Aufgabe B – Unsere Gesellschaft – eine klasse Gemeinschaft
Gemeinsam von Anfang an
Definiere den Grundlegenden Begriff Primäre Sozialisation.
Beschreibe die Karikatur M1 und erläutere deren Aussage in Bezug auf eine gelingende Primäre Sozialisation.
M1 Karikatur

Mit der sozialpädagogischen Familienhilfe unterstützt der Sozialstaat den Prozess der Primären Sozialisation.
Erläutere ausführlich zwei Vorteile, die zeigen, dass der Sozialstaat langfristig von der Förderung der Kinder durch sozialpädagogische Familienhilfe profitiert.
Gemeinsam in der Schule
Definiere den Grundlegenden Begriff Klassenklima und beschreibe kurz drei Auswirkungen eines positiven Klassenklimas.
M2 Fallbeispiel
Eine Gruppe von vier Schülerinnen informiert im Rahmen der Projektpräsentation über die gruppendynamischen Prozesse nach Tuckman:
„Zu Beginn der 5. Jahrgangsstufe kamen wir aus unterschiedlichen Schulen und kannten nur wenige in unserer Klasse. Zunächst orientierten wir uns und nahmen vorsichtig Kontakt zu den anderen auf. Tuckman bezeichnet dieses erste Kennenlernen der Gruppenmitglieder mit dem Begriff ‚Forming‘. […]“
Führe den Vortrag (M2) fort, indem du die darauf folgenden drei Phasen der Gruppenentstehung nach Tuckman ausführlich beschreibst. Verwende sozialwissenschaftliche Fachbegriffe.
Gemeinsam ankommen
Definiere den Grundlegenden Begriff Migration.
M3 Fallbeispiel
Ole (34) aus dem schwedischen Stockholm hat bei einem Online-Dating-Portal Maria (37) kennengelernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Nach sechsmonatiger Fernbeziehung zieht er zu ihr ins niederbayerische Passau.
Nenne und erläutere drei Kompetenzen, über die Ole (M3) verfügen sollte, damit seine Integration gelingt.
Gemeinsam solidarisch
Beschreibe ausführlich den demografischen Wandel auf der Grundlage der Bevölkerungsdiagramme Deutschlands zu den Jahren 1910 und 2023 (M4).
M4 Bevölkerungsdiagramme

Definiere den Grundlegenden Begriff Generationenvertrag.
Die Finanzierung des Generationenvertrags ist aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland zunehmend herausfordernd.
Erkläre diesen Zusammenhang anhand von zwei Aspekten.
Beschreibe kurz vier konkrete Maßnahmen des Sozialstaates zur Sicherung des Generationenvertrags.
Gemeinsam im Alter
M5 Fallbeispiel
Nach dem Tod ihres Mannes im letzten Jahr wohnte Inge (78) zunächst allein in ihrem Haus. Nun hat sie seit einigen Wochen einen neuen Mitbewohner: Lucas (22), der Gesundheits- und Pflegemanagement studiert, lebt mietfrei in einem Zimmer im Obergeschoss. Er zahlt lediglich Nebenkosten für Wasser, Gas und Strom.
Dafür übernimmt Lucas Arbeiten im Haushalt, geht Einkaufen, mäht den Rasen oder kocht zusammen mit der rüstigen Seniorin. Für jeden Quadratmeter seines Zimmers hilft er eine Stunde im Monat mit. Vermittelt wurde die Wohnpatenschaft von dem Projekt „Wohnen für Hilfe“. Die Mitarbeitenden stellten den Kontakt zwischen Inge und Lucas her; der „Tauschhandel“ wurde dann von den beiden individuell besprochen. Sie mussten lediglich darauf achten, dass medizinische und pflegerische Dienste ausgenommen sind.
Sowohl Inge als auch Lucas können von dem dargestellten Wohnprojekt (vgl. M5) profitieren.
Beschreibe für beide jeweils drei konkrete Vorteile.
Formuliere ein Fallbeispiel zu einem Interrollenkonflikt, den Lucas (M5) bedingt durch diese Wohnsituation zu bewältigen hat. Belege im Anschluss, dass es sich um einen Interrollenkonflikt handelt.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erste Phase der Sozialisation in der frühen Kindheit: die Grundlagen für soziale Beziehungen werden geschaffen.
Mögliche Beschreibung:
Mutter und Kleinkind sind auf dem Spielplatz. Während das Kind auf der Schaukel Kunststücke macht und erwartungsvoll zu seiner Mutter blickt, sitzt diese auf einer Parkbank und starrt in ihr Smartphone. Als Gedankenanstoß steht die Frage „Heute schon in echt geliked?“ über der Szene.
Mögliche Aussage:
Mit dieser Frage wird die Problematik aufgeworfen, dass ein Kind insbesondere in den ersten drei Lebensjahren, also während der Primären Sozialisationsphase, (reale) Personen braucht, die seine Entwicklung fördern. Stabile Bezugspersonen bestärken das Kind, indem sie es beispielsweise für ein Verhalten loben. Heute sind die Eltern jedoch oft online und liken dort Beiträge und Content anderer Personen, anstatt ihrem Kind Anerkennung und Wertschätzung zu geben und somit zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung beizutragen.
Mögliche Vorteile:
-
Ein Sozialpädagoge unterstützt die Familie in einer schwierigen Situation, so dass die Kinder in einer stabileren Umgebung aufwachsen und sich so z. B. auf das Schulische konzentrieren können. Im späteren Leben kann sich dies insofern auswirken, dass sie mit einem schulischen Abschluss eine Berufsausbildung machen und somit als Erwachsene in die Sozialversicherungen einzahlen.
-
Die Familienmitglieder können Konfliktlösefertigkeiten unter Anleitung von Sozialpädagoginnen und -pädagogen des Jugendamts erlernen. Langfristig kann sich dies so auswirken, dass Kinder psychisch stabil und gesund sind und keine Leistungen der Krankenversicherung benötigen, die den Sozialstaat belasten.
-
Weitere mögliche langfristige Vorteile für den Sozialstaat: Keine Auszahlungen von Arbeitslosengeld und Bürgergeld, Wohngeld
Subjektiv wahrgenommene Atmosphäre in einer Klasse, beeinflusst durch den Umgang zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften sowie der Schülerschaft untereinander.
Mögliche Auswirkungen:
-
Positives Lernklima
-
Wohlfühlen in der Gemeinschaft
-
Wir-Gefühl und Identifikation
-
Konstruktive Konfliktlösung
-
Weniger Aggressivität und Vandalismus
-
Phase 2: Storming – Kampfphase: „Wir merkten schnell, wen wir sympathisch fanden und wen wir eher mieden. Wir hatten sogar Machtkämpfe um die sozialen Rollen.“
-
Phase 3: Norming – Organisationsphase: „Wir trafen Vereinbarungen zur Zusammenarbeit und definierten gruppeninterne Normen und Werte. Unsere Produktivität nahm zu.“
-
Phase 4: Performing – Leistungsphase: „Erst jetzt konnten wir dauerhaft kooperieren und wertschätzend miteinander umgehen. Wir arbeiteten selbstständig sowie effektiv und wurden in unseren Rollen flexibler.“
Die Phase „Adjourning – Auflösungsphase“ ist laut Aufgabenstellung hier nicht verlangt.
Dauerhafter Wohnortwechsel von Menschen innerhalb eines Landes (= Binnenmigration) bzw. über Staatsgrenzen hinweg (= internationale Migration).
Mögliche Kompetenzen:
-
Kommunikative Kompetenz → Bereitschaft, sich Sprachkenntnisse anzueignen
-
Offenheit → Interesse an den Menschen vor Ort und Neugier auf die örtliche Kultur
-
Interkulturelle Kompetenz → Fähigkeit zum angemessenen Umgang mit Menschen am neuen Wohnort in Niederbayern
-
Flexibilität → Anpassung an ihm unbekannte Situationen im neuen Land und „Biegsamkeit“ hinsichtlich seiner Erwartungshaltungen, wenn z. B. seine beruflichen Qualifikationen nicht anerkannt werden
Der demographische Wandel zeigt sich in folgender Veränderung der Bevölkerungsstruktur:
Im Jahr 1910 zeigt das Bevölkerungsdiagramm eine Pyramidenform mit einer hohen Anzahl an Geburten und einer geringen Zahl an Seniorinnen und Senioren. Insgesamt steigt die Zahl der Gesamtbevölkerung.
Im Jahr 2023 dagegen ist die Urnenform zu sehen. Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Personen im mittleren und hohen Erwachsenenalter gering. Dagegen stellt die Bevölkerungsgruppe der Seniorinnen und Senioren, die im Vergleich zum Jahr 1910 eine gestiegene Lebenserwartung haben, den größten Anteil dar. Die Zahl der Gesamtbevölkerung würde ohne Zuwanderung sinken.
„Solidarischer“ Vertrag, nach dem die aktiven Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen die gesetzlichen Renten der älteren Generation finanzieren und damit einen Rechtsanspruch auf eine gesetzliche Rente erwerben.
Mögliche Aspekte:
-
Der Generationenvertrag ist heute schwieriger zu erfüllen, da eine relativ geringe Anzahl von Erwerbstätigen mit ihren Beitragszahlungen die Renten einer hohen Anzahl von Rentenempfängern finanziert.
-
Gleichzeitig verlängert sich die Rentenbezugsdauer, da die Lebenserwartung steigt, wodurch die Anzahl der Rentenempfänger weiter zunimmt.
-
Wegen der geringen Geburtenrate fehlen künftige Erwerbstätige, die Beitragszahlungen leisten und damit den Generationenvertrag aufrechterhalten könnten.
Mögliche Maßnahmen:
-
Gezielte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland
-
Anhebung des Renteneintrittsalters
-
Erhöhung der Beiträge für die Rentenversicherung
-
Ausweitung des Betreuungsangebots, Kindergelds und Elterngelds, um die Geburtenrate zu erhöhen
-
Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt
-
Senkung der Rentenzahlungen
Mögliche Vorteile für Lucas:
-
Vertiefung sozialer Kompetenzen wie Empathie, Kommunikationsfähigkeit
-
Sammeln von praktischen Erfahrungen für sein Studium
-
Ersparnis von Mietkosten
-
Als Student vergleichsweise gehobene Wohnsituation (Garten, ...)
Mögliche Vorteile für Inge:
-
Unterstützung im Haushalt und im Garten
-
Sozialer Kontakt zu jungen Menschen
-
Unterstützung bei digitaler Kommunikation
-
Möglichkeit, in vertrauter Umgebung wohnen zu bleiben
Mögliches Fallbeispiel:
-
In seiner Rolle als Freund erwartet seine Clique, dass Lucas an einer lang geplanten Ganztages-Radtour am Samstag teilnimmt.
-
In seiner Rolle als Mitbewohner erwartet Inge von Lucas, dass er kurzfristig am Samstag noch Lebensmittel vom Wochenmarkt einkauft.
→ Es handelt sich um einen Interrollenkonflikt: Die Erwartungen an seine unterschiedlichen Rollen stehen in einem Widerspruch, da Lucas nicht gleichzeitig an der geplanten Radtour teilnehmen und die Besorgung erledigen kann.
Bewertungsvorschlag:
-
Jede Rolle mit jeweiliger Rollenerwartung: je 2 Punkte
-
Herausarbeitung des Konflikts mit Beleg des Interrollenkonflikts: 2 Punkte