Aufgabe 1
Japan – Zuwanderung als Zukunftsstrategie?
Gliedere Japan nach demografischen Merkmalen (Material 1, Material 2, Atlas).
Analysiere die sozioökonomische Entwicklung Japans unter Berücksichtigung der demografischen Situation (Material 1–Material 5, Atlas).
Beurteile Zuwanderung als Strategie gegen Arbeitskräftemangel für die verschiedenen Regionen Japans (Material 1–Material 6, Atlas).
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Bevölkerungsstruktur in Japan (2019)

Zur besseren Lesbarkeit wurden die Signaturen zur Anhebung des Durchschnittsalters seit 1950 in einigen Präfekturen mit a und b gekennzeichnet.
Bearbeitung nach folgender Quelle: Haack Atlas 2022, digital
Material 2: Binnenmigration in Japan zwischen Präfekturen in Personen pro 1.000 Einwohner (2019)

Bearbeitung nach folgender Quelle: https://rgs-ibg.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/geoj.12612
Material 3: Strukturdaten Japan (2000–2023)
|
Einheit |
|
|
|
|
|---|---|---|---|---|
|
Bevölkerung |
in |
|
|
|
|
HDI |
Indexwert |
|
|
|
|
0- bis unter 15-Jährige 15- bis unter 65-Jährige 65-Jährige und älter |
|
|
|
|
|
Fertilitätsrate |
Kinder je Frau |
|
|
|
|
Durchschnittsalter |
Jahre |
|
|
|
|
Altenquotient1 |
|
|
k. A. |
|
|
Städtische Bevölkerung |
|
|
|
|
|
BIP (KKP) |
Mrd. US- |
|
|
|
|
BIP/Kopf (KKP) |
US- |
|
|
|
|
Wachstum des realen BIP |
|
|
|
|
|
Staatsverschuldung in Relation zum BIP |
|
|
|
|
|
Bruttowertschöpfung:
|
|
( |
|
|
|
Arbeitslosenquote (15- bis 64-Jährige) |
|
|
|
|
|
Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) |
|
|
|
|
|
Global Innovation Index2 |
Indexwert / Rang |
k. A. |
( |
|
Aufgrund von Rundungen ergeben Prozentangaben in Summe nicht zwingend .
1Zahl der über 65-Jährigen geteilt durch die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre)
2Der Global Innovation Index untersucht Ökonomien weltweit anhand von 80 ausgewählten Kriterien hinsichtlich ihrer Innovationskraft (100 = größtmögliche Innovationskraft).
Zusammenstellung aus folgenden Quellen:
https://www.wko.at/statistik/laenderprofile/lp-japan.pdf;
https://de.theglobaleconomy.com/Japan/;
https://www.imf.org/external/datamapper/NGDPDPC@WEO/JPN;
https://www.ifo.de/DocDL/ifosd_2004_3_5.pdf;
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165977/umfrage/fertilitaetsrate-in-japan/; https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200666/umfrage/durchschnittsalter-der-bevoelkerung-in-japan/; https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165976/umfrage/altersstruktur-in-japan/;
https://data.worldbank.org/indicator/SP.URB.TOTL.IN.ZS?locations=JP; https://hdr.undp.org/sites/default/files/2025_HDR/HDR25_Statistical_Annex_HDI_Trends_Table.pdf; https://user.iiasa.ac.at/~marek/fbook/01/geos/ja;
https://data.worldbank.org/indicator/GB.XPD.RSDV.GD.ZS?end=2022&locations=JP&start=2000
Material 4: Zahl der Ausländer in Japan steigt – Zuwanderung erreicht ländliche Regionen
Quelle: Ziegler, M. (2025): Japan: Hightech und Einwanderung gegen Fachkräftemangel. In: Sumikai – Magazin rund um Japan, 13.08.2025 (https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/zahl-der-auslaender-in-japan-steigt-zuwanderung-erreicht-laendliche-regionen-361448/)
Material 5: Das alternde Japan steckt im Migrationsdilemma
Quelle: Fritz, M. (2025): Das alternde Japan steckt im Migrationsdilemma. In: Börsen-Zeitung, 31.10.2025
(https://www.boersen-zeitung.de/meinung-analyse/das-alternde-japan-steckt-im-migrationsdilemma)
Material 6: Strukturdaten zur Zuwanderung in Japan (2024)
|
2024 (Veränderung zu 2023) |
|
|
Immigranten |
177.133 (+8,6 %) |
|
davon: |
|
|
• Arbeitsmigranten |
111.584 (+36 % zu den Jahren 2019/2020) |
|
• Familienangehörige |
59.510 |
|
• Flüchtlinge |
2.233 |
|
• Andere |
3.806 |
|
Temporäre Aufenthaltsgenehmigungen |
684.442 |
|
davon (Auswahl): |
|
|
• Internationale Studierende |
167.087 (+20 %) |
|
• Praktikanten und Auszubildende |
164.865 (-17 %) |
|
• Temporäre / saisonale Arbeitsmigranten |
102.069 (-2 %) |
|
Asylbewerber |
13.464 (-1,3 %) |
Quelle: OECD International Migration Outlook (https://www.oecd.org/en/publications/international-migration-outlook-2025_ae26c893-en/full-report/japan_ccc89a8d.html#component-d1e61124-d1790a7eea)
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Japan liegt als Inselkette entlang der ostasiatischen Pazifikküste. Die vier großen Hauptinseln sind Hokkaido im Norden, die zentrale und größte Insel Honshu sowie daran nach Süden anschließend die Inseln Shikoku und Kyushu. Japan grenzt indirekt im Norden und Nordwesten an Russland, im Westen (durch das Japanische Meer getrennt) an Nord- und Südkorea sowie im Südwesten an Taiwan und die VR China (Atlas, Material 1).
-
In den meisten Regionen Japans liegt ein hohes Durchschnittsalter (UBW) der Bevölkerung von mindestens 45 Jahren vor und fast alle Regionen verzeichnen eine Bevölkerungsabnahme (Material 1).
Zuwachsregionen
-
Der Großraum Tokyo unterscheidet sich deutlich von allen anderen Präfekturen: leichte natürliche Zunahme der Bevölkerung (Material 1), als eines der wenigen Gebiete eine stark positive Nettowanderungsrate (Material 2). Auch die nördlich, östlich und südlich angrenzenden Präfekturen wie Kanagawa (Yokohama) zeigen positive Wanderungssalden (Material 2). Die Bevölkerungsdichte in der Metropolregion ist hoch (Atlas), allerdings hat auch Tokyo ein hohes Durchschnittsalter von 45–47 Jahren (Material 1).
-
Die Metropolregionen Kyoto und Nagoya stellen weitere Bevölkerungszentren dar (Material 1, Material 2, Atlas).
-
Die kleinen Inseln Okinawas im Süden Japans haben eine leicht positive Nettomigrationsrate (Material 2).
Regionen starker Überalterung und Abwanderung
-
Der Norden von Honshu überaltert besonders (höchstes Durchschnittsalter von über 51 Jahren im Nordwesten, 49–51 Jahren in den umliegenden Regionen), über
der Gesamtbevölkerung dieser Regionen sind über 64 Jahre alt (Material 1). Damit einher geht eine starke Bevölkerungsabnahme. Die nördlichste Präfektur Honshus hat ebenso eine der höchsten Abwanderungsraten (Material 2).
-
Die kleineren Hauptinseln (Hokkaido im Norden, Shikoku und Kyushu im Süden) sind Gebiete mit einem überdurchschnittlichen Durchschnittsalter von 49–51 Jahren. Besonders überaltert ist die Insel Shikoku mit über
der Gesamtbevölkerung über 64 Jahren und einer entsprechend starken Bevölkerungsabnahme. Besonders stark ist die Bevölkerung von Hokkaido gealtert, wo das Durchschnittsalter seit 1950 um über 22 Jahre angestiegen ist (Material 1). Lediglich die Präfektur Fukuoka im Norden Kyushus verzeichnet einen leicht positiven Nettowanderungssaldo, alle anderen Präfekturen dort sind von Abwanderung geprägt (Material 2).
Mögliches Fazit:
In ganz Japan liegt eine Überalterung vor. Nur drei Gebiete um städtische Ballungszentren im Zentrum der Hauptinsel Honshu (Tokyo, Nagoya, Kyoto) verzeichnen ein leichtes natürliches Bevölkerungswachstum. Diese bilden die Hauptdestinationen für Binnenmigration und schrumpfen nicht.
Analysiere die sozioökonomische Entwicklung Japans unter Berücksichtigung der demografischen Situation.
-
Hinsichtlich des Entwicklungsstands lässt sich festhalten, dass Japan ein Industrieland ist, das sich durch einen hohen HDI sowie ein hohes BIP/Kopf (KKP) auszeichnet (UBW, Material 3).
-
Wirtschaftliche Entwicklung: stetig steigendes BIP/Kopf (KKP) bis 2023, jedoch deutliche Abnahme des Wachstums des realen BIP bei steigender Staatsverschuldung (Material 3);
-
Innovationskraft: steigender Anteil der Ausgaben für FuE, was sich auch in einer Verbesserung des Rangs im Global Innovation Index zeigt (Material 3);
-
sinkende Arbeitslosenquote (Material 3);
-
Wirtschaftsstruktur: bestehend hoher Tertiärisierungsgrad, aber zuletzt leicht steigender Anteil des sekundären Sektors am BIP;
-
Arbeitskräftemangel: durch Überalterung und sinkende Bevölkerungszahlen (Material 1–Material 3) bleibender Arbeitskräftemangel in diversen wirtschaftlichen Bereichen (Material 4, UBW), der sich z. B. in Firmenschließungen ausdrückt (Material 5);
-
Demografische Situation: steigendes Durchschnittsalter und stetig sinkende Fertilitätsraten (Material 3) bei hoher Lebenserwartung (UBW), deshalb hoher Bedarf an Arbeitskräften in den Branchen der Medizin und Pflege (UBW), zudem stark steigender Altenquotient (Material 3);
-
Landflucht (Material 2, UBW) und wachsende räumliche Disparitäten: steigender Anteil städtischer Bevölkerung (Material 3) durch bessere Jobperspektiven in Ballungsräumen, ein Großteil der Präfekturen Japans verzeichnet einen negativen Binnenmigrationssaldo (Material 2).
Mögliches Fazit:
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zeigt sich ein etwas verlangsamtes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig weiterhin hohem sozioökonomischen Entwicklungsstand. Zukünftig steht infrage, inwiefern Japan aufgrund des Arbeitskräftemangels eine hohe Innovations- und Wirtschaftskraft erhalten kann.
Argumente auf der Sachebene für die Zuwanderung als Strategie gegen den Arbeitskräftemangel:
-
Aufgrund der immer weiter zunehmenden Überalterung (Material 3) wird der Fachkräftemangel in Japan bestehen bleiben, neue Arbeitskräfte zum Erhalt der Wirtschaftskraft sind in diversen Branchen (Material 4) sowie allen Regionen Japans zwingend nötig;
-
aktuell steigende Zahl von Arbeitsmigranten (Material 6) kann zukünftig einen größeren Beitrag zur Wirtschaft Japans leisten, ebenso die Öffnung von Arbeitsvisa für weitere Branchen (Material 5);
-
Möglichkeit in schrumpfenden ländlichen Räumen, wie z.B. im Norden Honshus (Material 1, Material 2), die Wirtschaft und das Leben der Bevölkerung vor Ort aufrecht zu erhalten (z. B. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und im Einzelhandel);
-
aktuell höchste Zuwachsraten in Präfekturen wie Hokkaido und Miyazaki (Material 4), die besonders überaltern, von Abwanderung geprägt (Material 1, Material 2) und deshalb als Regionen besonders auf Arbeitskräfte angewiesen sind;
-
Zuwanderer in touristisch geprägten ländlichen Räumen (z. B. Yamanashi) stellen eine Bereicherung durch Sprache und Arbeitskraft dar (Material 4), Tourismus als Entwicklungsfaktor für periphere Räume (UBW) mit hohem Arbeitskräftebedarf (v. a. Geringverdienende);
-
Zuwanderung von Fachkräften und internationalen Studierenden (Material 6) wahrscheinlich in die Zentren Japans wie Tokyo, die noch einen positiven Bevölkerungssaldo verzeichnen (Material 1, Material 2) und so die Chance haben, international wettbewerbsfähig zu bleiben und die Innovationskraft zu erhalten.
Argumente auf der Sachebene bezüglich der Schwierigkeiten und Grenzen der Zuwanderung:
-
insgesamt geringe Zuwanderung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (Material 3, Material 6) sowie viele temporäre Aufenthaltsgenehmigungen, die das Problem kaum lösen können;
-
große räumliche Disparitäten und schrumpfende periphere Räume (Material 1, Material 2) machen die Zuwanderung für hochqualifizierte Fachkräfte in Räume abseits der Zentren wenig attraktiv;
-
Vorsicht gegenüber Einwanderern (Material 5) führt zu einer wenig ausgeprägten Willkommenskultur, die dazu führen kann, dass Zuwanderer sich langfristig nicht wohl fühlen und Japan wieder verlassen; Konfliktpotential vor allem in ländlichen Räumen mit wenigen Einwohnern;
-
geringer Einfluss auf bestehend niedrige Geburtenraten (Material 3), die ein Grundproblem darstellen, was zu einer anhaltenden Schrumpfung der Bevölkerung in allen Regionen Japans führen wird;
-
Zuwanderung in periphere Räume (wie Gunma) teils an die (Automobil-)Industrie geknüpft (Material 4), in der es wahrscheinlich zukünftig eine noch stärkere Automatisierung von Arbeitsprozessen geben wird (UBW);
-
starker Zuwachs an internationalen Studierenden (Material 6), die sich nur temporär in Japan befinden und überwiegend an Universitätsstandorten wie Tokyo (Atlas) bleiben;
-
Arbeitsvisa-Programm (Material 5) zielt nur auf eine temporäre Einwanderung (Material 6), fehlende Perspektive auf eine dauerhafte Integration, die vor allem in ländlichen Räumen nötig wäre, um eine weitere Schrumpfung zu verhindern.
Mögliches Sachurteil:
Aufgrund der anhaltenden Überalterung in ganz Japan sowie der Wanderungsbewegungen in große Ballungsräume ist eine Lösung für den akuten Arbeitskräftemangel in Japan zum Erhalt der Wirtschaftskraft zwingend nötig. Zuwanderung kann nicht nur in städtischen Ballungszentren, sondern vor allem in peripheren Räumen einen Teil dazu beitragen, das Leben und die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Einschränkend sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass die aktuellen Migrationszahlen und die Migrationsstruktur nicht ausreichend sind, um den Arbeitskräftemangel zu beheben, und ihn lediglich abmildern können.