Aufgabe II
Teilaufgaben:
Der Rüstungswettlauf war der Hauptfaktor dafür, dass militärische Konflikte während des Kalten Krieges begrenzt blieben.
Erörtere die These.
Analysiere M 1 und vergleiche M 1 mit M 2.
Arbeite aus M 3 strukturiert heraus, wie der Autor den Zusammenbruch der Sowjetunion erklärt.
Erläutere drei Probleme der Transformation nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Fidel Castros Einzug in Santa Clara (Kuba), Fotografie von Burt Glinn, 6. Januar 1959
Burt Glinn (1925–2008) war ein US-amerikanischer Berufsfotograf, der im Januar 1959 nach Kuba reiste, um die Kubanische Revolution fotografisch zu dokumentieren. Dort zog Fidel Castro, nach der Flucht des Diktators Fulgencio Batista in der Silvesternacht 1958/59, mit einem Teil seiner revolutionären Truppen durch verschiedene Städte Kubas bis in die Hauptstadt Havanna. Die Fotografie zeigt Castros Einzug in die Stadt Santa Clara, in der es zuvor heftige Kämpfe mit Batistas Armee gegeben hatte.

Anmerkung:
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Der im Fahrzeug vorne in der Mitte stehende Mann ist Fidel Castro.
[Glinn, Burt: Kuba 1959. Zürich: Midas Verlag, 2016, S. 112 f.]
Material 2: Rede von John F. Kennedy, Mitglied des Senats und späterer Präsident der USA, bei einer Wahlveranstaltung der Demokratischen Partei in Cincinnati, Ohio, 6. Oktober 1960
[Kennedy, John-F.: Remarks of Senator John F. Kennedy at Democratic Dinner, Cincinnati, Ohio, October 6, 1960. www.jfklibrary.org/archives/other-resources/john-f-kennedy-speeches/cincinnati-oh-19601006-democratic-dinner; Zugriff am: 05.07.2026]
(zu Prüfungszwecken aus dem Englischen übersetzt)
1 Sierra Maestra: Dort lag während der Kubanischen Revolution das Hauptquartier der Revolutionäre.
2 Guantanamo: In Guantanamo, im Osten Kubas, existiert seit 1903 ein US-amerikanischer Marinestützpunkt.
Material 3: Auszug aus „Der Mensch und die Macht“, Ian Kershaw, britischer Historiker, 2022
[Kershaw, Ian: Der Mensch und die Macht. Über Erbauer und Zerstörer Europas im 20. Jahrhundert. München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2022, S. 431–467]
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1 Archie Brown ist ein britischer Politikwissenschaftler.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Einleitung:
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Der Kalte Krieg war durch ein bipolares System und einen intensiven Rüstungswettlauf zwischen den USA und der UdSSR geprägt.
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Die These besagt, dass gerade diese militärische Hochrüstung eine Eskalation in einen direkten, globalen Krieg verhindert hat.
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Aus historischer Sicht lässt sich diese Stabilität durch das Konzept der nuklearen Abschreckung erklären, dem jedoch massive regionale Konflikte gegenüberstehen.
Argumente zur Bekräftigung der These:
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Das Prinzip der nuklearen Abschreckung und der permanenten Aufrüstung führte zum Zustand der gesicherten gegenseitigen Vernichtung. Da kein Erstschlag die Vernichtung des Angreifers verhindert hätte, blieb der direkte Krieg rational unmöglich.
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Der Rüstungswettlauf zwang beide Supermächte zur ständigen Risikoabwägung, was besonders in zugespitzten Krisen wie der Kuba-Krise 1962 zu einem vorsichtigeren Krisenmanagement und zur Einrichtung direkter Kommunikationswege (Roter Draht) führte.
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Die militärische Parität, die durch die Rüstung aufrechterhalten wurde, schuf ein stabiles, wenn auch angstgetriebenes Gleichgewicht der Kräfte, das durch Rüstungskontrollverträge wie SALT ab den 1970er-Jahren institutionalisiert wurde.
Argumente zur Relativierung der These:
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Der Konflikt blieb nur an den direkten Fronten der Supermächte friedlich, verlagerte sich jedoch in zahlreiche blutige Stellvertreterkriege in der Dritten Welt (z. B. Korea, Vietnam, Afghanistan), die Millionen von Opfern forderten und keineswegs begrenzt blieben.
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Der Rüstungswettlauf barg das ständige Risiko von Fehlkalkulationen, technischen Defekten oder Fehlinterpretationen von Frühwarnsystemen (z. B. beim Able Archer-Manöver 1983), die die Menschheit mehrmals nur durch Zufall vor einem Atomkrieg bewahrten.
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Andere Faktoren waren für die Begrenzung ebenso entscheidend, wie die diplomatischen Kanäle der UN, das blockfreie Agieren anderer Staaten und die ökonomische Erschöpfung der Sowjetunion, die die Konfrontation letztlich beendete.
Fazit:
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Die These greift zu kurz, da sie die Perspektive auf Europa und die direkten Territorien der Supermächte verengt.
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Der Rüstungswettlauf sicherte zwar den kalten Frieden zwischen Washington und Moskau, kaufte diesen jedoch um den Preis globaler Instabilität und verheerender Stellvertreterkriege in anderen Regionen der Welt.
Analyse von Material 1 (Fotografie):
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Formalia: Historische Schwarz-Weiß-Fotografie von Burt Glinn vom 6. Januar 1959, die Fidel Castros Einzug in Santa Clara (Kuba) zeigt und an die westliche bzw. weltweite Öffentlichkeit gerichtet war.
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Beschreibung: Im Zentrum steht Fidel Castro auf einem Jeep, umgeben von bewaffneten, bärtigen Rebellen. Er blickt entschlossen nach vorne und winkt der dicht gedrängten, jubelnden Menschenmenge am Straßenrand zu.
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Kontext und Deutung: Die Aufnahme entstand unmittelbar nach der Flucht des Diktators Batista in der Silvesternacht 1958/59 nach heftigen Kämpfen in Santa Clara. Die Fotografie dokumentiert die enorme anfängliche Popularität der Revolutionäre und inszeniert sie als triumphale Befreier von der Tyrannei.
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Perspektive und Intention: Das Bild vermittelt aus der Sicht eines dokumentierenden US-Berufsfotografen die authentische, emotionale Euphorie und die Aufbruchstimmung der kubanischen Bevölkerung in diesem historischen Moment.
Vergleich von Material 1 mit Material 2 (Rede):
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Formale Einordnung von Material 2: Wahlkampfrede des US-Senators John F. Kennedy am 6. Oktober 1960 in Cincinnati vor Anhängern der Demokratischen Partei und der US-Öffentlichkeit.
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Gemeinsamkeiten: Beide Quellen behandeln die kubanische Revolution, das Jahr 1959 und den Aufstieg Fidel Castros zur Macht. Beide betonen den berechtigten Sturz der brutalen, blutigen und despotischen Vorgängerdiktatur unter Fulgencio Batista. Zudem verweisen beide auf die tiefen Sehnsüchte des kubanischen Volkes nach Freiheit und einem besseren Leben zu Beginn der Bewegung.
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Unterschiede: Material 1 fängt visuell die unmittelbare, positive Dynamik und den Triumph der Befreiung im Januar 1959 ein. Material 2 reflektiert die Situation knapp zwei Jahre später aus einer radikal veränderten, kritischen Perspektive und prangert den totalen Verrat der revolutionären Versprechen durch Castro an. Während das Foto (M 1) die Nähe Castros zum Volk zeigt, beschreibt Kennedy (M 2) die Zerstörung aller Parteien, die Abschaffung der Freiheiten und die Errichtung eines kommunistischen Polizeistaates. Zudem rückt M 2 die geopolitische Bedrohung des Kalten Krieges in den Fokus, indem Kuba als militanter sowjetischer Satellitenstaat direkt vor der US-Küste dargestellt wird, was in der Momentaufnahme von M 1 noch keine Rolle spielt.
Fazit:
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Beide Materialien dokumentieren den dramatischen Verlauf der kubanischen Revolution.
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Während die Fotografie (M 1) den hoffnungsvollen und euphorischen Moment des Umsturzes festhält, bilanziert Kennedys Rede (M 2) ernüchternd die rasche Transformation Kubas in eine kommunistische Diktatur und ein geopolitisches Bedrohungsszenario für die USA.
Formale Einordnung:
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Der britische Historiker Ian Kershaw erklärt in seinem 2022 erschienenen Werk „Der Mensch und die Macht“ den Zusammenbruch der Sowjetunion anhand struktureller und personeller Faktoren.
Erklärungsansätze des Autors zum Zusammenbruch:
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Keine Unvermeidbarkeit des raschen Zusammenbruchs im Jahr 1985: Kershaw betont, dass das System zwar politisch und ökonomisch geschwächt, aber im Inneren stabil war, da die Auslandsverschuldung gering war, kein akuter Aufruhr drohte und das Regime auf Militär und Sicherheitsdienste bauen konnte.
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Die Schlüsselrolle Michail Gorbatschows als Hauptakteur: Der Autor argumentiert, dass das Sowjetsystem ohne Gorbatschows Wahl zum Generalsekretär in unreformierter Form noch jahrelang hätte weiterbestehen können. Nicht die Krise selbst erzwang die Veränderungen, sondern Gorbatschows persönliches Handeln löste die Krise erst aus.
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Das Aufbrechen der Systemstarrheit durch Liberalisierung: Gorbatschow wollte die Verkrustungen der Wirtschaft und der Machtstrukturen durch Dezentralisierung und Liberalisierung überwinden. Diese Reformen von oben lösten jedoch unvorhergesehenen, massiven Druck in Richtung Demokratisierung an der Basis aus.
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Der irreversible Kontrollverlust über den angestoßenen Prozess: Nach dem Überschreiten eines Points of No Return im Jahr 1988 entwickelte die Transformation eine unaufhaltsame Eigendynamik, die Gorbatschow die Kontrolle entzog und wie eine Flut radikaler Veränderungen letztlich die Sowjetunion zerstörte.
Einleitung:
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Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ab 1989/1991 standen die ehemaligen sozialistischen Staaten vor der historischen Herausforderung einer gleichzeitigen Transformation von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Diesen dreifachen Übergang prägten massive Krisen.
Drei zentrale Probleme der Transformation:
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Der wirtschaftliche Privatisierungsschock: Der abrupte Wechsel von der staatlichen Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft führte zu einer Schocktherapie. Die Folge waren der Zusammenbruch unrentabler Staatsbetriebe, galoppierende Hyperinflation, der Verlust von Ersparnissen und eine rasant steigende Massenarbeitslosigkeit. Zudem nutzten alte Eliten die ungesteuerte Privatisierung zur persönlichen Bereicherung, was zur Entstehung korrupter Oligarchenstrukturen führte.
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Institutionelle Instabilität und das Fehlen demokratischer Traditionen: Der Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Institutionen stieß auf erhebliche Hindernisse. Da es an demokratischer Erfahrung in der Bevölkerung und der Verwaltung fehlte, blieben viele neue Systeme anfällig für Korruption und politische Instabilität. In einigen Nachfolgestaaten (wie Russland oder Zentralasien) schlug diese Instabilität rasch in neue, autoritäre Herrschaftsformen um.
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Soziale Verwerfungen und das Aufbrechen ethnischer Konflikte: Der Wegfall der staatlichen sozialen Sicherungssysteme führte zu einer extremen Kluft zwischen Arm und Reich sowie zur Verarmung weiter Teile der Bevölkerung. Gleichzeitig fiel die ideologische Klammer des Sozialismus weg, die ethnische Spannungen zuvor unterdrückt hatte. Dies führte in vielen Regionen zu einem aggressiven Wiedererwachen des Nationalismus, der sich in blutigen Bürgerkriegen und Sezessionskonflikten entlud (z. B. in Jugoslawien oder im Kaukasus).