Aufgabe I – Ostafrika
Zu den Staaten Ostafrikas gehören unter anderem Äthiopien, Kenia und Somalia. Diese sind geprägt von einer großen naturräumlichen Vielfalt und sehen sich gleichzeitig anthropogenen Herausforderungen gegenübergestellt.
Im Afar-Dreieck (M3) kommt es zur Ausbildung unzähliger Vulkane, wie etwa dem Vulkan Mallahle im äthiopisch-eritreischen Grenzgebiet.
Erstelle ein Profil von A – D (M1) im Höhenmaßstab 1:10 000 (Längenmaßstab unverändert, Angabe der Himmelsrichtungen) und erkläre die Entstehung der Oberflächenformen zwischen B und C sowie im Bereich E.
„Im Bereich des Afar-Dreiecks kann man von einem effusiven Vulkanismus sprechen.“ Überprüfe diese Aussage anhand von M2 bis M4.
Ordne ausgehend von der globalen atmosphärischen Zirkulation die Klimadiagramme A – C (M5) den Orten Addis Abeba, Dschibuti und Mogadischu anhand von Temperatur und Niederschlag begründet zu.
Eine Dimension des globalen Klimawandels ist das Abschmelzen von Gletschern in tropischen Hochgebirgsregionen.
Vergleiche anhand von M6 die Ausmaße der klimawandelbedingten Veränderungen der Gletscher Cesar, Darwin und Gregory im Bereich des Mount Kenia.
Erkläre die jeweils beabsichtigte Funktionsweise der in M7 vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verzögerung des Abschmelzens der Gletscher in Kenia.
In Äthiopien gab es seit der Jahrtausendwende deutliche wirtschaftliche Veränderungen.
„In den letzten 20 Jahren hat sich Äthiopien wirtschaftlich positiv entwickelt.“ Überprüfe diese Aussage anhand von M8.
Erörtere ausgehend von M9 sowie von ausgewählten Aspekten aus M8 mögliche ökonomische und soziale Auswirkungen des Land Grabbing für Äthiopien.
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[LMZ GeoPortal]
M2 Der Vulkanexplosivitätsindex (VEI)
Der VEI klassifiziert die Explosivität eines Vulkanausbruchs durch die Höhe der Eruptionssäule
und das Volumen des beim Vulkanausbruch geförderten Auswurfmaterials.
Es gibt die Stufen 0 bis 8, wobei 0 effusiv und 4 bereits eine hohe Explosivität bedeutet.
Am Ende der Skala sind Ausbrüche von Supervulkanen eingeordnet.
M3 Ausgewählte Vulkanausbrüche innerhalb des Afar-Dreiecks und deren VEI

M4 Vulkanische Aktivitäten im Afar-Dreieck
1 Vulkanische Lockermaterialien, die bei explosiven Vulkanausbrüchen ausgestoßen werden und sich nach der Ablagerung verfestigen.
M5 Klimadiagramme A bis C
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A |
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|
|---|---|
|
B |
![]()
|
|
C |
![]()
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M6 Mittlere jährliche Veränderungen der Eismächtigkeiten ausgewählter kenianischer Gletscher (1950 bis 2020)
Cesar-Gletscher (0° 8´ 59´´ S / 37° 18´ 36´´ O, 4 605 m ü. M.)

Darwin-Gletscher (0° 9´ 36´´ S / 37° 18´ 37´´ O, 3 950 m ü. M.)

Gregory-Gletscher (0° 9´ 0´´ S / 37° 19´ 12´´ O, 4 630 m ü. M.)

M7 Neue Erkenntnisse zur klimawandelbedingten Gletscherschmelze am Mount Kenia
1 ESA: European Space Agency (Europäische Weltraum Agentur)
2 GlaMBIE: Glacier Mass Balance Intercomparison Exercise
M8 Ausgewählte Strukturdaten Äthiopiens
|
2003 |
2013 |
2023 |
|
|---|---|---|---|
|
Bevölkerung (in Millionen) |
72,17 |
95,39 |
128,69 |
|
BIP/ Kopf (in US- |
140 |
550 |
1511 |
|
Veränderung BIP zum Vorjahr (in %) |
-2,1 |
9,9 |
7,2 |
|
BIP nach Sektoren (in %) |
|||
|
Primärer Sektor Sekundärer Sektor Tertiärer Sektor |
43,5 9,4 47,1 |
41,4 17,9 40,7 |
35,7 27,4 36,9 |
|
Eingehende ausländische Direktinvestitionen (in Mrd. US- |
0,456 |
1,344 |
3,669 |
|
Exporte (in Mrd. US- |
0,7 |
2,4 |
3,5 |
|
Importe (in Mrd. US- |
2,5 |
12,4 |
15,3 |
|
CO₂-Emissionen pro Kopf (in t) |
0,05 |
0,1 |
0,12 |
|
Arbeitslosenquote (in %) |
3 |
2,25 |
3,4 |
|
Alphabetisierungsrate (in %) |
35,9 |
41,1 |
47,2 |
M9 Äthiopien setzt auf Agrarindustrie und Modernisierung
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Vulkangeographie im Afar-Dreieck
Profilerstellung M1:
Erklärung der Oberflächenformen:
-
Bereiches zwischen B und C (Vulkanische Caldera)
Bei der großräumigen Senke zwischen den Punkten B und C handelt es sich um eine klassische Caldera (Einsturzkrater):
-
Magmakammer-Entleerung: Durch hoch-explosiven Vulkanismus wurden innerhalb kurzer Zeit gewaltige Mengen an Magma, Asche und Gestein aus der unterirdischen Magmakammer gefördert.
-
Einsturz des Vulkandachs: Nach der schlagartigen Entleerung fehlte dem Dach des Vulkans der stützende Druck von unten. Die Decke der Magmakammer brach entlang kreisförmiger Spalten (Ringbrüche) in sich zusammen.
-
Ergebnis: Es entstand eine weiträumige, kesselförmige Vertiefung mit steil abfallenden Innenwänden an den verbliebenen Rändern B und C sowie einem verhältnismäßig flachen Kesselboden.
-
-
Bereich E
Die punktuelle Anhebung im Zentrum der Caldera (Bereich E) geht auf post-calderalen (nachvulkanischen) Vulkanismus zurück:
-
Neuer Magmaaufstieg: Nach dem großen Kesseleinsturz stieg über verbliebene Schwächezonen im Zentrum des Kraterbodens erneut Magma aus der Tiefe auf.
-
Schlackenkegel- oder Dom-Bildung: Das austretende Material lagerte sich lokal um den Förderschlot an und baute einen kleineren, sekundären Vulkanhügel (Schlackenkegel oder Lavadom) im flachen Kesselboden auf.
-
Überprüfung der Aussage zum effusiven Vulkanismus
Argumente, die die Aussage stützen (effusiver Charakter):
-
Tektonische Lage: Das Afar-Dreieck ist eine divergierende Plattengrenze, an der das Rote Meer, der Golf von Aden und der Ostafrikanische Graben auseinanderdriften (M3, M4). Die kontinentale Kruste ist stark ausgedünnt, wodurch dünnflüssiges, direkt aus dem Mantel stammendes Magma leicht aufsteigen kann.
-
Magmatische Zusammensetzung: Es dominieren Alkalibasalte mit einem geringen Kieselsäuregehalt (
-Gehalt unter 50 %) (M4). Dieses Magma ist arm an Gasen und hochgradig dünnflüssig.
-
Morphologie & Vulkantypen: Der Vulkan Erta-Ale ist ein klassischer Schildvulkan (50 km breit, nur 600 m hoch) und bekannt für ausfließende, dünnflüssige Lavaströme sowie dauerhafte Lavaseen (M4). Auch der Alayta-Vulkan weist basaltische Großformen auf.
-
Eruptionsindex: M3 zeigt im Afar-Dreieck eine hohe Dichte an Vulkanstrukturen mit dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) 0 bis 1, was laut M2 per Definition für rein effusive (ausfließende) Aktivität steht.
Argumente, die der Aussage widersprechen / sie einschränken (explosiver Charakter):
-
Magmatische Differenzierung: Im Ostafrikanischen Grabensystem treten neben Basalten auch Phonolithe (
) und Trachyte (
) auf (M4). Ein höherer Kieselsäuregehalt bedingt eine deutlich höhere Viskosität (Zähflüssigkeit) des Magmas, was zu Gasstaus und explosiven Eruptionen führt.
-
Hochexplosive Ereignisse: Der Vulkan Nabro schleuderte bei seinem Ausbruch 2012 eine Eruptionssäule von über 10 km Höhe aus, was einem VEI von 4 entspricht – laut M2 ein Nachweis für hohe Explosivität.
-
Mischformen (Stratovulkane): Der Mallahle (M1) und der Nabro sind nicht rein effusiv, sondern aus einem Wechsel von Lava und Pyroklastika (volkanischen Lockermaterialien explosiver Phasen) aufgebaut (M4). M3 verzeichnet zudem diverse Ausbrüche mit VEI 2 und 3.
Fazit: Die Aussage ist nur teilweise korrekt. Der Vulkanismus im Afar-Dreieck ist durch die Plattendivergenz zwar grundlegend effusiv geprägt (Schildvulkane, Basalt), wird jedoch lokal durch magmatische Differenzierungsprozesse im Grabenbruch von stark explosiven Phasen (VEI 4, Pyroklastika) durchbrochen.
Zuordnung und atmosphärische Begründung der Klimadiagramme
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Ort |
Diagramm |
Begründung anhand von Temperatur und Niederschlag sowie der planetarischen Zirkulation |
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Addis Abeba |
Diagramm B |
Klimatische Merkmale: Niedrige Jahresdurchschnittstemperatur ( Zirkulationsdynamik: Im Nordsommer verlagert sich die Innertropische Konvergenzzone (ITCZ) nach Norden. Addis Abeba gelangt in den Einflussbereich des feuchten Südwest-Monsuns, der an den Hängen des äthiopischen Hochlandes zu starken orografischen Steigungsregen führt. Im Nordwinter dominiert der trockene Nordost-Passat. |
|
Dschibuti |
Diagramm C |
Klimatische Merkmale: Extrem hohe Jahresdurchschnittstemperatur ( Zirkulationsdynamik: Dschibuti liegt ganzjährig im Absinkbereich der Hadley-Zelle (subtropischer Hochdruckeinfluss) bzw. im Strömungsfeld des trockenen, kontinentalen Nordost-Passats. Selbst bei der Nordverlagerung der ITCZ im Sommer verhindern ablandige Winde und die Leelage zu den umliegenden Gebirgen nennenswerte Niederschläge. |
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Mogadischu |
Diagramm A |
Klimatische Merkmale: Konstant hohe Temperaturen das ganze Jahr über (Mittel: Zirkulationsdynamik: Die zwei Regenzeiten korrespondieren direkt mit dem zweimaligen Durchgang der ITCZ (Zenitalregen) im Frühjahr und Herbst. Dass die Gesamtniederschläge trotz Äquatornähe relativ gering bleiben, liegt am ostafrikanischen Monsun, der in Küstennähe parallel zum Land streicht und durch Upwelling-Effekte (kaltes Küstenwasser) die Luftschichten stabilisiert. |
Glaziologie und Klimawandel am Mount Kenia
Vergleich der Veränderungen der Eismächtigkeit (1950 bis 2020)
-
Gemeinsamkeit: Alle drei tropischen Gletscher (Cesar, Darwin, Gregory) weisen über den Gesamtzeitraum von 1950 bis 2020 einen negativen Netto-Massenhaushalt auf; die Eismächtigkeit schrumpft langfristig als Folge des globalen Klimawandels.
-
Unterschiede: Während der Gregory- und der Cesar-Gletscher zwischen ca. 2000 und 2010 zumindest noch einen, wenn auch geringen, Zuwachs an Eis verzeichneten, blieb der Massenhaushalt beim Darwin-Gletscher seit 1950 konstant im negativen Bereich.
-
Darwin-Gletscher (3950 m ü. M. – tiefste Lage): Zeigt den konstantesten Rückgang. Bereits 1950 lag der jährliche Verlust bei ca.
und erreichte zwischen 1990 und 2020 einen Extremwert von über
Eismächtigkeit pro Jahr. Seine tiefe Lage verstärkt die Schmelzprozesse durch höhere Umgebungstemperaturen.
-
Cesar-Gletscher (4605 m ü. M. – mittlere Lage): Verlor zwischen 1950 und 1990 durchschnittlich
Eis pro Jahr. Zwischen 1990 und 2000 stieg der Verlust auf
Zwischen dem Jahr 2000 und 2015 zeigte sich eine, wenn auch direkt wieder abnehmende, Phase des Zuwachses. Ab 2015 begann dieser jedoch wieder Eis zu verlieren.
-
Gregory-Gletscher (4630 m ü. M. – höchste Lage): Weist den unregelmäßigsten Verlauf auf. Nach moderaten Verlusten (
) bis 1980 folgte ein massiver Einbruch in den 1980er und 1990er Jahren (bis
). Zwischen 2000 und 2010 zeigte er eine Phase der Akkumulation (Eiszuwachs von bis zu
), bevor er ab 2010 wieder stark in die Verlustzone (bis
) stürzte.
Funktionsweise der Anpassungsmaßnahmen
-
Abdecken mit hellen Spezialfolien: Diese Maßnahme erhöht künstlich die Albedo (Rückstrahlfähigkeit) der Gletscheroberfläche. Ein Großteil der kurzwelligen Sonneneinstrahlung wird reflektiert statt absorbiert, wodurch sich die Eisoberfläche weniger stark erwärmt und die Schmelzrate direkt gesenkt wird.
-
Reduktion von Emissionen (Rußpartikel / Black Carbon): Rußpartikel aus Verbrennungsprozessen lagern sich auf dem hellen Eis ab, dunkeln es ab und senken so die natürliche Albedo (Albedo-Feedback-Schleife). Weniger Ruß bedeutet eine saubere, helle Eisoberfläche, die weniger Strahlungswärme aufnimmt.
-
Künstliche Wolkenbildung im Nährgebiet: Durch das Einbringen von Kondensationskeimen werden künstlich Wolken erzeugt. Diese fungieren zweifach: Einerseits schirmen sie das Gletschereis gegen direkte Sonneneinstrahlung ab (Abschattungseffekt), andererseits begünstigen sie festen Niederschlag (Schnee) im Nährgebiet, was die Akkumulation (Massenaufbau) des Gletschers stärkt.
Humangeographie: Wirtschafts- und Raumentwicklung in Äthiopien
Bestätigende Indikatoren (M8):
-
Wirtschaftskraft: Das BIP pro Kopf hat sich von 140 US-
(2003) über 550 US-
(2013) auf 1511 US-
(2023) mehr als verzehnfacht.
-
Wachstumsraten: Nach einer Rezession im Jahr 2003 (
) verzeichnet Äthiopien anhaltend hohe Wachstumsraten im klar positiven Bereich (
im Jahr 2013;
im Jahr 2023).
-
Attraktivität für Investoren: Die ausländischen Direktinvestitionen stiegen rasant von 0,456 Mrd. US-
(2003) auf 3,669 Mrd. US-
(2023).
-
Sektoraler Strukturwandel: Der primäre Sektor verlor an relativem Gewicht (
), während sich der sekundäre Sektor (Industrie) von
(2003) auf
(2023) nahezu verdreifachte, was für eine erfolgreiche Industrialisierung spricht.
-
Sozialindikatoren: Die Alphabetisierungsrate kletterte von
auf
.
Relativierende / Negative Indikatoren (M8):
-
Handelsbilanzdefizit: Die Importe (15,3 Mrd. US-
im Jahr 2023) übersteigen die Exporte (3,5 Mrd. US-
) bei weitem. Das immense Handelsbilanzdefizit von knapp 11,8 Mrd. US-
führt zu starker Auslandsverschuldung.
-
Arbeitslosigkeit: Die offizielle Arbeitslosenquote stieg im letzten Dekadenschritt wieder leicht an (von
im Jahr 2013 auf
im Jahr 2023).
-
Ökologische Belastung: Die
-Emissionen pro Kopf haben sich von 2003 bis 2023 mehr als verdoppelt (
), wenngleich sie auf global niedrigem Niveau verbleiben.
Fazit: Die Aussage ist überwiegend zu bestätigen. Makroökonomisch und strukturtechnisch erlebt Äthiopien einen massiven Aufschwung und eine Modernisierung. Getrübt wird diese Dynamik jedoch durch das chronische, exzessiv wachsende Außenhandelsdefizit.
Ökonomische Auswirkungen:
-
Positiv: Land Grabbing generiert erhebliche Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen (bereits 2008 flossen 32 % in den Agrarsektor, M9) und treibt die Modernisierung der ländlichen Infrastruktur voran. Die landwirtschaftliche Gesamtproduktion stieg massiv an (
von 2000 bis 2021). Äthiopien etabliert sich als globaler Akteur im Agrarexport (fünftgrößter Blumenexporteur weltweit, M9), was Devisen einbringt.
-
Negativ: Es findet eine Fehlallokation von Ressourcen statt. Auf 95 % der verkauften Flächen werden Exportgüter (Blumen, Kaffee, Zuckerrohr) statt Nahrungsmittel für die heimische Bevölkerung angebaut. Grundnahrungsmittel wie Getreide müssen infolgedessen teuer importiert werden (M9), was das Handelsbilanzdefizit (M8) verschärft. Zudem gefährdet die agroindustrielle Monokultur auf 87 % der Flächen mit hoher Biodiversität langfristig die ökologische Wirtschaftsgrundlage (M9).
Soziale Auswirkungen:
-
Positiv: Die Entstehung großbetrieblicher Strukturen schafft formelle Arbeitsplätze im primären Sektor, in dem nach wie vor 62,4 % der Äthiopier arbeiten (M9). Die gesteigerte Wirtschaftskraft trägt indirekt zu Verbesserungen im Bildungswesen bei (M8).
-
Negativ: Da traditionelle Besitzrechte nicht amtlich dokumentiert sind, werden lokale Kleinbauern ohne Mitsprache enteignet und verlieren ihre Existenzgrundlage und Ernährungssouveränität (M9). Dies wiegt schwer, da Äthiopien ohnehin einen hohen Anteil an Hungernden aufweist. Die ehemaligen Bauern werden in schlecht bezahlte Lohnarbeit gedrängt (Lohndumping durch Investoren, M9).
Diese ökonomische und soziale Perspektivlosigkeit auf dem Land initiiert eine massive Landflucht der Jugend in die Metropolen (Addis Abeba). Dort greifen restriktive Kontrollsysteme (Pass- und Bürgensysteme, M9), die mittellose Zuwanderer abweisen oder in die Illegalität drängen, um städtische Räume vor sozialer Destabilisierung zu schützen. Gleichzeitig zwingt diese Politik die Menschen dazu, als billige Arbeitskräfte für ausländische Agrarfirmen auf dem Land zu bleiben.


