Mediation
You are taking part in an international youth conference on new ideas for living and working. Participants have been asked to provide information on local initiatives.
Write an article for the conference website in which you present the project initiated by a regional association in the south of Germany and the organizers' and participants' motivations.
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„Landleben auf Probe“:
Warum es Großstädter nach Oberfranken zieht
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Einfach den Laptop aufklappen und loslegen – durch die Pandemie hat sich
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das mobile Arbeiten in vielen Berufsfeldern zur Normalität entwickelt.
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Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen raus aufs Land, weg von dem
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Trubel und der Enge der Großstädte. Doch wer nach der großen Karriere,
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nach Innovation und Fortschritt strebt, dem erscheint oftmals das Leben in der
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Stadt als einzig sinnvolle Lösung. An diesem etablierten Bild möchte das
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Demografiezentrum des Vereins „Oberfranken Offensiv“ mit einem
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außergewöhnlichen Projekt rütteln. Unter dem Slogan „Work. Land. Life –
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Landleben auf Probe“ sollen zehn Großstädter die Möglichkeit bekommen,
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zwei Monate kostenlos im oberfränkischen Markt Nordhalben zu wohnen und
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von dort ihrem gewohnten Job digital nachzugehen. Gefördert wird das Projekt
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vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.
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„Wir möchten zeigen, dass eine ländliche Region genauso moderne und
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innovative Arbeitsverhältnisse bieten kann wie eine Großstadt“, sagt Frank
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Ebert, Geschäftsführer der Entwicklungsagentur „Oberfranken Offensiv“. Das
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Projekt in Nordhalben soll als Blaupause dienen, um einen „Werkzeugkasten“
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für andere ländliche Gemeinden zusammenzustellen, die ebenso frischen
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Wind in ihr Dorfleben bringen möchten. Ebert stellt sich das Zusammentreffen
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von Stadt- und Landmenschen als „lässigen Austausch auf Augenhöhe“ vor,
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bei dem beide Seiten voneinander lernen und profitieren können. [...]
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Es sei allerdings auch erwünscht, dass sich die Teilnehmerinnen und
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Teilnehmer auf individuelle Weise in das Gemeindeleben einbringen – zum
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Beispiel durch die Mitarbeit in einem Verein oder bei der Organisation einer
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Veranstaltung. [...]
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Das Projekt soll im Juni und Juli dieses Jahres stattfinden, von Anfang Februar
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bis Ende März konnten sich Interessierte dafür bewerben. „Die Nachfrage ist
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gewaltig“, freut sich Ebert und spricht von um die 100 Bewerbungen. Berlin,
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Hamburg, München – aus der ganzen Republik wollen Menschen
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vorübergehend in Nordhalben leben, einem Markt nahe der Grenze zu
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Thüringen mit nicht einmal 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Da fragt
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man sich schon: Warum? Aus den Motivationsschreiben zeichnen sich laut
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Ebert drei Hauptgründe ab: „Neues entdecken, aus der Stadt rauskommen
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und Gemeinschaft erfahren.“
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Die Interessierten kommen aus den verschiedensten Berufsfeldern. „Viele
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kommen aus dem IT-Bereich, aber auch aus dem Marketing und dem
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Management“, berichtet Ebert. Auch aus dem Ausland hat das Demografie-
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zentrum Bewerbungen bekommen, etwa von gebürtigen Deutschen, die
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gerade in Südafrika arbeiten und nach einer neuen Erfahrung in Deutschland
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suchen. Eines hat Ebert besonders positiv überrascht: „Es bewerben sich
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eben nicht nur 30-jährige Singles, sondern auch einige, die über 60 Jahre alt
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sind.“ Gemeinsam mit der Gemeinde wird das Projektteam nun zehn
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Kandidaten auswählen, und zwar so, dass sich eine „gute Mischung der
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Geschlechter, der Altersstruktur und der Interessen“ ergibt.
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Aber warum dient ausgerechnet Nordhalben als Blaupause? „Die Gemeinde
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hat einfach das Glück, dass dort einige Visionäre leben, die dem Thema
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modernes Arbeiten sehr zugewandt sind“, sagt Ebert. Inmitten des Naturparks
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Frankenwald ist vor einigen Jahren das „Nordhalben Village“ entstanden, ein
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Zentrum für „Co-Working“ und „Co-Living“. Der Grundgedanke: Verschiedene
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kleine Firmen oder einzelne kreative Köpfe teilen sich Büro- und Wohnräume,
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um einen Austausch zu fördern und gemeinsam innovative Ideen anzustoßen.
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Laut Ebert wird das Thema auch für große Unternehmen immer interessanter,
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besonders im Blick auf die steigenden Mietpreise und die Wohnungsnot in den
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Städten.
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Die bestehenden Strukturen des „Nordhalben Village“ können nun für das
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Entwicklungsprojekt genutzt werden, sagt Ebert. Trotz einiger Gemeinschafts-
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räume stehen den Teilnehmenden dort kleine Einzelappartements mit
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eigenem Bad und Küche zur Verfügung. Paare oder Familien könnten
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beispielsweise in Ferienwohnungen in der Umgebung einziehen. „Wir werden
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für jeden Fall eine passende Lösung finden“, verspricht Ebert. „Ein Bewerber
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ist zum Beispiel alleinerziehender Vater, auch das soll kein Hindernis sein.“
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Nach zwei Monaten „Landleben auf Probe“ findet eine Evaluierungsphase
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statt. Dabei wird eine Professorin für Regionalentwicklung der TU
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Kaiserslautern beratend zur Seite stehen. Hat sich das Wohlbefinden der
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Großstädter durch das Arbeiten auf dem Land verändert? Was konnten beide
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Seiten voneinander lernen? Je nachdem, wie die Ergebnisse ausfallen, wird
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das Projekt im kommenden Jahr wiederholt. In welcher Gemeinde, ist noch
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offen.
(632 Wörter) Text: Paula Binz (03.04.2023), „,Landleben auf Probe': Warum es Großstädter nach Oberfranken zieht“, in: Quelle (zuletzt geöffnet: 20.11.2024).
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