Interpretation
Der Text lässt sich in vier Abschnitte gliedern:
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a) V. 1 – 5 |
b) V. 6 – 11a |
c) V. 11b – 25 |
d) V. 26 – 30 |
Fasse den Inhalt jedes Abschnitts in einem Satz zusammen.
V. 1 – 10:
Arbeite heraus, wie Jupiter in seiner Rede inhaltlich versucht, die Götter in seinem Sinne zu beeinflussen. Belege deine Aussagen am lateinischen Text.
Nenne und belege vier verschiedene sprachlich-stilistische Mittel und erläutere für zwei dieser Mittel, wie sie Jupiters Einflussnahme auf die Götter verstärken.
V. 13 – 30:
Zeige, dass Venus die beiden Kriegsparteien unterschiedlich darstellt und dass sie mit dieser Art der Darstellung eine bestimmte Absicht verfolgt.
Belege deine Aussagen am lateinischen Text.
Venus zeigt hier Verhaltensweisen, die in der Aeneis charakteristisch für sie sind. Stelle dies an drei Beispielen aus dem Text dar.
Lateinische Belege und die Berücksichtigung anderer Stellen aus der Aeneis sind nicht erforderlich.
Venus spricht am Ende der Textstelle davon, dass die Trojaner bzw. Aeneas durch Weisungen geleitet werden.
Stelle aus deiner Lektürekenntnis zwei Weissagungen oder Prophezeiungen dar, die an die Trojaner bzw. Aeneas gerichtet sind.
Der Altphilologe Michael von Albrecht vertritt die Auffassung, Vergils Aeneis sei ein Ausdruck tiefer Sehnsucht nach Frieden.
[nach: von Albrecht, Michael: Vergil. Bucolica – Georgica – Aeneis. Eine Einführung. Heidelberg: Winter, 2006, S. 182] (zu Prüfungszwecken bearbeitet)
Nimm anhand deiner Lektürekenntnis Stellung zu dieser These.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Während der Kämpfe zwischen den italischen Stämmen und den Trojanern beruft Jupiter eine Götterversammlung ein und eröffnet diese mit folgenden Worten:
Teucri: die Trojaner
Mars: Kriegsgott, steht für Krieg
Aetolis ... Arpis Tydides: Der Sterbliche Diomedes (Sohn des Tydeus) hatte Venus im Kampf vor Troja verwundet, später wanderte er aus dem griechischen Ätolien nach Italien aus und gründete dort Arpi; manes: die Manen (rituell verehrte Seelen Verstorbener)
Übersetzung:
„Erhabene Bewohner des Himmels, warum habt ihr denn eure Meinung wieder geändert und streitet so feindselig miteinander? Ich hatte verboten, dass Italien gegen die Trojaner Krieg führt. Was soll entgegen meinem Verbot die Zwietracht? Welche Befürchtung hat den einen oder den anderen dazu geraten, die Waffen zu ergreifen und das Schwert zu zücken?
Kommen wird die richtige Zeit zum Kampf (ruft sie nicht herbei!), wenn das wilde Karthago dereinst gegen die römischen Festungen großes Verderben schickt über die ungeschützten Alpen. Dann wird man hasserfüllt kämpfen, dann wird man plündern dürfen. Jetzt lasst davon ab und schließt freudig das bereits beschlossene Bündnis!“ So Jupiter mit knappen Worten.
Aber die goldene Venus antwortet darauf nicht so knapp:
„O Vater, o ewiger Herrscher über Menschen und Dinge (denn wen anderen gäbe es, den wir noch anflehen könnten?), du siehst, wie die Rutuler sich dreist aufführen und wie Turnus prächtig durch das Getümmel reitet und aufgeblasen vom Kriegsglück daherstürmt. Keine verriegelten Mauern schützen die Trojaner mehr; ja sogar innerhalb der Tore und sogar auf den Schutzwällen kämpft man und die Gräben laufen von Blut über. Aeneas ist fort und weiß von nichts. Wirst du niemals zulassen, dass die Trojaner von der Belagerung befreit werden? Erneut droht den Mauern des entstehenden Troja ein Feind und auch ein weiteres Heer, und erneut steht gegen die Trojaner der Tydeussohn vom ätolischen Arpi zum Kampf auf. Ich jedenfalls glaube, neue Wunden stehen mir bevor, und ich, deine Tochter, halte Waffen von Sterblichen nur auf.
Wenn die Trojaner ohne deine Zustimmung und gegen deinen Willen nach Italien gezogen sind, dann sollen sie diese Vergehen büßen und du brauchst ihnen in keiner Weise zu helfen; wenn sie aber so vielen Weisungen gefolgt sind, die ihnen die Götter und Manen erteilt haben, warum kann dann jetzt irgendjemand deine Befehle ändern oder neue Schicksalssprüche schaffen?“
[nach: Binder, Edith und Gerhard: P. Vergilius Maro. Aeneis. Lateinisch / Deutsch. Stuttgart: Reclam, 2008, S. 501 und 503, und Ebersbach, Volker: P. Vergilius Maro. Aeneis. Prosaübertragung. 3. Auflage. Leipzig: Reclam, 1993, S. 223 f.] (zu Prüfungszwecken bearbeitet)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?V. 1–5: Jupiter wirft den Göttern vor, ihre Haltung geändert zu haben und entgegen seinem ausdrücklichen Verbot den Krieg zwischen den Italikern und Trojanern zu fördern.
V. 6–11a: Jupiter verweist auf den erst später vorgesehenen Krieg gegen Karthago und fordert die Götter auf, den gegenwärtigen Kampf zu beenden und das bereits beschlossene Bündnis zu schließen.
V. 11b–25: Venus schildert ausführlich die Angriffe der Rutuler, die bedrängte Lage der Trojaner und die Abwesenheit des Aeneas, wobei sie auch auf ihre eigene Gefährdung hinweist.
V. 26–30: Venus stellt Jupiter vor die Alternative, entweder die eigenmächtig handelnden Trojaner zu bestrafen oder die Gültigkeit der göttlichen Weisungen und seiner eigenen Befehle zu verteidigen.
z. B.:
-
Jupiter wirft den Göttern vor, ihre frühere Haltung geändert zu haben und nun gegeneinander zu kämpfen
(quianam sententia vobis / versa retro tantumque animis certatis iniquis?, V. 1 f.). -
Jupiter erinnert die Götter daran, dass er einen Krieg der Italiker gegen die Trojaner ausdrücklich verboten hat
(Abnueram bello Italiam concurrere Teucris, V. 3). -
Er stellt das Handeln der Götter als Verstoß gegen sein Verbot dar
(Quae contra vetitum discordia?, V. 4). -
Jupiter stellt infrage, ob es überhaupt einen berechtigten Anlass für die Aufnahme des Kampfes gibt
(Quis metus aut hos / aut hos arma sequi ferrumque lacessere suasit?, V. 4 f.). -
Er erklärt, dass die gerechte beziehungsweise vorgesehene Zeit für einen Krieg erst später kommen werde
(Adveniet iustum pugnae … tempus, V. 6). -
Jupiter warnt die Götter davor, diesen zukünftigen Krieg vorzeitig herbeizuführen
(ne arcessite!, V. 6). -
Er verweist auf den späteren Krieg zwischen Karthago und Rom, für den Kampfhandlungen vorgesehen seien
(cum fera Karthago Romanis arcibus olim / exitium magnum … immittet, V. 7 f.). -
Jupiter stellt den Göttern in Aussicht, dass sie zu diesem späteren Zeitpunkt kämpfen und Beute machen dürften
(Tum certare odiis, tum res rapuisse licebit, V. 9).Er fordert die Götter ausdrücklich auf, den gegenwärtigen Kampf einzustellen
(Nunc sinite, V. 10). -
Jupiter präsentiert den Frieden als bereits beschlossene und erfreuliche Lösung
(placitum laeti componite foedus, V. 10).
z. B.:
-
Apostrophe / feierliche Anrede
(Caelicolae magni, V. 1): Jupiter spricht die versammelten Götter unmittelbar und ihrer hohen Stellung entsprechend an. -
Rhetorische Fragen
(quianam sententia vobis / versa retro …?, V. 1 f.;
Quae contra vetitum discordia?, V. 4;
Quis metus … suasit?, V. 4 f.): Jupiter formuliert seine Vorwürfe in Form von Fragen und setzt die Götter dadurch unter Rechtfertigungsdruck. -
Hyperbaton
(animis … iniquis, V. 2): Die Sperrstellung hebt die feindselige Haltung hervor, mit der die Götter gegeneinander kämpfen. -
Hyperbaton
(iustum pugnae … tempus, V. 6): Die Trennung von Adjektiv und Bezugswort hebt hervor, dass erst der zukünftige Krieg den richtigen und gerechten Zeitpunkt besitzt. -
Parenthese
(ne arcessite!, V. 6): Die eingeschobene Warnung unterbricht die Ankündigung des zukünftigen Krieges und verstärkt Jupiters Aufforderung, diesen nicht vorzeitig herbeizuführen. -
Anapher
(Tum … tum …, V. 9): Die Wiederholung betont, dass Kampf und Plünderung erst zu einem späteren Zeitpunkt erlaubt sein werden. -
Parallelismus
(Tum certare odiis, tum res rapuisse licebit, V. 9): Die gleichartige Satzstruktur hebt die beiden später erlaubten Kriegshandlungen hervor. -
Antithese
(Tum … Nunc …, V. 9 f.): Dem später erlaubten Krieg wird die gegenwärtige Verpflichtung zum Frieden gegenübergestellt. -
Imperative
(sinite … componite, V. 10): Die Befehlsformen verdeutlichen Jupiters Autorität und lassen keinen Zweifel an seiner Forderung nach Beendigung des Konflikts.
Mögliche Erläuterungen:
-
Die rhetorischen Fragen lassen keine sachliche Antwort erwarten, sondern enthalten deutliche Vorwürfe. Die Götter sollen erkennen, dass ihr Verhalten unverständlich, unbegründet und gegen Jupiters Willen gerichtet ist.
-
Die Antithese „tum – nunc“ trennt klar zwischen dem später vorgesehenen Krieg gegen Karthago und den gegenwärtigen Kämpfen. Jupiters Friedensforderung erscheint dadurch als Bestandteil einer festen göttlichen und geschichtlichen Ordnung.
-
Die Anapher „tum … tum“ betont die zeitliche Verschiebung des Krieges. Jupiter macht den Göttern deutlich, dass er ihnen den Kampf nicht grundsätzlich verweigert, sondern für einen späteren, angemessenen Zeitpunkt vorsieht.
-
Die Imperative verstärken Jupiters Einflussnahme, da er nicht lediglich argumentiert, sondern als oberster Gott klare und verbindliche Befehle erteilt.
z. B.:
Darstellung der Rutuler und des Turnus
-
Die Rutuler werden als überhebliche und aggressive Angreifer dargestellt
(insultent Rutuli, V. 15). -
Turnus bewegt sich erfolgreich und ungehindert mitten durch die Kämpfe
(Turnusque feratur / per medios, V. 15 f.). -
Seine prächtigen Pferde lassen ihn als auffälligen und mächtigen Krieger erscheinen
(insignis equis, V. 16). -
Venus stellt Turnus als hochmütig dar
(tumidus, V. 16). -
Turnus stürmt mit großer Heftigkeit vor, wobei das Kriegsglück auf seiner Seite steht
(secundo / Marte ruat, V. 16 f.). -
Die Rutuler dringen bis in die Befestigungsanlagen der Trojaner vor und richten ein Blutbad an
(intra portas atque ipsis proelia miscent / aggeribus murorum et inundant sanguine fossae, V. 18 f.). -
Venus bezeichnet die Gegner ausdrücklich als Feinde
(hostis, V. 21). -
Durch den Hinweis auf Diomedes stellt Venus den gegenwärtigen Angriff als Fortsetzung des früheren griechischen Krieges gegen Troja dar
(iterum in Teucros Aetolis surgit ab Arpis / Tydides, V. 23 f.).
Darstellung der Trojaner
-
Die Trojaner erscheinen als schutzlose Opfer, da selbst geschlossene Mauern sie nicht mehr schützen
(Non clausa tegunt iam moenia Teucros, V. 17). -
Die Kämpfe finden bereits innerhalb der Tore und auf den Schutzwällen statt
(intra portas atque ipsis proelia miscent / aggeribus murorum, V. 18 f.). -
Die mit Blut gefüllten Gräben verdeutlichen das Ausmaß ihrer Verluste
(inundant sanguine fossae, V. 19). -
Aeneas ist abwesend und weiß nichts von der gefährlichen Lage
(Aeneas ignarus abest, V. 20). -
Die Trojaner werden als Belagerte dargestellt, die auf Befreiung angewiesen sind
(Numquamne levari / obsidione sines?, V. 20 f.). -
Venus bezeichnet ihre neue Stadt als ein erst entstehendes Troja und erweckt dadurch den Eindruck, die frühere Katastrophe wiederhole sich
(nascentis Troiae, V. 22). -
Die Wiederholung von iterum stellt die Trojaner erneut als Opfer eines Angriffs dar
(Muris iterum imminet hostis; atque iterum in Teucros …, V. 21 und 23).
Absicht
Venus stellt die Rutuler und Turnus einseitig als aggressive, überhebliche und militärisch überlegene Angreifer dar.
Die Trojaner erscheinen dagegen als schutzlose, bedrängte und unschuldige Opfer.
Durch die dramatische Schilderung der Kämpfe und des Blutes versucht Venus, bei Jupiter Mitleid mit den Trojanern und Empörung über die Rutuler hervorzurufen.
Die Erinnerung an den Untergang Trojas soll den Eindruck erzeugen, dass den Trojanern erneut dasselbe Unrecht widerfährt.
Venus will Jupiter dazu bringen, zugunsten der Trojaner einzugreifen und ihre Befreiung von der Belagerung zu ermöglichen.
Zugleich erinnert sie Jupiter daran, dass die Trojaner aufgrund göttlicher Weisungen nach Italien gekommen sind und ihr Scheitern daher auch die Autorität Jupiters und des Fatums infrage stellen würde.
z. B.:
-
Mütterliche Fürsorge und Parteilichkeit:
Venus setzt sich für ihren Sohn Aeneas und die Trojaner ein. Sie hebt die gefährliche Lage der Trojaner hervor und entschuldigt Aeneas dadurch, dass er abwesend sei und nichts von den Kämpfen wisse. -
Emotionalisierung und Dramatisierung:
Venus schildert Kämpfe innerhalb der Tore, blutüberströmte Gräben und eine Wiederholung des Trojanischen Krieges. Dadurch versucht sie, Jupiters Mitleid und Entsetzen zu wecken. -
Selbstbezogene Klage:
Venus bezieht die Gefahr auf sich selbst und behauptet, ihr stünden möglicherweise erneut Verwundungen durch Sterbliche bevor. Sie versucht dadurch, Jupiter auch als Vater persönlich betroffen zu machen. -
Geschickte Beeinflussung Jupiters:
Venus redet Jupiter ehrerbietig als Vater und ewigen Herrscher an, setzt ihn anschließend aber mit vorwurfsvollen Fragen unter Druck. -
Rhetorische Manipulation:
Venus stellt Jupiter vor eine Alternative: Entweder seien die Trojaner ohne seine Zustimmung nach Italien gekommen und müssten bestraft werden, oder sie seien göttlichen Weisungen gefolgt und müssten deshalb unterstützt werden. -
Einseitige Darstellung:
Venus blendet mögliche Gründe und Leiden der gegnerischen Partei aus und stellt ausschließlich die Trojaner als Opfer dar.
z. B.:
Prophezeiung der Creusa
Nach dem Untergang Trojas erscheint Aeneas der Schatten seiner verstorbenen Frau Creusa. Sie kündigt ihm eine lange Flucht und die Reise in das westliche Land Hesperien an. Dort fließe der Tiber, und dort seien Aeneas ein neues Königreich und eine königliche Ehefrau bestimmt. Aeneas soll deshalb Troja verlassen und seine göttlich bestimmte Aufgabe erfüllen.
Prophezeiung des Helenus
Helenus erklärt Aeneas, dass die italienische Küste zwar bereits nahe erscheine, das für ihn bestimmte Land jedoch noch weit entfernt sei. Als Erkennungszeichen für den richtigen Ort werde Aeneas unter einer Eiche eine weiße Sau mit dreißig weißen Ferkeln finden. Dort werde später Ascanius Alba Longa gründen. Helenus weist Aeneas außerdem an, die Sibylle von Cumae aufzusuchen und sich von ihr über die weiteren Gefahren belehren zu lassen.
Weitere Möglichkeiten, z. B.:
Prophezeiung der Sibylle
Die Sibylle kündigt Aeneas an, dass er Latium erreichen werde, dort aber schwere Kriege bestehen müsse. Ihm werde ein neuer Achilles entgegentreten, und erneut werde eine ausländische Ehefrau Anlass für einen Krieg sein. Zugleich werde Aeneas unerwartete Hilfe von einer griechischen Stadt erhalten.
Prophezeiung des Flussgottes Tiberinus
Tiberinus versichert Aeneas, dass er das für ihn bestimmte Land erreicht habe. Als Bestätigung werde er eine weiße Sau mit dreißig Ferkeln finden. Außerdem weist Tiberinus ihn an, bei Euander Unterstützung gegen die Rutuler zu suchen.
z. B.:
Aspekte, die für die These sprechen
Das eigentliche Ziel des Aeneas ist nicht der Krieg, sondern die Gründung einer neuen Heimat für die überlebenden Trojaner.
Aeneas versucht nach seiner Ankunft in Latium zunächst, friedliche Beziehungen zu König Latinus aufzubauen.
Latinus ist aufgrund der Orakel grundsätzlich bereit, Aeneas aufzunehmen und ihm Lavinia zur Frau zu geben. Der Krieg entsteht erst durch das Eingreifen Junos und Allectos.
Jupiter kündigt bereits im ersten Buch eine zukünftige Friedensordnung an, in der die harten Zeiten milder werden und die Tore des Krieges geschlossen werden.
Anchises erklärt Aeneas in der Unterwelt, die besondere Aufgabe Roms bestehe darin, eine Friedensordnung zu schaffen, die Unterworfenen zu schonen und die Hochmütigen zu besiegen.
Auch im vorliegenden Text fordert Jupiter die Götter auf, den gegenwärtigen Krieg zu beenden und ein Bündnis zu schließen
(Nunc sinite et placitum laeti componite foedus).
Die zahlreichen Kriegstoten werden nicht nur als besiegte Gegner, sondern als individuelle Menschen mit Familien, Hoffnungen und Gefühlen dargestellt.
Der Tod des jungen Pallas und die Trauer seines Vaters Euander zeigen die grausamen persönlichen Folgen des Krieges.
Lausus wird trotz seiner Zugehörigkeit zur gegnerischen Seite positiv dargestellt. Aeneas empfindet nach dessen Tod Mitleid und erkennt dessen aufopferungsvolle Liebe zu seinem Vater an.
Die Geschichte von Nisus und Euryalus zeigt, wie jugendlicher Mut und Freundschaft durch den Krieg vernichtet werden.
Auch Camillas Tod wird ausführlich und mit Anteilnahme geschildert.
Der Tod vieler junger Menschen lässt den Krieg als Verlust einer möglichen Zukunft erscheinen.
Der Zweikampf zwischen Aeneas und Turnus soll den allgemeinen Krieg beenden und weiteres Blutvergießen verhindern.
Die Verschmelzung von Trojanern und Italikern bildet am Ende die Grundlage für eine gemeinsame Friedensordnung. Die unterlegenen Italiker werden nicht vernichtet, sondern gehen im zukünftigen römischen Volk auf.
Grenzen beziehungsweise Gegenargumente
Die Aeneis enthält zahlreiche ausführliche Kampfschilderungen und Heldentaten, die militärische Tapferkeit und Ruhm hervorheben.
Die zukünftige Größe Roms wird mit militärischer Expansion und Siegen über andere Völker verbunden.
Anchises verbindet die römische Friedensordnung ausdrücklich mit der Aufgabe, Hochmütige im Krieg zu besiegen.
Auch Jupiter lehnt den Krieg im vorliegenden Text nicht grundsätzlich ab. Er verschiebt ihn lediglich auf den späteren Konflikt zwischen Rom und Karthago
(Tum certare odiis, tum res rapuisse licebit).
Die auf dem Schild des Aeneas dargestellte römische Geschichte erreicht ihren Höhepunkt im militärischen Sieg des Augustus bei Actium.
Der Frieden entsteht häufig erst durch den Sieg einer militärisch überlegenen Partei.
Aeneas wird im Verlauf der Kämpfe selbst zunehmend von Zorn und Rache bestimmt.
Am Ende verschont Aeneas den besiegten Turnus nicht, obwohl dieser um Gnade bittet. Beim Anblick des Schwertgurtes des Pallas tötet er Turnus aus Rache.
Das Epos endet daher nicht mit einem feierlichen Friedensschluss, sondern mit einer Gewalttat.
Die Schicksale Didos, Turnus’ und anderer Figuren zeigen, dass die zukünftige römische Ordnung nur durch große persönliche Opfer erreicht wird.
Mögliche Bewertung
Der These ist grundsätzlich zuzustimmen, wenn die Aeneis nicht als grundsätzlich pazifistisches Werk verstanden wird.
Vergil stellt Krieg teilweise als notwendiges Mittel zur Entstehung und Sicherung der zukünftigen römischen Ordnung dar. Zugleich schildert er ausführlich die Leiden, Verluste und moralischen Gefahren, die der Krieg verursacht.
Der zukünftige Frieden erscheint als Ziel der göttlichen und geschichtlichen Entwicklung. Er ist jedoch nur schwer erreichbar und wird durch Gewalt erkauft.
Gerade das gewaltsame Ende zeigt, dass der ersehnte Frieden am Schluss des Epos noch nicht vollständig verwirklicht ist.
Die Formulierung „Sehnsucht nach Frieden“ ist daher passend: Die Aeneis feiert nicht einfach den Krieg, sondern lässt durch die Darstellung seiner Opfer und Folgen immer wieder den Wunsch nach seiner Überwindung erkennen.