Vorschlag A – Zuckersüß
Hoch verarbeitete Nahrungsmittel, die mit Fructose-Glucose-Sirup gesüßt sind, sind weit verbreitet. Werden sie häufig konsumiert, erhöht sich das Risiko, am Metabolischen Syndrom zu erkranken. Dabei handelt es sich um Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels, die in der Regel mit Übergewicht und Bluthochdruck einhergehen.
Untersuchungen an genetisch modifizierten Mäusen tragen dazu bei, die Mechanismen zu verstehen, die diesen Stoffwechselstörungen zugrunde liegen.
Nenne die Teilschritte der Zellatmung sowie die Zellkompartimente, in denen sie jeweils stattfinden.
Gib die Edukte und Produkte der ersten drei Teilschritte an.
Fasse die in Tabelle 1 dargestellten Auswirkungen der Aufnahme von Glucose und Fructose auf den Menschen vergleichend zusammen. (Material 1)
Analysiere die Ergebnisse der in Material 2 dargestellten Untersuchungen. (Material 2)
Erkläre die Ergebnisse der in Material 2 dargestellten Untersuchungen mithilfe von Material 3. (Material 2 und 3)
Erörtere die Verwendung von HFCS aus der Perspektive der Konsumenten sowie der Lebensmittelindustrie. (Material 1 und 4)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Wirkung von Glucose und Fructose auf den Menschen
Für Fettleibigkeit gilt neben Bewegungsarmut vor allem der Konsum von Kohlenhydraten als ursächlich, z. B. aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Diese enthalten häufig Glucose, Fructose oder eine Kombination beider Monosaccharide als Süßungsmittel. Insbesondere Lebensmittel, die fructosehaltigen Maissirup (HFCS, High Fructose Corn Syrup) als Süßungsmittel enthalten, stehen im Verdacht, das sogenannte Metabolische Syndrom auszulösen, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Es handelt sich dabei um eine Störung des Fett- und Zuckerstoffwechsels. Das Hauptsymptom ist Übergewicht mit einer großen Menge an Bauchfett. Ein weiterer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist eine langfristig hohe Cholesterinkonzentration im Blut, die zu Gefäßschäden führt.
In diesem Zusammenhang untersuchten Forschende die Auswirkungen der Aufnahme von Glucose und Fructose bei Menschen. Dafür nahmen gesunde Personen über einen Zeitraum von 10 Wochen frei wählbare Nahrungsmittel zu sich. Jeweils 25 % des berechneten täglichen Energiebedarfs wurden durch den Konsum von Getränken gedeckt, die entweder mit Glucose oder mit Fructose gesüßt waren. Nach 8 Wochen wurden verschiedene Messgrößen bestimmt.
Tabelle 1: Auswirkungen der Aufnahme von Glucose bzw. Fructose
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Glucose |
Fructose |
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Änderung der Körperfettmenge in kg |
+ 3,2 |
+ 2,8 |
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Änderung des Bauchfettvolumens in |
+ 4,8 |
+ 8,6 |
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Änderung der Cholesterinkonzentration im Blut in mg/dL |
+ 3,9 |
+ 10,1 |
Material 2: Auswirkungen von Zuckerkonsum auf Mäuse
Um einem möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Glucose bzw. Fructose und der Veränderung des Körpergewichts sowie des Körperfettanteils auf die Spur zu kommen, untersuchten Forschende die Funktion des Enzyms Fructokinase in Mäusen. Fructokinase (FK) ist ein wichtiges Enzym des Fructoseabbaus im Kohlenhydratstoffwechsel.
Forschende untersuchten Mäuse, in denen das Gen für das Enzym Fructokinase ausgeschaltet wurde ((-)FK-Mäuse), im Vergleich zu genetisch unveränderten Mäusen (Wildtyp, WT). Die Mäuse waren zu Beginn des Untersuchungszeitraums 8 Wochen alt und damit noch nicht ausgewachsen. Über einen Zeitraum von 14 Wochen konnten beide Gruppen beliebig viel feste Nahrung zu sich nehmen. Dies wurde in beiden Gruppen ergänzt durch die Bereitstellung von Wasser ohne oder mit 10 % Glucose. Die Veränderung des Körpergewichts der Mäuse sowie der Fructosegehalt in der Leber wurden gemessen.
Abbildung 1: Veränderung des Körpergewichts

Abbildung 2: Fructosegehalt der Leber

Material 3: Stoffwechselwege in der Leber
Das Enzym Fructokinase (FK) katalysiert den ersten Schritt des Fructose-Stoffwechsels, indem es Fructose zu Fructose-1-phosphat phosphoryliert. Für einen der frühen Schritte des Glucoseabbaus in der Glykolyse ist hingegen das Enzym Phosphofructokinase (PFK) verantwortlich, das Fructose-6-phosphat zu Fructose-1,6-bisphosphat umwandelt.
Abbildung 3: Stoffwechsel von Kohlenhydraten in der Leber

Material 4: Fructosehaltiger Maissirup (HFCS) in der Lebensmittelindustrie
Insbesondere in der Lebensmittelindustrie der USA wird HFCS als Süßungsmittel für Lebensmittel, wie z. B. Softdrinks, eingesetzt. Dieser Sirup enthält mindestens 55 % Fructose sowie Glucose. Der verbreitete Einsatz durch Unternehmen der Lebensmittelindustrie ist vor allem durch die sehr starke Süßkraft von Fructose begründet. Für die Herstellung von HFCS wird vor allem gentechnisch veränderter Mais genutzt, dessen Anbau staatlich subventioniert wird.
Demgegenüber steht die alarmierende Zunahme von Menschen mit Symptomen des Metabolischen Syndroms wie z. B. Fettleibigkeit: Im Jahr 2021 betrug nach Angaben der OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development) in den USA der Anteil an übergewichtigen Menschen 67,5 %, bei den Männern sogar 72,9 %. Im Vergleich hierzu sind in Deutschland 52,7 % der Menschen übergewichtig. In den USA starben im Jahr 2022 etwa 700.000 Menschen an Herzkrankheiten, die damit die Liste der Todesursachen anführen. Die Kosten für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden für das Jahr 2025 weltweit mit ca. 1000 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
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Glykolyse im Cytoplasma:
Glucose, ADP+Pi, NAD+ → Pyruvat, ATP, NADH+H+
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Oxidative Decarboxylierung in der Mitochondrienmatrix:
Pyruvat, NAD+ , CoA → Acetyl-CoA, CO2, NADH+H+
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Citratzyklus in der Mitochondrienmatrix:
Acetyl-CoA, ADP+Pi bzw. GDP+Pi, NAD+ , FAD → CO2, ATP bzw. GTP, NADH+H+ , FADH2
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Endoxidation an der inneren Mitochondrienmembran
Vergleichend zusammenfassen:
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Anstieg aller Werte im Untersuchungszeitraum für Fructose und Glucose
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geringere Zunahme der Gesamtkörperfettmenge bei Fructose im Vergleich zu Glucose
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jedoch deutlich stärkere Zunahme des Bauchfettvolumens und mehr als doppelt so hoher Anstieg der Cholesterinkonzentration bei Fructose im Vergleich zu Glucose
Analysieren:
Abb. 1:
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Bei allen Mäusen nahm das Körpergewicht (KG) über 14 Wochen zu.
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Die Gewichtszunahme war bei Mäusen, die Wasser konsumierten, geringer als bei den Mäusen, die Glucose-Lösung zur Verfügung hatten.
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Stand WT-Mäusen bzw. (-)FK-Mäusen nur Wasser zur Verfügung, unterschied sich die Gewichtsentwicklung nicht wesentlich.
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Konsumierten die Tiere Glucose, nahmen WT-Mäuse mit intakter FK im Untersu- chungszeitraum deutlich stärker zu als (-)FK-Mäuse.
Abb. 2:
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Der Konsum von reinem Wasser führte bei beiden Mausgruppen zum gleichen Gehalt von Fructose in der Leber.
-
Nahmen WT- und (-)FK-Mäuse Glucose mit der Flüssigkeit auf, war der Fructosegehalt in ihrer Leber deutlich höher als bei Wasserkonsum.
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Dieser Effekt war bei (-)FK-Mäusen ohne funktionierende Fructokinase geringfügig ausgeprägter.
Erklären:
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Da die untersuchten Mäuse noch nicht ausgewachsen sind, nimmt das Körpergewicht bei allen Mäusen im Untersuchungszeitraum zu (auch dann, wenn ausschließlich Wasser konsumiert wurde).
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Sowohl WT-Mäuse als auch (-)FK-Mäuse können Glucose in Fructose umwandeln. Daher haben sowohl WT- als auch (-)FK-Mäuse, die zusätzlich Glucose konsumierten, einen höheren Fructosegehalt der Leber als Mäuse, die ausschließlich Wasser konsumierten (Abb. 2).
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Die deutliche verstärkte Zunahme des Körpergewichts der WT-Mäuse mit intakter FK, die zusätzlich Glucose konsumierten (Abb. 1), liegt daran, dass sie die synthetisierte Fructose mithilfe von FK verstoffwechseln und in Lipide umwandeln (Abb. 3).
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Außerdem unterliegt FK im Gegensatz zur PFK keiner ATP-abhängigen Regulation, sodass Fructose auch bei hoher Energieverfügbarkeit für den Aufbau von Lipiden und damit von Körperfett genutzt wird (Abb. 3): Steht viel Glucose zur Verfügung, läuft die Zellatmung in hohem Maß ab, wodurch viel ATP entsteht. Dies hemmt den Abbau von Glucose durch PFK. Dadurch wird mehr Glucose in Fructose und anschließend in Fett umgewandelt, da die FK durch ATP nicht gehemmt wird. Dies führt dazu, dass das Körpergewicht von WT-Mäusen mit intakter FK am stärksten ansteigt (Abb. 1).
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Bei (-)FK-Mäusen ist dagegen eine Umwandlung der aus der aufgenommenen Glucose gebildeten Fructose in Körperfett aufgrund der funktionsunfähigen FK nicht möglich, weshalb diese Mäuse weniger zunehmen und einen etwas höheren Fructose-Gehalt in der Leber aufweisen als die WT-Mäuse.
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Allerdings nehmen auch (-)FK-Mäuse bei Glucosekonsum stärker zu als bei Wasserkonsum, da die überschüssige Glucose, die nicht in der Zellatmung verbraucht wird, vor allem als Körperfett gespeichert wird.
Erörtern:
Es wird eine schlüssige Argumentation erwartet, die den Einsatz von HFCS aus der Perspektive der Konsumenten und aus der Perspektive der Lebensmittelindustrie betrachtet und zu einer begründeten Einschätzung führt.
Konsumenten, z. B.:
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grundsätzliches Selbstbestimmungsrecht bezüglich Ernährungsgewohnheiten
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drohende Zunahme des Körperfettvolumens bis hin zur Fettleibigkeit bei regelmäßigem Konsum industriell verarbeiteter Lebensmittel mit HFCS, z. B. über Softdrinks (M1)
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erhöhtes Risiko der Entwicklung eines Metabolischen Syndroms bis hin zu erhöhtem Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zusätzlich begünstigt durch erhöhten Cholesteringehalt des Bluts (M1)
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mittel- bis langfristig hohe medizinische Behandlungskosten
Lebensmittelindustrie, z. B.:
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hohe Wirtschaftlichkeit: Einsatz geringer Mengen des Süßungsmittels bei der Lebensmittelherstellung durch sehr hohe Süßkraft von HFCS (M4)
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Nutzung von preiswert produziertem gentechnisch verändertem Mais durch staatliche Subventionierung, dadurch niedrige Produktionskosten (M4)
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Begünstigung des anhaltend hohen Konsums durch attraktive Verbraucherpreise
Mögliche Einschätzung:
Die Gewinne der Lebensmittelindustrie werden auf Kosten der Gesundheit von Verbrauchern erwirtschaftet, die entstehenden Gesundheitskosten müssen jedoch von den Verbrauchern bzw. dem Gesundheitssystem aufgebracht werden.