Aufgabe 3 – Inhaltsstoffe von Gelée royale
Gelée royale ist der Futtersaft, mit dem Bienen ihre Bienenköniginnen ernähren. Auch für die menschliche Gesundheit werden Gelée royale positive Eigenschaften zugeschrieben.
Beschreibe die Durchführung und die zu erwartenden Beobachtungen zum Nachweis von Proteinen in Gelée royale unter Angabe des Fachbegriffs für diese Nachweisreaktion (M1).
Erläutere vereinfachend von einem Gemisch aus Wasser und 10-Hydroxydec-2-ensäure ausgehend mögliche zwischenmolekulare Wechselwirkungen vor dem Gefriertrocknen von Gelée royale und deren Veränderungen beim Gefriertrocknen (M2).
Nenne die Namen der funktionellen Gruppen in den Molekülen der drei Zwischenprodukte, die bei der technischen Synthese von 10-Hydroxydec-2-ensäure entstehen (M3).
Entwickle für Schritt 1 der technischen Synthese einen möglichen Reaktionsmechanismus in Strukturformeln unter Angabe eines weiteren Edukt-Moleküls (M3).
Formuliere die Reaktionsgleichung in Strukturformeln für die Reaktion des Experiments unter Angabe des Reaktionstyps (M4).
Überprüfe, ob es sich bei der Reaktion um eine Redoxreaktion handelt (M4).
Begründe, welche weitere Reaktion ablaufen könnte, wenn man das Experiment unter Belichtung und bei gleichzeitiger Zugabe von Brom im Überschuss durchführt (M4).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M1: Zusammensetzung und Eigenschaften von Gelée royale
Gelée royale ist eine weißgelbliche, zähflüssige Masse und schmeckt leicht säuerlich. Der -Wert von Gelée royale liegt zwischen
und
Die genaue chemische Zusammensetzung von Gelée royale ist immer noch nicht ganz entschlüsselt. Gesichert ist, dass es neben Wasser unter anderem Proteine, Fructose, Glucose, Lipide, einige B-Vitamine und 10-Hydroxydec-2-ensäure enthält.
Das Vorkommen von 10-Hydroxydec-2-ensäure in der Natur ist nur in Gelée royale bekannt.
Gelée royale wird eine appetitsteigernde, dynamisierende, antimikrobielle und sogar krebshemmende Wirkung zugeschrieben, was wiederum auf die Wirkung von 10-Hydroxydec-2-ensäure zurückgeführt wird.

Wabe mit Bienenköniginnenlarven in Gelée royale
verändert nach: https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/nutztiere/bienen/bienenprodukte/gelee.html; Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gel%C3%A9e_royale#/media/Datei:Weiselzellen_68a.jpg; letzter Zugriff: 15.02.2026
M2: Gefriertrocknung von Gelée royale
Auch wenn die gesundheitsfördernde Wirkung von Gelée royale bisher nicht klar wissenschaftlich belegt werden konnte, wird es als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, häufig in Form von Tabletten oder als Pulver. Dazu muss das frische Gelée royale verarbeitet werden.
Die Gefriertrocknung beschreibt ein modernes Verfahren, Lebensmittel ohne Nährstoffverlust haltbar zu machen. Zuerst wird das Gelée royale tiefgefroren. Mittels Unterdruck verdampft das gefrorene Wasser. Da der Futtersaft der Bienenkönigin aus etwa 60 bis 70 Prozent Wasser besteht, werden für rund ein Kilogramm Pulver etwa drei Kilogramm frisches Gelée royale benötigt.
Während das frische Gelée royale recht zügig aufgebraucht werden muss, ist das gefriergetrocknete Gelée royale lange haltbar.
verändert nach: https://beegut.de/products/gelee-royal-pulver; letzter Zugriff: 19.07.2024
M3: Technische Synthese von 10-Hydroxydec-2-ensäure
Die Ernte von Gelée royale ist aufwändig und umstritten, da sie massiv in das Leben eines Bienenvolks eingreift. Seit einiger Zeit wird 10-Hydroxydec-2-ensäure daher auch technisch hergestellt, wobei in der Regel ein Reinheitsgrad von knapp unter erreicht wird.
Eine mögliche technische Synthese führt über die folgende Reaktionsabfolge mit den angeführten Zwischenprodukten:

verändert nach: https://patents.google.com/patent/CN102603517A/en; letzter Zugriff: 11.09.2024
M4: Experiment mit 10-Hydroxydec-2-ensäure
Mit einer wässrigen Probelösung von 10-Hydroxydec-2-ensäure wird das folgende Experiment durchgeführt:
Durchführung: Zugabe von in Wasser gelöstem Brom, ohne Belichtung
Beobachtung: schnelle Entfärbung
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreibung:
-
Einfüllen von etwas Gelée royale in ein Reagenzglas; ggf. Zugabe von etwas Wasser
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Zugabe einiger Tropfen Natronlauge
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Zugabe einiger Tropfen Kupfer(II)-sulfat-Lösung (Biuret-Lösung) und Durchmischung der Lösung
-
violette Färbung der Lösung bei Vorhandensein von Proteinen
Fachbegriff für die Nachweisreaktion: Biuret-Probe/Biuret-Reaktion
Erläuterung:
-
grundsätzlich Ausbildung von Wasserstoffbrücken aufgrund von positiv polarisierten Wasserstoff-Atomen und freier Elektronenpaare an negativ polarisierten Sauerstoff-Atomen beim Wasser-Molekül sowie der Hydroxyund Carboxy-Gruppe des 10-Hydroxydec-2-ensäure-Moleküls
-
grundsätzlich Ausbildung von London-Kräften zwischen den KohlenstoffKetten als unpolare Molekülteile der 10-Hydroxydec-2-ensäure-Moleküle
-
Ausbildung von Wasserstoffbrücken zwischen Wasser-Molekülen untereinander sowie zwischen Wasser-Molekülen und der Hydroxy- sowie der Carboxy-Gruppe des 10-Hydroxydec-2-ensäure-Moleküls
-
Ausbildung von Wasserstoffbrücken bei 10-Hydroxydec-2-ensäure-Molekülen zwischen einer Hydroxy-Gruppe und einer Carboxy-Gruppe sowie zwischen zwei Carboxy-Gruppen und zwei Hydroxy-Gruppen
-
Entfernen von Wasser-Molekülen beim Gefriertrocknen: Wegfall der Möglichkeit zur Ausbildung von Wasserstoffbrücken zwischen Wasser-Molekülen untereinander sowie zwischen Wasser-Molekülen und 10-Hydroxydec2-ensäure-Molekülen; verstärktes Ausbilden von Wasserstoffbrücken bei 10-Hydroxydec-2-ensäure-Molekülen untereinander, verstärkter Einfluss der London-Kräfte bei den 10-Hydroxydec-2-ensäure-Molekülen
Funktionelle Gruppen:
-
Halogen-Atom/Halogenid-Gruppe
-
Hydroxy-Gruppe
-
Aldehyd-Gruppe/endständige Carbonyl-Gruppe
-
Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung
-
Carboxylat-Gruppe
Das weitere Edukt-Molekül ist Bromwasserstoff
Schritt 1:
Protonierung einer Hydroxy-Gruppe des Octan-1,8-diol-Moleküls durch ein Bromwasserstoff-Molekül; Entstehung eines Oxonium-Ions und eines Bromid-Ions
Schritt 2:
nucleophiler Angriff des Bromid-Ions auf das Kohlenstoff-Atom und Ausbildung eines Übergangszustands mit Bindungsknüpfung zwischen dem Brom-Atom und dem Kohlenstoff-Atom bei gleichzeitiger Bindungsspaltung zwischen Kohlenstoff- und Sauerstoff-Atom
Schritt 3:
Abspaltung eines Wasser-Moleküls und Bildung des 8-Bromoctan-1-ol-Moleküls
Reaktionsgleichung:
Überprüfung:
-
Oxidationszahlen der Kohlenstoff-Atome C2 und C3 des 10-Hydroxydec-2-ensäure-Moleküls (vorher/nachher):
-
Oxidationszahlen der Brom-Atome im Brom-Molekül bzw. im Produkt-Molekül (vorher/nachher):
-
Veränderung der Oxidationszahlen, Elektronenübertragung, Vorliegen einer Redoxreaktion
Begründung:
-
zusätzliches Ablaufen einer radikalischen Substitution bei Belichtung und Zugabe von Brom im Überschuss aufgrund der Bildung von Brom-Radikalen aus nicht sofort an die Doppelbindung addierten oder überzähligen Brom-Molekülen
-
möglicher Angriff der Brom-Radikale auf jede Kohlenstoff-Wasserstoff-Einfachbindung und somit Ausbildung mehrfach bromierter Produkt-Moleküle