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Inhaltsverzeichnis

Thema 2

Erörterung eines literarischen Textes

Thema

Stefan Schmitt: Lichtschutzfaktor gaga (2025)

Aufgabenstellung

Erörtere die Bedeutung sozialer Medien für das Thema Gesundheit.

  • Stelle die Kernaussagen des Textes sowie die Position des Autors dar.

  • Setze dich ausgehend vom Text argumentativ mit der Frage auseinander, ob soziale

    Medien für den Austausch bzw. die Aufklärung über gesundheitsrelevante Themen

    geeignet sind.

Hinweis:

Der Schwerpunkt liegt auf der argumentativen Auseinandersetzung (zweiter Anstrich).

Stefan Schmitt: Lichtschutzfaktor gaga

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Beginnen wir mit drei Schlagwörtern. #SonneTanken, #NatürlichBräunen, #OhneSonnencreme.
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Willkommen in der bizarren Parallelwelt von Instagram und TikTok, wo sich Influencer und
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Beeinflusste gegenseitig warnen. Wovor bitte? Vor Sonnenschutz!

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Das gibt’s wirklich. Autodidaktische Mahner verbreiten in den sogenannten sozialen Medien
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die Botschaft: Gesundheitsgefährdend seien nicht etwa die Sonnenstrahlen, sondern
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vielmehr Sonnenmilch und -cremes.

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Schon oberflächliches Wissen um die energiereiche UV-Strahlung der Sonne sollte gegen
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solchen Unsinn immunisieren. Und der unstrittige Zusammenhang zwischen ungeschütztem
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Sonnenbad und -brand spricht für sich selbst. Zumal der Sonnenbrand, besonders in jungen
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Jahren, das Risiko einer Hautkrebserkrankung im Verlauf des Lebens erhöht.

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Dies ist wirklich eines der einfacheren Gesundheitsthemen, eigentlich. Dass Hashtags wie
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#OhneSonnencreme trotzdem trenden, lehrt uns zweierlei über die Natur von Social Media.

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Erstens: Aufmerksamkeit gewinnt. Die Plattformen haben ein Ziel, die Nutzer sollen so viel
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Zeit wie möglich dort verbringen. Dabei hilft es, wenn sie auf Posts reagieren. Sachliche
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Information ist dafür wenig geeignet. Mit emotionalen, besser noch empörenden Inhalten
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interagieren Menschen statistisch gesehen deutlich häufiger. Also zum Beispiel, wenn
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jemand in drastischen Worten warnt, Sonnencreme sei „pures Gift“. Oder wenn eine
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weinende Nutzerin in bester YouTube-Manier ihre Sonnenmilch-Tube in die Mülltonne
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pfeffert. Der Algorithmus der Plattform registriert die Reaktionen der Nutzer und zeigt den
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entsprechenden Post vielen weiteren – ein sich selbst verstärkendes System. Was da geteilt
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wird, ist in der Logik der Plattform egal: geprüfte, seriöse, unqualifizierte oder erlogene
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Inhalte, Hauptsache, es erzeugt Aufmerksamkeit. Verantwortung für die Inhalte? Die weisen
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die Digitalkonzerne seit Jahren mit großem Lobbyeinsatz weit von sich.

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Man mag den Kopf schütteln über das verantwortungslose Sonnenbrand-Influencing (selbst
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schuld, wer’s glaubt!), doch es führt vor Augen: Digitale Missinformation, also die Verbrei-
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tung irreführender Behauptungen, kann reale Schäden anrichten.

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Das Phänomen zeigt damit zweitens, wie verletzlich unsere Gesellschaft durch soziale
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Medien geworden ist. Etwa gegenüber feindlichen Staaten, die gezielt verunsichern wollen.
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Desinformation, also Falschbehauptungen mit Täuschungsabsicht, ist auch mit pseudo-
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medizinischen Inhalten plausibel.

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Jüngst haben zwei Forscher aus Schweden ein hypothetisches Szenario für eine solche
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Kampagne formuliert, in dem sich auf den sozialen Medien in rasendem Tempo die
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Falschmeldung von einer tödlichen Grippevariante verbreitet und Menschen mit Allerwelts-
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symptomen panisch Arztpraxen und Krankenhäuser überrennen. Mit digitalen Verdum-
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mungswaffen die öffentliche Ordnung stören? Die Fachleute haben ein Wort dafür: cognitive
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warfare, kognitive Kriegsführung.

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Ob diese Fiktion einst wahr wird oder eine andere, ist naturgemäß offen. Dass es aber
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möglich ist und eine ständige Gefahr darstellt, dafür garantieren die Social-Media-Platt-
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formen.

Schmitt, Stefan (24. Juli 2025): Lichtschutzfaktor gaga. DIE ZEIT online. 20.08.2025

Stefan Schmitt ist Wissenschaftsjournalist.

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