Lerninhalte
Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 1 — Mensch und Künstliche Intelligenz

Aufgabenstellung

1.

Gib den Gedankengang des Textes von Ahmad Milad Karimi wieder.

25%

2.

Erläutere das biblische Menschenbild. Berücksichtige dabei Aussagen des Textes.

25%

3.

Entfalte ausgehend vom Text Möglichkeiten und Grenzen der interreligiösen Verständigung.

25%

4.

Erörtere an einem ausgewählten Beispiel die Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Beziehe dich dabei auch auf den Text.

25%

Material

Ahmad Milad Karimi, Ist die KI der bessere Gott?, Publik-Forum 03/2025, Quelle, letzter Zugriff am 02.10.2026, gekürzt.

Erläuterungen

Ahmad Milad Karimi (geboren 1979) ist islamischer Philosoph.

Gewichtung der Teilaufgaben

Teilaufgabe 1: 25%

Teilaufgabe 2: 25%

Teilaufgabe 3: 25%

Teilaufgabe 4: 25%

Hilfsmittel

Bibel

Material: Ahmad Milad Karimi — Ist die KI der bessere Gott?

1
Die Berührung zwischen Mensch und Maschine beinhaltet immer die Möglichkeit,
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sich als Mensch infrage zu stellen. In unserer Gegenwart, die durch die
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technologischen Fortschritte der künstlichen Intelligenz (KI) immer mehr nach
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Optimierung und Perfektion strebt, sind wir Menschen in mehrfacher Hinsicht
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infrage gestellt. Die erste und wesentliche Frage lautet: Wer sind wir? Darauf kann
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es keine abschließende Antwort geben. [...]
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[A]us religiöser Sicht lässt sich das Leben nicht als bloßes Dasein, also als reines
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und möglichst langes Überleben bestimmen. Vielmehr erscheint Leben als
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verdichtete Sinnsuche, als Frage nach dem Leben selbst, als Hoffnung, dass dieses
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Leben gelingt, dass wir in unserem Leben ein Herz gewonnen, einen Baum
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gepflanzt, ein Kind zum Lachen gebracht, einen Menschen geliebt haben. Nichts
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davon lässt sich programmieren, kalkülhaft vorhersagen oder quantifizieren. [...]
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[D]ie Würde, ein Mensch gewesen zu sein, scheint nicht am Gelingen und
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Scheitern am Leben messbar zu sein. Sie scheint sogar überhaupt nicht messbar
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zu sein, weil Fehlbarkeit, Endlichkeit, Zerbrechlichkeit, Vergesslichkeit und nicht
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zuletzt Leiblichkeit uns eingeschrieben sind.
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Glauben wir an einen Gott, einen erhabenen, unverfügbaren, dann heißt dies im
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Kern, dass wir uns einem Gott hingegeben haben, der uns Menschen nicht bloß
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erschaffen, sondern auch in unserer mehrfachen Begrenztheit angenommen hat.
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Indem er beispielsweise mit dem Menschen einen Bund eingeht (Judentum),
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indem er selbst Mensch wird (Christentum), indem er sich als „Gott der
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Menschen“ identifiziert (Islam). Menschliche Imperfektibilität ist von Gott
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getragen, so ließe sich aus islamischer Sicht sagen. Darin dürfte auch der
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eigentliche Kern aller abrahamitischen Religionen liegen. Kurz: der Mensch genügt
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– in all seiner Schwäche, Endlichkeit und Fehlbarkeit.
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So gesehen scheint nicht unser digitales Zeitalter die große Herausforderung
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darzustellen, sondern Religionen, die am Menschsein in seiner Fehlbarkeit,
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Endlichkeit und Begrenztheit festhalten. Diese Religionen wirken, als wären sie aus
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der Zeit gefallen. Vielleicht aber besteht in dieser Geste, in diesem Widerstehen
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gegen einen Sog, der alles Leben, alles Wertvolle nach Perfektibilität und
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Fortschritt einordnet, die eigentliche Aufgabe der Religion: unzeitgemäß zu sein.
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Damit ist nicht eine biedere, am Patriarchat orientierte, dogmatisch unaufgeklärte
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Unzeitgemäßheit gemeint, sondern eine Haltung, die unverführbar für
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Erscheinungen und Versprechungen bleibt, die Hybris als Heil propagieren. [...]
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Die Visionen, die die KI als Maß und Ziel der Welt ansehen, propagieren, dass keine
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Grenze bewahrt bleiben soll: nicht der Körper, nicht die Intelligenz, nicht der Tod.
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Denn der Körper und der Verstand lassen mit der Zeit nach, werden schwach und
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unzulänglich, weil der Mensch altert, erkrankt und schließlich stirbt. Sowohl der
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Transhumanismus1als auch der Posthumanismus2ringen um das Menschsein und
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attestieren in je eigener Weise die Unzeitgemäßheit des Menschen. [...] Hier wird
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der Mensch als eine Art Projekt betrachtet, das durch technologische Eingriffe
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optimiert werden kann. Alter, Leiblichkeit und Tod werden als Krankheiten
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betrachtet, die es zu lösen gilt. Das Ziel: ein Homo digitalis, der stärker,
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intelligenter, langlebiger und vor allem glatt ist. [...]
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Ohne Zweifel kann die KI als Instrument für das Leben in vielfacher Hinsicht
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bedeutsam sein. Von Bedeutung ist nur, einzusehen, dass das, was die KI und
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deren transhumanistische und posthumanistische Visionäre suggerieren, nicht das
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ist, was es verspricht. Denn es gibt keine künstliche Intelligenz. Intelligenz ist die
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Fähigkeit zu denken. Und das Denken ist eine lebendige Tätigkeit des Menschen.
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Die sogenannte KI ist aber nicht denkfähig, sondern ein datenbasiertes System,
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eine programmatisch installierte denksimulierende Form menschlicher Intelligenz.
52
[...]
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Eine KI, die alles weiß und alles durchdringt, kennt keine Grenze, kein Staunen,
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keine Demut, keine Trauer, keinen Abschied, vor allem nicht den schönen
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Schmerz, endlich zu sein. Menschliche Freiheit liegt nicht darin, perfekt zu sein,
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sondern darin, fehlbar zu bleiben und gerade in dieser Fehlbarkeit immer wieder
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neu zu beginnen.
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Insofern betrifft die KI den Kern der Theologie in zweifacher Hinsicht. Zum einen
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geht es in der Theologie um das Denken des Glaubens und zum anderen um den
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Menschen, der in diesem reflektierten Glaubensakt im Ausgriff auf die
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Transzendenz sich zu erkennen versucht. Gerade weil die KI eine neue Art der
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Erlösung verspricht, kann und darf die Theologie sie nicht ignorieren. Die KI lässt
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uns glauben, dass wir mehr sein können – schneller, intelligenter, makelloser. Der
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Übermensch von morgen, der alles weiß, alles kann, alles will und endlos lebt, wird
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kein Mensch mehr sein, sondern ein Gott 2.0. Dieser Gott stellt ein Spiegelbild
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unserer eigenen Bestrebungen dar. Er steht für die Vorstellung eines trans-
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beziehungsweise posthumanistischen Ziels, in dem der Mensch versucht, seine
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natürlichen Begrenzungen zu überwinden und sich selbst zu einem „Gott“ zu
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erheben – ein Konzept, das durch die technischen und biologischen Möglichkeiten
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der Moderne zunehmend greifbar scheint. Dieser Gott 2.0 suggeriert ein
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Menschenbild, das nach einer Superintelligenz strebt, die technologische
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Entwicklung und KI nutzt, um den höchsten Fortschritt zu erlangen. Der Gott 2.0
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ist aber eine bloße Schöpfung der menschlichen Vorstellung, eine immanente
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Konstruktion.
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Religionen erinnern uns daran, dass das Menschsein nicht in der Perfektion liegt,
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sondern in der Beziehung: zur Schöpfung, zu anderen Menschen, zu Gott. Diese
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Beziehungen sind oft kompliziert, fehlerhaft, widersprüchlich – und gerade
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deshalb voller Leben. [...]
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Der Mensch [...] ist kein glatt poliertes Wesen, das sich in makelloser Perfektion
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erschöpft. Vielmehr trägt er die Schönheit des Unfertigen in sich, die Offenheit des
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Werdens, das Potenzial zur Veränderung. Die Sehnsucht nach Transzendenz, die
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ihn antreibt, entspringt aus ebendiesem Bewusstsein seiner Grenzen. [...]
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Abraham, Mose und Maria – sie alle sind keine glatten Helden, sondern Menschen,
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die an ihren Grenzen wachsen. Ihre Geschichten sind unsere Geschichten, ihre
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Zweifel unsere Zweifel. In ihnen erkennen wir uns selbst. An ihnen erkennen wir,
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dass Fehlbarkeit und Freiheit untrennbar miteinander verbunden sind. Ein Gott,
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der den Menschen in seiner Unvollkommenheit liebt, öffnet einen Raum, in dem
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wir uns selbst annehmen können.
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In einer Zeit, in der Maschinen viele unserer Fähigkeiten übertreffen, könnte die
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Aufgabe sein, dass wir wieder lernen müssen, unsere Unvollkommenheit zu
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würdigen. Eine Theologie der Imperfektibilität ist eine Befreiung, eine Einladung,
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in der Tiefe unserer Fehlbarkeit die Schönheit des Lebens zu entdecken.

1 Denkrichtung, die menschliche Fähigkeiten durch den Einsatz neuer Technologien zu erweitern sucht

2 Denkrichtung, die darauf ausgerichtet ist, traditionelle Konzeptionen des Menschseins zu überwinden

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