Vorschlag A
Krise und Revolution
Aufgaben
Fasse die Aussagen Malwida von Meysenbugs zusammen und nenne ihre politische Einstellung. (Material)
Erläutere, auch mit Bezug zum Material, Ursachen und Verlauf der Revolution von 1848/49.
„Ein jeder Tag fast wurde durch ein neues, wichtiges Ereignis bezeichnet. Aber wie verschieden war die Auffassung dieser Ereignisse je nach den verschiedenen Anschauungen!“ (Material)
Beurteile, ob die „verschiedenen Anschauungen“ (Material), d. h. unterschiedliche politische und ideologische Einstellungen, der zentrale Grund für die krisenhafte Entwicklung Deutschlands zwischen 1918 und 1923 waren.
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Malwida von Meysenbug in ihren Memoiren zur 1848er Revolution (1869)
Malwida von Meysenbug: Memoiren einer Idealistin. Erster Band, Berlin und Leipzig 1903, S. 220 ff
Hinweise
Malwida von Meysenbug (1816–1903) war eine deutsche Schriftstellerin und hielt sich bei Ausbruch der Revolution 1848 in Frankfurt am Main auf. Ihre „Memoiren einer Idealistin“ erschienen zunächst 1869 in französischer Sprache, 1876 dann auf Deutsch.
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?In einer Einleitung sollen Autorin, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr, das Thema und ggf. der Adressat genannt werden: Die Schriftstellerin Malwida von Meysenbug schildert rückblickend in den „Memoiren einer Idealistin“ (1869) ihre Beobachtungen und Gedanken angesichts der revolutionären Bewegungen im Jahr 1848 in Deutschland.
Im Einzelnen führt sie aus, dass
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sie die Pariser Februarrevolution 1848 mit ihren Schlagwörtern Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit begeistert begrüßte,
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sie die Deutschen zunächst als eher fortschrittsskeptisch und wenig revolutionär einschätzte,
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sich die revolutionäre Stimmung jedoch zu ihrer Freude bald auch in deutschen Staaten, besonders in den Hauptstädten Wien und Berlin, schnell ausbreitete,
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Metternich verjagt wurde und die alte absolutistische Ordnung in wenigen Tagen zusammenzubrechen schien,
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sie in den Handlungen des preußischen Monarchen angesichts der Ereignisse in Berlin nur eine „Maskerade“ gesehen habe und keine ehrliche Abkehr von feudal-absolutistischen Gedanken,
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die Arbeit des Frankfurter Vorparlaments sie mit Freude erfüllte, da dieses für Freiheit und Menschenrechte eintrat, damit dem Volk eine Stimme gab und es in Bewegung setzte,
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sich die Frankfurter bewaffneten,
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die in Frankfurt gehisste schwarz-rot-goldene Fahne von ihr als Aufbruch aus den ‚dunklen‘ Zeiten des Deutschen Bundes verstanden wurde.
Malwida von Meysenbug vertritt in diesem Auszug aus ihren „Memoiren einer Idealistin“ demokratische Positionen. Sie fordert Volkssouveränität sowie Freiheit und Menschenrechte für alle.
Im Einzelnen können folgende Aspekte zur Revolution in den deutschen Staaten von 1848/49, die sich in eine Welle revolutionärer Bestrebungen in ganz Europa einordnete, ausgeführt werden:
politische Ursachen
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Verbreitung von nationalen, liberalen und demokratischen Ideen
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Verweigerung von Reformen durch die Monarchen (Restauration) („lange Zeit im Dunkeln“)
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Unzufriedenheit des Volkes mit dem bestehenden monarchischen System des Absolutismus und der Unterdrückung im Deutschen Bund („zum Unheile Deutschlands“)
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fehlender Nationalstaat
wirtschaftliche und soziale Ursachen
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wachsende soziale Ungleichheit angesichts der fortschreitenden Industrialisierung (soziale Frage)
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schlechte Arbeitsbedingungen, steigende Lebensmittelpreise
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massiver Anstieg der Armut (Pauperismus)
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Agrarkrise mit Missernten und Hungersnöten
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erste soziale Unruhen (z. B. Weberaufstand)
Außerdem wirkten revolutionäre Erfolge in anderen Ländern, z. B. in Frankreich, auf die deutschen Staaten ein („Nachrichten von der Pariser Revolution am 24. Februar“).
Verlauf
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ausgehend von den süddeutschen Staaten Verbreitung von Unruhen, Demonstrationen und Aufständen, die sich schnell – u. a. nach Berlin und Wien – ausweiteten („Deutschland, welches so fest eingeschlafen schien, erbebte wie von einem unterirdischen Feuer“; „feurige Worte der Begeisterung, indem er die Gemeinde aufforderte, bereit zu sein, einen freudigen Kampf zu kämpfen um die heiligsten Rechte der Menschheit“)
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Verbreitung revolutionärer Forderungen („Märzforderungen“): politische Partizipation und Repräsentation, Verfassungen, Geschworenengerichte, Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten (z. B. Presse- und Versammlungsfreiheit), Volksbewaffnung, nationale Einheit („das ernste selfgovernment des Volkes selbst“; „die dreifarbige Fahne“)
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Zugeständnisse einiger Fürsten, z. B. liberale Ministerien, liberale Verfassungen („der Druck des Augenblicks hatte sie gewaltsam hervorgebracht“)
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Straßen- und Barrikadenkämpfe in Berlin („glorreichen Märztage in Berlin“)
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Versprechungen des preußischen Königs von Reformen (liberales Märzministerium) und einer Verfassung („der König von Preussen ist mit der schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand durch die Strassen von Berlin geritten.“)
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Zusammentreten erst eines Vorparlaments („ein deutsches Vorparlament […] in Frankfurt“) und dann einer Nationalversammlung mit dem Ziel der Schaffung einer Verfassung für einen deutschen Nationalstaat
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Einigung auf die kleindeutsche Lösung ohne Österreich und eine konstitutionelle Erbmonarchie
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Verabschiedung der Grundrechte
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Wahl des preußischen Königs zum Kaiser der Deutschen, der die Krone jedoch ablehnte
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Nicht-Anerkennung des Verfassungsentwurfs durch mehrere deutsche Staaten
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Formierung und Erstarken der Gegenrevolution der Fürsten
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gewaltsame Niederschlagung der Revolution 1849
Die Aufgabenstellung verlangt eine Beurteilung der Frage, ob „verschiedene Anschauungen“, also unterschiedliche politische und ideologische Einstellungen, der zentrale Grund für die krisenhafte Entwicklung Deutschlands in den Jahren 1918 bis 1923 waren.
Um diese These zu stützen, können einige der folgenden Argumente angeführt werden:
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Bereits in der Novemberrevolution zeigten sich sehr unterschiedliche Vorstellungen über die weitere politische Entwicklung Deutschlands: Neben der mehrheitlich favorisierten repräsentativen parlamentarischen Demokratie (vgl. Entscheidung des Reichsrätekongresses) gab es auf der linksextremen Seite auch Stimmen für eine Räterepublik und von rechts den Wunsch nach einer Wiederherstellung der Monarchie oder zumindest eines autoritären Staats.
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Bereits ab den Reichstagswahlen 1920 waren die Parteien der Weimarer Koalition, die die Verfassung der Weimarer Republik tatsächlich befürworteten, in der (relativen) Minderheit (SPD, DDP, Zentrum). Das führte zu Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung.
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Auch die fehlende Erfahrung der Parteien im Regieren und damit beim Schließen von Kompromissen sowie ihre ideologischen Vorbehalte und ihre fehlende Kooperationsbereitschaft erschwerten in den ersten Jahren das Regieren.
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Aus extremistischen Kreisen heraus gab es Putschversuche (Spartakus-Aufstand, Kapp-Lüttwitz-Putsch, Hitler-Ludendorff-Putsch) bzw. revolutionäre Erhebungen sowie rechtsextrem motivierte Morde an hochrangigen Vertretern der Republik.
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Die „Dolchstoßlegende“ rechts-konservativer Kreise delegitimierte die Republik in weiten Kreisen der Bevölkerung.
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Aufgrund der gegensätzlichen bzw. unterschiedlichen politischen Strömungen kam es zu einer Polarisierung der Gesellschaft.
Gegen diese These können einige der folgenden Argumente angeführt werden:
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Im zentralen Punkt der Weimarer Politik, der Ablehnung des Versailler Vertrags, stimmten die verschiedenen Parteien überein.
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Übereinstimmung gab es auch hinsichtlich der Bemühungen, die Last der Reparationen zu senken, was allerdings im zu untersuchenden Zeitraum nicht gelang.
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Als französische Truppen wegen eher geringfügiger Rückstände bei den Reparationszahlungen Anfang 1923 Teile des Ruhrgebiets besetzten, war die Empörung darüber einhellig, die Unterstützung für den sogenannten Ruhrkampf ebenfalls.
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Die Finanzierung des allgemein befürworteten passiven Widerstands beschleunigte den durch die Kriegsschulden begonnenen Prozess der Inflation zur Hyperinflation. Diese führte zu einer Verelendung großer Bevölkerungsteile.
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Diese Krise der frühen Weimarer Republik resultierte also nicht aus politischen/ideologischen Gegensätzen, sondern aus wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheidungen, die zumindest anfangs unumstritten waren.
Mögliches Fazit
Die intensiven politischen Auseinandersetzungen und insbesondere die weit verbreitete Ablehnung der Weimarer Republik durch politische Parteien am Rande des rechten sowie des linken politischen Spektrums stellten sicherlich eine schwere Belastung für die Entwicklung der neuen Republik dar. Diese als ausschließlichen Grund zu bezeichnen, erscheint aber angesichts der Bedeutung der wirtschaftlichen bzw. wirtschaftspolitischen Entwicklung für die krisenhafte Zuspitzung im Jahr 1923 möglicherweise als zu einseitig.