Block A – Pflichtaufgaben
Beim Speedklettern geht es darum, in möglichst kurzer Zeit eine standardisierte Route zu klettern. Die Routen bei offiziellen Wettkämpfen sind 15 Meter lang und 5 Grad überhängend. Seit der Weltmeisterschaft 2005 sind die Wand sowie die Griffabfolge genormt (siehe Abbildung 1), so dass es seitdem auch Weltrekordzeiten von 6,06 s bei den Frauen und 4,90 s bei den Männern gibt. Es treten immer zwei Athleten oder Athletinnen gegeneinander an. In der Qualifikation werden die Zeiten registriert.
Die besten 16 Athleten bestreiten das Finale im K.-o.-System. Wichtig für den Erfolg im Speedklettern sind vor allem Schnell- und Maximalkraft, Schnelligkeit, höchste Greif- und Trittpräzision und die Fähigkeit, sich die Bewegungsabläufe der Route genau einzuprägen.

Abbildung 1: Speed-Kletterwand
Beschreibe die im einleitenden Text benannten Kraftfähigkeiten und deren Bedeutung beim Speedklettern.
Charakterisiere den dominierenden Energiegewinnungsprozess beim Speedklettern anhand von drei Merkmalen.
Erläutere die Bedeutung der Bewegungspräzision beim Speedklettern sowie zwei weitere relevante qualitative Bewegungsmerkmale.
Neben dem Speedklettern ist auch das Leadklettern eine olympische Disziplin. Die Athleten müssen anspruchsvolle Routen von etwa 15 m bis 20 m Höhe im Vorstieg und unter Beachtung eines Zeitlimits von sechs Minuten klettern, ohne die Strecke vorher gesehen zu haben. Dabei werden von den Athleten und Athletinnen regelmäßig Zwischensicherungen eingehängt.
Stelle anhand der Abbildung 2 die zwei dominierenden Arbeitsweisen der Muskulatur beim Sportklettern dar.

Abbildung 2: Athletin an der Kletterwand
In einem Trainingsprogramm für das Sportklettern findet man die Übung des beidarmigen Klimmzugs. Um die Intensität zu erhöhen, können zusätzliche Gewichte verwendet werden.

Abbildung 3: Beidarmiger Klimmzug mit Zusatzgewichten
Erläutere die in Tabelle 1 dargestellte Trainingsmethode, die Trainingswirkung sowie die Bedeutung dieser für das Sportklettern.
Tabelle 1: Belastungskomponenten einer Trainingsmethode
|
Reizintensität |
95 - 100 % |
|---|---|
|
Reizdauer |
1 - 3 Wiederholungen (7 - 10 s) |
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Reizumfang |
5 - 8 Serien |
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Reizdichte |
Pause ca. 3 bis 5 Minuten |
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Ausführung |
explosiv / zügig |
Überprüfe die Eignung des beidarmigen Klimmzugs (Abbildung 3) mit Zusatzgewichten sowohl im Kindes- als auch Jugendalter.
Bouldern ist ebenfalls eine olympische Disziplin und meint das Klettern in Absprunghöhe ohne Seil und Gurt, gesichert durch Schaumstoffmatten. Bei dem Boulder- bzw. Kletterspiel Sprungmeister (Abbildung 4) wird versucht von einem Startpunkt aus so hoch wie möglich zu springen und einen Griff zu erreichen.
Erläutere die Bedeutung des Prinzips der Anfangskraft und das Prinzip der Gegenwirkung bei der Ausführung der Übung Sprungmeister in Abbildung 4.


Abbildung 4: Sprungmeister
Beschreibe zwei Übungsformen, außer Klimmzüge, die eine Verbesserung der Leistung beim Boulder- bzw. Kletterspiel Sprungmeister in Abbildung 4 hervorrufen.
Erörtere Klettern als Element des Sportunterrichts.
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-
Beschreibung: höchstmögliche Kraft, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag
-
Bedeutung: z. B. Beschleunigung des eigenen Körpergewichtes gegen die Schwerkraft in der Start-/Beschleunigungsphase
Schnellkraft:
-
Beschreibung: Fähigkeit des Nerv-Muskelsystems, den Körper mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen
-
Bedeutung: z. B. schnellstmögliche Durchführung der vertikalen Zugbewegung, Griffwechsel bzw. dynamisches Weitergreifen, Ausführen von Sprüngen
dominierenden Energiegewinnungsprozess charakterisieren:
-
anaerob-alaktazid, Belastungszeit unter 10 s
drei Merkmale:
-
schnelle Energiegewinnung durch energiereiche Phosphate (Zerfall von ATP und Resynthese durch KP)
-
Energiegewinnung ohne Sauerstoff, ohne Laktatbildung
-
Speicherkapazität ist gering (max. 7 Sekunden)
-
Ermüdung setzt aufgrund der KP-Speicherentleerung schnell ein
Bedeutung der Bewegungspräzision erläutern:
-
möglichst genaue Bewegungsausführung, z. B. Greif- und Trittpräzision
zwei weitere Bewegungsmerkmale erläutern:
-
z. B. Bewegungstempo (zeitliche Dauer eines Bewegungsablaufes, z. B. Geschwindigkeit zum Erreichen des Ziels entscheidend)
-
z. B. Bewegungskopplung (Abstimmung der Teilbewegungen einer sportlichen Aktion zu einem Ganzen, z. B. Kopplung von Armen und Beinen – Abdruck mit Fuß / Griff mit Hand)
-
z. B. Bewegungsumfang (optimale räumliche Ausdehnung einer Bewegung, z. B. Schrittlänge bzw. Armlänge zum Erreichen des nächsten Griffs)
zwei dominierende Arbeitsweisen beim Sportklettern darstellen:
positiv-dynamisch (konzentrisch):
-
überwindend / Verkürzen der Muskulatur
-
Aufrichten / Abdrücken mit dem Bein bzw. Ziehen mit dem Arm nach oben gegen die Schwerkraft
statisch (isometrisch):
-
Spannungsentwicklung durch das Halten einer Position / Muskellänge bleibt unverändert
-
Positionen in denen das Körpergewichtes gehalten wird, z. B. Suche nach dem nächsten Griff oder beim Einhängen der Zwischensicherung
Alternative:
exzentrisch (negativ-dynamisch) z. B. bei Schaukelbewegungen oder Schwungbewegungen möglich
dargestellte Trainingsmethode, Trainingswirkung sowie Bedeutung erläutern:
Trainingsmethode:
-
Intramuskuläres Koordinationstraining (IK-Training) oder Methode des maximalen Krafteinsatzes
Trainingswirkung:
-
Erhöhung der synchron innervierbaren motorischen Einheiten
-
Kraftsteigerung bzw. Erhöhung der Maximalkraft ohne Zunahme von Muskelmasse
Bedeutung:
-
große Bedeutung beim Klettern, denn geringes Körpergewicht von Vorteil
-
Erhöhung der Relativkraft – Verhältnis von Maximalkraft zu Körpergewicht
Eignung des beidarmigen Klimmzugs mit Zusatzgewichten überprüfen:
Kindesalter:
-
Ausführung eines Klimmzugs bereits anspruchsvoll
-
Zusatzgewichte sind abzulehnen / Belastung mit eigenem Körpergewicht bzw. mit geringen Zusatzlasten ausreichend bzw. Hinführung notwendig (z. B. Schräghangklimmzüge bzw. Unterstützung von Klimmzügen mit Gummibändern)
-
aufgrund geringer Kalkeinlagerungen sind die Knochen elastischer, aber weniger druck- und biegefest
-
die Verknöcherung der Wachstumsfugen erst zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr abgeschlossen
-
daraus ergibt sich eine reduzierte Belastbarkeit
-
Überlastungsschäden am passiven Bewegungsapparat möglich
Jugendalter:
-
veränderten Hebelverhältnisse durch verstärktes Längenwachstum
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mechanische Belastbarkeit des Wachstumsknorpels aufgrund morphologischer und funktioneller Veränderungen herabgesetzt
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Anstieg der Sexualhormone mit Eintritt in die Pubertät → sensible Phase für die Kraftentwicklung
-
bei leistungsorientierten / trainierten Sportlerinnen und Sportler Einsatz möglich
-
auf korrekte Durchführung achten
-
langsame Steigerung der Gewichte
-
Adaptation der entsprechenden Strukturen berücksichtigen
-
Entwicklung der Muskulatur bei Entlastung der Wirbelsäule
Prinzip der Anfangskraft erläutern:
-
eigentlichen Absprungbewegung wird eine Gegenbewegung vorgeschaltet, die flüssig in die Hauptbewegung übergeleitet werden muss – Ausholbewegung runter in die Hocke
-
Abbremsen der Gegenbewegung (bei flüssiger Bewegungsabfolge) hin zum Umkehrpunkt, wodurch Anfangskraft erzeugt wird
-
Vordehnung des Muskels (Speicherung kinetischer Energie) und ein optimaler Arbeitswinkel erhöhen die maximale Anfangskraft - kräftiger Abdruck nach oben
Prinzip der Gegenwirkung erläutern:
-
„actio est reactio“, d. h., dass zu jeder Kraftwirkung eine gleich große entgegengesetzte Kraftwirkung existiert
-
mit Absprung wird Kraft auf die Standfläche (Klettergriff bzw. Klettertritt) ausgeübt – Reaktionskraft des Klettergriffes bewirkt Beschleunigung nach oben – hier kleinere Kontaktfläche als am Boden
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im frei bewegten System: Arm- und Beinbewegung z. B. rechts nach oben – links nach hinten (linkes Bild) zum Erhöhen der Reichweite und/oder Stabilisierung des Gleichgewichts
zwei Übungsformen zur Verbesserung der Leistung beim Sprungmeister beschreiben:
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z. B. Übung aus dem Sprungkrafttraining (z. B. Sprünge aus tiefer Hocke auf Kästen, reaktive Sprünge über Hindernisse, Sprünge mit Abdruck von einer kleinen Standfläche)
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z. B. Übungen zur Verbesserung der Griffkraft (z. B. Training am Hangboard/Griffbrett, einhändiges Halten am Griff)
Klettern als Element des Sportunterrichts erörtern:
Pro-Argumente:
-
hoher Aufforderungscharakter, Motivation
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Förderung der konditionellen und koordinativen Fähigkeiten
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positive Aspekte für die Persönlichkeitsentwicklung
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Steigerung des Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls (z. B. durch Erfolge, eigenständige Wahl der Routen, Vertrauen in eigene Leistung)
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soziale Aspekte (z. B. gegenseitige Sicherung, Vertrauen in Kletterpartner, Hilfe bei der Lösungsfindung)
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Stärkung von Problemlösungsfähigkeit (z. B. Finden von kreativen Lösungen)
-
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Bouldern ohne Sicherung möglich
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Klettern auch an klassischen Turngeräten möglich
Contra-Argumente:
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hohe Schülerzahlen in den Klassen
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fehlende Rahmenbedingungen (ggf. hohe Anschaffungskosten bzw. Kosten für Fahrtwege zu Boulder- Kletterhallen)
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hoher Aufwand für Wartung und Sicherheit (Grifffestigkeit, neue Routen schrauben etc.)
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Qualifikation der Lehrkräfte und Personal nötig
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mangelnde körperliche Voraussetzungen einiger Schüler, ggf. auch Angst
Mögliches Fazit:
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Klettern ein hohes pädagogisches Potenzial besitzt, das weit über die rein physische Fitness hinausgeht, insbesondere im Bereich der Wagniserziehung und der Sozialkompetenz. Dennoch ist die Umsetzung im Schulsport stark von den organisatorischen Rahmenbedingungen (Infrastruktur, Fachsportlehrerausbildung) und der Gruppengröße abhängig.
Während das Bouldern oder Klettern an Turngeräten eine niederschwellige Integration ermöglicht, erfordert das Seilklettern ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Aufsicht, weshalb ein Einsatz im Sportunterricht nur bei entsprechender personeller und materieller Absicherung sowie unter Berücksichtigung der individuellen Ängste der Schüler zielführend ist.