Aufgabe I
Thema: Wechselwirkungen des europäischen Imperialismus
(Rahmenthema 2 mit Übergriff auf Rahmenthema 1)
Aufgaben
Fasse das Material nach einer quellenkritischen Einleitung zusammen.
Ordne das Material in seinen historischen Zusammenhang ein.
Erläutere unter Berücksichtigung des Materials die Ursachen der russischen Revolution von 1905.
Nimm Stellung zu den Ausführungen des Verfassers.
Material
„Besteht eine gelbe Gefahr?“, Broschüre des deutschen Offiziers Wichard von Wilamowitz-Moellendorff (1871–1916), 1905 [Auszüge]
Der Verfasser war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Leutnant im ostasiatischen Reiterregiment. Er hatte am China-Feldzug 1900/01 teilgenommen. Er reagiert mit seinem Text auf die Broschüre „Die gelbe Gefahr“ (1900, 2. Aufl. 1904) eines Kolonialschriftstellers.
1militärischer Sieg, der sich im weiteren Verlauf als Niederlage herausstellt
2Schlacht zwischen Japan und Russland am Fluss Yalu an der Grenze zwischen Korea und China
3Herrscher der Mongolen, die im 13. Jahrhundert ein Imperium errichteten, das von China bis nach Osteuropa reichte. „Die Mongolen“ ist ursprünglich ein Sammelbegriff für die Vereinigung mehrerer Volksstämme, die überwiegend aus dem Gebiet der heutigen Mongolei stammten, unter einem Anführer.
4Kuroki Tamemoto (1844–1923), japanischer General
Fundort:[Wichard Hugo Henning] Graf v. Wilamowitz-Moellendorff: Besteht eine gelbe Gefahr?, Potsdam 1905, S. I, III–IV, 1–4, 11, 80–82.
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Die quellenkritische Einleitung macht insbesondere Angaben zum Verfasser (deutscher Offizier, Teilnehmer am Boxerkrieg 1900/01), zur Materialart (subjektiver Kommentar in Broschürenform, öffentlich), Zeitpunkt der Veröffentlichung (1905, während des Russisch-Japanischen Krieges) und trifft Aussagen zur Intention (Zurückweisung der Vorstellung vom Aufstieg Ostasiens als Bedrohung für Europa, Anerkennung der Leistung Japans, Warnung vor Russland als Konkurrent).
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gegenwärtiger Konflikt zwischen Japan und Russland als Teil eines länger andauernden Kampfes um die Hegemonie in Ostasien
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Verbindung zwischen Japan und China als wahrscheinliches Zukunftsszenario
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Kontroverse um die daraus abgeleitete Behauptung einer „gelben Gefahr“ für Europa
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militärische Erfolge Japans gegen Russland als Ergebnis einer Modernisierung nach westlichem Vorbild
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Japans Erfolg als Ermutigung für ganz Asien, sich gegen die imperialistischen Mächte erfolgreich wehren zu können
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„Recht des Stärkeren“ als Grundlage jeder Kolonialpolitik
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Aufstieg Japans zur Großmacht daher einerseits eine Herausforderung für den westlichen Kolonialismus
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andererseits Stärke Ostasiens keine direkte Gefährdung Europas, sondern wünschenswertes Gegengewicht zu Russland
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Erwartung eines europäischen Krieges mit Russland um die europäische Hegemonie; ein starkes Japan mit China in diesem Fall wichtige Bündnispartner gegen Russland
Das Material steht im engeren Sinne im Kontext der politischen Diskussion in Deutschland über die angebliche „gelbe Gefahr“, die von einem erstarkten Ostasien ausgehe. Der Russisch-Japanische Krieg 1904/05 bildet den zeitgenössischen Hintergrund (vgl. Z. 1). Im weiteren Sinne stehen die Ausführungen im Zusammenhang mit dem Vordringen der imperialistischen Mächte in Ostasien und den sich daraus ergebenden Folgen.
Mögliche inhaltliche Aspekte:
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Modernisierung in Japan seit ca. 1860 (vgl. Z. 32–38)
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erzwungene Öffnung Japans durch USA 1854 (vgl. Z. 32–34)
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Meiji-Restauration
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technologische Modernisierung nach westlichem Vorbild (vgl. Z. 28–36)
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neu erlangter Großmachtstatus (vgl. Z. 22–24, 59–62)
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Überlegenheit gegenüber China (vgl. Z. 39 f., 70 f.), gescheiterte Reformbemühungen in China als Grund für Vorrang Japans
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Russisch-Japanischer Krieg (vgl. Z. 1–12, 22–32)
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Erfolge Japans als Hinweis auf Rückständigkeit des zaristischen Russland um 1900
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Revolution von 1905 in Russland durch Kriegsverlauf begünstigt
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Kolonialpolitik der imperialistischen Mächte in Asien
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europäisches Überlegenheitsdenken (vgl. z. B. Z. 47–50)
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Sozialdarwinismus (vgl. Z. 55–58) und Einsatz militärischer Gewalt zur Durchsetzung von Interessen (vgl. Z. 18 f.): Boxerkrieg in China
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Profitstreben (vgl. Z. 49–52), z. B. Opiumkriege, ungleiche Verträge, Pachtgebiete in China
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Zivilisationsgedanke (vgl. Z. 52–54), z. B. christliche Mission und Eisenbahnbau in China
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Diskussion um die „gelbe Gefahr“ (vgl. Z. 14–18, 59–66) als Rückwirkung imperialistischer Politik in Ostasien
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Konkurrenz zwischen den imperialistischen Mächten (vgl. Z. 74–81), Imperialismus und Weltmachtpolitik als Ursachen des Ersten Weltkriegs
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Der russische Misserfolg im Russisch-Japanischen Krieg sollte ausgehend vom Material als ein Faktor für den Ausbruch der Revolution von 1905 erläutert werden. In Verbindung damit ist auf weitere Krisenfaktoren des zaristischen Russland einzugehen.
Mögliche inhaltliche Aspekte:
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Krieg gegen Japan (vgl. Z. 1 f.) als Ablenkung von innenpolitischen Problemen des zaristischen Russland
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extreme Ungleichheit in russischer Gesellschaft
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Korruption und ineffiziente Verwaltung
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gescheiterte Modernisierung (auch im Vergleich zu Japan):
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geringe Wirksamkeit staatlich verordneter Reformen („Große Reformen“ nach russischer Niederlage im Krimkrieg)
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Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 verbesserte Lage der bäuerlichen Bevölkerung kaum.
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verspätete und wenig nachhaltige Industrialisierung
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Bevölkerungswachstum ohne nennenswerte Produktivitätssteigerung
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Anwachsen und Radikalisierung der Opposition gegen den Zarismus in der zweiten Hälfte des 19. Jh. (z. B. Narodniki, Anarchisten)
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Entstehen einer revolutionären Bewegung aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Missstände (z. B. Sozialrevolutionäre, Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei/Menschewiki und Bolschewiki)
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Krieg gegen Japan verstärkt wirtschaftliche Krise, Nahrungsmittelknappheit und Inflation und damit die Not insbesondere der Arbeiter und Bauern (vgl. Z. 5 f.).
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Misserfolge (vgl. z. B. Z. 22–25, 36–38) und Niederlage Russlands gegen Japan offenbaren tatsächliche Schwäche Russlands.
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Ansehensverlust des Zaren und seiner Regierung verschärft die innenpolitische Krise; Verblassen des Zarenmythos.
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Anwendung staatlicher Gewalt gegen Demonstrierende (z. B. „Blutsonntag“ als Auslöser der Revolution von 1905 noch während des Krieges gegen Japan) führt zu Mobilisierung und Radikalisierung der Bevölkerung.
Mögliche inhaltliche Aspekte:
Eine kritische Auseinandersetzung sollte die Zeitgebundenheit der Sichtweise berücksichtigen. Sie könnte sich auf die folgenden Aspekte beziehen:
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sozialdarwinistische Sichtweise des Verfassers (vgl. Z. 56–58)
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Rechtfertigung des Imperialismus und der damit verbundenen Ausbeutung (vgl. z. B. Z. 55–57)
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rassistisches Gedankengut und Sprache des Verfassers (vgl. z. B. Z. 47–50, 67, 78)
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Möglichkeit der „Japanisierung“ Chinas (vgl. Z. 70)
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Idee einer „gelben Gefahr“ (vgl. Z. 14 f., 63 f.)
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Gegensätze zwischen Kulturen („Slawen“, „Germanen“, „Mongolen“, vgl. Z. 67, 75–76)
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Russland als Gefahr, Unausweichlichkeit eines Konflikts mit Russland (vgl. Z. 74–79), ggf. mit Blick auf den Ersten Weltkrieg: Auseinandersetzung mit konfliktbegünstigender Funktion deterministischer Kriegserwartung
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Einbeziehung von Theorien zu Kulturkontakt und Kulturkonflikt