Schwerpunktthema 2 – Aus christlicher Verantwortung Welt gestalten
Gib die Hauptaussagen des Textes von Wolfgang Beck (Material 1) wieder. Füge deine Ausführungen Zeilenangaben hinzu.
Skizziere, was unter Reich Gottes zu verstehen ist, und entfalte davon ausgehend, welches Verständnis von Gerechtigkeit durch die Reich-Gottes-Botschaft zum Ausdruck kommt.
Weise an einem Beispiel für gerechtes Wirtschaften nach, dass es der Katholischen Soziallehre entspricht.
Jesus ist der Sohn Gottes. Erläutere dieses christologische Bekenntnis.
Eine Kirche, die das Motto der Caritaskampagne „Da kann ja jeder kommen“ aktiv vertritt, muss ihre Strukturen und ihr Handeln ändern. Setze sich ausgehend von Material 2 mit dieser Position auseinander.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Kirche als Kirche in der Gesellschaft
1 Inkarnationstheologie: die Lehre von der Menschwerdung Gottes
2 Kulturpessimistisch: eine ablehnende Haltung gegenüber kulturellen Erscheinungen und gesellschaftlichen Entwicklungen, welche als Zeichen des Verfalls verstanden werden.
[Beck, Wolfgang: Sprung in den Staub. Elemente einer risikofreudigen Praxis christlichen Lebens.
Stuttgart: Matthias Grünewald Verlag, 2024, S.133-144]
(zu Prüfungszwecken bearbeitet)
Material 2: „Da kann ja jeder kommen“ – Caritas öffnet Türen

[https://www.caritas.de/magazin/kampagne/da-kann-ja-jeder-kommen/materialien und
Deutscher Caritasverband e.V.: Agendapapier des Deutschen Caritasverbandes zur Jahreskampagne 2025:
Bedingungen und Gelingensfaktoren für eine sorgende Gesellschaft.
https://www.caritas.de/magazin/kampagne/da-kann-ja-jeder-kommen/;
Zugriff am: 06.05.2025]
(zu Prüfungszwecken bearbeitet)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Die Aufgabenstellung zielt auf den Anforderungsbereich I.
Der Operator „wiedergeben“ verlangt hier, dass die Hauptaussagen des Textes unter Verwendung der Fachsprache in eigenen Worten ausgedrückt werden.
Die Aufgabenstellung erfordert, dass die Hauptaussagen des Textes erkannt, eigenständig formuliert und mit Zeilenangaben belegt werden.
V. a. folgende Kriterien sind relevant: Sachgemäßheit des Textverständnisses, Differenzierung zwischen Wichtigem und weniger Wichtigem.
Die Hauptaussagen des Textes können wie folgt wiedergegeben werden:
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Wolfgang Beck beschreibt einen grundlegenden Wandel des kirchlichen Selbstverständnisses seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Kirche versteht sich nicht mehr als Gegenüber der modernen Gesellschaft, sondern als Teil der Gesellschaft und solidarisch mit den Menschen ihrer Zeit. (M 1, Z. 1–7)
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Dieses neue Kirchenverständnis beruht auf der Inkarnationstheologie. Da Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, bewertet die Kirche die Welt grundsätzlich positiv und soll sich offen auf gesellschaftliche Entwicklungen einlassen, ohne ihre christliche Identität aufzugeben. (M 1, Z. 8–14)
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Beck kritisiert kulturpessimistische und ablehnende Haltungen gegenüber der modernen Gesellschaft. Stattdessen soll die Kirche die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nehmen, mit säkularen Einrichtungen zusammenarbeiten und gemeinsam an der Verbesserung gesellschaftlicher Lebensbedingungen mitwirken. (M 1, Z. 15–21)
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Nach diesem Kirchenverständnis muss sich die kirchliche Praxis durch Offenheit und Dialog auszeichnen. Die Kirche soll gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam wahrnehmen, aktuelle Themen aufgreifen und sich auch auf lokaler Ebene an der Lösung gesellschaftlicher Probleme beteiligen. (M 1, Z. 22–30)
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Die Öffnung der Kirche gegenüber der Gesellschaft bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Die Kirche muss ihre Prioritäten und Positionen immer wieder neu begründen und akzeptieren, dass sich kirchliche Lehren aufgrund neuer Erkenntnisse und gesellschaftlicher Entwicklungen weiterentwickeln können. (M 1, Z. 31–39)
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Gleichzeitig weist Beck darauf hin, dass eine offene Kirche das Risiko eingeht, von gesellschaftlichen Entwicklungen mitgeprägt zu werden. Deshalb muss sie ihre christliche Identität bewahren und ihre Entscheidungen weiterhin am Evangelium ausrichten. (M 1, Z. 36–40)
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Insgesamt fordert Beck eine risikobereite, dialogorientierte und offene Kirche, die an der Seite aller Menschen steht und die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens aktiv mitträgt. Dadurch kann sie die Chancen spätmoderner Gesellschaften wahrnehmen und glaubwürdig handeln. (M 1, Z. 40–43)
Die Aufgabenstellung zielt auf den Anforderungsbereich II.
Der Operator „skizzieren“ verlangt hier, die wesentlichen Merkmale des Reiches Gottes knapp und strukturiert unter Verwendung der Fachsprache darzustellen.
Der Operator „entfalten“ verlangt, ausgehend vom Verständnis des Reiches Gottes das darin enthaltene Verständnis von Gerechtigkeit zusammenhängend zu erläutern und auf den christlichen Glauben zu beziehen.
V. a. folgende Kriterien sind relevant: Sachgemäße Darstellung des Reiches Gottes, Verwendung theologischer Fachbegriffe, schlüssige Herleitung des christlichen Gerechtigkeitsverständnisses sowie eine strukturierte und zusammenhängende Argumentation.
Das Reich Gottes und das darin zum Ausdruck kommende Verständnis von Gerechtigkeit können wie folgt dargestellt werden:
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Das Reich Gottes bezeichnet die Herrschaft Gottes, die mit dem Wirken Jesu Christi begonnen hat. Es ist kein politisches oder räumliches Reich, sondern beschreibt Gottes heilvolles Handeln an den Menschen. Es ist bereits gegenwärtig, wird jedoch erst am Ende der Zeit vollständig verwirklicht („Schon jetzt – noch nicht“).
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Kennzeichen des Reiches Gottes sind Liebe, Frieden, Versöhnung, Hoffnung, Barmherzigkeit und die Achtung der Menschenwürde. Gott wendet sich dabei besonders den Armen, Kranken, Sündern und gesellschaftlich Ausgegrenzten zu.
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Alle Menschen besitzen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion oder sozialem Status die gleiche, von Gott verliehene Würde. Deshalb sind alle Menschen gleichermaßen zur Gemeinschaft mit Gott eingeladen.
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Aus der Reich-Gottes-Botschaft ergibt sich ein christliches Verständnis von Gerechtigkeit, das über die bloße Einhaltung von Gesetzen hinausgeht. Gerechtigkeit bedeutet, jedem Menschen in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen und seine unveräußerliche Würde anzuerkennen.
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Reich-Gottes-Gerechtigkeit fordert insbesondere den Einsatz für Benachteiligte sowie die Überwindung von Armut, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit. Christen sollen Solidarität leben und sich für gerechte Lebensbedingungen einsetzen.
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Dieses Verständnis wird auch im Material 1 deutlich. Wolfgang Beck beschreibt eine Kirche, die sich als Teil der Gesellschaft versteht und gemeinsam mit anderen Menschen Verantwortung für eine bessere Zukunft übernimmt. Sie soll sich für gesellschaftliche Probleme engagieren und nicht von der Welt abschotten.
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Material 2 verdeutlicht dieses Reich-Gottes-Verständnis am Beispiel der Caritas. Mit dem Leitgedanken „Da kann ja jeder kommen“ macht sie deutlich, dass allen Menschen unabhängig von Herkunft, Krankheit, Alter oder sozialem Status geholfen wird. Dadurch werden die Werte des Reiches Gottes – Nächstenliebe, Menschenwürde, Solidarität und Inklusion – praktisch umgesetzt.
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Die Reich-Gottes-Botschaft fordert Christen deshalb dazu auf, Gottes Liebe bereits heute sichtbar werden zu lassen. Dies geschieht durch tätige Nächstenliebe, Hilfe für Bedürftige, den Einsatz für Frieden sowie die Förderung von Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
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Insgesamt zeigt die Reich-Gottes-Botschaft ein Verständnis von Gerechtigkeit, das auf der gleichen Würde aller Menschen, der besonderen Zuwendung zu Benachteiligten und der Verantwortung für das Gemeinwohl beruht. Christen sollen dieses Ideal im persönlichen und gesellschaftlichen Handeln verwirklichen und so am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken.
Die Aufgabenstellung zielt auf den Anforderungsbereich II.
Der Operator „weise nach“ verlangt hier, anhand eines konkreten Beispiels begründet darzustellen, dass gerechtes Wirtschaften den Grundsätzen der Katholischen Soziallehre entspricht.
Die Aufgabenstellung erfordert, ein geeignetes Beispiel auszuwählen und dieses mithilfe der Prinzipien der Katholischen Soziallehre fachsprachlich zu erläutern.
V. a. folgende Kriterien sind relevant: sachgemäße Anwendung der Fachbegriffe, schlüssige Begründung sowie die Verknüpfung von Beispiel und sozialethischen Prinzipien.
An einem Beispiel kann wie folgt nachgewiesen werden, dass gerechtes Wirtschaften der Katholischen Soziallehre entspricht:
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Ein Beispiel für gerechtes Wirtschaften ist der Faire Handel (Fair Trade). Produzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern erhalten faire Preise für ihre Produkte, menschenwürdige Arbeitsbedingungen sowie langfristige Handelsbeziehungen.
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Dieses Beispiel entspricht dem Personalitätsprinzip der Katholischen Soziallehre, da jeder Mensch als Ebenbild Gottes eine unveräußerliche Würde besitzt und deshalb nicht ausgebeutet oder ausschließlich als Mittel zum wirtschaftlichen Gewinn behandelt werden darf.
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Gleichzeitig wird das Solidaritätsprinzip verwirklicht. Wirtschaftlich stärkere Menschen und Unternehmen übernehmen Verantwortung für benachteiligte Produzenten und tragen dazu bei, soziale Ungleichheiten zu verringern.
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Auch das Gemeinwohlprinzip wird gefördert, da gerechtes Wirtschaften nicht nur einzelnen Unternehmen dient, sondern allen Beteiligten zugutekommt und nachhaltige Lebensbedingungen schafft.
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Darüber hinaus berücksichtigt Fair Trade das Prinzip der Nachhaltigkeit bzw. Bewahrung der Schöpfung, indem umweltschonende Produktionsweisen gefördert und natürliche Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden.
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Das Subsidiaritätsprinzip wird ebenfalls unterstützt, da lokale Produzenten gestärkt werden und ihre wirtschaftliche Entwicklung möglichst eigenständig gestalten können, anstatt dauerhaft von fremder Hilfe abhängig zu sein.
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Gerechtes Wirtschaften zeigt somit, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung miteinander vereinbar sind. Gewinn darf nicht das alleinige Ziel wirtschaftlichen Handelns sein, sondern muss immer mit der Achtung der Menschenwürde und dem Einsatz für das Gemeinwohl verbunden werden.
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Insgesamt wird deutlich, dass gerechtes Wirtschaften den Grundprinzipien der Katholischen Soziallehre entspricht, weil der Mensch, seine Würde und die Verantwortung für Mitmenschen und Schöpfung im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns stehen.
Die Aufgabenstellung zielt auf den Anforderungsbereich II.
Der Operator „erläutern“ verlangt hier, das christologische Bekenntnis „Jesus ist der Sohn Gottes“ sachgerecht zu erklären, seine Bedeutung darzustellen und Zusammenhänge mithilfe der Fachsprache aufzuzeigen.
Die Aufgabenstellung erfordert, das Bekenntnis theologisch zu deuten und seine Bedeutung für den christlichen Glauben nachvollziehbar darzustellen.
V. a. folgende Kriterien sind relevant: sachgemäße Verwendung theologischer Fachbegriffe, schlüssige Darstellung der Christologie sowie die Erläuterung der Bedeutung Jesu für das Gottes- und Menschenbild.
Das christologische Bekenntnis „Jesus ist der Sohn Gottes“ kann wie folgt erläutert werden:
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Das Bekenntnis „Jesus ist der Sohn Gottes“ gehört zum Kern des christlichen Glaubens. Es bedeutet nicht, dass Gott einen leiblichen Sohn hat, sondern dass Jesus in einer einzigartigen Beziehung zu Gott steht und dessen Wesen und Willen vollkommen offenbart.
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Nach christlichem Glauben ist Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch. In der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) wird Gott in Jesus Christus Mensch und begegnet den Menschen auf Augenhöhe.
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Durch sein Leben, seine Verkündigung des Reiches Gottes, seine Wunder sowie seine Hinwendung zu Armen, Kranken und Ausgegrenzten macht Jesus Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sichtbar.
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Sein Tod am Kreuz wird als Ausdruck der grenzenlosen Liebe Gottes verstanden. Nach christlichem Glauben hat Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung Sünde und Tod überwunden und den Menschen den Weg zum ewigen Leben eröffnet.
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Das Bekenntnis macht deutlich, dass Gott den Menschen nicht fern ist, sondern ihr Leben und Leid teilt. Dadurch erhält jeder Mensch aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit und der Menschwerdung Gottes eine unveräußerliche Würde.
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Dieses Verständnis wird auch im Material 1 deutlich. Wolfgang Beck begründet das offene Selbstverständnis der Kirche mit der Inkarnationstheologie. Weil Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, soll sich die Kirche der Welt und den Menschen zuwenden und Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen.
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Daraus folgt für Christen der Auftrag, Jesus nachzufolgen. Dies geschieht durch Nächstenliebe, Solidarität, Barmherzigkeit, Versöhnung und den Einsatz für Gerechtigkeit.
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Insgesamt bringt das christologische Bekenntnis zum Ausdruck, dass Jesus Christus Gottes endgültige Offenbarung an die Menschen ist. In ihm zeigt sich Gottes Liebe und Heil für alle Menschen. Deshalb bildet das Bekenntnis „Jesus ist der Sohn Gottes“ die Grundlage des christlichen Glaubens und des Handelns der Kirche.
Die Aufgabenstellung zielt auf den Anforderungsbereich III.
Der Operator „setze dich auseinander“ verlangt hier, die vorgegebene Position argumentativ zu prüfen, unterschiedliche Aspekte abzuwägen, Materialbezüge herzustellen und zu einem begründeten Urteil zu gelangen.
Die Aufgabenstellung erfordert, ausgehend von Material 2 sowie unter Einbezug von Material 1 zu beurteilen, ob eine Kirche, die das Motto „Da kann ja jeder kommen“ glaubwürdig vertreten möchte, ihre Strukturen und ihr Handeln verändern muss.
V. a. folgende Kriterien sind relevant: sachgerechte Einbeziehung der Materialien, fachsprachliche Argumentation, differenzierte Abwägung verschiedener Positionen sowie ein nachvollziehbares und begründetes Urteil.
Mit der Position kann sich wie folgt auseinandergesetzt werden:
Die Aussage, dass eine Kirche, die das Motto der Caritaskampagne „Da kann ja jeder kommen“ aktiv vertritt, ihre Strukturen und ihr Handeln verändern muss, ist grundsätzlich überzeugend.
Bereits Material 2 macht deutlich, dass die Caritas allen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Krankheit oder sozialem Status helfen möchte. Niemand soll aufgrund persönlicher Merkmale ausgeschlossen werden. Dieses Verständnis entspricht dem christlichen Menschenbild, nach dem jeder Mensch die gleiche, von Gott verliehene Würde besitzt.
Auch Material 1 unterstützt diese Position. Wolfgang Beck beschreibt eine Kirche, die sich nicht von der Gesellschaft abgrenzt, sondern als Teil der Gesellschaft versteht. Sie soll den Dialog mit Menschen suchen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich gemeinsam mit anderen Institutionen für bessere Lebensbedingungen einsetzen. Eine Kirche, die Menschen erreichen möchte, muss deshalb offen auf unterschiedliche Lebenswirklichkeiten eingehen und sich gesellschaftlichen Veränderungen stellen.
Daraus ergeben sich konkrete Veränderungen für die Kirche. Sie muss ihre Angebote möglichst barrierefrei gestalten, damit Menschen unabhängig von Alter oder Behinderung teilnehmen können. Ebenso sollte sie Menschen verschiedener sozialer, kultureller oder religiöser Hintergründe respektvoll begegnen und ihnen offen begegnen.
Darüber hinaus muss sich die Kirche verstärkt für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung von Bedürftigen, die Begleitung Geflüchteter, der Einsatz gegen Armut sowie Hilfsangebote für einsame oder ausgegrenzte Menschen. Dadurch wird die Botschaft Jesu von der Nächstenliebe praktisch umgesetzt.
Allerdings darf Offenheit nicht bedeuten, dass die Kirche ihre eigene Identität aufgibt. Auch Wolfgang Beck weist darauf hin, dass eine zu starke Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen die Gefahr birgt, dass die Kirche ihre Orientierung verliert. Deshalb muss sie ihre christlichen Grundüberzeugungen bewahren und gleichzeitig offen für den Dialog bleiben.
Eine Veränderung der Strukturen bedeutet daher nicht, den Glauben aufzugeben, sondern Wege zu finden, die christliche Botschaft unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen glaubwürdig zu leben. Offenheit und Identität schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
Insgesamt ist der Aussage zuzustimmen. Eine Kirche, die glaubwürdig sagen möchte „Da kann ja jeder kommen“, muss ihre Strukturen und ihr Handeln immer wieder überprüfen und an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Gleichzeitig muss sie ihre christliche Identität bewahren und ihre Entscheidungen am Evangelium orientieren. Nur so kann sie ihrem Auftrag gerecht werden, allen Menschen Gottes Liebe und Nächstenliebe erfahrbar zu machen.