Aufgabe 1
Uruguay – Vorreiter in der Ökostromproduktion?
Beschreibe das naturräumliche Potenzial für die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien sowie den Wirtschaftsraum Uruguays.
Charakterisiere die Entwicklung der Stromerzeugung sowie die aktuelle Energieinfrastruktur in Uruguay.
Beurteile, inwiefern Uruguay als Vorbild für Deutschland in Bezug auf die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien dienen kann.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Wirtschaftskarte Uruguay1
Signaturen siehe Generallegende

1Energiewirtschaft nicht dargestellt.
Bearbeitung nach folgender Quelle: Diercke Weltatlas 2023, digital
Material 2: Strukturdaten Uruguay (2023)
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Einheit |
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Landfläche |
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Bevölkerung (2024) |
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Bruttoinlandsprodukt (2024) |
Mrd. US- |
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BIP, reale Veränderung seit 2000 (2024) |
% |
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BIP je Einwohner/-in (2024) |
US- |
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Erwerbstätige/Bruttowertschöpfung2 nach Sektoren: - Land- und Forstwirtschaft, Fischerei - Produzierendes Gewerbe - Dienstleistungen |
% |
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Human Development Index |
Indexwert |
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Warenexporte/-importe |
Mrd. US- |
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Hauptwarengruppen Export: |
- Fleisch, Schlachterzeugnisse ( - Holz und Holzwaren, Holzkohle ( - Getreide ( - Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Honig ( - Ölsamen, ölhaltige Früchte, Samen, Heilpflanzen ( |
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Hauptwarengruppen Import: |
- Mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Erzeugnisse ( - Kraftwagen, Fahrzeuge (nicht schienengebunden), Teile ( - Maschinen und mechanische Erzeugnisse ( - Elektronische Erzeugnisse ( - Kunststoffe und Waren daraus ( |
|
2Die Summen können rundungsbedingt von abweichen.
Material 3: Potenzielle Kapazitäten für Wind- und Solarkraft in Uruguay

Anmerkung:
* Der Jahresnutzungsgrad ist die relative Volllast-Nutzung in einem Jahr. Ein Jahresnutzungsgrad von bedeutet, dass eine Anlage
Tage im Jahr
Stunden unter Volllast liefe.
Bearbeitung und Zusammenstellung nach folgenden Quellen:
(Quelle der Abbildung: Wasserstoff-Roadmap [Ministerio de Industria, Energía y Minería 2023 a];
Material 4: Kraftwerksstandorte in Uruguay 2005/2023


Anmerkung:
Nur Kraftwerke mit einer
Nennleistung von mehr als
werden dargestellt.
Bearbeitung nach folgender Quelle:
https://documentosben.miem.gub.uy/
Material 5: Stromerzeugung 2003–20233 und Stromverbrauch 2023 in Uruguay

3Die Summen der Prozentwerte können rundungsbedingt von abweichen.
Anmerkung:
Uruguay war 2008 praktisch gezwungen, seine Energieversorgung umzustellen: Hohe Ölpreise schwächten die Wirtschaft und eine schwere Dürre brachte das Energiesystem an seine Grenzen. Weil Flüsse und Stauseen austrockneten, konnten Wasserkraftwerke nicht mehr genug Strom erzeugen.
Zusammenstellung und Bearbeitung nach folgenden Quellen:
https://documentosben.miem.gub.uy/;
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html;
https://www.wko.at/oe/statistik/laenderprofile/lp-uruguay.pdf;
https://www.wko.at/oe/statistik/laenderprofile/lp-deutschland.pdf;
Dogantekin, P.: Ökostrom im Überfluss, in: Der Spiegel (2025) H. 22, S. 92
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Lage Uruguays:
Sehr kleines Land, südlicher Teil Südamerikas; an Brasilien und Argentinien grenzender Küstenstaat; ca. –
s. Br. /
–
w. L. (Material 1, Material 2, Atlas, UBW).
Naturräumliches Potenzial des Landes für die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien:
-
Potenzial fürWasserkraft: maritime semihumide Subtropen (klimazonale Abweichung in Abhängigkeit von gewählter Klassifikation möglich), mit ca.
–
Jahresniederschlag sehr wasserreich, Niederschlag zu allen Jahreszeiten mit sommerlichem Maximum (Atlas, UBW), bedeutende Flüsse (z. B. Río Uruguay, Río Negro) vorhanden, die durch Aufstauen zur Gewinnung von elektrischer Energie geeignet sind (Material 1, Material 4, Atlas); grundsätzlich Variabilität der Wasserverfügbarkeit, bisweilen sogar Dürregefährdung wie 2008 (Material 5);
-
Potenzial für Windkraft: überwiegend nordöstliche bis östliche Winde, nahezu keine orographischen Barrieren, sodass elektrische Energie sowohl onshore als auch offshore gut gewonnen werden kann (Atlas, Material 3);
-
Potenzial für Solarkraft: Stromproduktion mit Photovoltaik (→ relativ hoher Jahresnutzungsgrad) insbesondere im Norden und Westen gut möglich, aber auch im Zentrum; lediglich im Osten (Küstenregion) wird Sonnenstromgewinnung als wenig wirtschaftlich eingeschätzt (Material 3, Material 4);
-
Biomassepotenzial: Gewinnung elektrischer Energie aus Biomasse unregelmäßig dispers, abhängig vom Vorhandensein von Pflanzen und Pflanzenresten, aber durch überwiegend wechselfeucht-tropische Vegetation und landwirtschaftliche Nutzung (inkl. Tierhaltung) grundsätzlich ganzjährig möglich (Material 1, UBW; Biomassepotenzial kann nur indirekt abgeleitet werden).
Beschreibung des Wirtschaftsraum Uruguays:
-
Die Flächennutzung ist v. a. auf die Landwirtschaft, insbesondere die Viehhaltung (Rinder und Schafe) gestützt, nordwestlich von Montevideo (Hauptstadt) werden Sojabohnen und Weizen angebaut. So sind auch die Hauptexportgüter in erster Linie landwirtschaftliche Erzeugnisse bzw. Veredelungsprodukte (Material 1, Material 2).
-
in Montevideo: Erdölraffinerie; chemische, Metall-, Leder-/Textil-/Bekleidungsindustrie, Lebensmittelerzeugung (Fleischwaren); Dienstleistungszentrum mit überregionaler Bedeutung (mit Tourismus) (Material 1);
-
in La Paloma am Atlantik: Fischverarbeitung (Material 1);
-
im Westen des Landes Herstellung von Zellulose, Papier und in Paysandú Lebensmittelerzeugung (Fleischwaren) (Material 1);
-
Insgesamt ist Uruguay sehr ländlich geprägt (Material 1).
Mögliches Fazit
Zusammenfassend könnte gesagt werden, dass das kleine agrarisch geprägte Land Uruguay, welches vorwiegend land- und forstwirtschaftliche Güter exportiert, insgesamt günstige naturräumliche Voraussetzungen für vielfältige Formen der Gewinnung von Strom insbesondere aus den erneuerbaren Energiequellen Wind, Wasser und Sonne (Photovoltaik) aufweist.
Entwicklung der uruguayischen Stromproduktion:
-
gesamte Stromproduktion Uruguays ist von
in 2003 mit jährlichen Schwankungen um ca. die Hälfte auf
in 2023 gestiegen (Material 5);
-
Wasserkraft ist in Uruguay die traditionelle Art der Stromerzeugung (2003 nahezu ausschließliche Stromquelle), 2005 gab es
Wasserkraftwerke (Material 4, Material 5); Bedeutung der Wasserkraft an der Gesamtstromproduktion sinkt von
in 2003 auf
in 2023, wobei die absoluten Werte nach 2019 merklich sinken;
-
Wärmekraft aus fossilen Brennstoffen machte 2003 einen ausgesprochen geringen Anteil an der gesamten Stromerzeugung aus und 2023
; insgesamt sehr starke Schwankungen, größter Anteil an der Gesamtstromproduktion 2009 (
);
-
Wärmekraft aus Biomasse kam auf äußerst geringem Niveau nach 2003 hinzu, entwickelte sich anschließend sehr langsam, ihr Anteil an der Gesamtstromproduktion stieg bis 2023 aber auf
(absolute Erzeugung ist seit 2015 recht konstant).
-
Windkraft kam um 2009 hinzu, entwickelte sich dann rasant über rund
an der Gesamtstromproduktion in 2015 auf
in 2023.
-
Der in Uruguay jüngste genutzte Energieträger ist Solarkraft (ca. seit 2015). Ihr Anteil betrug zuletzt
, die erzeugte Energiemenge hat sich allerdings von ca.
in 2015 auf knapp
in 2023 verzehnfacht (alle Material 5).
-
Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung beträgt 2023
; Diversifizierung der Stromerzeugung liegt u. a. an einer Dürre in 2008; Wasserkraft liegt inzwischen hinter Windkraft, Atomkraft spielt keine Rolle (Material 5).
Bezüglich der aktuellen Energieinfrastruktur (2023) ist auszuführen (Material 4):
-
Kraftwerke sind über das ganze Land verteilt, wobei es folgende Konzentrationen gibt:
-
weiterhin
(von vorher
) Wärmekraftwerke (fossile Brennstoffe);
Wärmekraftwerke (Biomasse) v. a. im Norden, Westen und Süden; insgesamt
Windkraftwerke, die überwiegend im Süden in der Nähe der Hauptstadt Montevideo gelegen sind, aber auch im Zentrum, Norden und Westen;
Wasserkraftwerke (ohne Veränderung);
Solarkraftwerke (Photovoltaik) im (Nord-)Westen (vgl. Material 3: Region I mit höchstem Jahresnutzungsgrad);
-
außerdem eine Erdölraffinerie in Montevideo.
Mögliches Fazit
Uruguay hat seine Stromproduktion in ca. Jahren fast vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt, wobei sich die Energieinfrastruktur sehr diversifiziert und überwiegend entsprechend der (potenziellen) Kapazitäten (Material 1, Material 3, Atlas) orientiert hat.
In nur kurzer Zeit hat Uruguay seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weitgehend beseitigt, über des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen (Material 4, Material 5; vgl. TA 2), weshalb ein Umstieg auch für Deutschland erstrebenswert erscheint.
Um zu einem fundierten Sachurteil zu gelangen, sind die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen als Grundlage für die Vergleichbarkeit der Räume zu berücksichtigen, z. B. hinsichtlich Fläche und Einwohnerzahl, naturräumlicher Voraussetzungen, politischer Umsetzung, Wirtschaftsstruktur und Energiewirtschaft.
Aspekte, die für eine Vorbildfunktion sprechen:
-
Da ein Land mit begrenzten finanziellen Mitteln wie Uruguay diesen Wandel vollzogen hat, dürfte/müsste er auch für Deutschland leistbar sein (Material 1, Material 2, Atlas, UBW).
-
Da Deutschland bereits Strom zu gut
aus erneuerbaren Energien gewinnt, ist ein verhältnismäßig schneller Umstieg grundsätzlich denkbar (Material 5, UBW).
-
In Deutschland sind im Allgemeinen die gleichen regenerativen Energiequellen verfügbar (Material 5, UBW).
-
Bei beiden Ländern handelt es sich um demokratische Staaten (UBW).
Aspekte, die gegen eine Vorbildfunktion sprechen:
-
Aufgrund der geringeren Bevölkerungszahl und -dicht ein Uruguay (halb so groß wie Deutschland, lediglich
der Einwohnerzahl Deutschlands) stehen dort potenziell größere Flächen pro Einwohner zur Energieerzeugung durch Nutzung erneuerbarer Energien zur Verfügung (Material 2, Atlas, UBW). Auch der Stromverbrauch ist geringer (Material 5, UBW).
-
Sowohl Klima als auch Relief weisen Unterschiede auf. Windkraftpotenzial (Windgeschwindigkeiten) ist in Uruguay höher als in Deutschland (Material 3, Atlas, UBW), Selbiges gilt für das Solarkraftpotenzial (Material 3). Bei der Wasserkraft könnte ein geringeres Potenzial in Deutschland als in Uruguay angenommen werden (vgl. z. B. Jahresniederschlagssumme oder Anteil von
der Wasserkraft an der Bruttostromerzeugung in Deutschland), aber auch eine mangelnde politische Umsetzbarkeit (Atlas, UBW, Material 5). Ergänzend wäre aber ein Hinweis auf das Potenzial der Offshore-Windkraftanlagen in Deutschland sinnvoll.
-
Trotz der vor Jahrzehnten eingeleiteten Energiewende in Deutschland (z. B. Erneuerbare-Energien-Gesetz aus 2000; UBW) ist der Anteil der fossilen Energieträger von
an der Bruttostromerzeugung in 2024 deutlich höher als der vergleichbare Wert für Uruguay (
in 2023 [Material 5]), wofür die politische Umsetzung ausschlaggebend sein könnte (keine ökonomische Ausnahmesituation [Energiekrise] in Deutschland wie in Uruguay etwa 2008).
-
Im Gegensatz zu Uruguay ist in Deutschland der sekundäre Sektor (produzierendes Gewerbe) deutlich stärker ausgeprägt, der auch für die deutsche Außenwirtschaft entscheidend ist, womit andere wirtschaftliche Interessen verbunden sind (Material 2, UBW). Energieaufkommen und -verbrauch sind in Deutschland auch deswegen merklich höher als in Uruguay, wodurch auch die höhere Stromproduktion begründet ist (Material 5, UBW).
-
Außerdem ist der Anteil der Braunkohle- und Steinkohleverstromung in Deutschland nach wie vor hoch; der diesbezügliche Strukturwandel ist potenziell schwierig (UBW).
-
Ein Vorteil, den Uruguay durch die Energiewende erzielt hat, ist eine geringe Abhängigkeit von den Nachbarländern, wodurch es weniger anfällig für Preisschwankungen und geopolitische Krisen auf den internationalen Energiemärkten ist (Material 2, Material 5, UBW). Zudem ist möglich, dass sich die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft verändern und damit verbundene Widerstände auftreten können (UBW). Auch ist naheliegend, dass in Uruguay ländliche und benachteiligte Regionen (Passivräume) durch die Verbesserung der Stromversorgung in abgelegenen Gebieten profitiert haben. Dies kann durchaus zu einer größeren Akzeptanz der Energiewende als in Deutschland beigetragen haben (UBW).
Mögliches Fazit:
Uruguay profitiert stark von seinem Naturraum: Die zum Teil intermittierenden Energieträger Wind-, Wasser- und Solarkraft ergänzen sich wetterabhängig gegenseitig. Ob Uruguay als Vorreiter in der Energiewende gelten kann, ist insgesamt fragwürdig: Uruguay hat seine Energiewirtschaft sehr schnell und umfassend umgestellt, da das naturräumliche Potenzial in Kombination mit der geringen Bevölkerungszahl sowie dem politischen Willen die Installation von Anlagen in ländlichen Gebieten erleichtert hat. Auch der relativ niedrige Pro-Kopf-Stromverbrauch erleichterte die Transformation. Wahrscheinlich ist ein nahezu kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien in Uruguay einfacher als in einem Industrieland wie Deutschland.