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Inhaltsverzeichnis

Aufgabe B – Verkündigung & Schöpfungsethik

Thema

Verkündigung Jesu und Schöpfungsethik

Aufgabenstellung

1)

Fasse den vorliegenden Text zusammen. (Material)

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2)

„Christus befreit uns aus alten Denk- und Lebensmustern und macht uns fähig zur Umkehr.“ (Material)

Erläutere ausgehend vom Text, wie Jesus in seinem Reden und Handeln Menschen zur Umkehr herausfordert und befähigt.

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3)

„‚Umkehr‘ […] bedeutet einen veränderten Lebensstil, der einer Ethik der Gerechtigkeit und einer Ethik der Genügsamkeit folgt.“ (Material)

Entwickle am Beispiel einer schöpfungsethischen Herausforderung, wie ein solcher veränderter Lebensstil konkret aussehen kann. Berücksichtige dabei biblisch-theologische Aspekte.

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Material

Umkehr zum Leben. Eine Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (2009)

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[…] Als evangelische Kirche sind wir davon überzeugt, dass zur Abmilderung der Folgen des
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Klimawandels und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen ein
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einschneidender Mentalitätswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig ist. Eine solche
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Wende zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise verlangt nach einer Umkehr, […] eine[r]
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radikale[n] und umfassende[n] Umkehr. Wir bekennen, dass wir mit dem in den Industriestaaten
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vorherrschenden Lebensstil und einem allein auf Wachstum setzenden Wirtschaftssystem dieser
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Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung nicht gerecht geworden sind. Unser Lebensstil und
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unsere Wirtschaftsweise tragen dazu bei, dass die Ressourcen der Schöpfung in unverantwortlicher
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Weise ausgebeutet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Lebenschancen beraubt werden.
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Damit machen wir uns schuldig vor Gott, seiner Schöpfung und unseren Mitmenschen.
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Der erste Schritt zur Umkehr muss deshalb sein, dass wir uns unser Versagen eingestehen und es nicht
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länger leugnen, schönreden oder die Probleme auf Nebenschauplätze verschieben. Dieses
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Eingeständnis kann eine befreiende Wirkung haben, weil wir darauf vertrauen, dass Gott uns gnädig
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ist und dass er uns die Kraft geben kann, wirklich umzukehren und neu anzufangen. Die Gnade Gottes
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und seine verändernde Macht offenbart sich in einzigartiger Weise im Leben und Sterben seines
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Sohnes Jesus Christus. In Christus hat Gott die Mächte der Sünde und des Todes überwunden, deshalb
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müssen wir nicht in unserer Schuld verfangen bleiben. Der Glaube an Jesus Christus, in dem Gott uns
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trotz aller Sünde unsere bedingungslose Liebe gezeigt hat, befreit zu einem neuen und dankbaren
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Leben, das der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung dient. […]
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Umkehr lebt auch aus der Haltung, über Gottes Schöpfung zu staunen und sich an ihrer Schönheit zu
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freuen. Man kann im ersten Schöpfungsbericht auch übersetzen: „Und siehe, es war sehr schön“
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(Gen 1,31). Dieser liebende Blick auf die Schöpfung relativiert und begrenzt den Blick des nützlichen
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Gebrauchs. Wir leben nicht nur aus einer Ökonomie der Schöpfung, sondern auch in einer Spiritualität
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gegenüber der Schöpfung.
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Die Freude und das Staunen über Gottes gute Schöpfung werden in vielen Psalmen beschrieben.1 […]
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Diese Haltung ist eine starke und positive Motivation, die gute Schöpfung Gottes zu bewahren,
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achtsam mit ihr umzugehen und die Güter der Schöpfung gerecht zu teilen. […]
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Gerechtigkeit im biblischen Sinne ist zuerst und vor allem eine Gabe Gottes, die den Menschen
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gerecht macht und ihm seine besondere Würde gibt – trotz seiner Verfehlungen. Gottes Gabe der
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Gerechtigkeit im Leben und Sterben seines Sohnes Jesus Christus ermöglicht und befähigt zu einem
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Leben, in dem Menschen einander gerecht werden und in Achtung gegenüber dem Eigenwert der
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nichtmenschlichen Natur leben. Orientierungsgröße dieser Gerechtigkeit ist Gottes gute Schöpfung
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und die Würde des Menschen. Gerecht ist demnach das, was dem von Gott geliebten Menschen dient,
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seine Würde achtet und die Schöpfung bewahrt. Daraus entfaltet sich ein Gerechtigkeitsverständnis,
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das grundlegend auch für wirtschaftliches Handeln ist und sowohl die Befähigungsgerechtigkeit und
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die Teilhabegerechtigkeit aller Menschen dieser Erde als auch die Sorge um die zukünftigen
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Generationen und den achtungsvollen Umgang mit der Schöpfung umfasst. Der Klimawandel fordert
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uns als Christen in ganz besonderem Maße heraus, zu einer neuen Lebenshaltung umzukehren.
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Christus befreit uns aus alten Denk- und Lebensmustern und macht uns fähig zur Umkehr. […]
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Durch den Klimawandel stellt sich die Frage „Wer ist mein Nächster?“ mit neuer Schärfe. Unser
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Leben ist endlich und die Güter der Erde sind begrenzt. Deshalb müssen wir sorgsam mit ihnen
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umgehen. Gott fordert uns heraus, uns auf unsere Grenzen zu besinnen. Daran erinnern uns biblische
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Traditionen, wie z. B. der von Gott geschaffene Ruhetag, der eine heilsame Unterbrechung des
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Arbeitslebens darstellt, oder auch die Tradition des Erlassjahres2, das Besitzverhältnisse in
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regelmäßigen Abständen neu ordnet und sowohl extremem Reichtum als auch extremer Armut
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Grenzen setzt. […]
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Als Christen können wir andere nicht zur Umkehr rufen, wenn wir nicht selbst bereit sind,
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umzukehren. Dieser Ruf zur Umkehr ist jedoch kein drohender, sondern ein lebensverheißender Ruf.
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„Kehret um, und ihr werdet leben“ – dieser Ruf will Zukunft ermöglichen. Nur scheinbar geht es um
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Verzicht. Dem, der es sich an Gottes Gaben genug sein lässt, der sich nicht im Streben nach immer
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mehr verausgabt, wird ein neues und reicheres Leben verheißen. Diesen „Perspektivwechsel“ des
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christlichen Glaubens zu leben und weiterzugeben, ist erste Aufgabe und Verantwortung jedes
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einzelnen Christen angesichts des Klimawandels, aus dem alle anderen ethischen und politischen
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Konsequenzen abgeleitet werden können. „Umkehr“ in diesem Zusammenhang bedeutet einen
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veränderten Lebensstil, der einer Ethik der Gerechtigkeit und einer Ethik der Genügsamkeit folgt. […]
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Wir brauchen eine stärkere Akzeptanz einer Ethik der Genügsamkeit, ja sogar eine Bereitschaft zum
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„Weniger“, zum Verzicht. Darin äußert sich auch eine Verschiebung der Werte von rein materiellem
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Wohlstand zu einem anderen Wohlstand wie z. B. Zeitwohlstand oder Reichtum an sozialen
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Beziehungen. In allen diesen Aktionen ist auch eine ideologische und praktische Abkehr vom Denken
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in den Kategorien des Wachstums zu sehen, das viele Jahre der Motor der wirtschaftlichen
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Entwicklung in Deutschland war und z. T. immer noch ist. Umweltbewusstes Wachstum sollte heute
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die Devise sein. Die Christen müssen vom Evangelium her überzeugend darlegen und vorleben, dass
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das Leben sich nicht im Streben nach „immer mehr“ erschöpft. Je mehr ihnen dies gelingt, umso mehr
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werden sie auch verändernd in die Gesellschaft hineinwirken. […]

1vgl. z. B. Ps 8 und 104

2 In der Tora festgelegter und in regelmäßigen Abständen durchzuführender Schuldenerlass, der eine Neuordnung der Besitzverhältnisse und eine Aufhebung der Schuldsklaverei beinhaltet (vgl. Dtn 15,1–11)

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ist das Leitungsgremium der evangelischen Kirchen in Deutschland, das je nach Anlass Denkschriften verfasst, um zu wichtigen Fragen der Gegenwart Stellung zu nehmen.

Quelle: Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels. Eine Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 2009, S. 107–157.

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