II Interpretationsaufgaben
Grammatik
Bestimme exakt…
... die Form von eorum hominum (Z. 1) und nenne die semantische Funktion des Kasus,
… in dem Satz „In primis hoc volunt persuadere non interire animas“ (Z. 8) die lateinische Konstruktion und nenne deren Bestandteile,
… die Form neglecto (Z. 9) und nenne die Konstruktion, in der sie in diesem Satz verwendet wird.
Stelle den Satz „Nam fere…constituunt“ in den Zeilen 4-7 in einem Satzmodell dar, z. B. mit der Einrückmethode. Bestimme dabei auch die Art der Nebensätze.
Text- und Literaturverständnis
Weise in dem Text zwei Stilmittel nach und erläutere deren Wirkung im Kontext.
Formuliere drei Thesen zur gesellschaftlichen Stellung der gallischen Druiden und belege sie mit lateinischen Zitaten.
Arbeite heraus, welche Intentionen Cäsar mit der Schilderung der Druiden vermutlich verfolgt.
Rezeption
Setze die Darstellung der Druiden bei den Comicautoren und -zeichnern Goscinny und Uderzo in Bezug zu dem lateinischen Text.
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Text im Bild:
„Nun, Obelix, wer waren unsere Vorfahren?“
„Hm, alfo unfere … äh …“
Aus: R. Goscinny, A. Uderzo, Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist, Berlin, Egmont, 2019
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Genitiv, Plural, maskulin, Genitivus partitivus
AcI (Accusativus cum Infinitivo), Akkusativ: animas- Infinitiv: interire
Ablativ, Singular, maskulin, Ablativus absolutus
Einrück-, Unterstreichungs-, Kästchenmethode, Strukturbaum etc., um die Satzkonstruktion abzubilden, z.B.
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Hauptsatz 1:Nam fere de omnibus controversiis publicis privatisque constituunt,
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Hauptsatz 2: et,
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Konditionalsatz 1: si quod est admissum facinus,
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Konditionalsatz 2: si caedes facta,
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Konditionalsatz 3: si de hereditate, de finibus controversia est,
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Hauptsatz 2: idem decernunt,
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Hauptsatz 3: praemia poenasque constituunt;
Text- und Literaturverständnis
Mögliche Lösungen:
Repetitio:
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genera sunt duo (Z. 1) /Sed de his duobus generibus (Z. 2) —> Betonung der Hierarchie, die sich auf ausschließlich zwei einflussreiche Stände beschränkt (Die Auslassung im Text darf von den Prüflingen ingnoriert und die Repetitio als Stilmittel angeführt werden.)
Antithese:
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sacrificia publica ac privata procurant (Z. 3) —> Ausdruck der Allmacht der Druiden, die in sämtlichen Lebensbereichen zum Tragen kommt
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praemia poenasque constituunt (Z. 6-7) —> Druiden entscheiden sowohl über Glück als auch über Verderben
Anapher:
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si quod est admissum facinus, si caedes facta, si de hereditate, de finibus controversia est, idem decernunt, (Z. 5-6) —> Betonung verschiedenster Bedingungen, welche die Entscheidungsgewalt der Druiden nach sich ziehen
Alliteration:
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metu mortis (Z. 9) —> die seit Menschengedenken vorherrschende Angst vor dem Tod wird hier nicht nur semantisch, sondern auch lautlich verbunden
Hendiadyoin:
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de mundi ac terrarum magnitudine (Z. 10) —> Ausdruck der unvorstellbaren Größe der Erde und gleichzeitig der komplexen Diskussionen der Druiden
Folgende Thesen könnten genannt werden:
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Die Druiden der Gallier genießen ein hohes Ansehen, was bereits durch die Tatsache deutlich wird, dass sie mit den Rittern gleichgestellt werden („Sed de his duobus generibus alterum est druidum, alterum equitum.“, Z. 2).
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Dabei beschränkt sich ihre hohe Stellung nicht nur auf die Ausübung religiöser Tätigkeiten („Illi rebus divinis intersunt, sacrificia publica ac privata procurant, religiones interpretantur:“, Z. 2-3), sondern auch auf die Ausbildung junger Menschen, bei denen sie ebenfalls großes Ansehen genießen („ad hos magnus adulescentium numerus disciplinae causa concurrit, magnoque hi sunt apud eos honore.“, Z. 3-4).
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Einen weiteren Aspekt ihrer Stellung stellt die Rechtssprechung dar („Nam fere de omnibus controversiis publicis privatisque constituunt“, Z. 4-5). Hier entscheiden sie in nahezu allen Belangen des privaten und öffentlichen Lebens.
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Sie berühren darüber hinaus Bereiche der Philosophie und Naturwissenschaft, wenn sie die Unsterblichkeit der Seele („In primis hoc volunt persuadere, non interire animas, sed ab aliis post mortem transire ad alios, Z. 8-9) sowie die Beschaffenheit der Erde und des Universums („Multa praeterea de sideribus atque eorum motu, de mundi ac terrarum magnitudine, (…) disputant“, Z. 9-11) diskutieren.
Mithilfe des vorliegenden Textes können folgende Intentionen herausgearbeitet werden:
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Neutral anmutende Protokollierung bzw. Berichterstattung über Land und Leute Galliens —> Informationen, Studium einer fremden Kultur
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Geschichtsschreibung
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Rechtfertigung seines Gallien-Feldzuges:
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Verteidigung des römischen Reiches gegen mächtige, gebildete Gegner —> Wahrung derPax Romana
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Druiden als realistische Gefahr, die Gallier gegen die Römer zu mobilisieren —> politische Einflussnahme durch Lehre und Rechtsprechung
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Stärkung der eigenen politischen Situation in Rom durch militärische Erfolge gegen starke Gegner
Vergleich
Im Übersetzungstext stellt Cäsar die gallischen Druiden als einflussreiche und ehrenvolle Männer dar, die die Verantwortung über die Durchführung religiöser Veranstaltungen tragen sowie als Ausbilder junger Menschen und künftiger Druiden fungieren. Ihnen obliegen darüber hinaus die Rechtsprechung und die Naturkunde. Uderzo und Goscinny bilden den gallischen Druiden Miraculix auf komisch-ironische Weise als Universalgelehrten für Geometrie, Arithmetik, Geografie, Geschichte, Naturkunde und Grammatik ab. Zusätzlich tritt er in dem Asterix-Comic als würdevoller und weiser Alter auf, symbolisiert durch volles, weißes Bart- und Haupthaar sowie ein langes Gewand. Seine Gestik des auf dem Rücken verschränkten Arms und der geerdeten und aufrechten Position wirkt dabei ruhig und erhaben. Das Amt der Rechtsprechung wird hier nicht thematisiert.
Zwar sollte der scherzhafte Charakter der Asterix-Comics nicht ignoriert werden – wer Asterix kennt, weiß um das chaotische, jedoch liebenswerte Dorf und den cholerischen Cäsar -, jedoch kommt bei Goscinny und Uderzo insbesondere dem Druiden die Rolle des allwissenden und unbesiegbaren Galliers zu, ohne den sein Dorf weniger klug und gebildet wäre.