Aufgabe 2 – Verantwortung übernehmen in der globalisierten, religionspluralen Welt
Hinweis: Wähle eine der beiden Aufgaben aus und bearbeite diese.
Schwerpunktthema II
Zeige die von Matthias Hülsmann im dir vorliegenden Text dargelegten Argumente für religiöse Bildung auf (mit Zeilenangaben).
Untersuche ausgehend von den Gerechtigkeitsvorstellungen in 2. Mose 22,20-26, inwiefern diese eine „lebensentfaltende Weltdeutung“ (Text, Z. 31 f.) ermöglichen (mit Angabe der jeweiligen Bibelverse).
Entfalte John Rawls’ Gerechtigkeitskonzeption in Grundzügen.
Skizziere die hinter dem Begriff Theodizee stehende Problematik.
„Unsere Gesellschaft wird künftig noch deutlicher mit Egoismus, sozialer Kälte und einer Kultur der Ausgrenzung konfrontiert sein, die keine Schwäche zulassen will. Deshalb warne ich: Unsere Zukunft wird unbarmherziger werden.“ (Aussage eines Zukunftsforschers)
Entwickle ausgehend von der Warnung, unsere Zukunft werde unbarmherziger werden, Perspektiven für eine Kirche der Barmherzigkeit, indem du unter Verwendung von Fachwissen z. B. Schlussfolgerungen ziehst; Perspektiven, Modelle, Handlungsmöglichkeiten, Konzepte u. a. entfaltest. (Bibelstellenbelege sind nicht erforderlich.)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Wozu religiöse Bildung gut ist
1 Transzendenz = (lat. transcendere: hinüberschreiten, übertreten) beschreibt den Bezug auf einen
Gegenstandsbereich, der jenseits möglicher Sinneserfahrung bzw. vorfindbarer Wirklichkeit liegt.
2 Hybris = hier: anmaßende, hochmütige, vermessene Selbstüberschätzung
3 Aberglaub‘ = Aberglaube
4 krude = hier: merkwürdig
5 Prophylaxe = vorbeugende Maßnahme (hier: gegen Fundamentalismus)
Autorenhinweis: Matthias Hülsmann, Theologe
[Hülsmann, Matthias: https://www.rpi-loccum.de/material/pelikan/pel1_23/1_23_Huelsmann1;
Zugriff am: 20.09.2025]
(zu Prüfungszwecken bearbeitet)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hinweise zum Erwartungshorizont
Die Aufgabenstellung zielt auf die EPA-Anforderungsbereiche I und II. Der Operator „aufzeigen“ verlangt hier, die von Matthias Hülsmann im vorliegenden Text dargestellten Argumente für religiöse Bildung sachgerecht wiederzugeben.
Dies kann mit eigenen Worten oder textnah geschehen. Es ist in jedem Fall mit Zeilenangaben zu arbeiten.
Lösungsansatz
Die Aufgabenstellung verlangt das inhaltliche Erfassen der im Text dargestellten Argumente für religiöse Bildung. Dabei sind folgende Kriterien relevant: Sachgemäßheit des Textverständnisses, Differenzierung zwischen den einzelnen Argumenten sowie die strukturierte Wiedergabe der Hauptaussagen.
Ausgehend von der Aussage, dass der Mensch Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen trägt, begründet Matthias Hülsmann die Bedeutung religiöser Bildung für Individuum und Gesellschaft. Dies kann z. B. folgendermaßen dargestellt werden:
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Religiöse Bildung macht dem Menschen bewusst, dass er nicht sich selbst, sondern Gott und den Mitmenschen verantwortlich ist. Dadurch kann sie Selbstüberschätzung (Hybris) verhindern und ein verantwortungsbewusstes Handeln fördern (Z. 1–17).
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Sie schützt vor Aberglauben und irrationalen Weltdeutungen. Fehlt religiöse Bildung, können Ersatzreligionen oder lebensfeindliche Überzeugungen entstehen. Religiöse Bildung vermittelt deshalb grundlegende religiöse Kompetenzen und fördert die Unterscheidung zwischen lebensförderlichen und lebensfeindlichen Weltanschauungen (Z. 18–29).
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Religiöse Bildung hilft Menschen, die eigene Weltanschauung bewusst zu entwickeln, anstatt unreflektiert in bestimmte Überzeugungen hineinzuwachsen. Sie unterstützt somit eigenständige Urteilsbildung (Z. 27–36).
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Sie befähigt dazu, den eigenen weltanschaulichen Standpunkt zu begründen und sich kritisch mit anderen Überzeugungen auseinanderzusetzen. Dadurch werden Reflexions- und Argumentationsfähigkeit gestärkt (Z. 37–39).
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Religiöse Bildung schafft die Grundlage für einen respektvollen Dialog auf Augenhöhe. Voraussetzung dafür ist die Kenntnis der eigenen Überzeugungen sowie die Anerkennung, dass andere Menschen ebenfalls begründete Ansichten vertreten können (Z. 39–46).
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Nach Hülsmann bedeutet Toleranz nicht Gleichgültigkeit gegenüber anderen Meinungen, sondern einen respektvollen Austausch trotz unterschiedlicher Überzeugungen. Religiöse Bildung fördert daher Respekt und gegenseitiges Verständnis (Z. 47–50).
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Schließlich sieht Hülsmann religiöse Bildung als wirksamen Schutz vor religiösem Extremismus und Fundamentalismus. Sie wirkt einer Radikalisierung entgegen und dient damit der Friedenssicherung in der Gesellschaft (Z. 50–53).
Hinweise zum Erwartungshorizont
Die Aufgabenstellung zielt auf die EPA-Anforderungsbereiche II und III. Der Operator „untersuchen“ verlangt hier, die Gerechtigkeitsvorstellungen in 2. Mose 22,20–26 darzustellen und zu prüfen, inwiefern sie die im Text genannte „lebensentfaltende Weltdeutung“ ermöglichen.
Die Bibelstellen sind dabei mit Versangaben zu belegen. Außerdem sollen die Aussagen des Bibeltextes mit den Ausführungen Hülsmanns (Z. 31 ff.) verknüpft werden.
Lösungsansatz
Die Aufgabenstellung verlangt die Untersuchung der Gerechtigkeitsvorstellungen in 2. Mose 22,20–26 im Hinblick auf ihre Bedeutung für eine lebensentfaltende Weltdeutung. Dabei sind folgende Kriterien relevant: Sachgemäße Darstellung der biblischen Aussagen, Bezug zum Materialtext sowie die begründete Verknüpfung beider Texte.
Ausgehend von Hülsmanns Aussage, dass religiöse Bildung Menschen befähigt, sich bewusst für eine lebensentfaltende Weltdeutung zu entscheiden (Z. 31 ff.), lassen sich die Gerechtigkeitsvorstellungen aus 2. Mose 22,20–26 folgendermaßen deuten:
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In 2. Mose 22,20 wird gefordert, Fremde weder auszubeuten noch zu unterdrücken. Die Erinnerung an die eigene Erfahrung Israels in Ägypten begründet Mitgefühl und Solidarität. Dadurch wird eine Weltdeutung gefördert, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft schützt.
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2. Mose 22,21–23 verpflichtet dazu, Witwen und Waisen besonders zu schützen. Da diese Personengruppen sozial benachteiligt sind, fordert das Gesetz Verantwortung für die Schwächsten der Gesellschaft. Eine lebensentfaltende Weltdeutung zeigt sich somit in sozialer Gerechtigkeit und Fürsorge.
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2. Mose 22,24 verbietet es, von Armen Zinsen zu verlangen. Wirtschaftliches Handeln soll nicht auf Ausbeutung beruhen, sondern den Mitmenschen dienen. Dadurch werden Fairness und Solidarität gefördert.
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2. Mose 22,25–26 verlangt, dass ein als Pfand genommener Mantel vor Sonnenuntergang zurückgegeben wird, da der Schuldner ihn zum Leben benötigt. Die Würde und das Existenzminimum des Menschen stehen damit über wirtschaftlichen Interessen.
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Insgesamt verdeutlichen die Gebote, dass Gerechtigkeit im biblischen Verständnis immer den Schutz des Schwachen und den Erhalt menschlicher Würde zum Ziel hat. Diese Werte ermöglichen eine lebensentfaltende Weltdeutung, weil sie das Zusammenleben von Respekt, Verantwortung und Mitmenschlichkeit prägen.
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Die Aussagen stehen in engem Zusammenhang mit Hülsmanns Verständnis religiöser Bildung. Religiöse Bildung soll Menschen dazu befähigen, ihre Werte bewusst zu entwickeln und Verantwortung für andere zu übernehmen (Z. 31–39). Die Gebote aus 2. Mose 22 vermitteln genau diese Orientierung.
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Darüber hinaus fördern die biblischen Gerechtigkeitsvorstellungen den respektvollen Umgang mit anderen Menschen und bilden damit eine Grundlage für Dialog, Toleranz und friedliches Zusammenleben. Dadurch entsprechen sie Hülsmanns Forderung nach einer Weltdeutung, die dem Leben dient und Extremismus entgegenwirkt (Z. 39–53).
Insgesamt ermöglichen die Gerechtigkeitsvorstellungen in 2. Mose 22,20–26 eine lebensentfaltende Weltdeutung, weil sie den Menschen zu Verantwortung, Solidarität, Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwächsten verpflichten. Sie fördern damit Werte, die sowohl dem Einzelnen als auch der gesamten Gesellschaft zugutekommen und die von Hülsmann als Ziel religiöser Bildung beschrieben werden.
Hinweise zum Erwartungshorizont
Die Aufgabenstellung zielt auf die EPA-Anforderungsbereiche I und II. Der Operator „entfalten“ verlangt hier, die Grundzüge der Gerechtigkeitskonzeption von John Rawls sachgerecht darzustellen und ihre zentralen Elemente zu erläutern.
Dies kann mit eigenen Worten oder fachsprachlich erfolgen.
Lösungsansatz
Die Aufgabenstellung verlangt die Darstellung der wesentlichen Elemente der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls. Dabei sind folgende Kriterien relevant: Sachgemäße Verwendung der Fachbegriffe, strukturierte Darstellung der Grundgedanken sowie Erklärung der Zusammenhänge.
Ausgehend von der Frage, wie eine gerechte Gesellschaft gestaltet werden kann, entwickelt John Rawls eine Gerechtigkeitskonzeption, die sich an Fairness orientiert. Diese kann z. B. folgendermaßen dargestellt werden:
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Rawls versteht Gerechtigkeit als Fairness („Justice as Fairness“)". Gesellschaftliche Regeln sollen so gestaltet sein, dass sie für alle Menschen gerecht und nachvollziehbar sind.
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Ausgangspunkt seiner Theorie ist die Ursprungssituation (Original Position). In dieser entscheiden Menschen über die Grundregeln einer Gesellschaft, ohne ihre spätere Stellung zu kennen.
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Dieses Gedankenexperiment wird durch den Schleier des Nichtwissens (Veil of Ignorance) beschrieben. Niemand weiß, welches Geschlecht, welche Herkunft, welchen Beruf, welches Einkommen, welche Fähigkeiten oder welche Religion er später haben wird. Dadurch sollen unparteiische und faire Entscheidungen ermöglicht werden.
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Aus dieser Situation würden sich nach Rawls zwei grundlegende Gerechtigkeitsprinzipien ergeben.
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Das erste Gerechtigkeitsprinzip (Freiheitsprinzip) besagt, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden Freiheitsrechte besitzen sollen, beispielsweise Meinungs-, Religions- oder Versammlungsfreiheit.
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Das zweite Gerechtigkeitsprinzip erlaubt soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nur unter bestimmten Bedingungen. Zum einen müssen alle Menschen die gleichen Chancen auf Ämter und Positionen besitzen (Prinzip der fairen Chancengleichheit). Zum anderen dürfen Ungleichheiten nur bestehen, wenn sie den am schlechtesten gestellten Mitgliedern der Gesellschaft zugutekommen (Differenzprinzip).
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Die beiden Prinzipien stehen in einer festen Rangordnung. Die Grundfreiheiten besitzen Vorrang vor wirtschaftlichen Vorteilen und dürfen nicht zugunsten größerer Wohlstandsgewinne eingeschränkt werden.
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Ziel von Rawls' Theorie ist eine gerechte Gesellschaft, in der Freiheit, Chancengleichheit und sozialer Ausgleich miteinander verbunden werden. Dadurch sollen alle Menschen – insbesondere benachteiligte Gruppen – faire Lebensbedingungen erhalten.
Insgesamt entwickelt John Rawls eine Gerechtigkeitskonzeption, die auf Fairness, gleichen Freiheitsrechten und Chancengleichheit beruht. Mithilfe der Ursprungssituation und des Schleiers des Nichtwissens begründet er Prinzipien, die eine gerechte Gesellschaft schaffen und insbesondere die Interessen der am wenigsten Begünstigten schützen sollen.
Hinweise zum Erwartungshorizont
Die Aufgabenstellung zielt auf die EPA-Anforderungsbereiche I und II. Der Operator „skizzieren“ verlangt hier, die hinter dem Begriff Theodizee stehende Problematik in ihren Grundzügen darzustellen und die wesentlichen Aspekte knapp zu erläutern.
Dies kann mit eigenen Worten oder fachsprachlich erfolgen.
Lösungsansatz
Die Aufgabenstellung verlangt die Darstellung der grundlegenden Problematik der Theodizee. Dabei sind folgende Kriterien relevant: Sachgemäße Verwendung theologischer Fachbegriffe, strukturierte Darstellung der Problemstellung sowie Erläuterung zentraler Lösungsansätze.
Ausgehend von der Frage, wie die Existenz Gottes mit dem Leid in der Welt vereinbar ist, lässt sich die Theodizeeproblematik folgendermaßen skizzieren:
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Der Begriff Theodizee bezeichnet den Versuch, die Güte, Allmacht und Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leids und des Bösen in der Welt zu rechtfertigen.
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Das Grundproblem besteht darin, dass Gott nach christlichem Glauben zugleich allmächtig, allgütig und allwissend ist. Dennoch existieren Leid, Ungerechtigkeit und das Böse. Daraus ergibt sich die Frage, warum Gott dieses Leid zulässt.
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Dabei wird zwischen moralischem Übel und natürlichem Übel unterschieden. Moralisches Übel entsteht durch das Handeln des Menschen (z. B. Krieg, Gewalt oder Mord), während natürliches Übel durch Naturereignisse oder Krankheiten verursacht wird (z. B. Erdbeben, Überschwemmungen oder Krebs).
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Ein wichtiger Lösungsansatz ist die Freiheits-Theodizee. Gott habe den Menschen einen freien Willen gegeben. Dadurch seien Liebe und verantwortliches Handeln überhaupt erst möglich. Gleichzeitig könne der Mensch seine Freiheit missbrauchen und Leid verursachen.
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Andere Erklärungsansätze sehen Leid als Möglichkeit persönlicher Reifung oder als Folge der Unvollkommenheit der Welt. Vollständig erklären lässt sich das Leid dadurch jedoch nicht.
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Das Buch Hiob zeigt, dass unschuldige Menschen leiden können, ohne dass dieses Leid als Strafe Gottes verstanden werden darf. Eine vollständige Antwort auf die Frage nach dem Warum des Leids wird dort nicht gegeben.
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Im Christentum erhält die Theodizeefrage eine besondere Bedeutung durch Jesus Christus. Gott bleibt dem Leid nicht fern, sondern leidet in Jesus selbst mit den Menschen und eröffnet durch Kreuz und Auferstehung die Hoffnung auf Erlösung und endgültige Gerechtigkeit.
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Trotz verschiedener Erklärungsversuche bleibt die Theodizeefrage letztlich offen. Sie gehört zu den grundlegenden Herausforderungen des christlichen Glaubens und kann nicht vollständig gelöst werden.
Insgesamt beschreibt die Theodizee die Spannung zwischen dem Glauben an einen allmächtigen, gerechten und liebenden Gott und der Erfahrung von Leid und Bösem in der Welt. Verschiedene theologische Ansätze versuchen diese Spannung zu erklären, eine allgemein anerkannte endgültige Lösung gibt es jedoch nicht.
Hinweise zum Erwartungshorizont
Die Aufgabenstellung zielt auf die EPA-Anforderungsbereiche II und III. Der Operator „entwickle“ verlangt hier, ausgehend von der vorgegebenen Aussage begründete Perspektiven für eine Kirche der Barmherzigkeit zu entwerfen. Dabei sollen Fachwissen, theologische Konzepte und eigene Schlussfolgerungen miteinander verknüpft werden.
Bibelstellenbelege sind gemäß Aufgabenstellung nicht erforderlich.
Lösungsansatz
Die Aufgabenstellung verlangt die Entwicklung von Perspektiven für eine Kirche der Barmherzigkeit vor dem Hintergrund der Warnung vor einer zunehmend egoistischen und unbarmherzigen Gesellschaft. Dabei sind folgende Kriterien relevant: Sachgemäße Verwendung theologischer Fachbegriffe, Einbezug christlicher Grundvorstellungen, Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten sowie ein begründetes Gesamturteil.
Ausgehend von der Aussage, dass unsere Gesellschaft künftig stärker von Egoismus, sozialer Kälte und Ausgrenzung geprägt sein könnte, lassen sich Perspektiven für eine Kirche der Barmherzigkeit folgendermaßen entwickeln:
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Das christliche Menschenbild geht davon aus, dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt und als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Eine Kirche der Barmherzigkeit setzt sich deshalb unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder sozialem Status für jeden Menschen ein.
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Vorbild einer Kirche der Barmherzigkeit ist Jesus Christus. Sein Umgang mit Kranken, Armen, Sündern und Ausgegrenzten zeigt, dass Barmherzigkeit, Vergebung und Nächstenliebe zum Kern christlichen Handelns gehören.
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Eine Kirche der Barmherzigkeit sollte besonders Menschen unterstützen, die von Armut, Einsamkeit, Krankheit, Flucht oder gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind. Diakonisches Handeln, Seelsorge und praktische Hilfe gewinnen dadurch an Bedeutung.
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Gleichzeitig kann Kirche gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, indem sie sich öffentlich für Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Frieden und den Schutz Benachteiligter einsetzt. Sie versteht sich damit als moralische Stimme in gesellschaftlichen Debatten.
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Um sozialer Kälte entgegenzuwirken, sollte Kirche Räume schaffen, in denen Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung erlebt werden können. Offene Begegnungsangebote, Jugend- und Familienarbeit oder Hilfsprojekte fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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Auch der Dialog mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen gehört zu einer Kirche der Barmherzigkeit. Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und ein friedliches Zusammenleben zu fördern.
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Darüber hinaus kann Kirche Orientierung in ethischen Fragen geben. Sie ermutigt Menschen zu Verantwortung, Solidarität und einem Lebensstil, der sich nicht am Egoismus, sondern am Wohl des Mitmenschen orientiert.
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Gleichzeitig steht eine Kirche der Barmherzigkeit vor Herausforderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, gesellschaftliche Säkularisierung und Vertrauensverluste erschweren ihre Arbeit. Um glaubwürdig zu bleiben, muss sie ihre eigenen Werte selbst leben und Missstände innerhalb der Kirche konsequent aufarbeiten.
Begründetes Urteil
Meines Erachtens bleibt das Leitbild einer Kirche der Barmherzigkeit auch in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft von großer Bedeutung. Gerade angesichts von sozialer Spaltung, Ausgrenzung und wachsendem Egoismus kann sie wichtige Impulse für Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung geben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Kirche Barmherzigkeit nicht nur verkündet, sondern in ihrem eigenen Handeln glaubwürdig verwirklicht. Nur dann kann sie Menschen Orientierung geben und einen wichtigen Beitrag zu einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft leisten.