Beispielaufgabe 4 – Stadtgeographie und Migration
1 Stadtentwicklung in verschiedenen Regionen der Erde
Anlage IV.1 zeigt sowohl den Verstädterungsgrad als auch den HDI der EU-Staaten und der Subsahara-Staaten.
Erläutere mögliche Zusammenhänge und Wechselwirkungen beider Faktoren in den jeweiligen Räumen!
In Anlage IV.2 ist der Ausschnitt einer Vorstadtsiedlung von Johannisburg (26°06’S/28°05‘O) in Südafrika zu sehen.
Gliedere das Luftbild in seine wesentlichen Raumeinheiten und lege mögliche Ursachen für die erkennbaren Stadtstrukturen dar!
Erörtere ausgehend von Anlage IV.3 das Potenzial der ruandischen Hauptstadt Kigali (1°56'S/30°3'O) als zukünftige Smart City!
2 Migration, Bevölkerung und Klimawandel
Erkläre die in Anlage IV.4 dargestellten Binnenwanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands!
Skizziere die in Anlage IV.5 dargestellte Bevölkerungsentwicklung in Esslingen und lege mögliche sich daraus ergebende Herausforderungen für die Stadtplanung dar!
Nach Aussage des Deutschen Gemeinde- und Städtebundes könnte aufgrund des gegenwärtigen Klimawandels Wasser in Städten zur Mangelware zu werden.
Erläutere mögliche Maßnahmen, dieser Herausforderung zu begegnen!
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Anlage IV.1 Verstädterungsgrad und HDI
|
EU-Staaten |
Subsahara-Staaten |
|
|
HDI (2021) |
0,894 |
0,547 |
|
Verstädterungsgrad (2020) |
ca. 73 % |
ca. 60 % |
Anlage IV.2 Luftbild einer Vorstadtsiedlung von Johannesburg

Anlage IV.3 Steckbrief zu Ruanda und Kigali sowie Definition einer Smart City*
Ruanda
|
Bevölkerung (2023): |
ca. 13,40 Millionen |
|
Größe: |
26 338 km² |
|
Amtssprachen: |
Kinyarwanda, Englisch, Französisch und Suaheli |
|
Alphabetenquote (2021) |
75,9 % |
|
Anteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze: |
38,2 % |
|
Mobiltelefone (2021): |
0,81 Anschlüsse pro Person (Europa: 1,2 pro Person) |
|
Versorgungsgrad mit Elektrizität (2019) |
48 % in ländlichen Räumen 76 % in städtischen Räumen |
|
HDI-Rang (2023): |
165 (von 191) |
Kigali
|
Bevölkerung: |
1994: ca. 0,5 Millionen 2021: ca. 1,2 Millionen |
|
Stadtgröße: |
2000: 314 km² 2021: 730 km² |
|
Slums: |
Umfassen weite Teile des Stadtgebietes in Ruanda ca. 40% der Bevölkerung Strategie Kigalis: Aufwertung statt Umsiedlung |
|
Hochschulwesen: |
8 Universitäten |
* Unter Smart City werden intelligente Steuerungssysteme und Netzwerkinfrastrukturen subsumiert, welche das städtische Leben in vielen Bereichen wie beispielsweise sozialen, ökonomischen oder ökologischen Belangen vernetzen und damit effizienter gestalten sollen. So steuern moderne Informations- und Kommunikationstechnologien Verkehrsflüsse, Beleuchtungsanlagen im Stadtraum oder Unterstützen die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen.
Anlage IV.4 Binnenwanderungssaldo Ostdeutschlands in Bezug zu Westdeutschland in den Jahren 1991, 2001, 2011 und 2021 (in Tausend).

Anlage IV.5 Bevölkerungsstruktur und -entwicklung von Esslingen nach Altersgruppen (in Prozent)

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erläuterung des Zusammenhangs von HDI und Verstädterungsgrad
Lebenserwartung, v. a.
-
in den EU-Staaten hohe Dichte an medizinischen Einrichtungen sowie starke Differenzierung des Gesundheitswesens bei Konzentration von Fachärzten und Kliniken in urbanen Räumen;
-
In den Subsahara-Staaten geringer Verstädterungsgrad und somit Verbleib großer Bevölkerungsanteile in peripheren Räumen mit entsprechend schlechter ausgebauter medizinischer Infrastruktur.
Bildung, v. a.
-
in den Städten der EU-Staaten lange Schulbesuchsdauer und umfassendes Schulsystem mit weiterführenden Schulen und Universitäten mit entsprechender Anziehungskraft für junge Bevölkerungsgruppen und jungen Familien im suburbanen Raum;
-
Fehlen eines differenzierten Schulsystems im ländlichen Raum und weite Entfernung zu Bildungseinrichtung in Städte und somit vergleichsweise geringes Bildungsniveau und kurzer Schulbesuchsdauer in den Subsahara-Staaten.
Bruttonationaleinkommen, v. a.
-
hohe Zuzugsraten in die Städte der EU-Staaten aufgrund der weit fortgeschrittenenen Industrialisierung bei entsprechend großer Wirtschaftskraft und hoher Arbeitsplatzdichte im sekundären und tertiären Wirtschaftssektor;
-
vergleichsweise hoher Anteil des primären Wirtschaftssektors und somit geringeres Bruttonationaleinkommen in den Subsahara-Staaten.
Gliederung in Raumeinheiten und Darlegen möglicher Ursachen, v. a.
-
in der linken Bildhäfte lockere, geplante Bebauung und relativ großer Anteil an Grünflächen bei entsprechend hoher Wohnqualität und guter Verkehrsinfrastruktur; Wohngebiet der Mittelschicht;
-
links der Bildmitte Hauptverkehrsstraße mit Anschlussstellen sowohl in das angrenzende Wohn- als auch in das Gewerbegebiet; trennendes Element zwischen den Raumeinheiten;
-
in der rechten Bildmitte Vorherrschen größerer Dachflächen, dicht bebautes Gewerbegebiet mit größeren Hallen mit teils schlechter Verkehrsinfrastruktur;
-
im rechten Bereich sehr dichte, wenig strukturierte Siedlung mit sehr kleinen Häusern, Wohngebiete ärmerer Bevölkerungsschichten mit kaum vorhandenen Erholungsflächen und schlechterer Infrastruktur;
-
Entstehung der Stadtstruktur aufgrund der fragmentierenden Entwicklung in Großstädten von Schwellen- und Entwicklungsländern mit sichtbarer sozialer Segregation.
Erörterung des Potenzials Kigalis
Möglichkeiten, v. a.
-
hoher Grad an technischer Unterstützung vor Ort durch zahlreiche Universitäten;
-
relativ hoher Anteil an Mobilfunk-Nutzern zu Nutzung der Dienste und Integration in das Stadtnetz;
-
relativ hoher Versorgungsgrad mit Elektrizität;
-
Englisch als Amtssprache und somit Vertrautheit mit der im IT-Bereich dominierenden Kommunikationssprache;
-
vergleichsweise leichteres Errichten der notwendigen Infrastruktur in einer dynamisch wachsenden Stadt als bei bereits länger bestehenden und somit weniger flexiblen Stadtstrukturen.
Schwierigkeiten, v. a.
-
geringe Möglichkeit der Integration von Slums in urbane Netzwerke;
-
hoher Investitionsbedarf aufgrund zum Teil noch nicht vorhandener grundlegender Infrastruktur, insbesondere in den Randlagen bei einem stark wachsenden Stadtgebiet;
-
Notwendigkeit zum permanenten Ausbau der Netze aufgrund stetig stark ansteigender Bewohnerzahlen;
-
nur teilweise Einbindung der Bevölkerung aufgrund relativ hohen Anteils an Analphabeten und Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze;
-
Gefahr von temporären Netzausfällen aufgrund unzureichend stabiler Strom- und Internetversorgung in einem Entwicklungsland.
Erklärung der Binnenwanderungsbewegungen
Positives Wanderungssaldo zugunsten Westdeutschlands bis 2011, v. a.
-
hohe Anziehungskraft hinsichtlich Arbeitsplatzangebot, Wohnraum und infrastruktureller Ausstattung westdeutscher Gebiete insbesondere unmittelbar nach der Wende;
-
vergleichsweise langsamer Ausgleich struktureller Defizite, Wegfall von Arbeitsplätzen und weiterhin niedrigeres Lohnniveau im Osten;
-
tendenziell sinkende Abwanderungszahlen durch Erreichen eines Sättigungsniveaus.
Positives Wanderungssaldo zugunsten Ostdeutschlands 2021, v. a.
-
regional vergleichsweise gute und zum Teil modernere Ausstattung Ostdeutschlands aufgrund massiver Investitionen und Subventionen;
-
wachsende Attraktivität des Wohnungsangebotes aufgrund deutlich höherer Immobilienpreise in den westlichen Bundesländern;
-
weiterhin steigende wirtschaftliche und kulturelle Attraktivität Berlins und deshalb Zuzug in den suburbanen Raum;
-
Ansiedelung von zum Teil auch internationalen Großkonzernen.
Skizzieren der Bevölkerungsstruktur- und entwicklung und Darlegen möglicher stadtplanerischer Herausforderungen
zu erwartende Bevölkerungsentwicklung, v. a.
-
größte Gruppe im erwerbsfähigen Alter bei nur minimaler zukünftiger Zunahme, jedoch weiterhin dominierende Gruppe aufgrund des hohen Ausgangsniveaus;
-
nahezu gleichmäßige Anteile der Kohorten im Kinder- und Jugendalter bei leichter Zunahme dieser Altersgruppe und damit leichter Anstieg des Anteils dieser Bevölkerungsgruppen an der Gesamtbevölkerung;
-
demographisch unauffälliger Anteil der Gruppe im Ausbildungsalter bei deutlich zu erwartenden Verlusten und damit insgesamt deutlicher Rückgang dieser Bevölkerungsgruppe;
-
der aktuellen Demographie entsprechender Anteil der Älteren bei deutlichen Zuwächsen vor allem der über 80-Jährigen.
mögliche stadtplanerische Herausforderungen, v. a.
-
Ausbau der Erziehungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche sowie Schaffung von Wohnraum für junge Familien;
-
Bereitstellung von Ausbildungsmöglichkeiten zur Minderung der Abwanderung von Auszubildenden und Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern in das benachbarte Stuttgart;
-
Ausbau der Infrastruktur für ältere Personen, wie beispielsweise Alten- und Pflegeheime sowie Barrierefreiheit im Stadtraum.
Erläuterung möglicher Maßnahmen, v. a.
-
Verbot nicht notwendigen Wasserverbrauchs wie für Pools oder zur Bewässerung großer Rasenflächen insbesondere durch Nutzung privater Pumpen und damit Schutz der Grundwasservorräte;
-
Aufklärungsmaßnahmen der Bürgerinnen und Bürger zur Sensibilisierung für die Problematik sowie Vorschriften für Neubauten zur Reduzierung des Wasserverbrauchs;
-
Subvention privater Wasserspar- und Regenwasserauffangeinrichtungen zur Reduktion des Trinkwasserverbrauchs als Nutzwasser;
-
Anlegen großer Speicherbecken zur Bevorratung von Wasser in humiden Phasen für zukünftige Trockenperioden sowie Pläne zur Wasserüberleitung aus Überschussgebieten;
-
Erstellen von Notfallplänen zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser.