die Angehörigen zärtlich zueinander sind und um das Wohl des anderen besorgt, ob sie fähig
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sind, sich nach einem Streit zu versöhnen, auf die Argumente anderer einzugehen, deren Be-
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dürfnisse zu respektieren. Oder ob jede Auseinandersetzung verbittert geführt wird und mit per-
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sönlichen Beleidigungen endet.
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Den zweiten Faktor bilden die Anregungen. Ist die Familienumgebung stimulierend? Unterneh-
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men die Eltern und die Kinder gemeinsam viele Ausflüge, helfen die Eltern bei den Hausauf-
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gaben, werden die Hobbys des Nachwuchses schon früh gefördert, oder sitzt jeder für sich vor
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dem Fernsehgerät und lässt sich berieseln?
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Schließlich gilt es, Normen und Autorität zu betrachten. Nach welchen Werten agieren die Fa-
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milienmitglieder? In der einen Familie wird ein demokratisches und gleichberechtigtes Mitei-
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nander gepflegt, in anderen wird das Wort der Eltern in jeder Situation hochgehalten. Manche
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glauben an feste Wahrheiten, wie sie zum Beispiel einige Religionen postulieren, andere sind
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offen für neue Ideen und stellen ihre Überzeugungen immer wieder infrage.
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Besteht ein Zusammenhang zwischen den drei Merkmalen?
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Nein, die Faktoren entwickeln sich weitgehend unabhängig voneinander. Es kann also durchaus
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sein, dass die Mitglieder einer Familie zärtlich miteinander umgehen, aber zugleich einander
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wenig anregen und sehr rigide Werte vermitteln.
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Oder es wird immerzu gestritten und gekämpft, aber zugleich viel Raum gewährt, sich selbst
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auszuprobieren. Jede Kombination ist möglich. Deshalb ist jede Familie für sich einzigartig.
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Und doch gibt es bessere und schlechtere Kombinationen.
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Studien zeigen, dass vor allem jenes Familienklima hilfreich ist, das sich so beschreiben lässt:
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stark positiv emotional, sehr anregend, wenig normativ und autoritär. Dann haben alle Mitglie-
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der die besten Chancen, ein glückliches und erfolgreiches Leben zu führen.
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Das mag wenig überraschen, und doch ist es für die meisten Familien extrem schwierig, dieses
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Klima auf Dauer herzustellen.
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Ein schlechtes Klima ist folglich emotional negativ, wenig anregend, ausgeprägt autoritär.
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Wie viele Kinder in Deutschland wachsen unter solchen Umständen auf?
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Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn je ungünstiger das Klima, desto eher tendieren
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Familien dazu, sich von der Außenwelt abzuschotten – und bleiben für Forscher, Behörden und
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Öffentlichkeit unsichtbar.
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Wir wissen immerhin: Die Gefahr ist besonders hoch in Familien, in denen die Eltern psychisch
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krank sind. Und es sprechen einige Schätzungen dafür, dass von den rund 13 Millionen Kindern
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in Deutschland etwa drei Millionen mit mindestens einem Elternteil aufwachsen, der wegen
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einer psychischen Störung behandelt wird.
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Wir können also davon ausgehen, dass das Familienleben in Deutschland keineswegs dem har-
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monischen Ideal entspricht, das uns vorschwebt. Viele Kinder aus solchen Familien haben spä-
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ter die gleichen Probleme wie ihre Eltern: Sie werden psychisch krank, depressiv oder alkohol-
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abhängig. Zuweilen setzt sich dieses Schicksal von Generation zu Generation fort.
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Woran liegt es, dass Menschen ihrer familiären Herkunft nur schwer entfliehen können?
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Wir nehmen unser Familienklima nun einmal mit - ganz gleich, wohin es uns als Erwachsene
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verschlägt. Es wird gewissermaßen zu einem Teil der Persönlichkeit und prägt unsere Bezie-
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hungen zu Freunden, Partnern und später den eigenen Kindern. Außerdem formt es unsere Weit-
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sicht, unsere Einstellungen, Interessen und Verhaltensweisen.
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So lernen manche Kinder zu Hause beispielsweise, dass Sucht und Gewalt legitime Strategien
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sind, mit Problemen umzugehen. Diese Weitergabe an die nächste Generation nennen Wissen-
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schaftler „intergenerationale Transmission".
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Können Sie weitere Beispiele nennen?
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Langzeitstudien zufolge übernehmen Kinder häufig die Werte ihrer Eltern, was später etwa in
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ihren politischen oder religiösen Einstellungen zum Ausdruck kommt. Selbst wenn sie auf dem
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Weg ins Erwachsenenleben zwischenzeitlich andere Pfade einschlagen, kehren doch viele zu
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den Überzeugungen ihrer Eltern zurück.
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Auch das Scheidungsrisiko wird offenbar weitergegeben. Trennungskinder lassen sich statis-
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tisch gesehen später mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit auch selbst wieder scheiden. [...]
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Die Kinder bekommen das Verhalten ihrer Eltern natürlich hautnah mit und werden es später
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höchstwahrscheinlich selbst so machen. Denn ihnen fehlen bestimmte Eigenschaften, die ihnen
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nur die Familie hätte vermitteln können.
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Im Wesentlichen kann jeder drei Eigenschaften von seiner Familie erhalten, die ihm ein Leben
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lang zugutekommen: Sicherheitsgefühl, Selbstwirksamkeit, Gemeinschaftsfähigkeit.
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Sicherheitsgefühl vermittelt die Familie, vor allem tun dies die Eltern, indem sie Geborgenheit
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spenden und beschützen. Nur wer als Kind von klein auf den Eindruck hat, dass immer jemand
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da ist, kann eine „sichere Bindung" entwickeln. Darunter verstehen Psychologen das funda-
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mentale Vertrauen, dass Menschen einem Gutes bescheren können. Das verspüren viele noch
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als Erwachsene deutlich, wenn sie in ihr Elternhaus zurückkommen oder den Duft der Lieb-
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lingsspeise aus ihrer Kindheit wahrnehmen.
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Aber es ist mehr als das. Es ist die Zuversicht, dass es immer Menschen geben wird, die in der
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Not helfen. Sicherheit ist eng an ein Klima geknüpft, in dem positive Emotionen vorherrschen.
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Wenn ein Baby dagegen oft weint und nicht angemessen getröstet wird, schreit es sich vor
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Verzweiflung das Gesicht rot. Geschieht das häufig, lernt es die Welt als trostlosen, feindlichen
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Ort kennen. Diese Unsicherheit kann einen das Leben lang begleiten.
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Was versteht man unter der zweiten Eigenschaft, der Selbstwirksamkeit?
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Das ist das Gefühl, das eigene Leben selbst in der Hand zu haben, die Dinge gestalten und auf
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die eigenen Fähigkeiten vertrauen zu können. Es ist die Gewissheit: Auch wenn harte Zeiten
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auf mich zukommen, wenn ein Problem unlösbar erscheint – irgendwie finde ich immer einen
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Und die dritte Eigenschaft: Gemeinschaftsfähigkeit?
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Das ist die Fähigkeit, sich in eine Gruppe zu integrieren und positiv mitwirken zu können. Das
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lernen wir nur in einer Familie, die uns auffordert, Verantwortung für die Folgen unseres Han-
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delns sowie für andere Menschen zu übernehmen. Voraussetzung dafür ist ein Familienleben,
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in dem es wichtig ist, auf andere einzugehen, wozu auch eine versöhnliche Streitkultur gehört.
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Am besten hierfür ist ein Klima, das positiv emotional und dabei wenig autoritär ist - aber auch
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nicht völlig antiautoritär. So lernen wir, nicht blind zu gehorchen, sondern unsere Umwelt aktiv
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mitzugestalten. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Eltern ihre Kinder nicht von der Außenwelt
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abschirmen. Sondern sie - wenn nötig auch nachdrücklich und unmissverständlich - in ihre täg-
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lichen Aktivitäten einbeziehen, zum Beispiel am Einkauf beteiligen. [...]
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Die Familie kann also auch schlechte Eigenschaften in uns wecken.
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Dazu müsste man erst einmal klären, was eine „schlechte" Eigenschaft ist. Diese Beurteilung
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liegt stets im Auge des Betrachters. Der eine schätzt zum Beispiel Durchsetzungsfähigkeit als
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eine besonders positive Eigenschaft, um sich etwa im Berufsleben behaupten zu können. Der
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andere verbindet damit übersteigerte Dominanz und eine egozentrische Haltung. Unser Urteil
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wird wesentlich davon geprägt, welche Verhaltensweisen in unseren Herkunftsfamilien als
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wünschenswert galten. [...]
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Wie stark prägen Eltern über das Erbgut unsere Psyche?
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Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Aber man sollte ohnehin bedenken: Gene und Umwelt
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wirken immer nur gemeinsam, zu jeder Eigenschaft gibt es eine genetische Basis, die durch das
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Umfeld ausgeformt wird.
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Wir wissen beispielsweise aus Studien, dass die familiären Gene maßgeblich die Intelligenz
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beeinflussen, doch das angeborene Potenzial kann noch so groß sein: Wenn wir keine Anregung
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in der Familie bekommen, kann es sich nicht vollends entfalten. Wenn zum Beispiel niemand
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abends den Kindern vorliest, die Eltern wenig mit ihnen sprechen oder ihnen kaum etwas er-
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klären, dann kann ihr Intellekt verkümmern. Eineiige Zwillinge, die in unterschiedlichen Fami-
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lien aufwachsen, stimmen daher in ihrem Intelligenzniveau häufig nur zu 50 Prozent überein.
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Formt die Familie die andere Hälfte?
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Nicht ganz. Experten schätzen den Einfluss der Umwelt - also Eltern, Kindergarten, Schule und
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so weiter - auf bis zu 30 Prozent. Die übrigen 20 Prozent bilden eine Schwankungsbreite, deren
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Ursache sich nicht aufklären lässt. Das kann bei einem Intelligenztest zum Beispiel von der
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Tagesform der Testperson oder der besonderen Situation der Testabnahme abhängen, aber auch
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von vielen anderen Einflüssen, die sich gar nicht zu erkennen geben.
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Sicher ist: Die Intelligenz ist ein Merkmal, das vergleichsweise stark durch das Erbgut beein-
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flusst wird und sich im späteren Leben kaum noch verändern lässt. Andere Charaktereigen-
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schaften dagegen lassen sich noch bis ins hohe Alter formen – die Macht der Gene ist da also
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Es besteht demnach Hoffnung, dass jemand, der aus einem wenig förderlichen Familienklima
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kommt, sich später dennoch positiv entwickelt.
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Die Hoffnung ist immer berechtigt. Der Mensch ist ja ungemein anpassungsfähig. Das ist eine
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der Erklärungen dafür, weshalb die Familie zwar mächtig ist - aber nicht allmächtig. „Prägung"
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im biologischen Sinne, also eine unwiderrufliche Festlegung bestimmten Verhaltens nach der
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Geburt, gibt es nämlich nur im Tierreich. Etwa bei Lachsen, die zwanghaft an ihren Herkunfts-
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ort zurückkehren, um dort zu laichen. Oder bei frischgeschlüpften Entenküken, die bedingungs-
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los dem ersten Lebewesen hinterherwatscheln, das sie zu sehen bekommen. [...]
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Kann es manchmal ratsam sein, den Kontakt zur Familie einzustellen?
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Nur im äußersten Notfall. Etwa wenn man jahrelang von den Eltern oder dem Partner misshan-
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delt oder sexuell missbraucht wurde. Oder wenn absolut keine friedliche und konstruktive
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Kommunikation mehr möglich ist.
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Wenn aber alle Beteiligten zu einer Familientherapie bereit sind, dann lässt sich vieles retten.
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Manchmal kann es auch helfen, nur eine Zeit lang auf Abstand zu gehen. So kann man sich
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darüber klar werden, warum es immer wieder zu Streit kommt und wie man dem begegnen
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Eine völlige Trennung hingegen - selbst wenn die eigene Familie im Vergleich zu anderen nicht
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die beste ist - schmerzt und bedeutet nicht nur eine Befreiung, sondern auch Verlust. Denn mag
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auch die Familie physisch nicht anwesend sein: Sie ist und bleibt trotzdem stets in uns präsent.