Aufgabe B – Verkündigung & Schöpfungsethik
Thema
Verkündigung Jesu und Schöpfungsethik
Aufgabenstellung
Fasse den vorliegenden Text zusammen. (Material)
„Christus befreit uns aus alten Denk- und Lebensmustern und macht uns fähig zur Umkehr.“ (Material)
Erläutere ausgehend vom Text, wie Jesus in seinem Reden und Handeln Menschen zur Umkehr herausfordert und befähigt.
„‚Umkehr‘ […] bedeutet einen veränderten Lebensstil, der einer Ethik der Gerechtigkeit und einer Ethik der Genügsamkeit folgt.“ (Material)
Entwickle am Beispiel einer schöpfungsethischen Herausforderung, wie ein solcher veränderter Lebensstil konkret aussehen kann. Berücksichtige dabei biblisch-theologische Aspekte.
Material
Umkehr zum Leben. Eine Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (2009)
1vgl. z. B. Ps 8 und 104
2 In der Tora festgelegter und in regelmäßigen Abständen durchzuführender Schuldenerlass, der eine Neuordnung der Besitzverhältnisse und eine Aufhebung der Schuldsklaverei beinhaltet (vgl. Dtn 15,1–11)
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ist das Leitungsgremium der evangelischen Kirchen in Deutschland, das je nach Anlass Denkschriften verfasst, um zu wichtigen Fragen der Gegenwart Stellung zu nehmen.
Quelle: Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels. Eine Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 2009, S. 107–157.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Teilaufgabe 1
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Einleitung: In der 2009 erschienenen Denkschrift Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland fordern die Autorinnen und Autoren angesichts der Klimakrise einen grundlegenden Wandel des Lebensstils.
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Eingangs wird eine einschneidende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umkehr gefordert, um die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen. Diese Forderung ist verknüpft mit dem Schuldeingeständnis, dass man der Verantwortung für die Schöpfung bislang nicht ausreichend nachgekommen sei.
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Das Eingeständnis dieser Schuld ermögliche erst die Umkehr, zumal das Vertrauen auf Gottes Gnade und Veränderungen ermöglichende Kraft uns ermutigen könne. Dies zeige sich in Jesus Christus, dessen Sterben und Tod Gottes unbedingte Liebe und die Befreiung zu neuen Möglichkeiten des Lebens in Gottes Sinne gezeigt habe.
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Die menschliche Haltung gegenüber der Schöpfung dürfe sich nicht nur in Maßstäben der Nützlichkeit bewegen, sondern benötige auch den liebenden und staunenden Blick, so dass der Umgang mit der Schöpfung auf Bewahrung und gerechte Teilhabe an ihr ziele.
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Gerechtigkeit sei im Sinne des biblischen Zeugnisses eine Gabe Gottes, die der Achtung der Schöpfung und der Würde des Menschen diene. Dieses Gerechtigkeitsverständnis müsse auch für wirtschaftliche Zusammenhänge gelten und die Befähigung und Teilhabe aller Menschen – auch der zukünftigen Generationen – miteinbeziehen. Insofern sei eine Umkehr in Bezug auf unseren Lebenswandel unabdingbar, zu der wir von Christus aber auch befähigt worden seien.
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Die Endlichkeit des Lebens und der Ressourcen erforderten eine Besinnung auf unsere Grenzen. Biblisch verbürgte Traditionen hätten diese Aufforderung Gottes deswegen immer wieder angeregt.
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Der Ruf zur Umkehr dürfe nicht nur andere, sondern müsse auch uns selbst dazu auffordern; der darin erhaltene Aspekt des Verzichts werde durch ein anderes, reicheres Leben, welches sich ethisch an Gerechtigkeit und Genügsamkeit orientiere, aufgewogen.
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Die Bereitschaft zum Verzicht bedeute eine Abkehr von einer Ideologie des Wachstums, die nach einem Immer-Mehr strebe und somit einen Wertewandel beinhalten müsse.
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Diesen selbst zu verinnerlichen, vorzuleben und weiterzugeben, könne eine Veränderung der Gesellschaft bewirken, zu der Christinnen und Christen aufgefordert seien.
Teilaufgabe 2
Glaube an Jesus Christus befreit aus alten Denk- und Lebensmustern und befähigt zur Umkehr
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Im Text ist von einer „radikale[n] und umfassende[n] Umkehr“ die Rede, für die auch ein Eingeständnis des eigenen Versagens nötig sei.
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Der Glaube wird als befreiende Instanz begriffen, die zu einem „neuen und dankbaren Leben“ befähigt und auf ein verändertes Gerechtigkeitsverständnis zielt, das sich am Nächsten orientiert.
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Das veränderte Gerechtigkeitsverständnis beinhaltet Genügsamkeit und steht im Gegensatz zu einem profitorientierten Denken und Handeln.
Die Verkündigung Jesu
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Jesus selbst forderte eine radikale Nachfolge, die konkreten Regeln der Genügsamkeit unterlagen. So ließen seine in die Nachfolge gerufenen Jünger Familie, Besitz, Wohnort und Beruf zurück, um dem Wanderprediger zu folgen. (z. B. Lk 9,59–60).
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Auch innerhalb der Verkündigung Jesu geht ein Schuldeingeständnis einer Umkehr voraus. So erkennt im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32) der zurückgekehrte Sohn, dass er einen falschen Weg eingeschlagen hat. Auf seine schuldbewusste Rückkehr reagiert der Vater mit großer Freude, die dem Sohn einen Neustart ermöglicht.
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Wie sehr der Glaube zu einem neuen Leben befreit, zeigt sich auch in den sog. Therapieerzählungen. So erwähnt Jesus explizit, dass der blutflüssigen Frau (Mk 5,25–34) ihr Glaube geholfen habe. Nach dieser ganzheitlichen Heilung wird die Isolation der Frau aufgebrochen, indem diese in die Gesellschaft reintegriert wird.
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Ein den Menschen zunächst fernes Gerechtigkeitsverständnis zeigt sich in der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) wird bewusst mit dem gängigen auf Profit ausgerichteten Leistungsgerechtigkeitsgedanken gebrochen und dezidiert auf eine Bedürfnisgerechtigkeit verwiesen. In diesem Gleichnis geht es nicht um Wohlstand und das Streben nach „immer mehr“, sondern um die Sicherung des Existenzminimums der Nicht-Wettbewerbsfähigen.
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Die Frage „Wer ist mein Nächster?“, die in der Denkschrift aufgeworfen wird, ist zentrales Merkmal der Verkündigung Jesu und orientiert sich am Doppelgebot der Liebe (Lk 10,27). Indem sich Menschen am Nächsten ausrichten und auch Jesu Radikalisierung des Liebesgebots hin zur Feindesliebe in der Bergpredigt (Mt 5–7) mit bedenken, kann ein Aufbrechen alter Denkens- und Lebensmuster erfolgen, indem die Welt aus der Perspektive der Benachteiligten betrachtet wird. Diese Perspektive des Opfers zeigt sich auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,30–37).
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Umkehr und Lebensveränderung zeigen sich in der Verkündigung Jesu aber insbesondere über den Zuspruch, der allem Anspruch vorangeht. Dies wird durch die Seligpreisungen veranschaulicht, die in der Bergpredigt den konkreten Handlungsanforderungen der Antithesen vorangestellt sind. Die Annahme geht immer den Anweisungen voraus.
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Deshalb geschieht Umkehr innerhalb der Verkündigung Jesu primär über Beziehung, die durch den Glauben zum Ausdruck gebracht wird. Indem sich Jesus gesellschaftlich Marginalisierten zuwendet und Gemeinschaft mit ihnen hält, erfahren sich diese als angenommen und dazu befähigt, ihr Leben zu ändern und umzukehren (z. B. Zachäus in Lk 19,1–10).
Teilaufgabe 3
Schöpfungsethische Herausforderungen der Klimaerwärmung
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Schon heute berauben die Menschen der hoch industrialisierten Länder, die einen Großteil der schädlichen Klimagase produzieren, andere Menschen im globalen Süden ihrer Lebensgrundlage. Ihre Teilhabe an und die Möglichkeiten eines würdevollen Lebens sind dadurch stark reduziert.
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Die Zuspitzung der Klimakrise vermindert zudem die Möglichkeiten der nachfolgenden Generationen, ihr Leben mit den dann noch zur Verfügung stehenden Ressourcen menschenwürdig zu führen, da immer größere Teile der Erde unbewohnbar werden könnten.
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Konkret ist an z. B. Dürreperioden, Ernteverlust, Starkwetterereignisse, Hitzetote und Wassermangel zu denken. Dieser Verlust an Ökosystemen und urbar zu nutzendem Land könnte zudem nicht nur viele Leben kosten, sondern auch große Fluchtbewegungen auslösen.
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Diese Veränderungen erschweren dann nicht nur die Grundlagen des Lebens, sondern dürften auch zu einem verschärften Konkurrenzkampf um die geringer werdenden Ressourcen führen.
Konkret könnten für einen veränderten Lebensstil in Bezug auf Klimaschutz z. B. folgende Ideen entwickelt werden:
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individueller (teilweiser) Verzicht aufs Autofahren und/oder Flugreisen, Nennung von Alternativen für Urlaubsreisen,
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Wahl klimafreundlicher Verkehrsmittel,
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individueller Verzicht/Reduktion des Fleischkonsums,
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Wahl klimafreundlicher Lebensmittel (z. B. regionale Lebensmittel, kein Fleisch),
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niedrigere Heiztemperaturen,
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Klimapädagogik in Bildungsstätten,
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Repair-Werkstatt zur Vermeidung von Neukäufen.
Schöpfungsethische Herausforderungen des Tierschutzes
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Die dem Menschen anvertrauten Tiere werden für den (stark angestiegenen) Fleischkonsum unter unwürdigen, qualvollen Zuständen gehalten und getötet.
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Um kulturelle Nahrungstraditionen fortzuführen oder dem individuellen Genuss zu frönen, erleiden empfindungsfähige und schmerzspürende Wesen vielerlei Qualen, obwohl es andere Möglichkeiten der Ernährung gibt.
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Weiterhin ließen sich z. B. Tierversuche, das Schreddern männlicher Küken und der Konsum von Lederprodukten erwähnen, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass Tiere lediglich als Mittel zum Zweck und nicht als zu bewahrende Lebewesen angesehen werden.
Als konkrete Handlungsmöglichkeiten angesichts dieser schöpfungsethischen Herausforderung könnten z. B. folgende Ideen entwickelt werden:
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individueller Verzicht/Reduktion des Fleischkonsums,
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Wahl tierschutzfreundlicher Lebensmittel (z. B. kein Fleisch, keine Produkte aus Massentierhaltung),
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Tierschutzpädagogik in Bildungsstätten,
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Umgestaltung von Gärten und Grünflächen im Sinne der Biodiversität,
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Kochkursangebote zum vegetarischen/veganen Essen.
Biblisch-theologische Überlegungen zum Menschen und seiner Verpflichtung des „Bebauens und Bewahrens“
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Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen stattet ihn mit einer nicht hinterfragbaren Würde, aber auch einer Verantwortung für Gottes Schöpfung aus (Vgl. Gen 1,27–29; Gen 2,15; Ps 8,6–9). Die Aufgabe, die der Mensch als Bild Gottes zu realisieren hat, ist auch für das Lebensrecht der Schöpfung zu sorgen und verantwortlich mit ihren Ressourcen umzugehen.
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Sowohl die christliche Mahnung zur Nächstenliebe wie auch die Verantwortung des Menschen seinem Schöpfer gegenüber schließen eine entsprechende Gestaltung seines Lebenswandels mit ein. Eine veränderte Haltung gegenüber Klima-/Tierschutzfragen ließe sich somit als eine der Konkretisierungen des Doppelgebots der Liebe betrachten (Mt 22,37–40).
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Jesu Handeln und Verkündigung dient dem Wohle des (Mit-)Menschen. Dies wird deutlich, wenn er Kranke heilt, Außenseiter integriert oder ihnen beisteht bzw. die Fürsorge für alles Verlorene als vorbildhaft darstellt. Die Nachfolge Jesu kann insofern auch als Fürsorge für tierische und menschliche Umwelt sowie für künftige Generationen aufgefasst werden. Die Radikalität von Jesu Nachfolgeforderung (Lk 9,59–60) lässt sich gut mit der in der Denkschrift erhobenen Forderung nach umfassender Umkehr vereinbaren.
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Auch wenn die Vollendung des Reiches Gottes bei Gott selbst liegt, so ist der Mensch doch zur tätigen Mithilfe bei der Verwirklichung desselben gefordert.
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Um den Menschen die Verwirklichung einer gerechten Teilhabe an allen Ressourcen konkret zu ermöglichen, finden sich verschiedene Regeln und Rituale im Alten Testament, wie der in der Denkschrift zitierte Ruhetag und das Erlassjahr. Auch wenn die Lebensverhältnisse sich verändert haben, so gilt es doch im Geist dieser Regelungen, die eben auch Verzicht, Unterlassung, Umorientierung und Umverteilung bedeuten, zu leben, um gerecht zu handeln.
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Als Christinnen und Christen sollte uns sowohl ein verantwortungsvoller Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung wie auch die Fürsorge für den Nächsten und die Tiere am Herzen liegen – auch wenn individueller Verzicht manchmal schwerfällt und ohne eine globale Umkehr häufig nur als „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ anzusehen ist.