Beispielaufgabe 1 – Subpolare und Polare Zone
1 Klima und Potenzial der kalten Zone
In Anlage I.1 sind Minimal- und Maximalwerte dreier Klimastationen (A, B, C) in der Antarktis und auf Island dargestellt.
Ordne die Stationen Bernardo O´Higgins/Antarktis (63°19‘S / 56°41‘W), Davis/Antarktis (68°35‘S / 77°58‘O) und Stykkishólmur/Island (65°05‘N / 22°44‘W) begründet zu, indem du die Unterschiede erklärst!
Das Nordpolarmeer gerät immer mehr in den Fokus wirtschaftlicher und geopolitischer Interessen.
Erläutere mögliche Motive der Nutzung ausgehend von Anlage I.2 sowie mithilfe geeigneter Atlaskarten, und stelle zu erwartende Schwierigkeiten bei der Erschließung dar.
2 Wetterextreme und rezenter Klimawandel
Im Jahr 2021 fiel in den höchsten Lagen des grönländischen Eisschildes Niederschlag erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Form von Regen. Zudem gab es außergewöhnlich viel Regen in Süd- und Mittelgrönland.
Lege Ursachen für die beschriebenen Niederschlagsereignisse dar und erkläre ökologische Auswirkungen dieser Wetterextreme für Grönland!
Die Meereszirkulation im Nordatlantik und deren Abschwächung gilt als ein wichtiges Kippelement des Klimasystems.
Entwickle eine Kausalkette zu diesem Phänomen und stelle zwei mögliche sozioökonomische Auswirkungen auf Skandinavien nördlich des Polarkreises dar!
3 Antarktische Meere
Diskutiere unter Verwendung der Materialien in Anlage I.3 und geeigneter Atlaskarten die Nutzung der antarktischen Meere für die zukünftige Nahrungsmittelgewinnung aus ökonomischer und ökologischer Sicht!
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Anlage I.1 Bernardo O’Higgins/Antarktis, Davis/Antarktis und Stykkishólmur/Island
M1 Lage der Stationen

M2 Ausgewählte Temperatur- und Niederschlagswerte
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A |
B |
C |
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niedrigster Monatsmittelwert in °C |
-17 |
-1 |
-9 |
|
höchster Monatsmittelwert in °C |
+1 |
+10 |
+1 |
|
geringste Monatsniederschlagssumme in mm |
2 |
34 |
29 |
|
höchste Monatsniederschlagssumme in mm |
12 |
80 |
88 |
Anlage I.2 Karte Arktis

Anlage I.3 Fischfang in den antarktischen Meeren
M1 Fischfang in der Antarktis

M2 Steckbriefe Krill und Antarktischer Seehecht
Krill
-
Kleinstlebewesen mit einem Gewicht bis zu 2 g
-
Bindung von CO2 in kalkhaltigen Exoskeletten
-
wichtiges Glied der Nahrungskette in marinen Ökosystemen
-
Verwendung für Nahrungsmittel, Futtermittel in Fischfarmen, Kosmetikindustrie und Arzneimittel
Antarktischer Seehecht
-
Länge: bis zu zwei Meter
-
Gewicht: 60 – 80 kg (ausgewachsener Fisch)
-
Wachstum: langsam
-
Geschlechtsreife: erst nach acht bis zehn Jahren
-
Alter: bis ca. 40 Jahre
-
Befischung: mit Langleinen, bis zu 10 km lang, mit tausenden beköderten Haken
-
Temperatur-Toleranzgrenze: 2 Grad Celsius
-
Schwarzer Seehecht: Einzelhandelspreis ca. 75 Euro pro kg.
M3 Südpolargebiet (Antarktis) Naturraum

M4 Auszug aus einem Online-Artikel des World Wide Fund For Nature
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A = Davis/Antarktis, v. a.
-
kältester Winterwert mit größter Temperaturamplitude aufgrund der geringsten Entfernung zum Pol und des Einflusses kalter, ablandiger und damit kontinental geprägter Winde;
-
geringste Niederschlagswerte infolge der niedrigsten Temperaturen und der damit verbundenen geringen Aufnahmekapazität der Luft für Wasserdampf sowie über dem Inlandeis, bzw. dem Schelfeis des Indischen Ozeans.
B = Stykkishólmur/Island, v. a.
-
im Vergleich mildester Winter und wärmster Sommer aufgrund des ganzjährigen Einflusses des warmen Golfstroms sowie geringer Temperaturamplitude aufgrund des maritimen Einflusses;
-
in beiden Monaten vergleichsweise hohe Niederschläge aufgrund des Westwindeinflusses über dem ganzjährig eisfreien Nordatlantik mit höherer Verdunstung.
C = Bernardo O’Higgins/Antarktis, v. a.
-
kleinste Temperaturamplitude aufgrund der sehr maritim geprägten Lage am nördlichen Ende der antarktischen Halbinsel bei vergleichsweise geringer Sommertemperatur infolge der hohen Albedo der Antarktis trotz niedrigstem Breitengrad;
-
wie bei B in beiden Monaten vergleichsweise hohe Niederschlagswerte aufgrund der starken Westwinddrift entlang der antarktischen Konvergenz mit Herantransport feuchter Luftmassen aus dem Südpazifik.
Motive der Nutzung, v. a.
-
Abbau von bedeutenden Rohstoffvorkommen wie Gas, Erdöl, Erzen und Mineralien, v. a. bei zunehmender Rohstoffverknappung infolge steigenden Bedarfs;
-
Erschließung kürzerer Handelsrouten der Schifffahrt über das Nordpolarmeer, v. a. mit fortschreitendem Klimawandel, damit Einsparung von Treibstoffkosten und CO2-Emissionen;
-
Fortsetzung und Ausbau länderübergreifender Forschung, Sammlung meteorologischer und geomagnetischer Daten sowie zur Eisdrift und damit Generierung von Erkenntnissen zur Klimageschichte und zum rezenten Klimawandel;
-
Ausbau der touristischen Nutzung und Förderung peripherer Regionen durch deren Inwertsetzung.
zu erwartende Schwierigkeiten, z. B.
-
unklare und nicht geregelte Hoheitsansprüche, damit Zunahme der diplomatischen und militärischen Spannungen;
-
Vorantreiben des rezenten Klimawandels, durch den energieintensiven Abbau von Ressourcen und Transport aus den entlegenen Regionen in weit entfernte Verbraucherzentren;
-
Gefahr von Schiffsunfällen durch widrige Naturbedingungen wie Packeis, v. a. im Winterhalbjahr oder Polarnacht und sich schwierig gestaltende Rettungsmaßnahmen;
-
Gefahr von ökologischen Beeinträchtigungen durch Abbau von Rohstoffen in einem sensiblen Naturraum.
Ursachen und ökologische Auswirkungen auf Grönland, v. a.
-
verstärktes Tauen des Inlandeises sowie stärkere Erwärmung eisfreier Flächen mit verstärkendem Rückkopplungseffekt durch vermehrte Sonneneinstrahlung infolge langanhaltender stabiler Hochdruckwetterlage mit absinkenden Luftmassen und Wolkenauflösung;
-
Zunahme der Niederschlagsereignisse in Form von Wasser durch verstärkte Verdunstung, damit stärkere Durchtränkung von Inlandeis, besonders in Senken, mit der Folge von Instabilität der Eismassen;
-
Destabilisierung von Permafrostböden infolge stärkerer Erwärmungsprozesse und langfristig beginnende Freisetzen von Methan aus Böden mit der Folge verstärkter Klimaerwärmung;
-
Zurückdrängen heimischer Tierarten wie Eisbären infolge Veränderung und Verkleinerung der Lebensräume.
Entwickeln einer Kausalkette, v. a.
-
verstärkter Süßwasserzustrom durch Abtauen des grönländischen Inlandeises;
-
damit Vermischung des abfließenden Wassers mit dem dichteren salzhaltigen und absinkenden Wasser aus der Atlantischen Umwälzströmung vor Grönland;
-
somit verminderte Absinkbewegung und Abschwächung der Tiefenwasserbildung;
-
daher Schwächung des thermohalinen Antriebs der Umwälzströmung;
-
dadurch Erlahmen des Golfstroms als Wärmelieferant für Skandinavien bis jenseits des Polarkreises.
mögliche sozioökonomische Auswirkungen, z. B.
-
Verschlechterung der Ausgangsbedingungen für Landwirtschaft und Fischerei durch Abkühlung und geringer werdenden Niederschlag infolge geringerer Verdunstung: Attraktivitätsverlust des ohnehin dünn besiedelten hohen Nordens als Wirtschafts- und Siedlungsgebiet;
-
Verfallen von Infrastruktur und geringe Attraktivität für junge Familien, damit Überalterung, fehlende Steuereinnahmen mit negativer Rückkopplung;
-
Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung des touristischen Angebots durch Einheimische aufgrund des Bevölkerungsschwunds, damit fehlende Einnahmequellen und Devisen.
Diskussion der Nutzung antarktischer Meere
Bei der Bepunktung dieser Aufgabe sind neben inhaltlicher Korrektheit in besonderem Maße folgende Kriterien zu berücksichtigen:
-
Erarbeitung elementarer Aussagen, gestützt auf Auswertung der Materialien;
-
gut strukturierte Ausführungen;
-
schlüssige Argumentation
Ökonomische Sichtweise, v. a.
-
bedeutsame Krill-Populationen und somit potenzielle Quelle für Futtermittel für Aquakulturen, Tierfutter und auch menschliche Nahrungsergänzungsmittel;
-
großer Fischreichtum und damit Befriedigung des zunehmenden Bedarfs von Fisch als Nahrungsmittel bei steigender Weltbevölkerung;
-
relativ hohe Rentabilität insbesondere bei hochpreisigen Fischarten trotz hoher Fangkosten aufgrund langer Wegstrecken;
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größte Vorkommen und höchste Fangmengen im atlantischen Teil aufgrund leichter Erreichbarkeit und Nähe zu südamerikanischen Häfen;
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bisher relativ wenig genutzte Fischfanggründe im Rossmeer und Weddellmeer aufgrund schlechterer Erreichbarkeit, hier zukünftiges Potenzial einer Ausdehnung des Fischfangs bei gleichzeitiger Überfischungsproblematik in anderen Meeresregionen;
-
saisonale Erschwerung der Fischerei aufgrund winterlicher Meereisbedeckung und Polarnacht.
Ökologische Sichtweise, v. a.
-
großer Eingriff in die marine Nahrungskette bei Überfischung des Krills und damit Gefährdung des ökologischen Gleichgewichts nicht nur antarktischer Meere;
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zusätzlich Gefährdung von Fischpopulationen aufgrund des Beifangs von noch nicht reproduktionsfähigen Jungfischen;
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Verringerung einer Kohlenstoffsenke und damit unerwünschte Rückkopplungseffekte auf das Klima;
-
Gefahr von Unfällen, v. a. in Zusammenhang mit Pack- und Treibeis, somit Schädigung des sensiblen Ökosystems und infolgedessen Dezimierung der Fischbestände;
-
starke Bemühungen, v. a. von Nicht-Regierungs-Organisationen, zum Tier- und Klimaschutz um Ausweisung von weiteren Schutzgebieten und damit Bestandssicherung bei gleichzeitiger Einschränkung der Fischerei;
-
leichtere Zugänglichkeit der antarktischen Meere infolge des rezenten Klimawandels durch schnelle Ausdehnung der eisfreien Gebiete der Antarktis.