Aufgabe C — Sonnenobservatorium Aditya-L1
Die indische Weltraumorganisation ISRO (Indian Space Research Organisation) startete am 02.09.2023 ihr Sonnenobservatorium „Aditya-L1“, das seinen Zielorbit um den Punkt L1 zwischen Erde und Sonne am 06.01.2024 erreicht hat. Aditya-L1 soll umfangreiche Untersuchungen zur Sonne durchführen.
Die Sonne erzeugt ein Gravitationsfeld, in dem sich die Erde und Aditya-L1 um die Sonne herum bewegen.
Erläutere den Unterschied der physikalischen Größen „Gravitationskraft“ und „Gravitationsfeldstärke“.
Erkläre, dass sich Aditya-L1 nahezu auf einer kreisförmigen Bahn um die Sonne bewegt.
Berechne mit Hilfe der Daten aus Material 1, mit welcher Geschwindigkeit sich der Punkt L1 um die Sonne bewegt.
[Kontrollergebnis: ]
Berechne die Kreisbahngeschwindigkeit der Erde mit Hilfe der in Material 1 gegebenen Daten unter Verwendung eines Kraftansatzes. Vergleiche das Ergebnis mit der Geschwindigkeit von Punkt L1.
Das Sonnenobservatorium Aditya-L1 hat sich nahe der direkten Verbindungslinie zwischen Erde und Sonne von der Erde aus nach L1 bewegt.
Fülle die dritte Tabellenzeile in Material 2 aus. Weise anhand eines Diagramms nach, dass
gilt. Ermittle den Anstieg der Ausgleichsgeraden des Diagramms und berechne die Gravitationskonstante mit diesem Anstieg.
Erkläre den Verlauf des Diagramms in Material 3. Gehe insbesondere auf die Nullstelle und deren Bedeutung für die Treibstoffversorgung von Aditya-L1 ein.
Am Starttag, dem 02.09.2023, wurde Aditya-L1 auf eine elliptische Umlaufbahn um die Erde gebracht.
Berechne mit Hilfe von Material 4 die Umlaufzeit auf der Ellipsenbahn E1.
Beschreibe qualitativ, wie sich die Geschwindigkeit von Aditya-L1 während der Bewegung auf den jeweiligen Ellipsenbahnen um die Erde verändert hat.
Aditya-L1 befindet sich nicht direkt im Punkt L1, sondern bewegt sich dauerhaft um diesen Punkt herum. Begründe mit Hilfe von Material 4, warum das Sonnenobservatorium nach einigen Jahren seinen Betrieb einstellen muss, und erläutere ein mögliches Ende der Mission.
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Das Sonnenobservatorium Aditya-L1 befindet sich nahezu am Punkt L1. Aufgrund der Rotation der Erde um die Sonne bewegt sich auch der Punkt L1 auf der Kreisbahn K um die Sonne. L1 befindet sich dabei auf der gestrichelt dargestellten Verbindungslinie zwischen Erde und Sonne. (Abbildung nicht maßstabsgerecht)

Abbildung 1: Aditya-L1 im Sonne-Erde-System
Daten:
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Erdradius:
-
Abstand Sonne - Erde:
-
Abstand Erde - Aditya-L1:
-
Masse der Sonne:
-
Masse der Erde:
-
Umlaufzeit von Aditya-L1 um die Sonne:
Material 2: Gravitationsfeldstärke in der Nähe der Erde
Aditya-L1 passiert auf ihrem Weg nach L1 Punkte, die auf der direkten Verbindungslinie zwischen Erde und Sonne liegen. Die folgende Tabelle zeigt die Gravitationsfeldstärke an diesen Punkten, wobei der Abstand zum Massenmittelpunkt der Erde und
die Gravitationsfeldstärke ist.
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Material 3: Gravitationsfeldstärke zwischen Erde und L1
Das Diagramm zeigt ergänzend zur Tabelle aus Material 2 die Gravitationsfeldstärke zwischen Erde und L1, der Aditya-L1 auf dem Weg nach L1 in etwa ausgesetzt war. ist der Abstand von L1 zur Erde.

Abbildung 2: Gravitationsfeldstärke zwischen Erde und L1
Material 4: Beschreibung der Flugbahn von Aditya-L1
Es ist die Flugbahn von Aditya-L1 in vereinfachter Form und nicht maßstabsgetreu dargestellt. Am 02.09.2023 startete das Sonnenobservatorium, separierte sich am Punkt S von seiner Trägerrakete und schwenkte auf die Ellipsenbahn E1 ein. Aditya-L1 flog auf insgesamt immer größer werdenden Ellipsenbahnen, bis es sich am 18.09.2023 auf der Ellipsenbahn E4 befand. Die Umlaufdauer auf E4 beträgt
Tage. Am 19.09.2023 machte es sich auf den Weg in den Orbit um L1.
Der Punkt L1 ist ein besonderer Punkt. Ein Objekt in L1 kann sich antriebslos um die Sonne bewegen. Der Punkt ist aber instabil, so dass eine kleine Abweichung von diesem Punkt dafür sorgt, dass das Objekt zum nächstliegenden Himmelskörper abdriftet. Um das unkontrollierbare Abdriften zu verhindern, muss sich Aditya-L1 dauerhaft auf einer Umlaufbahn um den Punkt L1 bewegen.
Aditya-L1 wird in dieser Umlaufbahn über Solarzellen mit Energie versorgt. Eine Batterie versorgt das Observatorium mit Strom, falls die Solarzellen aus irgendeinem Grund nicht zur Sonne ausgerichtet sind. (Abbildung nicht maßstabsgerecht)

Abbildung 3: Flugbahn von Aditya-L1
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Die Gravitationsfeldstärke ist eine ortsabhängige Größe, die angibt, wie groß die Kraftwirkung auf eine Probemasse von ist. Im Unterschied dazu beschreibt die Gravitationskraft die tatsächliche Kraft, die auf einen spezifischen Körper mit einer bestimmten Masse wirkt, wenn sich dieser innerhalb des Gravitationsfeldes befindet.
Die Erde bewegt sich auf einer Kreisbahn um die Sonne, da die von der Sonne ausgeübte Gravitationskraft als Radialkraft (Zentripetalkraft) wirkt und die Erde somit auf ihre Kreisbahn zwingt. Auch der Lagrange-Punkt L1 (und damit die Sonde Aditya-L1) führt eine Umlaufbewegung um die Sonne aus. Diese Bewegung resultiert aus dem kombinierten Einfluss der Gravitationskräfte von Sonne und Erde.
Zunächst muss der Bahnradius von Aditya-L1 bestimmt werden. Dieser ergibt sich aus der Differenz des Abstands Sonne-Erde (
) und des Abstands Erde-Aditya (
):
Die Umlaufdauer entspricht gemäß Material 1 einem Jahr:
Daraus lässt sich die Bahngeschwindigkeit berechnen:
Um die Kreisbahngeschwindigkeit der Erde um die Sonne zu bestimmen, werden zunächst die Radialkraft und die Gravitationskraft
gleichgesetzt:
Das kann nach der Geschwindigkeit der Erde umgestellt werden. Mit den Werten aus Material 1 für die Masse der Sonne
und den mittleren Abstand Sonne - Erde
ergibt sich somit:
Somit bewegt sich die Erde schneller um die Sonne als der Punkt L1.
Ausfüllen der Tabelle
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Nachweisen der Proportionalität
Mit Hilfe der Werte aus der Tabelle kann ein Diagramm erstellt werden:

Im Diagramm lässt sich erkennen, dass die Messwerte nahezu auf der Ausgleichsgeraden durch den Koordinatenursprung liegen, was den proportionalen Zusammenhang nachweist.
Ermitteln der Steigung und berechnen der Gravitationskonstante
Um die Steigung der Ursprungsgeraden zu ermitteln, wird beispielsweise der Punkt
mit ungefähr
gewählt. Daraus ergibt sich als Steigung:
Aus der Gleichung folgt durch Umstellung
Da im Diagramm
gegen
aufgetragen wurde, entspricht die Steigung
genau dem Produkt
Für die Gravitationskonstante
ergibt sich somit:
Das Vorzeichen der resultierenden Gravitationsfeldstärke gibt Auskunft darüber, ob die Gravitationskraft der Sonne oder der Erde dominiert. Dabei gilt, dass die Gravitationsfeldstärke positiv ist, solange die Anziehungskraft der Erde überwiegt. Mit zunehmendem Abstand zur Erde gewinnt die Gravitationskraft der Sonne an Einfluss, bis es an einem bestimmten Punkt zu einem Kräftegleichgewicht kommt, dieser Punkt ist im Diagramm die Nullstelle. Jenseits dieses Punktes überwiegt die Anziehung der Sonne, und das Vorzeichen im Diagramm wird negativ.
Dass die Raumsonde Aditya-L1 hinter diesem Gleichgewichtspunkt von der Sonne angezogen wird, kann sich zu Nutzen gemacht werden, indem die Sonnengravitation genutzt wird, um zum Punkt L1 zu gelangen. Die Raumsonde „fällt“ somit in Richtung L1, dadurch kann Treibstoff eingespart werden, wodurch weniger Treibstoff für die Mission benötigt wird.
Um die Umlaufzeit auf der Ellipsenbahn E1 zu ermitteln, wird das 3. Keplersche Gesetz verwendet:
Die Umlaufzeit der Bahn E4 ist in Material 4 mit
gegeben. Somit müssen nur noch die Längen der großen Achse
der Ellipse E4 und der großen Achse
der Ellipse E4 bestimmt werden.
Das gelingt mit Hilfe der Werte aus der Abbildung 3:
Somit ergibt sich für die Umlaufzeit
Die Geschwindigkeit der Raumsonde Aditya-L1 ist auf ihrer elliptischen Bahn nicht konstant.
Im erdnächsten Punkt hat die Sonde jeweils ihre maximale Geschwindigkeit erreicht, da sie auf dem Weg dorthin durch die Gravitationskraft der Erde beschleunigt wurde.
Während sich die Sonde von der Erde entfernt und auf den erdfernsten Punkt zufliegt, wirkt die Gravitationskraft der Bewegung entgegen. Dadurch verringert sich die Bahngeschwindigkeit kontinuierlich, bis sie im erdfernsten Punkt ihr Minimum erreicht. Anschließend beginnt der Prozess von Neuem.
Die Positionierung der Sonde am Punkt L1 bringt Herausforderungen mit sich, die das Missionsdesign bestimmen:
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Der Punkt L1 stellt ein instabiles gravitatives Gleichgewicht dar. Bereits minimale Störungen der Position würden ohne Gegenmaßnahmen dazu führen, dass die Sonde entweder zur Sonne hin beschleunigt wird oder unkontrolliert in Richtung Erde zurückfällt.
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Aufgrund der Instabilität verharrt Aditya-L1 nicht statisch an diesem Punkt, sondern umkreist ihn. Um diese Position zu halten, sind ständige Korrekturmanöver notwendig. Falls die Solarzellen zu wenig Sonnenstrahlung erhalten, wird dafür die Energie der Batterie verbraucht, was zur Entladung und irgendwann zum Ausfall der Batterie führt.
Eine Strategie für das Missionsende könnte sein, die Sonde gezielt in eine stabile Umlaufbahn um die Sonne zu bringen. Dadurch wird ausgeschlossen, dass Aditya-L1 nach Ende der Mission unkontrolliert in die Erdumlaufbahn gerät.
Alternativ wäre ein kontrollierter Rückflug zur Erde theoretisch denkbar. Allerdings müsste dafür ausreichend Energie eingeplant werden, was diese Option energetisch ungünstig macht, besonders weil Aditya-L1 im Gegensatz zum Hinflug nun gegen die Gravitationskraft der Sonne arbeiten müsste.